Börse persönlich

  • Recht haben vs. Rechthaberei.

    So sicher sich zum Jahresbeginn zahlreiche Experten waren, das Anlass zur Vorsicht bestehe, und sich die Tiefs vom Oktober 2021 wahrscheinlich wiederholen würden, so sicher wird inzwischen mehrheitlich die Aussicht gehandelt, dass es von dem inzwischen irrationalen Hoch immer noch weiter bergauf ginge. Tja.

    Alle reden vom Momentum, dem sich Anleger nicht entgegenstellen sollten, und vom Markt, der immer Recht hat. Der rechthabende Markt glaubt nicht an weitere Zinserhöhungen, nein, er glaubt sogar an fallende Zinsen noch in diesem Jahr, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Wird die Rechthaberei sich bewahrheiten? Ich wage es zu bezweifeln.

    In mir kommt der Gedanke auf, dass die Vorwürfe, die in den letzten Wochen und Monaten den Bären galten, sie würden nur noch aus Sturheit auf ihre Meinung beharren, bald den Bullen zuteil werden könnten. Womöglich sind es nun umgekehrt sie, die vor lauter wildem Getrampel nicht mehr mitkriegen, dass das Parkett nach wie vor ein Minenfeld ist. Bis eine Bombe hochgeht.

    Und was mache ich daraus? Die Antwort lautet: NICHTS. Mir ist die Lust auf Aktienkäufe vergangen. Und ich will mir die steigenden Kursverläufe nicht mehr mit ansehen. Es frustriert mich zugegebenermaßen, wie viel Gewinn möglich gewesen wäre, der mir durch verfrühte Verkäufe entgangen ist, alleine bei Tesla über 2.000 Euro. Gleichzeitig weiß ich, dass es mir durch mein defensiv-ängstliches Agieren immerhin erspart geblieben ist, auf neuen Buchverlusten zu sitzen. Nichts zu verlieren ging vor.

  • Kontrollverlust? Läuft.

    Na logisch: Zeiss kackt ab, Danahar kackt mit ab.

    Gestern dachte ich noch: adieu Rally, tschö Korrektur, hello Trendwende! Und heute dann nach einem Vormittag roter Zahlen in Europe kommen Wirtschaftsdaten aus den USA, die den Markt erneut nach oben hämmern. Let’s bounce again. Oder nur ein Dead Cat Bounce? Das wird die weitere Woche weisen.

    In der Euphorie, vor allem im Konsum-, Reise und Immobiliensektor sind allerdings einige Einzelwerte heftig abgerutscht, allerhand Werte aus dem Health-Care-Sektor. Wahrscheinlich wieder ein Sippenhaft-Effekt. Ist dem Feer&Greed-Index egal, der sich weiterhin im Bereich der „Extrem Greed“ herumräkelt.

    Und ich? Hocke auf meinem Carl Zeiss Meditec-Paket, bestehend aus viel zu teuer gekauften 12 Aktien à 166€ aus dem November 2021 und einem mutigen (übermütigen) Nachkauf von 18 Aktien à 107€ Die Aktie ist aktuell auf 95 Euro abgerutscht und ich bin insgesamt mit rund 1000€ von den insgesamt investierten 4000€ Euro im Minus. Tja, so isses. Und weiter!

  • Korrektur oder Trendwende?

    Diese Woche wird die Frage, ob die Reise weiter nach unten geht oder „die Schwäche erneut gekauft wird“, so wie es bislang in diesem Jahr lief, mit hoher Wahrscheinlichkeit beantworten. Ob der Kursverfall der vergangenen „bloß eine Korrektur darstellt“ oder „eine Trendwende eingeleitet hat“, das beschäftigt die Experten. Ich bin froh, dass ich Mittwoch und Freitag mit rund 15.000 und einem (leider nur noch) mageren Gewinn auf vielem raus bin. Ich fühle mich mit dem verbliebenen Portfolio halbwegs wohl und musste mich nicht das ganze Wochenende grämen. Learning! Learning! Learning!

