Börse persönlich

  • Can’t bull me love.

    „Es gibt nichts, was mehr bullish ist für den Aktienmarkt als steigende Kurse. Das saugt alle anderen mit rein. Vor allem auch die, die die Rally verpasst haben. Und der Markt wird nach oben gefeuert.“

    Markus Koch, Closing Bell, 17.7.23

    Das höre ich nicht zum ersten Mal. Womöglich sollte ich umdenken, in den Markt einsteigen, bevor er mir vollends davon gelaufen ist. Aber ich kann nicht. Das Misstrauen, das sich in den mittlerweile zwanzig Monaten an der Börse in mir aufgebaut hat, ist unüberwindbar.

    Die Frage, ob 2023 noch einen massiven Absturz von 20% oder mehr bereithält, wird momentan verneint, zwar nicht von allen „Experten“ und „Marktbeobachtern“, aber wohl mittlerweile doch von einer Mehrheit. Die Bullen haben sich in den vergangenen Wochen durchgesetzt und sich in Schwächen immer wieder behauptet. „Der Markt“ glaubt an keinen Absturz mehr. Der Markt erhebt sich über sämtliche Risiken, sämtliche Zweifel und Kontra-Indikatoren. Der Markt preist Zinssenkungen ein. Der Markt ist bullish um des Bullish-Seins und nahezu immun gegenüber schlechten Nachrichten, vor allem, was Tech betrifft.

    Angeblich hat er ja immer recht, der Markt, das Superbrain. Der Markt steigt, weil er steigt. Immer mehr Anleger schließen sich dem an. So sagt es Markus, so höre ich es in anderen Podcasts, die erklären wollen, was eigentlich unerklärlich ist.

    Ich könnte mitmachen, mich der Euphorie anschließen, jetzt noch einsteigen nach dem Motto „Können Märkte lügen“, hätte ich nicht eine Höllenangst, dass, der Moment, in dem ICH das tue, der Peak ist. Mal wieder! Ich werde nicht vergessen, wie ich Cloudflare irgendwann mal exakt an so einem Punkt gekauft habe, für 77 Euro, genau am Scheitelpunkt, ab dem es dann bergab ging.

    Der Markt hat solange recht, bis er nicht mehr recht hat. Und dann ändern sich die Dinge, zunächst schleichend, so dass man von einem Tag auf den anderen hofft, dass es nur ein kurzer Rücksetzer ist, den es auszuhalten gilt und auf einmal in rasendem Tempo, schneller als man reagieren kann bzw. reagieren will, denn da sind die Verluste schon zu hoch.

    Na klar, hätte es in den vergangenen Monaten mehrmals gute Einstiegschancen gegeben…. L’Oreal unter 400, Deere bei um die 300, Aktien, die ich zurückhaben will, nur kann ich mich nicht von der Befürchtung befreien, dass es L’Oreal in diesem Jahr nochmal für 300 oder wenigstens 350 zu haben sein könnte und ich, wenn ich jetzt kaufe, früher oder später wieder auf Verlusten hänge.

    Das mehrmals erlebte zu späte Einsteigen noch einmal durchzumachen, wäre für mich schlimmer als die entgangenen Gewinne. Und die sind schon wirklich sehr schlimm. Eine gute Erkenntnis, eigentlich. Erklärt, warum ich tue, was ich tue. Mal sehen, ob mir das hilft, wenn die Kurse noch sonst wo hin steigen.

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  • Maximal frustrierend.

    Das Musterdepot, das abbildet, wie die Anfang des Jahres verkauften Aktien weitergelaufen wären, ist weitere 2,5% im Plus. Besonders Tesla klettert immer weiter nach oben. Die 5.000-Euro-Postiion, die ich Anfang Februar mit (vergleichsweise läppischen) 10% Gewinn verkauft habe, ist inzwischen 54% im Plus. Coinbase, die ich mal bei 80€ gekauft hatte, ist 15% im Plus. Dabei war Ende letzten Jahres gar nicht absehbar, ob sich der Wert von 30€ jemals wieder in dem Maße erholen würde. Man stelle sich vor, ich hätte bei 30€ gekauft. Digital Ocean, SAP, Air Liquide… laufen super. Ohne mich. Unerträglich.

