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Voll druff again!
Wahnsinn. Ich muss es mir eingestehen: Der Rückfall ist da. Gedanken an die Börse, rund um die Uhr. Was gerade abgeht, was ich tun soll, wie ich profitieren kann, wie ich endlich dabei bin bei den schnellen Gewinnen… Ich kann mich kaum auf etwas anderes konzentrieren. Bislang (zum Glück…) ohne selbst zu handeln. Bloß wie lange noch?
Es gibt kaum jemanden, mit dem ich über die Börse reden kann. Einmal die Woche beim Dinner mit meinem Sohn wenigstens über Allgemeines, über meine Gefühle allerdings weniger.
Mein Freund will gar nichts mehr von Aktien wissen, mit ihm kann ich nicht reden, schon gar nicht über die Suchtkomponente. Was mir ihm gegenüber ehrlich gesagt ohnehin schwer fällt. Sobald ich in der Richtung etwas erzähle, winkt er ab und entgegnet mit einem halb genervt, halb vorwurfsvollen Ton, ich solle es einfach endlich sein lassen mit der Börse.
Selbst hat er letztes Jahr viel Geld in den Sand gesetzt, weil er im Hoch zum Jahreswechsel 21/22 gierig gekauft hat, um dabei zu sein, unter anderem hohe Beträge auf spekulative Werte gesetzt hat, und dann im Tech-Crash Anfang des Jahres und im Ukraine-Crash im Februar durch Panikverkäufe erhebliche Verluste realisiert hat. Angetrieben von „Extreme Feer“ gingen innerhalb weniger Minuten große Beträge in Rauch auf. Bereits in der 2000er Dot-Com-Bubble hat er Geld verloren. Vor anderthalb Jahren nun der zweite Versuch – und abermals gescheitert. Es ist verständlich, dass er von Aktien nichts mehr wissen will
Wenn ich anfange, etwas von meinen Aktivitäten zu erzählen, ganz sachlich, so als erzähle ich von der Arbeit, geht er kaum darauf ein und wenn ich gestehe, dass es mir mit diesem oder jenem Invest schlecht geht, bügelt er mich ab, wie eingangs bereits erwähnt, nach dem Motto: Warum machst du immer weiter, wenn es dich doch bloß runterzieht? (Das frage ich mich oft natürlich selbst.) Weiter findet er: Die Börse sei doch allgemein Scheiße, bringe nichts, schon gar nicht momentan, da es wieder Zinsen gibt und das ganz ohne Risiko.
Aufhören. Als ob das so einfach wäre! Und wäre es denn wirklich sinnvoll? Die Börse übt eine Faszination auf mich auf, wie schon lange nichts mehr. Ich lerne jeden Tag dazu, mikro, makro, noch nie habe ich mich so für Wirtschaft, Unternehmen und Geopolitik interessiert. In den Kapitalmärkten bildet sich die ganze Welt ab. Und die Entwicklungen verfolge ich Tag für Tag. Die Börse umtreibt mich mit allem drum und dran. Ich will diese neue Leidenschaft, die ungeplant in mein Leben getreten ist, und mich unerwartet erfüllt, nicht aufgeben. Die Börse bewegt und vitalisiert mich. Fakt ist jedoch: Ich muss einen Weg im Umgang finden, mit den negativen Gefühlen umzugehen, anders handeln, bedachter und weniger risikoreich, und die alltäglichen Schwankungen und den ganzen Lärm nicht so nah an mich heranlassen. Leichter gesagt als getan, ist klar. Aber das Ganze komplett sein zu lassen, wäre die falsche Konsequenz.
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Gelobter Himmelfahrtshandel.
