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9.000 € in 60 Minuten.
Gestern Feiertag und trotzdem Handel. Tatsächlich habe ich nicht gehandelt. Aber natürlich habe ich zugesehen, mir meine Gedanken gemacht. Ein paar Mal war ich kurz davor, Deere zurückzukaufen oder auch Fanuc. BMW steigt weiter leicht. Doch wieder einsteigen? Es ist ermüdend. Das muss ich zugeben.
Und an diesem Freitagmorgen nun, direkt nachdem ich aufwachte, fragte ich mich, ob es tatsächlich eine gute Entscheidung sei, momentan nichts zu tun. Der Markt, the market, das Superbrain, ist gut drauf. Vor allem, was KI angeht. Ich habe schon so viel verpasst. Adobe ist vom Moment, in dem ich kaufen wollte und es nicht tat, 25% gestiegen, Tesla nachdem ich einen schmalen Gewinn realisiert hatte, mittlerweile über 30%. Von Cloudflare, DigitalOcean und Exact Science spreche ich lieber nicht. Es ist zu schmerzvoll. Aber soll ich nun deshalb schmollen, mit den Händen im Schoß?!
Ich liege noch im Bett, als ich denke: Kauf die beiden KI-ETFs, die du schon wochenlang beobachtest (L&G und GlobalX), außerdem den Japan-Equity-ETF, den du bereits hattest und der dir bereits einen Gewinn eingebracht hat. Und dann kam mir, relativ aus dem Nichts, noch eine Einzelaktie in den Sinn: Deutsche Börse. Die verfolge ich auch schon länger, ohne großes Herzklopfen. In den letzten Wochen ist sie 15 % gefallen, grundsätzlich aber ein solider Wert mit guter Perspektive mit guter Dividende. Eine Aktie, vor der ich wenig Angst habe, die ich mir vorstellen kann, länger zu halten, vergleichbar mit Johnson & Johnson, mit der ich nach einigen Anlaufschwierigkeiten aktuell übrigens leicht im Plus bin.
Ganz beherzt, ohne Angst – diese Momente gibt es auch, und ich frage mich jedes Mal wie das überhaupt sein kann – greife ich zu. In die beiden KI-ETFs investiere ich insgesamt 4.000, in Japan 3.000 und ich dazu kaufe ich 12 Aktien der Deutschen Börse für rund 2.000. Die Orders gebe ich ruhig ein, ohne zitterige Hände, eine nach der anderen. Japan bei Just Trade, der Rest bei ZERO. Das Ganze im Zeitraum von einer Stunde. Ich tue es mit Überzeugung, wo auch immer ich die hernehme und wie lange auch immer sie anhalten wird.
Und wer aufgrund der Überschrift nun glaubte, es hätte sich um eine Gewinnquote gehandelt, ist auf einen Clickbait hineingefallen, wie Finfluencer ihn grundsätzlich verwenden. Auch die, die sich selbst für seriös erklären, machen es häufig so. Aber klar, es sind ja niemals nie Kaufempfehlungen, von denen sie in ihrem Podcasts reden, sondern „nur Ideen“. Die Ideen landen dann in Podcasts wie „Alles auf Aktien“ in Sätzen wie: „Cybersecurity könnt ihr euch auch in Form eines ETF ins Depot packen, z.B. von Wisdom Tree.“ Konkrete Produktwerbung. Was für eine tägliche Verarsche.
Apropos Johnson & Johnson:
Diese Woche habe ich 8,23 Euro Dividende erhalten.
Sie schütten viermal im Jahr aus. -
Vorsätze für die Tonne.