    Meine mutigen Neuerwerbungen aus dem Juni hingegen sind hauptsächlich im Minus. Leider habe ich Danaher und China mit je 2.000 € bedacht und PayPal mit nur 1.000€. Tja, welche Aktie sich besser entwickelt, wundert mich das?! … (Kotz-Emoji bei WordPress leider nicht verfügbar.)

    Manchmal weiß ich nicht mehr, wie ich meine Motivation erhalten soll. Vielleicht hat S. ja doch recht, der mir ans Herz legt, mir das nicht weiter anzutun. Die Börse insgesamt und das deprimierende Stalken der Entwicklung meiner nicht mehr existierenden Aktien erst recht.

    Die einzige „Erfolgs-Story“ momentan ist, dass ich Aktien, mit denen ich zuletzt geliebäugelt hatte (u.a. AT&T, Disney, Brunello Cucinelli, Sixt) nicht gekauft habe. Denn damit hätte ich mir aktuell weitere Verluste ins Depot geholt. Dieser Krug ist immerhin an mir vorbei gegangen.

    Markus Koch ist seit heute aus dem Urlaub zurück. Ich habe mir die erste Opening Bell angesehen und irgendwie hat es mich genervt. Plötzlich gilt alles, was vor kurzem noch Befürchtung war, nichts mehr. Die Börse will nach oben. Niemand mag mehr kritisch sein oder skeptisch. Und Ich? Bin nicht dabei, weder bei Tech noch bei der Sorglosigkeit.

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  • Da möchte man sich am liebsten den Strick nehmen.

    Es ist schwer zu ertragen. Und doch tue ich mir das an. Denn ich will aus Fehlern lernen. Ohne Schmerzen wird das an der Börse nicht funktionieren. Und es verursacht mir derzeit sehr viele Schmerzen, wenn ich erlebe, was aus einigen Aktien geworden wäre, wenn ich sie Anfang des Jahres nicht verkauft, sondern bis dato stur gehalten hätte. Zum Erlangen der Erkenntnis habe ich mir ein Musterdepot eingerichtet, in dem ich die verkauften Aktien weiterlaufen lasse.

    Am Freitag stand da im Hoch ein Plus von 2.650€. Was den Bezug zur Überschrift herstellt.

    2.650 Euro reicher wäre ich am Freitag gewesen, hätte ich nichts gemacht. NICHTS. MIt dieser Strategie hätte ich ich nun anstelle eines gefüllten Verlusttopfs einen Buchgewinn zur möglichen Realisierung. Die 1.000 Euro Verlust kommen ja noch on top. Ich habe, Stand 14.7., also insgesamt 3.650 Euro in den Sand gesetzt. Schwer erträglich.

    Als ich mich am Freitagabend bei einem Glas Wein gegenüber meinem Freund darüber grämte (was stets ein Fehler ist) sagte der: „Das darf man ja auch nicht machen.“ Er meint, es sei kontraproduktiv, das Ergebnis vergangener, unabänderlicher Entscheidungen weiter zu verfolgen. Fehlentscheidungen nachzuweinen bringe nichts, lieber nach vorne schauen.

    Ich hingegen denke, dass der Blick zurück wichtig ist.

    Zum Jahreswechsel hatte ich mir vorgenommen vorgenommen, die Strategie „Loswerden, was geht“ zu verfolgen. Weg mit Aktien, sobald sie den Kaufpreis erreicht haben oder mit überschaubarem Verlust auflösbar sind. Hauptsache raus. Ende Januar habe ich dann im S Broker Depot die Gelegenheit genutzt, mit 800€ Realverlust 15.000€ aus dem Markt zu holen. Dazu kam Mitte Februar zum „Preis“ von 200€ die Rückgewinnung von 4.000 Euro. Ich war damals heilfroh, Coinbase, Cloudflare und Digital Ocean so „billig“ losgeworden zu sein. Last but not least verkauft ich Tesla mit einem Gewinn von 500€, was ich feierte, insbesondere weil ich zwischenzeitlich mit der 5.000€ schweren Position beinahe 2.000 Euro im Minus gelegen hatte. Damals dachte ich: 10% Gewinn sind super.