Mittwoch vor dem Feiertag. Der kein börsenfreier Tag sein wird. Warum an den meisten Feiertagen in Deutschland trotzdem gehandelt wird? Damit sich die Germans mit ihren tausend Feiertagen gegenüber der Wall Street nicht benachteiligt fühlen? Damit das Dumme Geld an Feiertagen keine Langeweile schieben muss? Oder nur, weil die Handelsplätzen Kohle machen wollen… Ein paar Fakten dazu, die mir durchaus plausibel erscheinen:
https://www.onvista.de/news/2023/06-07-sinn-und-unsinn-des-feiertagshandels-19-26141845Bei mir selbst bemerke ich Begeisterung über den florierenden Handel, fast schon Erleichterung darüber, dass die Börse nicht zu hat. What the fuck is wrong with me? Feiertags-FOMO, obwohl ich gar nicht vorhabe, selbst etwas zu kaufen oder verkaufen, es nichts für mich zu tun gibt. Aber zugucken will ich, erleben, was die Wall Street veranstaltet. Ein Tag ohne blinkende rot-grüne Balken scheint inzwischen eine Art Entzugserscheinungen hervorzurufen. Die Wochenenden ohne Kursbewegungen (abgesehen von etwas müdem Samstagmorgen- und Sonntagabendhandel) sind schon langweilig genug. Überspitzt gesagt. Aber ist es wirklich eine Überspitzung?!
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Was Markus noch sagt. Und ich tue.
Okay, erstmal sage ich was… Nämlich, dass ich irgendwie fertig bin.
Eine Woche Pause, die habe ich gebraucht. Ich war in Berlin, einfach nur so, habe nur wenig Börse „gemacht“ und mich statt dessen ohne konkrete Pläne durch die Stadt treiben lassen. Dabei habe ich BikeSharing entdeckt. NextBike. Very easy to handle. NextBike wurde von Tier geschluckt, dem Berliner Start-Up mit IPO-Ambitionen, von dem im Doppelgänger-Podcast manchmal die Rede ist. Die Tier-Räder sind extrem hässlich, für meinen Geschmack. Das aber nur nebenbei. Die Börse ist eben überall. Die Pause war gut. Und ich werde sie noch ein bisschen verlängern. Es ist nichts Schlimmes passiert. Im Gegenteil: Ich bin momentan nicht im Krieg mit dem Markt. Er nervt, war aber in den letzten Wochen recht gnädig zu mir. Klar, das kann sich morgen schon ändern.
Aber nun lasse ich Markus zu Wort kommen… Ein paar Zitate aus seinem YouTube-Stream, den er außer der Reihe am Freitag aufgenommen. Titel: „Gedankenaustausch vor dem Wochenende / Ein Gespräch mit euch“.
„Da hat man eine Stunde recht und die nächste halbe Stunde wieder unrecht.“
„Was soll ich machen? Jammern hilft ja nicht. Man muss auch dieses Marktumfeld navigieren. Der Markt ist der Markt. Nur Cash gehen und am Pool liegen ist ja auch langweilig.“
Markus Koch im YouTube-Stream Special vom 12.05.
„Wer von euch in einem Jahr noch mit dabei ist, das ist der absolut harte Kern. Die, die nicht mehr dabei sind, kommen zurück, wenn es wieder besser läuft.“Er verrät im Gespräch mit uns viel über sein eigenes Handeln und spricht ganz offen über die Fehler, die er trotz aller Erfahrung wiederholt begeht. Mehr verrate ich nicht, denn das Video möchte ich jeder und jedem ans Herz legen:
https://www.youtube.com/watch?v=57tcn104eJ0Augenscheinlich ist Markus genauso genervt wie ich (und alle Anleger all over the world) von dieser Marktphase. Obwohl er, im Gegensatz zu mir wenigstens das Know-How (die Begabung, das Glück) hat, als Daytrader in diesem verrückten Markt gute Gewinne zu erzielen.
Daytrading! Das hat noch nie geklappt. Aber wie soll ich mich aktuell aufstellen? Die Frage verursacht Ratlosigkeit, manchmal schlechten Schlaf. Soll ich weiter an meinem Konzept „Loswerden, was geht“ festhalten? Ohnehin habe ich bereits entgegen dieses Vorsatzes gehandelt. Und derzeit tendiere ich sogar eher dahin, meine Invests step by step wieder auszubauen. Ach, ich weiß nicht…Was ich weiß, ist, dass ich in einem Jahr noch dabei bin!
Zumindest gehe ich stark davon aus. -
Was Markus sagt.
„Ich glaube, dass jeder, der vorgibt, zu wissen, was jetzt genau passiert wird, im Dunkeln steht. Deshalb ist meine Strategie in diesem Jahr vor allem, sehr schnell vorzugehen und gezielt auf Extreme zu reagieren. Das bedeutet, dass ich oft hohe Cash-Bestände halte, vor allem vor Ereignissen, die schwer abschätzbar sind.“
Markus Koch bei „René will Rendite“„Für mich in meiner Karriere eine der schwierigsten Phasen überhaupt, weil man überhaupt nicht mehr durchblickt.“
Markus Koch im Gespräch mit Stefan Breitner (DJE Kapital) -
Skipping the fear.