    Viele Einzelwerte habe ich – abgesehen vom gedeckelten Techlabor (Schrottdepot) – nun nicht mehr: Adidas (3000), Berkshire Hathaway (6000), Carl Zeiss Meditec (4000), Daimler Truck (3000), Danaher (2000), Fanuc 1500), Nike (3000). Gesamtwert Kontrollverlust: 22.500 Euro. Aber wenn der Markt in den kommenden Wochen nochmal deutlich runtergeht, würde ich Berkshire, Fanuc und Danaher nachkaufen. Zeiss habe ich bereits aufgestockt. Mir kam der Preis um die 106€ attraktiv vor. Allerdings scheint die Aktie noch weiter nachzugeben. Wieder ein Schuss in den Ofen? Na, mal sehen….

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  • Mind Set Rotation.

    An der Börse ist oft von „Sektor-Rotation“ die Rede. Das sind Phasen, in denen immer mehr Anleger die Ausrichtung ihrer Investments in gleicher Weise ändern.

    „Abwechselnde Bevorzugung der Aktien bestimmter Branchen an der Börse. Wenn die Aktien einer Branche bereits stark gestiegen sind, rücken oft die einer anderen in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses, weil man diesen noch zusätzliches Kurspotential zutraut. Auch politische Entwicklungen und Veränderungen des Zinsniveaus können eine Sektor-Rotation auslösen.“

    Comdirect Finanzwissen

    Momentan sieht es so aus, als würde nach den vom KI-Hype getriebenen Wochen der Techwerte wieder ein Schwenk in die sogenannten defensiven Werte stattfinden. Aber ausgemacht ist die Sache noch nicht. Denn die Unternehmen aus dem Bereich „Consumer Staples“, also Markenartikler wie Unilever, Colgate, Coca Cola, L’Oreal, Mondelez & Co., die in den vergangenen Wochen die Preise für Lebensmittel, Pflege- und Hygieneprodukte lustig anheben konnten, um die Umsätze zu bewahren oder gar zu steigern, könnten mittlerweile an der Belastungsgrenze der Händler und Endverbraucher angekommen sein. Mir erscheinen diese Werte damit genauso wenig als sichere Bank zu taugen wie die Banken selbst, die momentan ziemlich abkacken.

    Aber es ist wie es immer ist: Ich weiß, das ich nichts weiß.
    Und nicht nur ich, alle, auch wenn Journalisten und Finfluencer trotzdem so tun.

    Während ich also nicht weiß, wohin der Markt rotiert und ob überhaupt, kann ich an mir eine Mind Set Rotation klar erkennen. In den vergangenen Wochen ist es mir gelungen, einen psychologischen Bias zu knacken. Es gelingt mir nämlich neuerdings zu verkaufen, bevor es zu spät ist. Und das, weil ich einen derben Fehler in meinem Denkmuster entlarvt habe.

    Bislang ist es mir in Phasen der Euphorie regelmäßig folgendermaßen passiert: Am Peak (von dem man in dem Moment noch nicht weiß, dass er es ist) habe ich auf Gewinne geschaut, die oft ganz gut waren, in der Erwartung, so würde es weitergehen. Befeuert wurde die Hoffnung von den zunehmend positiven Einschätzungen der sogenannten Experten. Als sich der Wind dann drehte, meist innerhalb kürzester Zeit, sah ich dabei zu, wie die Gewinne sich von einem Tag auf den nächsten kontinuierlich reduzierten, zum Teil rasant. Der Frust, nicht rechtzeitig verkauft zu haben, machte mich nicht nur wütend, sondern lähmte mich regelrecht und hielt mich davon ab, die Aktien wenigstens mit dem geschrumpften, aber immerhin noch(!) verbliebenen(!) Gewinn loszuschlagen. Der Bias, dem ich erlag, bestand darin, zu hoffen, der Markt würde am jeweils nächsten Tag wieder in die Aufwärtsbewegung kommen. Was ja durchaus möglich ist, aber eben nur eine Hoffnung war. Mehrfach kam es dann so, dass die Kurse sich weiter nach unten bewegten, ich nicht nur ins Minus rutschte, sondern die Buchverluste wuchsen und wuchsen. Der Eintritt in den zweistelligen Bereich war dann stets der Moment, in dem ich mich entschied, das Debakel notgedrungen auszusitzen, eher aus Verzweiflung als aus Überzeugung. Es hat zwar häufig geklappt, dass Kurse wieder stiegen und ich eine zweite Chance zum Ausstieg bekam, aber in die Situation des Aussitzens möchte ich nur noch mit Aktien kommen, die ich aus Überzeugung halte und nicht bei denen, die ich als kurzfristige Spekulation ins Depot gelegt habe.

