-
Danke, mir ist schon schlecht.
Kein Vertrauen, nicht einen Funken. Das ist die Wahrheit. Und solange das so ist, darf (will, sollte) ich meine Zeit, meine Nerven, meine Energie, mein Geld nicht mehr an der Börse verpulvern. Auch wenn das bedeutet, dass ich mich zum Loslassen regelrecht zwingen muss.
Tief in Innersten traue ich keiner Aufwärtstendenz.
Tief im Innersten sehne ich mich weiterhin nach einem Absturz.
Es darf gerne ein richtig heftiger Crash sein, auf den folgend es dann nachvollziehbar und solide ganz allmählich wieder nach oben geht. In einer gesunden Bewegung. Und nicht in diesem kranken Swinger-Club-Style ewig so weiter.Es gab einen Trend nach unten in der zweiten Augusthälfte und einen heftigen Ausschlag um den 23. August herum. Den Grund habe ich schon wieder vergessen. Irgendwas mit Zinsen, irgendwas mit FED, irgendwas mit China. Irgendwas ist immer. Mal reagiert die Börse darauf, ein anderes Mal nicht, manchmal ist es übertrieben, machmal wiederum ist es nicht nachvollziehbar, warum es keine Erschütterung aufgrund der schlechten Nachrichten gibt.
So ging es wieder hin und her. Hüh und Hott. Und, dann, na ja, was sonst: habe ich in der Phase der fallenden Kurse meine China-Danaher-Paypal-Wette, deren Ziel (und Learning) eigentlich „stoisches Halten“ sein sollte, doch aufgelöst. Am Freitag, den 18.8. hat es mir gereicht. Da war mal wieder dieses Gefühl: Fuck that shit nix wie raus hier.
Allerdings bin ich die Wette nur zu zwei Dritteln los. Danaher ist weg und der China-ETF auch, ohne Verlust, ohne Gewinn. Darin bin ich gut, Aktienpostionen gegeneinander gerechnet neutral zu verkaufen. PayPal habe ich mit 12% Minus und der Hoffnung auf Besserung behalten. Das kann ich nämlich genauso gut: auf Verlusten, die nicht ausgleichbar sind, sitzen bleiben. Siehe Fanuc, siehe Nike, siehe und so weiter. Aktuell ist PayPal nur noch 9% im Minus. Denn seit Freitag geht es wieder bergauf. Gestern und heute sogar stramm. Danaher steigt (natürlich) weiter. Ich versuche die Aktie nicht zu stalken. Bei China vermutlich dasselbe. Ich verbiete mir, es zu verfolgen. Ich suche Abstand…
Denn nach den letzten Kauf- und Verkauf-Aktien im Juli und August ist mir noch einmal mehr und diesmal hoffentlich nachhaltig klar geworden:
Solange mir jegliches Vertrauen in den Aktienmarkt fehlt, solange ich also insgeheim nicht daran glaube, dass wir in diesem Jahr überhaupt irgendwann am Anfang einer nachhaltigen Erholung und Aufwärtsbewegung stehen könnten, wird es mir nicht gelingen Aktien zu halten. Ich werde immer wieder verkaufen, wenn es nach unten geht, trotz aller guter Vorsätze und geheuchelten Vertrauens. Ich werde kein Tief nur als vorübergehend ansehen und gut aushalten können. Jede neue Aktie, die ich JETZT kaufe, werde in einer Abwärtsschleife wieder raushauen. Also kann ich es gleich lassen. Besser, ich gebe bis auf weiteres erstmal auf.
Aktien-Kauf-Verbot, jetzt!
Der tägliche Börsen-Speach macht mich momentan ohnehin eher aggressiv als dass er mich bereichern würde. Manchmal möchte ich nur noch schreien, wenn in einem Podcast eine riesige Sensation daraus gemacht, dass eine Aktie an einem Tag 12% gestiegen ist, dabei aber verschwiegen wird, dass sie nach diesem Anstieg immer noch 50% weniger Wert ist als ich und viele andere vor einem Jahr dafür bezahlt haben. Ist doch völlig absurd! Und wenn ich zum tausendsten Mal höre: „Die WKN packen wir euch in die Show Notes“, obwohl jedes Mal behauptet wird, es handele sich keinesfalls um Anlage-Empfehlungen, könnte ich nur noch kotzen.