Die Woche hatte es in sich. Mittwoch die FED. Donnerstag die EZB. Freitag die US-Arbeitsmarktdaten. Während die Zinserhöhungen wie erwartet ausgefallen sind, sowohl in den USA als auch in Europa die Zinsen um 25 Basispunkte erhöht wurden, blieben die Aussagen zu weiteren Erhöhungen vage und der Arbeitsmarkt in Amerika viel stabiler als vorausgesagt. Nebenbei schmierten weitere US-Regionalbanken bedrohlich ab. Und was passierte? Unter dem Strich gar nicht so viel. Zwischendurch gab es starke Schwankungen, aber als dann Donnerstagabend Apple stabile bis gute Zahlen vorlegte, entspannte sich zum Wochenende die Lage und am Freitag war dann richtig Party an der Börse. The Market, der alles weiß und in jeder Sekunde jede auf der Welt gerade verfügbare Information einpreist, der Geschehnisse vorwegnimmt, die Zukunft handelt und immer recht hat… Was will er uns sagen?
Wochenende, die Börsen geschlossen und ich: stolz. Ich habe vergangene Woche dem Verkaufsimpuls widerstanden und den Bounce nach unten ausgehalten, damit den anschließend kräftigen Schwung nach oben mitgenommen, um jetzt am Ende der Woche vergleichsweise gut dazustehen. Es ist mir sehr schwer gefallen, im Moment der roten Zahlen, der leisen Panik im Markt, still zu halten und die Angst, dass ich versage, indem ich jetzt(!) nicht verkaufe, auszuhalten. Sie war wieder da, die Panik (die ich so gut kenne). Die Panik davor, etwas falsch zu machen. Diese Woche habe ich sie besiegt. Ich habe ein Denkmuster durchbrochen, damit ein Gefühl reguliert und anders gehandelt. Es sieht so aus, als lerne ich dazu.
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Aushalten als Challenge.
Gewinnangst. Gibt es das auch?
Der Begriff ist etwas irreführend. Gemeint ist, das Verkaufen von Aktien knapp unter Einstandspreis, nur um sie loszuwerden, getrieben von der Angst, dass es kurz darauf wieder abwärts damit geht und die Chance vertan ist.Es ist 14:30 MEZ. Ich bin mit dem gesamten Zero-Depot nur 1.13 %, in Euro 100, im Minus bei einem Invest von 9000 Euro. Die könnte ich aus dem Markt holen. Jetzt. Die 6000-Euro-Position Berkshire Hathaway bei scalable ist in diesem Moment auch nur 100 Euro im Minus. Das heißt mit 200 Euro Einsatz könnte ich 15.000 Euro aus dem Markt holen. So wie es mein am Jahresanfang ausgerufener Plan vorsieht: „Loswerden, was geht.“ Natürlich steht zu dieser Parole im Widerspruch, dass ich seitdem einige Käufe getätigt habe. Allerdings habe ich alle unter der Maßgabe eines durchdachten Handelns getätigt. Es waren keine Impulskäufe, sondern bedachte Investments mit Krisenfestigkeit und sie waren im Ursprung auf eine längere Haltedauer ausgelegt.
Dennoch: Ein erneuter Abverkauf ist in Anbetracht meiner Grundeinschätzung, dass die Märkte in absehbarer Zeit nochmals deutlich nachgeben werden, eine naheliegende Entscheidung. Die Frage ist nur: Ist jetzt schon der richtige Zeitpunkt? Oder verhagele ich mir Gewinne, die in den kommenden Tagen möglich sein können. So oft schon habe ich voreilig verkauft, anschließend steigende Aktien gesehen und nun überlege ich, ob ich mich, basierend auf dieser mehrmaligen Erfahrung, diesmal gedulden sollte. Zumal es sich überwiegend um defensive Aktien handelt, die womöglich von einer Rückkehr der Verunsicherung in der Safe-Haven-Kategorie sogar profitieren könnten…
Round about 16/17 Uhr. Die Märkte sacken mächtig ab. Alles rot. Aus den 200 Euro im Minus sind 450 geworden. Eine Mischung von schlechten Nachrichten von US-Regionalbanken und Konjunkturdaten ziehen Aktien abwärts, vor allem Tech-Momentum-Werte, aber auch den breiten Markt. Was vormittags so schön aussah in meinem Depot, wird abgegeben, dreht zum Teil ins Minus. Ich spüre die Angst, aber ich gebe ihr nicht nach. Diesmal bleiben meine Finger weg vom Verkaufsknopf. Und sogar im Gegenteil: Ich kaufe FMC Corp., ein Unternehmen der Agrarwirtschaft, das ich schon lange auf der Agenda habe, zu einem Preis, den ich mir mal gesetzt habe. 10 x 104 Euro. Ich kaufe, obwohl ich Angst habe, weil da ein Zutrauen in mir ist, dass es ein guter Preis ist.
