Lückenmut war gestern.

Das gute Zureden, die Füße stillzuhalten und das Beste zu hoffen, hat nur einen Tag gehalten. Als ich morgens auf dem Rad saß und im Alles-auf-Aktien-Podcast von Siltronics Rauswurf aus dem MDax erfahren habe, dachte ich „Scheiße“. So viel ich weiß, fliegt die Aktie nach so einem Downgrade zügig aus den MDax-ETFs und wer weiß wo noch überall raus. Dazu wahrscheinlich erstmal in Ungnade. Ich begann über die anderen Aktien aus meinem neu etablierten „Trading-Depot“ nachzudenken. Bank of America, PayPal, wer weiß, wohin sich die Finanzwerte entwickeln. Ich habe keine Ahnung. Die Intension dieser Käufe war: gefallene Engel einsammeln. Aber bringt’s das? Im Grunde habe ich keine Ahnung von den Aktien und schon oft genug dabei zugesehen, wie Engel immer weiter fallen. Da brauche ich nur in mein Schrott-Depot zu blicken: Varta. Ich habe die Aktie bei 30 Euro gekauft im Gedanken, weiter runter kann es nicht mehr gehen. Leider hat sie sich inzwischen nochmal halbiert.

Während der Arbeit habe ich dann noch ein bisschen hin und her überlegt. Es ist, wie es ist: Niemand weiß, wie es weitergeht. Die einen reden vom bevorstehenden „Squeeze nach oben“ wegen der vielen Short-Positionen im Markt, die anderen rechnen täglich mit dem Funken, der den längst erwarteten Abverkauf auslösen wird. Ich weiß nicht, was ich glauben soll, aber ich weiß, dass ich es nicht aushalte, wenn ich mich mit dem „Trading-Depot“ und der damit verbunden Selbstüberschätzung in rote Zahlen manövriere. Morgens vor neun gab es die Möglichkeit, alles zu liquidieren und damit sogar den Verlust auszugleichen, den ich mit Neste bereits eingefahren hatte. Ich habe gezögert, ich habe gehadert, aber letztendlich hat die Gewissheit gesiegt, dass mir das Depot mit den aktuellen Kandidaten keine Ruhe lassen und den Schlaf rauben würde. Schließlich habe ich innerhalb von zwei Minuten alles verkauft. Ich bin mit 5000 Euro gestartet und stehe nun bei 5001,77. Es ist nicht passiert. 1,77 Gewinn, was will ich mehr?! Tschakka!

Die 13.000 Euro, die derzeit bei finanzen.netZERO investiert sind, lasse ich stehen. Seltsamerweise halte ich das aus. Es muss daran liegen, dass ich dort Aktien versammelt habe, von denen ich auf verschiedene Weisen überzeugt bin, die nicht nur als Mittel zum Zweck dienen sollen. Solche Feststellungen über meine Gefühlslagen werden mir hoffentlich helfen, einen entspannteren Umgang mit der Börse zu entwickeln. Ich wollte, um mein Leben wieder entspannter leben zu können, schon oft aufgeben, aber noch habe ich die Hoffnung, einen Weg für mich zu finden. Eine Life-Investing-Balance, die mir Renditen ermöglicht, ohne dass ich mich seelisch und mental fix und fertig mache, körperliche Beschwerden inklusive.

P.S. Mit Berkshire Hathaway bin ich 100 Euro im Plus. Zum ersten Mal in meinen Börsenleben. Und es juckt mich nicht sofort in den Fingern, die Aktie, die ewig im Verlust lief, nun endlich loszuwerden. Jedenfalls nicht zwanghaft oder übereilt. Auch irgendwie ein gutes Zeichen.

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