    Im März stand ich mit meinen Verkaufsentscheidungen gut da. Vor allem in den Wochen rund um das Bankenbeben rutschten die Werte ordentlich ab. Ich feierte mich für die Entscheidung, dass ich 25% des angelegten Kapitals ans trockene Ufer zurück befördert hatte.

    Dumm ist, dass ich in den Folgewochen die Hälfte des Geldes wieder in den Markt gegeben habe, noch dümmer, dass ich mit diesen Einsätzen, von ein paar kleinen zur Abwechslung geglückten Zwischendurch-Spekualtionen (Deutsche Börse, BMW, KI- und Japan-ETF etc.) abgesehen, neues Minus produziert habe. Weniger dumm ist in ein paar Wochen oder Monaten hoffentlich, dass ich mir diesmal vorgenommen habe, NICHTS zu machen.

    Wohl wissend, dass auch das falsch sein kann. Der Strick ist immer da, so oder so.

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  • Extreme Greed is the New Normal.

    Die Märke dümpeln vor sich hin zwischen hellgrün, mittelgrün, hell-rosa-rot. Hier und da geht es mit einem Einzelwert steil bergab oder steil bergauf. Heute ist Coinbase mal wieder voll auf Speed, die Aktie aktuell, 17:30, mit über 12% im Plus.

    Geschlachtet wurde hingegen gestern die FMC Corp., ein Düngemittel- und Saatgutspezialist aus den USA, dessen Aktien ich schon besessen habe, sogar mehrmals, ohne großen Erfolg, den ich kontinuierlich beobachte, weil sich das Unternehmen mit Zukunfts-Technologien im Agribusiness beschäftigt, ein Bereich, in dem ich viel Potential sehe. Das aber nur nebenbei. In der Spitze ging es für das Unternehmen nach einer Gewinnkorrektur 16% runter und in diesem Fall kann ich mal umgekehrt froh sein, die Order über 20 Anteile à 96€, die ich vergangene Woche bereits eingetippt hatte, weil mir das als günstiger Einstieg erschien, nicht aufgegeben zu haben. Entgangener Verlust, auch schön, viel zu selten führe ich mir das vor Augen.

    Aber zurück zu meinem eigentlichen Gedanken… Die Märkte also schwappen nach oben, schwappen nach unten, mal mehr, mal weniger intensiv – und mein Eindruck ist, dass sie sich von Ausnahmen abgesehen, unter dem Strich seit Wochen auf der Stelle bewegen.

    Viel Gezappel um nichts.

    Dazu passt, dass der CNN Feer & Greed-Index im Bereich Extrem Greed verharrt, selbst an Tagen, an denen die Börse nennenswert verliert, bleibt die Kompassnadel wie festgetackert bei 78 +/- 1 Punkt. Mir kommt das Irgendwie suspekt vor. Es gab Zeiten, da sank die Nadel bei einem Abgabedruck wie am vergangenen Freitag minütlich ablesbar nach unten. Ist das Ding etwa kaputt? Ist der ganze Markt kaputt? Wenn Extrem Greed das neue Normal ist, unabhängig von dem, was außen herum passiert, ist doch irgendwas abnormal. Oder?!

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  • Peace!

    Am Wochenende keinen Podcast gehört! Keinen einzigen. Und auch sonst war mein Kopf frei von der Börse, meinen Depots und Self Bashing Attacken. Keine Gedanken nachts über strategische Zukäufe, falls die Kursverluste sich fortsetzen sollten sollten und so weiter. Statt dessen: Innerer Abstand. Innerer Frieden. Wieso ist das so, frage ich mich. Und die Antwort lautet: Ich weiß es nicht.