-
In the middle of „Schlechtester Börsenmonat“.
Seit der Monat begonnen hat, wird unaufhaltsam davon geredet, dass der August nichts taugt, „historisch betrachtet“, sei er gemeinsam mit dem September an der Börse traditionell der totale Loser. Okay. Meine erste und bislang einzige August-Erfahrung beruht auf das Jahr 2022, in dem eine furiose Rally stattfand. Selbst habe ich von der zwar nicht profitiert, wie eigentlich von keiner Rally bislang und gerade deshalb erinnere ich mich gut daran. Aber das nur (wie Markus Koch immer so schön sagt:) am Rande bemerkt.
Nun also August 2023, der seit Ende Juli in beinahe jedem Podcast-Format und YouTube-Kanal prophylaktisch runtergeputzt wurde…
Als der August sich in der zweiten Woche noch nicht seinem Loser-Image fügen wollte und nochmal richtig hochdrehte, habe ich Berkshire Hathaway bei 332,00 Euro spontan verkauft. Die Position war mit mit insgesamt 6.300 Euro, verursacht durch mehrere Nachkäufe, zuletzt im Februar zum Verbilligen bei 275 Euro, ohnehin zu groß geworden. Bei Berkshire bin ich mir sehr sicher, dass ich im Laufe des Jahres nochmal billiger reinkomme. Nicht so sicher bin ich mir hingegen, ob ich die Aktie wieder kaufen werde.
Und dann habe ich mich im August wieder was getraut: 3.000€ in Fortinet, die nach den Zahlen (wie es hieß „zu Unrecht“) abgestraft worden waren und 2.000€ in Infineon, aufgrund eines Bauchgefühls und rundum guten Analysten-Schätzungen. Beide Positionen habe ich inzwischen wieder verkauft. Genau wie die 1.000€-Position in den ishares-Metaverse-ETF, den ich irgendwann im Juli gekauft hatte, damals als Zeichen eines zögerlichen Vertrauens in eine Fortführung des Aufwärtstrends, obwohl mir die ehrliche Überzeugung fehlte.
So viel erstmal zum Bäh-Monat August von mir. Gestern ging’s runter, heute geht es wieder rauf, zumindest am Vormittag. Mal schauen, was die Wall Street so meint… Michael Burry jedenfalls wettet im großen Format gegen S&P und Nasdaq.
-
My new Cool Position.
Eine neue Woche, ein neuer Montag, der letzte Tag im Juli und die Märkte weiterhin im Überschwang. Mittel- bis Hellgrün zum Start, später vereinzelt etwas Rosa-Rot. Die Unternehmenszahlen zeigen sich freundlich, die Inflationsindikatoren auch. Friede, Freude, Eierkuchen. Adobe nähert sich der 500€-Marke. Nvidia liegt bei 425€.
Ganz frei davon, den ungebremsten Anstieg an den Märkten abartig zu finden, bin ich leider noch immer nicht, trotz zunehmender Bereitschaft, die Tatsache nun endlich zu akzeptieren und vorsichtig an eine Fortführung des Aufwärtstrends zu glauben.
Cool bleiben, heißt derzeit meine Devise. Dem Markt weder hinterherlaufen, noch mir einbilden, zu diesem Zeitpunkt irgendeinen tollen Move machen zu können. Vielleicht investiere ich noch hier und da etwas, emotionslos, punktuell, wahrscheinlich aber eher nicht.
Momentan sehe ich es so: Der Erholung in meinen Depots kann ich durchaus etwas abgewinnen, verhaltene Freude würde ich es nennen. Gleichzeitig trage ich weiterhin die Bereitschaft in mir, dass die Kurse noch einmal abstürzen.
Beide Varianten sind okay.
Der Status in meinen Depots hat sich deutlich aufgehellt. Ich schaue zu, wie Buchverluste schrumpfen. Wenngleich etliche Werte, insbesondere im Techlabor aka Schrottdepot nach wie vor nur ein Drittel (Varta, HelloFresh), manche nur halb so viel Wert sind (Fiverr, Curevac, SunPower). Andere Werte kommen ihren Einstandspreisen allmählich sehr nahe (Eurostoxx und S&P500 ETF, Adidas, Tomra) und zwischendrin leuchten sogar grüne Zahlen: S&P500 Technology ETF, Metaverse ETF, Berkshire Hathaway, Xylem und die zuletzt bei Just Trade angelegte 5000€-Portfolio aka China-Danaher-PayPal-Wette präsentiert sich aktuell komplett in Grün mit einem Plus von knapp 6% – sprich rund 300 Euro.