    Neuerdings gelingt es mir, den geschrumpften Gewinn zu realisieren. Immerhin! Mein oberstes Gebot lautet: Risk off und Kapitalerhalt. Auch auf die Gefahr hin, dass mir Gewinne entgehen, wenn der Markt nach dem Verkauf doch wieder steigt. Was ich nach wie vor schwer ertrage. Zusehen, wie Aktien steigen, die ich gerade noch hatte, ist schmerzhaft.

    Nach meinem großen Ausverkauf am Mittwoch habe ich mich heute vom Japan-ETF getrennt. Die neu entfachten Zinssorgen in den USA belasten nämlich auch die asiatischen Märkte, der Nikkei heute dunkelrot. Blöd, dass ich gestern für 1000 Euro Fanuc re-buyed habe, die dann heute Morgen beinahe 4% im Minus waren. Da ich an den japanischen Roboter-Giganten jedoch glaube, habe ich in die Schwäche hinein gekauft, 16 Anteile für rund 500€, und wenn der Kurs noch weiter fällt, kaufe ich nochmal. Auch, wenn Japan sich nach der starken Rally seit Jahresanfang vorerst rückläufig bewegen sollte, was kein Wunder wäre und ich beim Einstieg bereits befürchtet hatte, so glaube ich doch stark an Fanuc. Roboter werden unsere Welt in Zukunft nicht mehr nur in Fabriken bestimmen. Eine Freundin erzählte neulich von einem Restaurantbesuch, wo ein Roboter die Getränke an den Tisch brachte. Und das in dörflicher Gegend. Soviel dazu.

    Außer Fanuc habe ich noch Carl Zeiss Medical und Daimler Trucks aufgestockt. Zwei meiner Werte aus dem Buy&Hold-Depot bei S Broker, das ich auch gerne „die Ursuppe“ nenne. Weiterhin im Depot bleibt Danaher, während ich mich von Merck und Johnson & Johnson getrennt habe. Danaher ist heute gestiegen. Die Trucks übrigens auch. Und Zeiss hat sich zumindest nicht nennenswerte weiter reduziert. Insgesamt bin ich an diesem roten Tag tatsächlich mit meiner Performance sehr zufrieden, vor allem psychologisch.

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  • Hokus Pokus Expertos.

    Börse ist Feeling.
    Börse ist Kunst.

    Michael Mross

    Da sagste nix mehr! Feeling und Kunst, das ist die Börse. Kein Wunder bin ich süchtig geworden. Die überschwängliche Aussage stammt von einem der unzähligen Vertreter der Spezies Börsen-Experten und ist genauso eine Übertreibung wie vieles, das behauptet und kolportiert wird. So viel Spekulationsmüll Tag für Tag. Müll, für den nicht mal jemand weg machen muss. Weil er eine Halbwertzeit von manchmal nur wenigen Stunden hat. Die Aussagen verflüchtigt sich von selbst. Und mir geht für den Podcast-Output allmächlich die Begeisterung und noch mehr das Vertrauen flöten.