Zum Abend beruhigt sich die Lage wieder. Ich bin stolz auf mich. Am Mittag hätte ich Verluste realisiert, die nun schon wieder ausgeglichen sind. Morgen ist FED-Tag, aber ich glaube, dass die Überraschungen im Negativen weniger wahrscheinlich sind als umgekehrt. Meine Aktien (abseits derer im Techlabor, das ich mittlerweile gerne „Leichenschauhaus“ nenne), sind gut gewählt, um in der Krise nicht komplett baden zu gehen. Ich halte das jetzt aus. Punkt.
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Sleepy Germany. Black Box Wall Street.
Erster Mai, Tag der Arbeit und wir in Germany haben frei. Nicht so die Wall Street. Das sind so Tage, an denen man zum Aussetzen verdammt ist, während die Welt alleine weiterspielt. Morgen dann die Überraschung. Ich hoffe, keine böse.
Das verlängerte Wochenende habe ich – ganz im Sinne von André Kostolany – viel über Geld nachgedacht. Über mein Verhältnis zum Geld, über meine Motivation, es anzulegen und über Wege, wie ich dies (trotz der bislang wenig erfolgreichen Unternehmungen) zukünftig weiter tun werde. Gepaart mit meiner vergangene Woche gewonnen Erkenntnis: Nichts ist in Stein gemeißelt. Solange ich noch kein Konzept habe, werde ich akzeptieren, dass ich die Art und Weise erst noch finden muss, mit allen Fails, die damit womöglich noch verbunden sind. Letzterer Gedanke ist für mich eine wahre Erleichterung. Der Prozess wird das Ergebnis bringen. Eine positive Entwicklung ist, dass mein Zutrauen in mich selbst zurückgekehrt ist. Nachdem ich mir vollends abgesprochen hatte, an der Börse jemals etwas Positives erreichen zu können, sage ich mir nun: Warum sollte es mir denn nicht gelingen?!
Gestern habe ich mich nochmals intensiv mit Anleihen beschäftigt und endlich sind ein paar Knoten geplatzt. Ich erwäge, kommende Woche kleinere Summen in Unternehmensanleihen kürzerer Laufzeit zu investieren, im Sinne eines Live-Learning, ob sich diese Anlageklasse praktisch so verhält wie ich sie nun theoretisch verstanden zu haben glaube. Mir schwebt ein Versuch mit BMW Finance, Südzucker und Sowitec vor. Die beiden ersten sind bekannt. Sowitec ist ein deutscher Solar- und Windkraftentwickler, der hohe Zinsen zahlt und ein entsprechendes Risiko birgt.
Vergangene Woche habe ich mich neben Xylem und Fanuc noch weiter rausgetraut und Activision Blizzard gekauft, die nach der vorerst gestoppten Microsoft-Übernahme über 10% gefallen waren, obwohl das Unternehmen genauso gut oder sogar besser dasteht als vor dem angekündigten Deal. Ich denke dabei eher an ein kurz- bis mittelfristiges Engagement.
Insgesamt bleibe ich skeptisch, so wie der Hamburger Fondmanager Jens Ehrhardt, der in einem Podcast neulich sagte: „Es bleibt schwierig. Die Gefahren sind nach wie vor da.“ Er meinte, dass es zu einfach sei, wenn Anleger erwarten, dass der Markt hoch ginge, sobald die Zinsen gesenkt werden. Und er sagte etwas, das ich zuvor noch nie gehört habe, nämlich, dass in der Vergangenheit die Phasen der Zinssenkungen, die oft über ein Jahr hinweg laufen, für Aktien eher schlecht waren und ein nachhaltiger Aufschwung erst nach der allerletzten Senkung eintrat. Kurzfristig jedoch würden in der Phase zwischen dem Zins-Stopp und der ersten Zinssenkung, die meist nur ein paar Monate andauere, Aktien statistisch gesehen gut laufen.