Solange ich diese Grund-Angst in mir trage, mir mit jedem neuen Kauf womöglich wieder ein Eigentor zu schießen, werde ich versuchen, erstmal Ruhe einkehren zu lassen, in meinen Depots und vor allem: in mir. Das Starren auf Kurse hat in den vergangenen Wochen wieder viel zu viel Raum in meinem Leben eingenommen. Mir den Schlaf geraubt. So faszinierend, lehrreich und zugegebenermaßen auch hochgradig unterhaltsam das alles ist, so viel Energie, Zeit und Nerven kostet es mich. Markus Koch sagt im Trailer zu seinem YouTube-Kanal, die Börse sei „wie ein Roman, der in Echtzeit geschrieben wird…“ Und das trifft es. Für mich ist sie so etwas wie meine Lieblings-Netflix-Serie geworden. „Me and the market.“ Und im Gegensatz zu Serien, die irgendwann enden, gibt es nicht einmal ein Staffelfinale.
Einerseits bereicherte mich die Beschäftigung mit Wallstreet & Co., macht mich klüger und über die Welt informierter. Andererseits… na ja, ist es oft der pure Stress. Ob unterm Strich das Negative oder das Positive überwiegt, variiert. Und das sehr stark. Je nach Börsenphase und eigener Stimmungslage.
Angst habe ich unterschwellig irgendwie immer. Wenn die Kurse steigen, habe ich Angst, die Gewinne wieder wegschmelzen zu sehen und gerate täglich unter Druck, sie rechtzeitig mitzunehmen. Wenn es an der Börse insgesamt gut läuft, aber die Kurse der von mir gewählten Papiere sinken, während andere grün und grüner werden, bin ich frustriert, weil ich mich für die „falschen Aktien“ entschieden habe. Wenn ich eine Postion verkauft habe, treibt es mich zur Verzweiflung, wenn die Kurse anschließend weiter steigen – oder ich bei der Erholung einer Aktie zusehen muss, die ich mit Verlust rausgeschmissen habe. Jüngstes Beispiel: Neste. (Ja, Neste, nicht Nestlé.) Selten traue ich mich in einem düsteren Moment zu kaufen, also wenn der Markt aus welchem Grund auch immer Panik schiebt, wenn Kurse so weit unten sind, dass sie eigentlich nur wieder steigen können. Genau bei diesen Kauf-Chancen verharre ich in Schockstarre, getrieben von der Furcht, es könne noch viel, viel weiter runter gehen. Oder nie mehr hoch. Wenn dann kurz darauf das Gegenteil der Fall ist, sehe ich der Erholung zu, wie sie täglich rasant in Dunkelgrün stattfindet, ohne einzusteigen, weil ich dem Aufschwung nicht traue. In diesen Phasen hoffe ich jeden Tag, dass die Erholung endlich aufhört, obwohl das meine vorhandenen Aktien mit runterziehen würde. Letzteres ist mir dann lieber, als die Tatsache, dass ich bei Neukäufen nicht dabei bin. Ich gebe zu, dass sich das idiotisch anhört.
Egal, wie es läuft: Ich habe ich das Gefühl, zu versagen. Und wenn es mal läuft in meinen Depots und ich tatsächlich kleine Gewinne realisiere, wiegt die Freude darüber, den Frust selten auf. Ich denke mir dann sowas wie: Was sind die mickrigen Gewinne im Gegensatz dazu, dass ich verpasst habe, Tesla bei 160 Euro zu kaufen, die seitdem über 30% gestiegen sind, was bei meiner Position beinahe 1.000 Euro gewesen wären. (Gerade wieder passiert.)Nicht gut, das alles, für die Seele, so insgesamt…
Um erstmal nicht mehr hinzuschauen, habe ich meine Watchlist bei Lang & Schwarz vorhin komplett gelöscht. Ehrlich gesagt sind es zwei, eine bei Safari, eine bei Google Chrome, eine mit 175 Werten, die andere mit der engeren Auswahl von 50 Werten. Jeden Nachmittag auf rot-grün blinkende Balken zu starren, ist total gaga. Und macht gaga. Ich hoffe, dass ich bis auf Weiteres Ruhe finde, indem ich laufen lasse, was ich noch habe, nichts Neues anrühre und mich vom täglichen Wahnsinn halbwegs fern halte.