    Aktuell bin ich weder frustriert (nicht einmal schlecht auf die Börse zu sprechen), noch regen mich die letzten Käufe auf, die ich ausgeführt habe, obwohl ich mir kurz zuvor Füße-Stillhalten verordnet hatte. Ich bin gelassen – und das, obwohl die Neuerwerbungen bislang allesamt bloß mein Minus vergrößern. Normalerweise würde mich das mächtig ärgern. Und gerade denke ich, was soll’s, wird schon. Halte ich eben ab jetzt die Füße still.

    Rund 60.000 Euro sind angelegt. Runde Zahlen sind voll mein Ding, was auf kuriose Weise vielleicht zur Beruhigung beiträgt. Die Buchverluste belaufen sich zur Stunde auf 8.627 Euro, was rund 15% entspricht, wobei 4.500 allein auf das Tech-Labor aka Schrottdepot entfallen, auf dem sich insgesamt 10.000€ einfach mal halbiert haben. Immerhin bin ich bei Scalable (6200 Berkshire Hathaway, 1500 Bitcoin, 350 MSCI World) 2,56€ im Plus. Hammer, oder?!

    Na ja, mal schauen, was die Woche so bringt. Gestartet ist Europa vormittags in Rot. Mittlerweile sorgt die vor einer Stunde eingestiegene Wall Street für bessere Laune. Bei PayPal wird es börsentäglich um 15:30 Uhr spannend. Da kracht der Kurs entweder nach unten oder nach oben, je nach Tagesform, ohne bedeutsame News. Heute ist Upside-Day, in der ersten Handelsstunde ist die Aktie 3,5% gestiegen. Da freue ich mich doch. Die Frage ist nur, wie lange…

    Gute Nachrichten gab es am Wochenende für die Welt – und vielleicht auch für meine China-ETFs. Der Besuch der US-Finanzministerin Janet Yellen im Reich der Mitte verlief konstruktiv und signalisiert eine Milderung der gegenseitigen Aggressionen. „Wir glauben, dass die Welt groß genug ist, damit unsere beiden Länder gedeihen können“, sagte die Ministerin. Ich finde es bemerkenswert, dass eine Amerikanerin diese Tatsache offen ausspricht. Trump und seinen Jüngern gefällt das sicherlich genauso wenig wie ihre Mahnung, dass die USA und China beide die Pflicht hätten, die gemeinsamen Beziehungen verantwortungsvoll zu gestalten. Sie hoffe, dass ihr Land einen „belastbaren und produktiven Kommunikationskanal“ mit China aufbauen könne. Beide Nationen müssten einen Weg finden, „gemeinsam zu leben und den globalen Wohlstand zu teilen“.

    Also das nenne ich überraschend besänftigende Worte. Und mir kommt der Gedanke, das es kein Zufall ist, dass es eine Frau ist, die sowas in China hinbekommt. Erleichternd ist es vor allem, weil sich die Beziehung zwischen den Weltmacht-Rivalen in den vergangenen Monaten wie ein Provokations-Ping-Pong gestaltet hatte. Ich dachte oft, besonders in Richtung Biden: Jetzt ist es mal gut. Und ein Fazit des Besuchs ist besonders erfreulich: Trotz nach wie vor vorhandener „erheblichen Meinungsverschiedenheiten“ gebe es auch Einigkeit, vor allem beim Klimaschutz. Hört, hört!!!

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  • Grün für mich.