    Michael Mross ist eine Neuentdeckung aus den Juni. Er ist mir bei einem Podcast von Carola Ferstl, die ich ebenfalls erst kürzlich entdeckt habe, über den Weg gelaufen. Dort war er eingeladen, um seine Aktien-Favoriten und Allgemeines zum Stand der Dinge zum Besten zu geben. Ich erinnere mich nur daran, dass sein Auftritt inhaltlich wenig gehaltvoll war. Kamera an und einfach drauf los plappern. Sowohl er als auch Frau Ferstl erscheinen mir nach dem ersten Eindruck sehr oberflächlich und damit wenig vertrauenserweckend, obwohl beide jahrzehntelang für namhafte Sender und Börsen-Formate gearbeitet haben. Ferstl nutzt ihren YouTube-Kanal vor allem, um ein Manuskript mit dem Titel „Der Börsen EQ“ zu launchen, was sie wiederholt in jedem einzelnen Stream tut. Ich habe mir das Werk bestellt, besser gesagt den kostenlosen Download-Link angefordert, und werde damit meinen Eindruck erweitern und den Kanal weiter beobachten. Bin gespannt, ob die kostenfreie Gabe auf irgendetwas abzielt.

  • Einzelwerte raus.

    Gerade noch verbreiten Finfluencer die große Zuversicht, geht der Börse die Luft aus und die Kurse nehmen einen Schlenker nach unten. Das ganze Gequatsche! Manche Kanäle kann ich immer weniger ertragen, allen voran Mario Lochner, gefolgt von Lars Erichsen. Beide wollen im Endeffekt die Follower in ihre Anlegerclubs lotsen, beide geben toxische Ratschläge, die natürlich keine Anlageempfehlung sind. Is klar. Deffner & Zschäpitz habe ich längst abbestellt, genauso wie Mission Money, Echtgeld.tv und allmählich gehen mir sogar die Doppelgänger auf die Nerven.

    Aber zurück zum eigentlichen Punkt: die Kurse laufen zurück. Ich befürchte, dass meine Gewinne weiter abschmelzen. Es bleibt, wie es ist: Mir fehlt die Zuversicht. Die Erlebnisse meiner mit 18 Monaten noch eher jungen Börsenkarriere sind von der permanenten Angst vor dem nächsten Einbruch geprägt. In der verhältnismäßig kurzen Zeitspanne habe ich viele davon erlebt, immer wieder saß ich auf hohen Buchverlusten. Es gab zwar regelmäßig Phasen der Erholung, aber die Angst in mir dominiert. Also entscheide ich kurzerhand: Alles muss raus.

    Bye, bye Deutsche Börse, Johnson & Johnson, Tractor Supply, Unilever, Merck und KI-ETFs. Leider muss ich einen Teil meines Gewinns opfern, um den Merck-Verlust auszugleichen, aber das ist es mir wert. Keine der Aktien liegt mir wirklich am Herzen. Ich möchte einfach nur Ruhe in meinem Herzen. Ein kleines Plus bleibt.

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  • Einzelwerte sind kacke.

    Etwas eleganter ausgedrückt hat es Robert Halver von der Baader Bank vor einiger Zeit im Handelsblatt Today-Podcast. Er sagte: „Einzelwerte bedeuten Kontrollverlust.“ Wie wahr!

    Es fucked mich total ab: Weil Sartorius heute eine Gewinnwarnung rausgehauen hat, gehen zwei meiner Aktien, nämlich Merck und Danahar, gleich mit den Berg runter. Sippenhaft im Health Care-Sektor. Jedesmal derselbe Scheiß. Der Kontrollverlust hat viele Gesichter. Beide Unternehmen rund 5% runter. Wegen Satorius. Gerechtfertigt oder nicht ist der Kack-Börse egal. Johnson & Johnson ist nicht ganz so schlimm betroffen, kann ja noch kommen.

    Das Verlustrisiko bei Einzelwerten kenne ich bestens. Auf der anderen Seite habe ich auch schon von einzelnen Werten profitiert. Es hat sich ingesamt aber eher nicht ausgezahlt, meist nur gegenseitig ausgeglichen. Was stets die Frage aufwirft: Wozu eigentlich Einzelwerte? Nur, weil es mir Spaß macht? Nur, weil ich es sterbenslangweilig finde, ausschließlich in ETFs zu investieren?