P.S. (20.15) Noch am Nachmittag dieses Eintrags habe ich die Watchlisten erneut befüllt. Und über Wiederkauf von Bank of Amerika, Paypal und den Japan-Equitiy-ETF nachgedacht. Es muss Sucht sein. Ist es eine Sucht? Wahrscheinlich ja. Ich kann es jedenfalls nicht lassen…
P.P.S.: (21:30) Am Abend habe aus dem finanzen.netZERO Depot allerhand Verkäufe getätigt und damit rund 300 Euro (nach Steuern) gut gemacht. Irgendwann dachte ich: Heute ist ein Tag für Gewinnmitnahmen. BMW Vz., Deere, FMC Corp., Metaverse-ETF, Clean Energy ETF, Fanuc. Nebenbei 5.000 Euro an Kapital aus dem Markt geholt. (Gerettet?) Immer wieder interessant, aber auch erschreckend, zu erleben, dass meine Vorsätze bereits im Moment ihres Entstehens Makulatur sind.
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Lückenmut war gestern.
Das gute Zureden, die Füße stillzuhalten und das Beste zu hoffen, hat nur einen Tag gehalten. Als ich morgens auf dem Rad saß und im Alles-auf-Aktien-Podcast von Siltronics Rauswurf aus dem MDax erfahren habe, dachte ich „Scheiße“. So viel ich weiß, fliegt die Aktie nach so einem Downgrade zügig aus den MDax-ETFs und wer weiß wo noch überall raus. Dazu wahrscheinlich erstmal in Ungnade. Ich begann über die anderen Aktien aus meinem neu etablierten „Trading-Depot“ nachzudenken. Bank of America, PayPal, wer weiß, wohin sich die Finanzwerte entwickeln. Ich habe keine Ahnung. Die Intension dieser Käufe war: gefallene Engel einsammeln. Aber bringt’s das? Im Grunde habe ich keine Ahnung von den Aktien und schon oft genug dabei zugesehen, wie Engel immer weiter fallen. Da brauche ich nur in mein Schrott-Depot zu blicken: Varta. Ich habe die Aktie bei 30 Euro gekauft im Gedanken, weiter runter kann es nicht mehr gehen. Leider hat sie sich inzwischen nochmal halbiert.
Während der Arbeit habe ich dann noch ein bisschen hin und her überlegt. Es ist, wie es ist: Niemand weiß, wie es weitergeht. Die einen reden vom bevorstehenden „Squeeze nach oben“ wegen der vielen Short-Positionen im Markt, die anderen rechnen täglich mit dem Funken, der den längst erwarteten Abverkauf auslösen wird. Ich weiß nicht, was ich glauben soll, aber ich weiß, dass ich es nicht aushalte, wenn ich mich mit dem „Trading-Depot“ und der damit verbunden Selbstüberschätzung in rote Zahlen manövriere. Morgens vor neun gab es die Möglichkeit, alles zu liquidieren und damit sogar den Verlust auszugleichen, den ich mit Neste bereits eingefahren hatte. Ich habe gezögert, ich habe gehadert, aber letztendlich hat die Gewissheit gesiegt, dass mir das Depot mit den aktuellen Kandidaten keine Ruhe lassen und den Schlaf rauben würde. Schließlich habe ich innerhalb von zwei Minuten alles verkauft. Ich bin mit 5000 Euro gestartet und stehe nun bei 5001,77. Es ist nicht passiert. 1,77 Gewinn, was will ich mehr?! Tschakka!Die 13.000 Euro, die derzeit bei finanzen.netZERO investiert sind, lasse ich stehen. Seltsamerweise halte ich das aus. Es muss daran liegen, dass ich dort Aktien versammelt habe, von denen ich auf verschiedene Weisen überzeugt bin, die nicht nur als Mittel zum Zweck dienen sollen. Solche Feststellungen über meine Gefühlslagen werden mir hoffentlich helfen, einen entspannteren Umgang mit der Börse zu entwickeln. Ich wollte, um mein Leben wieder entspannter leben zu können, schon oft aufgeben, aber noch habe ich die Hoffnung, einen Weg für mich zu finden. Eine Life-Investing-Balance, die mir Renditen ermöglicht, ohne dass ich mich seelisch und mental fix und fertig mache, körperliche Beschwerden inklusive.