    Na klar, hat es mich gestern im Laufe des Tages doch gefuchst, dass meine zuletzt getätigten Investments erstmal wieder nach hinten losgegangen sind, wenn auch nicht wirklich brenzlich, aber trotzdem… Vier neue Positionen. Minus. Minus. Minus. Minus. Zwischen zwei und vier Prozent. (Nebenbei gefragt… Wieso ist das so?! Selten erlebe ich, dass eine Aktie direkt nach dem Kauf erstmal weiter steigt.) Am Abend war die Aussicht ganz schön rot. Und die Volatilität war hoch…

    Anflüge von Ärger habe ich neutralisiert, indem ich mir die Argumente für meine Entscheidungen selbst vorgesagt habe. China = Wille zum Aufschwung über alles. PayPal = zu Unrecht fallen gelassen. Danaher = bei der „Berkshire Hathaway des Health Bereich“) ist Erholung nur eine Frage der Zeit. Durch ein gebetsmühlenartiges Vorsagen dieser Prognosen konnte ich den Tag gut überleben. Und tatsächlich atmet der Markt, besonders der chinesische, heute wieder auf.

    Das Learning daraus: Wissen, was ich tue – und warum ich es tue ist Balsam für die Seele.

  • Absturz ohne Brechreiz.

    Bärenstarke Arbeitsmarktdaten aus den USA, Zinssorgen all over the place – und endlich ist mal wieder richtig Krach angesagt. Die Renditen für US-Staatsanleihen schießen durch die Decke, die Volatilität erwacht aus dem Tiefschlaf. Es ist richtig was los. Und das, schon eine Stunde bevor die Wall Street eröffnet.

    Natürlich sausen meine Depots analog abwärts, die Buchverluste steigen wieder. Da ich kaum eine Aktie im Plus besitze, nicht einmal von denen, die ich gerade erst gekauft habe, wird das Rot röter und röter Die wenigen und sehr übersichtlichen Gewinne, die ich bei Daimler Trucks, Berkshire Hathaway, Xylem und dem iShares S&P500 Technology ETF habe, schrumpfen. Sie haben jedoch nicht das Zeug, mich aus der Bahn zu werfen. Noch sind sie grün. Noch.

    Während ich in der Vergangenheit in solchen Situationen häufig vollends aufgelöst war und das, was noch zu retten war, rettete, reagiere ich diesmal für mich selbst überraschend gelassen. Es gab Momente, in denen Kursstürzen starke körperliche Reaktionen auslösten. Hoher Puls, Magendruck, Übelkeit bis hin zum Gefühl, mich erbrechen zu müssen. Das klingt maßlos übertrieben, aber, wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass es leider so war.

    Woher also nun diese Unaufgeregtheit?
    Es ist diesmal keine Scheiß-egal-Haltung oder beleidigte Anti-Reaktion nach dem Motto: „Wenn die Börse mich nicht lieb hat, dann kann sie mich mal.“, sondern wie der unbeteiligte Blick auf ein Ereignis, dass ich ohnehin erwartet hatte. Ein positiver Faktor ist sicherlich, dass ich mich mit den Werten in meinem Portfolio wohl fühle. Ein unschätzbare seelischer Vorteil.

    Mal sehen, was passiert, wenn die Amerikaner einsteigen. Entweder die sauen den Markt weiter runter oder sie stopfen sich im Ausverkauf so richtig schön die Taschen voll. Und selbst das ist mir egal.

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  • Nie mehr. Dann doch.

    Wenn es um die Börse geht, rede ich immer viel, wenn der Tag lang ist. Eigentlich ist egal, wie lang der Tag ist oder welche Stunde geschlagen hat. Ich nehme mir am einen vor, ab sofort die Füße still zu halten, so lange bis der Abwärtsrutsch kommt, auf den ich und viele andere Bären warten. Und am nächsten Tag kaufe ich Aktien. So wie gestern. 1000 auf PayPal und 2000 auf China. Bämm. Es ist nicht so, dass ich das ohne Sinn und Verstand tue. PayPal beobachte ich seit Wochen, hatte die Aktie auch schon gekauft und mit kleinem Gewinn wieder verkauft. An eine Erholung glaube ich, genau wie zahlreiche Analysten und habe mich entschlossen, dass ein neues Investment einen Versuch wert ist. Die Aktie ist volatil, doch der Trend kräftigt sich nach oben. Und dann wäre da noch China. Der Aufschwung in der Nach-Covid-Ära gestaltet sich schwieriger als erwartet, aber ich traue den Chinesen zu, dass sie alle Kraft einsetzen, sich vor dem Rest der Welt wieder als unverwundbare Supermacht zu etablieren. Staatliche Stimuli und Zinssenkungen sollen das Land auf Vordermann bringen. Gegenüber den Amis zeigt China Stärke. Meine Entscheidung für zwei China-ETFs, das eine mit A-Shares von soliden Unternehmen, dem anderen mit Schwerpunkt auf die einschlägigen Tech-Werte.