Und noch eine Aussage machte Ehrhardt: Die Geldmenge sei so niedrig wie zuletzt in den 30er Jahren. Ich verstehe den Zusammenhang nicht, aber niedrige Geldmenge scheint ein Negativindikator zu sein. Markus hat diesen Punkt auch häufig schon erwähnt hat. Für mich die Erkenntnis: Es gibt noch verdammt viel herauszufinden!!
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Smartbroker accomplished.
Dritter Tag der neuen Börsenwoche, der letzten Aprilwoche und damit kurz vor Mai, dem Monat, in dem man angeblich alles verkaufen soll. „Sell in May and go away.“ Kein Podcast lässt es derzeit aus, sich mit der alten Börsenweisheit und deren vermeintlicher Trefferquote zu befassen. Für mich ist es erst der zweite Mai meiner „Börsenkarriere“ und ich langweile mich bei dem Thema jetzt schon zu Tode.
Insgesamt ist es ein Dümpeln, das the Market dieser Tage vollführt. Wir befinden uns „in einem Bullenmarkt und einem Bärenmarkt gleichzeitig“, bemerkte gestern Markus sehr treffend, allerdings sei der Bär eher ein Koala und der Bulle eine blinde Kuh. Well said! Okay, ab und zu rumpelt es, wenn Quartalszahlen verlesen werden, aktuell wird beispielsweise Activision Blizzard geschlachtet, aber häufig sind die Ergebnisse auch besser als erwartet und die Lage beruhigt sich ingesamt wieder. Der breite Markt bewegt sich weiterhin träge, wenngleich die Wall Street tendenziell leicht abwärts shippert.
Was mich betrifft, ist geschehen, was ich letzte Woche noch weit entfernt sah: Ich bin wieder ins Handeln gekommen. Soeben habe ich mein Techlabor beim Smartbroker vervollständigt. Nach Tomra, die ich vor rund zwei Wochen ins Depot legte (aktuell 10% im Minus, na klar!) habe ich heute die letzten 928 Euro auf dem Verrechnungskonto für zehn Xylem-Aktien à 92,80 ausgegeben. Die US-Company ist schon lange auf meiner Watchlist und heute Morgen habe ich in dem Gefühl, dass die Märkte fallen werden, eine Limit-Order im Rahmen des zur Verfügung stehenden Guthabens aufgegeben. Now it’s mine. ❤ Xylem ist weltweit führend im Bereich effizienter und nachhaltiger Wassertechnologie, sowohl in Sachen Infrastruktur als auch bei der Entwicklung innovativer Wasserlösungen durch intelligente Technologie. Es ist mein ausgewähltes Invest im Zukunftsfeld Wasser, genau wie SunPower (aktuell minus 30%) meine Investition für das Voranschreiten der Solarindustrie ist. Mit Xylem sind nun 10.000 Euro im Techlabor investiert. Der Plan ist, an diesem Depot nicht mehr zu rütteln und in drei, vier, fünf oder zehn Jahren ein Wunder zu erleben. Eine echte Challenge.
Einen weiteren Neuzugang habe ich mir im Zero-Depot geleistet: Fanuc. ❤ Es ist genau wie Xylem eine der Aktien, die ich by heart besitzen möchte. Ich habe vormals auch mit Kuka geliebäugelt, die leider von Chinesen übernommen wurden. Fanuc und ist ein weiterer großer Player im Robitic-Business weltweit. Und weil die Japaner grundsätzlich als roboterverrückt gelten, setze ich für die Zukunft auf starken Erfindungsreichtum. Die Aktie erschien mir nach einem knapp 5%igen Rückgang (ich glaube, auf Basis des Quartalsberichts) bei 30,22 Euro kaufenswert. Mal schauen, ob sich das wieder einmal rächt… Aber selbst wenn, ich kann mir vorstellen, dass es eine Aktie ist, der ich treu bleibe und nachkaufen werde. Aber auch das ist nicht in Stein gemeißelt.