P.S. Mit Berkshire Hathaway bin ich 100 Euro im Plus. Zum ersten Mal in meinen Börsenleben. Und es juckt mich nicht sofort in den Fingern, die Aktie, die ewig im Verlust lief, nun endlich loszuwerden. Jedenfalls nicht zwanghaft oder übereilt. Auch irgendwie ein gutes Zeichen.
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Verlustangststörung vs. Lückenmut.
Erstmals seit ewigen Zeiten schaue ich in meinen Depots auf grüne Zahlen oder zumindest auf Zahlen, die weniger Rot sind. Und bekomme eine Höllenangst. Denn seitdem ich an der Börse aktiv bin, war das häufig der Moment, indem sich die Stimmung dreht. Manchmal weil, aber manchmal auch ohne dass etwas Maßgebliches passiert ist. In vielen Fällen bin ich nicht rechtzeitig rausgegangen, habe in den kommenden Tagen meine Gewinne schrumpfen sehen und gehofft, dass es wieder bergauf geht, bis ich auf großen Verlusten saß, die ich dann nicht mehr realisieren wollte. Was zu dem Effekt geführt hat, dass ich beim nächsten Mal, wenn es wieder nach oben ging, viel zu früh reißaus genommen habe und mich mit kleinen Gewinnen oder meist sogar kleinen Verlusten zufrieden gegeben habe, nur um raus zu sein.
Wie oft in der Vergangenheit habe ich aufgrund meiner negativen Erfahrungen beim kleinsten Anzeichen eines Abwärtsschwungs Aktien neutral verkauft, sprich auf die Weise, dass ich Verluste mit Gewinnen ausgeglichen habe, nur, um mein Kapital zu sichern. In manchen Fällten hatte ich zuvor in den absoluten Tiefs zugekauft und bin dadurch bei Erholungen die gesamte Position losgeworden, was ich mir als Leistung anrechne. Coinbase beispielsweise bin ich heilfroh auf diese Weise losgeworden zu sein. Und so eiere ich seit 18 Monaten hin und her, vor und zurück.Tief im Innersten habe ich kein Vertrauen in den Markt. Was sicher auch an der Marktphase liegt, die nicht einmal die ältesten Hasen verstehen. Manchmal frage ich mich, wie ich das in den Griff kriegen soll, wie ich diese Angst los werde, aber genauso frage ich mich, ob es überhaupt hilfreich ist. Vielleicht ist die Angst ja berechtigt, da der nächste Absturz kommt, wenn die aktuelle KI-Tech-Bubble 2.0 platzt. Big Tech und der KI-Hype, verbunden mit der nachlassenden Inflation und guten Unternehmensergebnissen, sorgen für gute Stimmung in vielen Sektoren. Sogar die Smal Caps ziehen allmählich mit. Aktuell ist sogar Berkshire Hathaway in meinem Depot rund 1,3% im Plus. Ich stehe mit der eigentlich stabilen und als moderat aufwärts wandernden Buffet-Aktie erstmals auf der Gewinnseite, zwar nur mit rund 80 Euro, aber hey, irgendwann letztes Jahr waren es 20% Minus.
Wenn ich sehe, dass Berkshire grün ist, muss mich beherrschen, meine 20 Anteile nicht zu verkaufen, weniger um den Gewinn mitzunehmen, sondern um die rund 6000 Euro zu sichern. Schon irgendwie traurig, dass das stets mein erste Gedanke ist. Aber auch klar. Denn mein Mantra für 2023 war ja eigentlich: Loswerden, was geht. Nur bin ich mir unsicher, ob das tatsächlich der richtige Weg ist.
Mein größter Wunsch aktuell wäre: Vorübergehend alles loslassen, zur Ruhe kommen und irgendwann von vorne anfangen. Neu denken. Die alten Erfahrungen abstreifen.
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Alles grün.