    Die neue Wette läuft bei Just Trade, wo bereits für 2000€ Danaher-Papiere liegen, die seit dem Kauf vor zwei Wochen stets leicht im Minus vor sich hin dümpeln. Es ist eine Mischwette auf Sektoren, die in meinen Augen Potential für positive Kursentwicklung haben. Die 5000€-Portfolio besteht aus drei Unternehmen: Paypal (seriöser, solider, international erfolgreicher Zahlungsdienstleister, der unverhältnismäßig in Ungnade gefallen ist) China (Comeback der vom Westen unterschätzten Großmacht mit unbedingtem Willen zum Wohlstand) und Danaher (breit aufgestelltes, gut geführtes Unternehmen im Medizinausstattung- und Forschungsbereich mit übertriebenem Kursrückgang).

    Zugegeben zweifelte ich heute Morgen sofort wieder an meiner Entscheidung und meinen Investmentthesen und war, wankelmütig wie ich das von mir kenne, kurz davor alle Postionen mit einem Gesamtverlust von rund 80€ aufzulösen. Ich beschimpfte mich: Wie dumm muss man sein? Wann hörst du endlich auf? Und riet mir: Geh raus, schnell, noch ist der Preis für die gestrige Dummheit vergleichsweise gering.

    Aber ich ertrug es, blieb drin, hielt an den Gründen fest, die mich zum Kauf motiviert hatten. Ich setzte mir eine Zeitschiene bis Ende des Jahres. Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, das Just Trade Depot nicht mehrmals am Tag zu stalken, sondern entspannt und mit Abstand den Gang der Dinge zu verfolgen, über Wochen, Monate, ohne die tägliche Erregung. Es wäre ein Quantensprung, würde mir das gelingen: nur ab und zu mal nachsehen. In diesem Sinne definiere ich die China-Danaher-PayPal-Invest als Challenge für einen gelasseneren Umgang mit meinen eigenen Entscheidungen. Und bin selbst gespannt wie dieses „Rennen“ mit mir selbst ausgehen wird.

    Stand heute, 21:12 Uhr, sieht die Lage besser aus als am Morgen. PayPal sogar im Plus. Unglaublich. Vor allem Danaher hat aufgeholt… Sicher sein kann man sich allerdings nie. Häufig habe ich erlebt, wie kurz vor 22 Uhr einzelne Werte nochmal richtig Federn lassen.

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  • Gewinn als Verlust.

    Klar, gräme ich mich, weil ich die Rally verpasst habe, weil ich mich nicht getraut habe in Tech-Werte zu investieren, weder in Momentum-Classics wie Cloudflare, Coinbase, Exact Sciences noch in die etablierten Unternehmen wie Apple, Meta, Microsoft, Nvidia & Co. Gar nicht zu reden von Tesla. Ich hatte Ende letzten Jahres eine 5000-Euro-Position, mit der ich im Herbst knietief im Minus steckte und die ich dann in der Erholung mit 500€ Plus verkauft habe. Schon das fühlte sich super an. Der Gewinn und die Tatsache, raus zu sein. Damals wusste ich nicht, dass ich Mitte des nächsten Jahres, also jetzt, nach einigem Auf und Ab bei 2.500€ Gewinn landen würde… Fünf mal mehr. Das ist schon wirklich sehr, sehr bitter. Wie verarbeiten andere solche Erlebnisse, frage ich mich oft. Niederlagen, die eigentlich keine sind, denn ein bisschen habe ich ja auch gewonnen, und sich trotzdem wie saudummes Scheitern anfühlen.