    Apropos langweilig: Deutschland und Europa sind an diesem Tag vorwiegend hellrot unterwegs und von der Wall Street sind keine Impulse zu erwarten, denn in den USA ist Feiertag und die Börse geschlossen.

    Es ist wieder einer von den Tagen, an denen mir der ganze Scheiß auf die Nerven geht. Das ganze oberschlaue Gerede in den Podcasts, wo wir stehen, was als nächstes ansteht, wohin die Reise gehen könnte. Die einen sagen rauf, die anderen sagen runter. Alle Argumente haben ein Fundament, keine Sau weiß was kommt. Allmählich kann ich die Disclaimer kaum noch ertragen, das Geschwafel, es handele sich „nicht um Anlageempfehlungen“, während diese zuweilen doch ganz klar formuliert werden. Mario Lochner beispielsweise mit seinen toxischen „Empfehlungen“, aber auch in einem möchte-gern-seriös daherkommenden Podcast wie „Alles auf Aktien“ von der Welt. „Wir packen euch die WKNs von X und Y in die Show Notes“, heißt es da jedes Mal. Was bitte stellt das dar, außer einer Empfehlung?!

    Was soll’s. Ich habe mir mein Spielzeug vergangene Woche weggenommen, bin jetzt – ausgenommen der 30.000€ auf dem Trade Republic-Verrechnungskonto – komplett investiert, sprich mit rund 70.000€. Viel zu hoch schon wieder, eigentlich. Und trotzdem denke ich unentwegt über weitere Kaufchancen nach. Crazy. Andere suchten Serien, ich Kurse.

    Am Wochenende habe ich über PayPal, einen späten Adobe-Einstieg, Rebuys von Fanuc und BMW sowie über einen Einstieg bei Wasser-ETFs nachgedacht und recherchiert. Aber ich hadere. Bei Adobe ist es wahrscheinlich bei rund 450 zu spät und dass ich bei 310 Euro nicht rein bin, kann ich nicht wieder gut machen. Außerdem möchte ich lieber gar nicht erst anfangen, die Trade Republic-Kohle auch noch in Richtung Markt zu schieben. Das Geld, also known as „Dry Powder“ liegt da gut und verlustfrei bei 2% Zinsen.

    Manchmal überlege ich, ob ich die Berkshire-Position vielleicht doch auflöse. Kleiner Gewinn, aber 6.400€ befreit. Die könnte ich dann neu anlegen, in Wasser-ETFs beispielsweise, aber bringt’s das? Ach, ich weiß nicht. Und deshalb halte ich die Füße still. Wenn ich Berkshire nicht flüssig mache und das mit der Trockenen-Pulver-Reserve bei Trade Republic ernst nehme, ist mein Geld jetzt ohnehin alle.

    Ich bin genervt, vom Markt, von mir selbst, schwanke zwischen „Alles weg“ und „Einfach laufen lassen“. Für die „Alles-weg-Variante“ wäre letzten Freitagmittag der richtige Moment gewesen. Den habe ich verpasst. Angeblich kann das Momentum den Markt weiter nach oben treiben. Angeblich könnte es einen neuer Bullenmarkt sein. Angeblich wird er noch viel mehr Institutionelle in sich hinein saugen. So dröhnt es aus den meisten Podcasts derzeit. Und wer weiß, vielleicht läuft es nach dem heutigen Knick morgen tatsächlich wieder grün.

    Wie auch immer. Heute ist kein Tag zu handeln. Es ist schwül, warm, ich bin hundemüde, unmotiviert. Ein Kacktag eben, mit oder ohne Einzelwerte.

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  • 7.000€ in 2 Tagen.

    Outsmarting accomplished. Ich hab’s getan. Ich habe mich selbst ausgetrickst.

    Meine restlichen 7.000 Euro flüssiges Geld sind im Markt. Merck (2000), Unilever (2000), Danaher (2000) und ein Zukauf Tractor Supply (1000). Die Verrechnungskonten bei den aktiven Brokern sind somit geräumt – und das beinahe auf den Euro genau. Denn bei Just Trade hatte ich eine Limit-Order so eingegeben, dass 9 Anteile Danaher für das Rest-Budget gerade so zu erwerben waren. Und, oh Wunder, es hat funktioniert, der Kurs ging runter, die Order wurde ausgelöst, und dann wieder rauf. Manchmal hat man Glück.