Depots in Grün, ein seltenes Bild, für mich beinahe surreal. Es fühlt sich gut an, aber auch bedrohlich. Denn bislang war eine Dominanz grüner Zahlen jedes Mal der Anfang vom Ende. Na, ja. Für den Moment möchte ich es noch genießen. Zumindest in bei Just Trade und ZERO. Denn bei S-Broker und smartbroker bin ich von solchen Anblicken noch sehr weit entfernt. Ich wittere die Gefahr der Illusion und doch kann ich mich nicht erwehren, mich ihr hinzugeben.


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Mai, einmal Rückfall und zurück.
May is over. Ich bin noch da. And not away. Was war ich zwischendurch stolz auf mich. Februar, März, April. Keine Panikverkäufe, wenn der Markt rot dreht. Keine Gierkäufe, wenn Chancen sich auftun. Wochenlang hatte ich die Füße stillgehalten. Kleinere Positionen in Colgate-Palmolive und Johnson & Johnson etabliert. Währenddessen Depotwechsel beantragt, um in einem Schottdepot bei smartbroker (weniger negativ, das „Techlabor“ genannt, sämtliche Fehlkäufe abzulagern, in der Hoffnung, sie mögen eines Tages, in vielen Jahren, wenigstens dazu führen, dass ich 0:0 aus der Nummer rauskomme. Momentan liege ich bei 10.000 über 50% im Minus. Kann sich jeder ausrechnen, was das in Euro bedeutet.
Nach Colgate und Johnson kaufte ich Fanuc (1000) und Xylem (1000), letztere als letzten Baustein für das Techlabor (Schrottdepot), das mit dieser letzten Position auf 10.000 Euro Gesamt(kauf)wert gedeckelt ist. Kurz darauf kam Activision Blizzard dazu, die meiner Einschätzung nach wegen einer Übernahmeunsicherheit bezüglich Microsoft übertrieben abgestraft worden waren, dazu FMC, die ebenfalls nach Quartalszahlen günstig schienen, außerdem die erste 500-Euro-Trance eines Metaverse ETF, den ich schon länger beobachte und den auch mein Sohn bespart. Alle Transaktionen würde ich der Kategorie „Vernunftkäufe“ zuordnen. Ich habe sie unaufgeregt getätigt und mich über die anschließende Schwankung – natürlich zunächst nach unten – nicht aufgeregt.
Irgendwann ging es dann wieder mit mir durch… Während die Märkte stiegen und stiegen, scannte ich täglich meine verpassten Chancen bei Cloudflare, Datadog, Exact Science, Block & Co., also den Aktien, die seit einem Jahr Berg und Tal fahren, die ich alle schon mehrfach besaß und meist froh war, sie ohne (oder mit geringem) Verlust wieder loszuwerden. Weil ich (fast) jedes Mal verpasst habe, sie im Plus zu verkaufen. Momentan gehen sie wieder durch die Decke. Ein Beispiel: Cloudflare hatte ich mich Mitte Mai bei 38 Euro nicht getraut zu kaufen, sie stehen jetzt bei rund 60 Euro. Bei Adobe griff ich bei 309 nicht zu, sie liegen inzwischen bei knapp 400 Euro. Immer wieder zum Kotzen sowas.