    Im Nachhinein ist eine Bewertung der getroffenen Entscheidungen verbunden mit bösartigem Self Bashing natürlich völlig gaga. Das weiß ich ja. Denn hätten sich die einzelnen Faktoren, die zum damaligen Zeitpunkt noch in der Glaskugel stecken, anders entwickelt, hätte ich in der Vergangenheit womöglich genau richtig gehandelt. Rational ist das alles klar. Trotzdem ist da das Gefühl des Scheiterns, die Angst, es nie hinzubekommen. Nur, was ist „es“? Genau das muss ich herausfinden. Welche Art anzulegen ist meine? Wie reguliere ich die Angst, die sich aufgrund meiner Erfahrungen in der zweifellos krassen und unberechenbaren Börsenphase der letzten anderthalb Jahre aufgebaut und kontinuierlich gesteigert hat? Das sind so Fragen.

    Dass ich vergangene Woche bei 96€ überlegt habe, 20 Crocs-Aktien zu kaufen, es aus Angst und Unsicherheit gelassen habe und die Papiere nun innerhalb weniger Tage um 10% gestiegen sind, macht mein Versagensgefühl nicht besser. Aber ich gebe nicht auf. Wenn das mein Fazit weiterhin bleibt, ist das vielleicht auch eine Art Gewinn?!

  • Urlaub mit Koch.

    Am Freitag hat sich Markus Koch für vierzehn Tage in den Urlaub verabschiedet. Ich schließe mich ihm an. Meine Börsenmotivation hat sich in der vergangenen Woche dem Nullpunkt genähert. Wieder einmal war die Schwäche, in die hinein ich meine Aktien hinein verkauft habe, keine Trendwende, sondern doch bloß eine Korrektur. Mut zum Wiedereinstieg ist derzeit nicht vorhanden. Allerdings sehe ich aktuell auch keine Veranlassung. Denn, unabhängig von Spekulationen, ob der Markt weiter steigt oder ein Absturz bevorsteht, bin ich von einem Aspekt absolut überzeugt: das zweite Halbjahr wird bessere Möglichkeiten zum (Wieder-) Einstieg bieten. Momentan ist die Stimmung derartig aufgeheizt, von „Extrem Greed“ getrieben, dass mir meine bescheidenen achtzehn Monate Börsenerfahrung ausreichen, um zu ahnen, dass Abkühlung in Q3+Q4, vermutlich sogar mehrmals, wahrscheinlich ist.

    Eine entspannte Haltung gelingt mir auch, weil die Aktien, die sich jetzt noch in meinen Depots befinden, mir keine Schmerzen mehr verursachen. Ich habe verkauft, was ich loswerden konnte – oder loswerden wollte, nachdem ich mir eingestanden habe, dass sie gar nicht wirklich haben möchte. Unilever, Traktor Supply, BMW, Deutsche Börse und wie sie alle heißen. Die KI-ETFs habe ich ebenfalls verkauft, mit Gewinn, aus Angst sie würden fallen. Was unnötig war. Oder auch nicht. Denn im Ergebnis befinde ich mich mit meinem Portfolio nun in einem Anti-Fear-Modus. Die Aktien, die übrig sind, fügen mir kein Leid zu. Ich habe Frieden mit ihnen geschlossen. Ich kann es aushalten, sie zu halten.

    Den aktuellen Stand habe ich in der Rubrik Depotstatus aufgelistet.

    Immerhin habe ich im ersten Halbjahr einen kleinen Sieg davon getragen: Mein Verlusttopf hat sich um rund 1.300 Euro verringert. Darüber hinaus habe ich Dividenden erhalten und auf dem Trade Republic-Verrechnungskonto sind Zinsen gutgeschrieben bekommen. Ich habe mir 500 Euro selbst ausgezahlt, die ich als Budget für eine neue Brille verwende. Das ist doch mal was!

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