    Während momentan das Geld der Welt nach wie vor wie blöd in (US-)Tech-Werte fließt – sogar Nvidia wird bis zum Erbrechen weiter gekauft – habe ich mich für defensive Sektoren entschieden: Konsum und Pharma/Biotech, in English: Consumer Staples und Health Care. Leider habe ich es Tesla und Adobe verkackt, bin aber in Sachen KI mit zwei ETFs wenigstens ein bisschen dabei, jedenfalls hoffe ich, dass wenigstens diese kleine Rechnung aufgeht.

    Mal sehen, was wird. Bullen und Bären sind sich nach wie vor uneinig über den Fortgang der Dinge. Der Feer & Greed-Index brummt bei 83. Dort heißt es: „Extrem Greed is driving the US-Market.“ Unheimlich, finde ich. Das kann schnell nach hinten losgehen. Muss aber nicht.

    Ich fühle mich ganz wohl mit meinen Langweiler-Invests und kann mir vorstellen, in der nächsten Frustwelle, die Werte allesamt zum S Broker zu shiften und ruhen zu lassen. Vor totalem Wertverlust muss ich wohl keine Angst haben. Es sind allesamt gute Buy&Holder.

    Fakt ist: Mein Geld ist „weg“. Vielleicht finde ich nun Frieden.

    Bis auf weiteres.

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  • Outsmart myself.

    Sonntag. Ruhetag. In meinem Kopf natürlich nicht. Da ist die Börse an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden geöffnet. Zumindest fühlt es sich so an: Always on.

    Das muss sich ändern, ich weiß. Meine neueste Idee, ohne Garantie auf Umsetzbarkeit und Halbwertzeit: Mich selbst überlisten. Oder auch: Outsmart myself. Dass auf Englisch der Begriff „smart“ auftaucht, gefällt mir, zumal ich das bei der deutschen Wortkreation gar nicht im Sinn hatte. Ich, das Dumme Geld, goes Smart, wenn auch nur Outsmart. I like it.

    Wie soll das funktionieren? Ich muss einen Status schaffen, der Ruhe einkehren lässt, der keine permanente Betrachtung provoziert. Ich brauche einen Status zum Loslassen, einen Status-Quo für die kommenden Wochen oder Monate oder noch besser bis zum Ende des Jahres. In zwei Depots ist mir das ja schon gelungen.

    Beispiel 1 (smartbroker): Das Techlabor, auch als Schrottdepot bekannt. Dort sind die Glücksritter von gestern nach Depotüberträgen von anderen Brokern mittlerweile in einem Pool versammelt: Curevac, Fiverr, Hello Fresh, Varta, Sunpower und nicht zu vergessen die bereits kalte Leiche namens Atmofizer. Kaufwert waren 8.000 Euro. Ich habe das Depot mit zwei neuen Hoffnungsträgern angereichert, Tomra und Xylem, so die 10.000 voll gemacht und seitdem ist der Deckel drauf. Die Hoffnung ist, dass sich die Werte eines Tages zumindest gegenseitig neutralisieren und der Verlust von derzeit 45%, sprich 4.500 Euro sich ausgleicht.

    Beispiel 2 (S Broker): Die Ursuppe, von mir auch als Buy & Hold-Depot deklariert. Dort liegen Aktien (7.000) und ETFs (20.000) der ersten Stunde. Insgesamt hatte ich dort einmal 65.000 Euro investiert. In den verschiedenen Abschwüngen habe ich etappenweise die Hälfte des Kapitals ans „sichere Ufer“ gebracht, ohne große Verluste zu erleiden. Im Nachhinein hätte ich das besser gelassen. Aktien wie L’Oreal, SAP oder der Halbleiter-ETF hätten inzwischen eine schöne Erholung hinter sich. Aber na ja, die Lage war 2022 und auch 2023 (Bankenbeben) oft genug unvorhersehbar, es hätte gut und gerne richtig bergab gehen können – und nun ist es, wie es ist. Ich habe Verluste realisiert, wo heute Gewinne stehen würden, aber wenigstens sind die Verluste überschaubar. Mein Plan für das Depot ist mit Zukäufen bei Daimler Trucks und Carl Zeiss à je 500€ (die bereits beim finanzen.netZERO liegen) und einem Re-Invest in Merck (2000€) das Depot auf 30.000 zu runden und dann ruhen zu lassen.