Während ich im Laufe des Mai die steigenden Kurse beobachtete, konnte ich nicht mehr an mich halten. Rückfall ins alte Muster: Ich kaufte und verkaufte. Dabei sein wollen, nicht dabei sein wollen. Ich etablierte im Rausch sogar das Depot bei Just Trade, über das ich seit Monaten als eine Art „Day-Trading-Place“ nachgedacht hatte. Ich kaufte Tapestry, BMW Vz. (zweimal hin und her), einen CybersecurityETF, Neste (Energie, auch alternative, aus Finnland), Tesla (zum hundertsten Mal), Pay Pal (zweimal hin und her). Ich kaufte, bekam Angst, machte einen Rückzieher. Nun stehen 70 Euro Verlust bei Just Trade, aber ich habe auch kleine Gewinne mitgenommen (leider wie so oft früher als es sich gelohnt hätte). Pay Pal läuft noch, bislang im Minus. Die ganzen Aktionen haben mich unheimlich viel Nerven gekostet. Die bekannten Ängste und Vorwürfe haben mich regelrecht gelähmt und dazu geführt, dass ich mich regelrecht krank gefühlt habe. Ich kenne das ja schon. Einzig das Self-Bashing hatte ich besser im Griff, weil ich versucht habe, mein Verhalten zu verstehen, anstatt mir nur die Fails unter die Nase zu reiben. Mein Frust ist nach wie vor hauptsächlich darauf ausgerichtet, mich für eine verpasste Gelegenheit fertig zu machen. Entgangene Gewinne machen mich fertig.Über Pfingsten habe ich dann wieder Abstand bekommen, indem ich darüber nachgedacht habe, wie ich meine Depots noch besser sortieren kann, um sie zu „deckeln“. Beispielsweise möchte ich die 20 x Berkshire ins S Broker Depot (Buy&Hold) umziehen, um sie endlich ganz loszulassen und nicht mehr darüber nachzudenken, die Aktien eventuell doch zu verkaufen. Ein paar Nachkäufe für das Buy&Hold-Depot habe ich ebenfalls geplant: Daimler Trucks und Carl Zeiss Meditec. Außerdem die Idee Johnson dorthin zu transferieren, gemeinsam mit einer neu zu etablierenden Position Deere, die allmählich wieder günstig sind.
Während ich diese kleine Geschichte des Rückfalls in den Suchtmodus erzähle, rasten die Tech- und Chipwerte weiter aus, so wie in den vergangenen Wochen täglich. Bis auf einen moderaten Rücksetzer über ein, zwei Tage geht es hoch und höher. Nvidia an der Spitze. Ich bin nicht dabei, gucke zu, ärgere mich, zugegeben, bin aber wieder halbwegs im Reinen. Gestern habe ich die erste Trance eines CleanEnergyETF (nicht der berühmte iShares, sondern HanETF) etabliert, einfach mal so, weil der Sektor so schlecht läuft, dass er nur besser laufen kann. Ja, ja, geile Logik. Aber, hey, ich bin bald soweit, mich von gar keiner Meinung mehr leiten zu lassen, nicht mal mehr meiner eigenen. Einfach beobachten und auf gut Glück was kaufen oder weil man gerade Lust hat oder die Intuition es aufdrängt. Unabhängig von dem tagtäglichen Rauf-und Runter-Gelaber, den Vor- und Zurück-Erklärungen, den bull- oder bearischen Voraussagen. Ich habe den Eindruck: Es ist alles für die Katz. Einfach machen.
P.S. Auf gut Glück, aus Lust und weil ich wissen will, ob eine Aktie, in die ich etwas zu spät einsteige, endlich mal weiter steigt oder direkt den Bach runtergeht., habe ich Siltronic gekauft. Ich wollte das schon, als sie bei 68 stand, verpasst habe ich 15% Upside und bezahlt habe ich nun knapp unter 80. Gleich nach Kauf erstmal 1% runter. We’ll see. Cross Fingers.
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Self Bashing Bias.
Während ich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von Zweifeln, Selbstvorwürfen und dem Gefühl von Unfähigkeit niedergedrückt wurde, weil ich meine „Börsenperformance“ als falsch und dumm einstufte, habe ich nun wieder meinen Frieden damit geschlossen. Meine Vorwürfe sind ungerecht. Anstatt mich fertig zu machen, könnte ich es auch wohlwollend interpretieren: Ich habe mich vergaloppiert und es wieder ausgebügelt, ohne mich reinzureißen, ohne mir neue Verluste an den Hals zu hängen, sondern im Gegenteil mit kleinem Plus dazustehen. Wie so oft sind es die entgangenen Gewinne, die mich am meisten fertig machen. Sofern das so bleibt, werde ich wohl nie einen entspannten Umgang mit Aktien finden können.
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Realisieren von irgendwas.