Ich meißele gar nichts mehr in Stein, schon gar nicht versuche ich, mir eine Strategie selbst aufzudrängen. Vielmehr will ich meine Anlagephilosophie wachsen lassen, sie soll sich sozusagen selbst meißeln und dies im Grundrauschen eines ruhigen, bedachten Agierens. Klar, lauert zwischendurch Rückfall-Gefahr. Da sind immer wieder die Momente, in denen mich die Chance von „10% in one day (or one hour)“ triggert. Datadog lag zur Eröffnung der Wall Street kurzfristig über 10% im Plus. Hätte ich doch bloß… Aber: Nein! Ich kann mich Impulskäufen mittlerweile erwehren. Denn ich weiß, weil ich es am eigenen Leib erfahren habe, dass die „Chance“ eines 10%-Loss genauso hoch ist, wenn nicht am selben Tag, dann kurz darauf oder als scheibchenweiser Niedergang. Und ich lasse es. Inzwischen sogar, ohne mich selbst fertig zu machen, wenn sich die Kaufentscheidung im Nachhinein als richtig, sprich gewinnbringend erwiesen hätte. Vielleicht bin ich tatsächlich auf einem guten Weg! Immerhin ist der Glaube in ein gelingendes Investieren, trotz der unglücklichen Zeit, in die ich geworfen wurde, zurückgekehrt. Und erstmals verteile ich an Aktien sogar Herzchen.
Worauf hätte ich gewettet, hätte ich gewettet?
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Freundlich bis zum Abwinken.
Positiver Wochenausklang, SAP-Quartalszahlen überzeugen, resümiert Onvista am Ende des Tages. So rosig seien die Ergebnisse gar nicht gewesen, meinte Markus in der Opening Bell. Halbwegs okay ist das neue Geil. Gefeiert wird, wenn Erwartungen halbwegs so ausfallen wie ohnehin nicht besonders hoch erwartet. SAP fünf Prozent im Plus. Eine der Aktien, die ich Ende Januar im Aufschwung verkauft habe, im Zuge des Mottos „Loswerden, was geht“, zwar mit Verlust, der aber überschaubar. Klar, im Rückblick kann ich mich nun ärgern, weil ich inzwischen sogar 10% im Plus wäre. Allerdings gab es mir zum damaligen Zeitpunkt ein gutes Gefühl, möglichst viel Geld aus dem manisch-depressiven Markt zurück ans sichere Ufer zu befördern.
Warum auch immer, die Kurse steigen und steigen. Und ich wundere und wundere mich. Ist ja nix Neues. Das Gute ist, dass ich mich nicht mehr jeden Tag darüber ärgere. Interessanter als die Börse war vergangene Woche das echte Leben. Da gab es einen Change of Mind. Genau genommen eine Rückbesinnung. Die Rückbesinnung auf eine Haltung, mit der ich möglichst den Rest meines Lebens verbringen möchte: Living from Day to Day. Leben im Jetzt. Einen Tag nach dem anderen. Ein Leben ohne langfristige Pläne, ohne Erwartungen an andere Menschen. Ein Leben im Einklang mit mir und dem, was sich ereignet. Es gibt immer wieder Phasen, in denen ich kurz davor stehe, mein glückliches Leben im Jetzt zu ruinieren, weil ich es hypothetisch für zukunftsuntauglich erkläre.
Glücklicherweise bin ich wieder raus aus der Nummer. And back to Day to Day-Mode. Für die Börse ist das auch nicht das Schlechteste. Zwar steht beim Aktienhandel stets das Morgen im Fokus und doch können sich Bewertungen von einem auf den anderen Tag ändern, durch Veränderungen der Makro-Umstände oder Entwicklungen innerhalb eines Unternehmens. Da gibt es Meldungen, die eine Aktie binnen Stunden um die Hälfte oder mehr abstürzen lassen oder Übernahmeverkündungen, die das Gegenteil bewirken. Von Black Swan Ereignissen gar nicht zu reden.
So und nun gehe ich ins Wochenende. Ohne die bekloppte Börse mit ihrer nicht enden wollenden Freundlichkeit, die mir gefährlich blauäugig und ekelig verlogen zugleich vorkommt. Wie soll ich wieder ins Handeln kommen, wenn mich mein Gegenüber aka The Market mit seinem falschen Lächeln misstrauisch macht?!