    Die Finger lassen könnte ich, glaube ich, auch vom Scalable Depot. Dort liegen 15 Berkshire Hathaway Aktien im Wert von 6.100€ und 1.500€ in Bitcoin, außerdem eine kleine Position im iShares MSCI World (bislang 350€), eine Art Sammeltopf für Dividendengewinne.

    Zusammengenommen sind das rund 48.000 Euro.

    Nach der Aktion „9.000 in 60 Minuten“ steht der Free Cash auf den Verrechnungskonten aktuell bei rund 7.000€. Würde ich diese Summe noch investieren und mir verbieten an die 30.000 Dry Powder-Reserve zu gehen, die mit 2% verzinst bei Trade Republic liegen, könnte ich mich selbst zur Ruhe zwingen. Outsmart myself accomplished.

  • Investing Hangover.

    Schon einen Tag später zweifele ich meine Investments an. Musste das wirklich sein? 9000 Euro in 60 Minuten einfach mal so investieren. Wie realistisch ist es, dass KI weiter nach oben geht? Ist eine Korrektur nicht viel wahrscheinlicher? Und Japan. Japan ist seit Februar 10% gestiegen. Ist die Zuversicht berechtigt, dass da noch Luft nach oben ist? Ich stelle diese Fragen und bin mir sicher, sie würden eine skeptische und eine optimistische Antwort finden, je nachdem, welchen Experten man fragt. Oder von mir aus welche der seltenen Expertinnen. Nebenbei bemerkt, im Börsen-News-Porn machen Frauen einen Anteil von unter 10% aus.

    Es ist gestern nicht schlecht gelaufen, mehr oder weniger stabil mit leichtem Plus und nur einem kleinen Minus bei Japan. Und doch kriecht gleich wieder die Angst in mir hoch, die Angst, falsch zu liegen, die große, fiese Versagensangst, die Angst vor neuen Verlusten. Die Angst davor, dass just, wenn ich einsteige, das Pendel umschwingt. Weil alles schon viel zu gut gelaufen ist, es so unmöglich weiter gehen kann. Blablabla. Sie quält mich, die Angst, raubt meine Zuversicht. Und wäre das nicht kontraproduktiv genug, werfe ich mir fortwährend die verpassten Gelegenheit bei Tesla und Adobe vor. Es wäre so einfach gewesen, ein paar hundert Euro „zu machen“, hätte ich nur im Moment zugegriffen, als ich darüber nachdachte. Statt dessen nun wieder neue Risiken mit neuen Invests.

    Was zur Hölle ist bloß mit mir los!? Ich drehe mich im Kreis. Es wird immer schlimmer.

    Die einzige Kaufentscheidung, die ich nicht gleich wieder hinterfrage, ist die Deutsche Börse.

    Letzteres ist eine interessante Feststellung. Wahrscheinlich ist der einzige Weg der Besserung (wenn es den überhaupt gibt) Klarheit über meine „Gesamt-Stimmungs-vs.-Gemengelage“ zu gewinnen. (Das wäre mal ein wirklich lohnender Gewinn!!!) Woher kommen die Ängste bei den einen Entscheidungen – und woher die Entspanntheit an anderer Stelle? Je mehr ich über meine eigenen Gedankengänge herausfinde, desto eher gelingt es mir hoffentlich, einen auf meine geistige Gesundheit zugeschnittenen Umgang mit der Börse zu entwickeln. Denn lassen will ich es nicht, bloß den Junkie-Anteil loswerden.

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