Seit gestern gibt’s eine Abwärts-Tendenz. Sofort habe ich Angst. Wie oft habe ich das schon erlebt, auf einmal ist da der Punkt, an dem man den Ausstieg verpasst. Obwohl sich die Lage nach dem Bankenbeben stabilisiert hat, bin ich sofort in Alarmstellung, wenn es zwei Tage nacheinander runtergeht. Deshalb entscheide ich mich, Gewinne mitzunehmen. Ich verkaufe zwar nicht mehr am vorgestrigen Hoch, aber immer noch gut im Plus. Ich will nicht riskieren, wieder einmal dabei zusehen zu müssen, wie sich meine Gewinne in Luft auflösen. Rund 300 Euro mache ich gut, immerhin. Und darüberhinaus habe ich mein Kapital aus dem Markt „gerettet“. Was mir ein großes Bedürfnis ist, immer und immer wieder. Obwohl ich mit dieser angstgetriebenen „Strategie“ wahrscheinlich dauerhaft im Klein-Klein kleben bleiben werde. Nach solchen Verkaufen fühle ich mich wohl, wenigstens für den kurzen Moment, erst recht, wenn es anschließend noch weiter runter geht. Das Erfolgserlebnis ist rückblickend selten von Dauer uns schlägt bei wieder anziehenden Kursen ins Gegenteil um. Egal, jetzt ist es so und 300 Euro sind 300 Euro, für mich ein Brutto-Wochenverdienst. Das ist ja das Verrückteste an meinem Börsenalltag, dass er beim Umgang mit Geld mit meinem echten Leben nicht das Geringste zu tun hat, sogar in einem Unverhältnis steht, wie es krasser kaum möglich wäre.
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Diagnose: Börsengrippe.
Wow. Es ist wieder soweit. Es geht mir richtig beschissen, sogar körperlich.
Ich habe es nämlich tatsächlich getan: 5000 Euro aufs „Trading Depot“ überwiesen und Positionen in Tesla, Neste und PayPal etabliert. Ganz mutig und entschlossen. Natürlich wie immer, gibt es gleich eins auf die Fresse. Gleich am nächsten Tag steht unterm Strich ein Minus von fast 4%. Entsprechend hat der Mut mich gleich verlassen. Neste steigt ab, Pay Pal stagniert, Tesla leicht hoch, ohne den Neste-Fail ausgleichen zu können. Der Markt bestraft mich. So empfinde ich es jedenfalls. Vermutlich will er mir ein Zeichen geben, wie schwachsinnig die ganze Idee vom Traden ist. Was bilde ich mir eigentlich ein? Halte ich mich tatsächlich für eine Art Trüffelschwein?? Denke ich, ich könne besser sein als die Profis? Traue ich mir allen Ernstes zu, den Markt zu schlagen? Meine ich es ernst, solche Erwartungen an mich und The Market zu stellen. Oh my God! Wie krank muss man sein?Ich fühle mich tatsächlich so, als sei ich krank.
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Verdaddelte Tage.
So wie ich früher bei Facebook meine Zeit verbrannte, verbrenne ich sie in dieser Phase meines Lebens an der Börse. Den ganzen Tag beobachte ich Kurse, höre stundenlang die aktuellen Podcasts, lese Artikel, mache mir Gedanken über neue Käufe und Verkäufe, über Sparpläne, die ich aufsetzen könnte, über alternative Anlage wie Anleihen, Gold oder Geldmarktfonds. Berieselung von morgens bis abends mit Informationen von außen und Gedanken von innen. Die Idee vom Trading-Depot lodert wieder auf. Vor einiger Zeit schon habe ich zu diesem Zweck ein Depot bei Just Trade eingerichtet, wo ich bislang noch nicht aktiv gewesen bin. Sollte ich es wagen? Tesla, Adobe und viele mehr sind momentan zu guten Tarifen zu haben. Und vielleicht wäre ein, wenn auch verspäteter, Einstieg bei den Cloudflares und DigitalOceans dieser Welt ja doch noch lukrativ… Mir schwirrt der Kopf und es juckt mich in den Fingern.