Aber klar, es ist 19:30 Uhr in Central Europe, da ist am Abend der Tag noch lange nicht vorbei. Und wer weiß schon, was morgen passiert. Die Stimmung ist fragil. Auch wenn momentan alle so tun als könne die Rally niemals enden.
Leider geht Fanuc täglich mehr in die Grütze. Freitag habe ich eine kleine Position nachgekauft und – wusch – geht es nun zum Wochenstart noch weiter bergab. Ich bleibe jedoch entspannt. Wenn ich eine Aktie in der Zukunft sehe, dann den japanischen Marktführer für Robotic.
-
Wenn die letzten Pessimisten optimistisch werden…
So überschreibt der Kapitalmarktstratege Stefan Riße seine Wochenendkolumne. Er sieht in der Tatsache, dass in der vergangenen Woche nun auch der seit Jahresanfang unbeirrbare Dauer-Bär Michael Wilson von Morgan Stanley von seiner Meinung zurückgerudert ist, als ein Zeichen für eine bevorstehende Trendwende.
„Die steigenden Kurse haben Wilson offensichtlich mürbe gemacht, so wie viele andere Anleger auch. Das zeigen die Stimmungsindikatoren, die plötzlich viel Optimismus anzeigen im Gegensatz zum Jahresbeginn. Er gesteht nun ein, sich geirrt zu haben.“
Stefan Riße, 30.7.2023Den Gesinnungswandel von Wilson hat vergangene Woche auch Markus Koch thematisiert, ein wenig Schadenfreude schwang deutlich zwischen den Zeilen, und das, obwohl Koch ihm lange Recht gegeben hatte. Nun scheint aber auch er dem Optimismus verfallen zu sein. Riße dagegen bleibt skeptisch. Er schreibt: „Für mich ist das nur ein Zeichen dafür, dass wir uns dem Kipppunkt an den Aktienmärkten weiter genähert haben. Denn wie lautet ein altes Börsenbonmot: Wenn die letzten Pessimisten optimistisch werden, ist die Hausse am Ende. Will heißen, ich halte an meiner Prognose fest, dass uns noch ein stärkerer Absturz bevorsteht. Kommt dieser nicht mehr, dann funktionieren meine Uhren aus fundamentaler, monetärer und stimmungstechnischer Analyse nicht mehr.“
Tja. What now? Die einen so, die anderen so. Für alles gibt es Argumente. Wie immer. Wenn ich eines gelernt habe in den vergangenen 20 Monaten meiner noch jungen Börsenkarriere, dann das. Ich selbst bleibe jetzt mal beides. Baer and Bull in one. Zwar lässt sich daraus wahrscheinlich keine glorreiche Anlagestrategie ableiten, aber gibt es die überhaupt? Oder ist sowieso Glück die einzig erfolgreiche Strategie?! Meine „China-Danahar-PayPal-Wette 5000“ bei Just Trade geht derzeit auf, aus welchen Gründen auch immer. Die Frage: Wie lange!
Anyway, als BearBull gehe ich entspannt in die nächste Woche… Was wird sie bringen? Bekommt Stefan Riße Recht? Wenn ja, wäre es eine Bestätigung meines am Freitag erfundenen des Suburbian Crash Index.
-
Suburbian Crash Index.
Es ist der Morgen der FED Sitzung und ich denke: Womöglich ist der gestrige Ausruf meines mentalen Umschwungs, nämlich: mich dem Markt nicht mehr entgegen stellen zu wollen und statt dessen seine Stabilisierung zu akzeptieren, sprich: nicht mehr länger auf den Absturz zu warten, ein Kontra-Indikator für die weitere Entwicklung…
– nach dem Motto:
Wenn sogar das Dumme Geld aus der hessischen Provinz bullish wird, ist das ein sicheres Zeichen, dass es bald abwärts gehen muss. 🙂
-
Es war einmal… Tesla für 100€
Ich habe die Rally verpasst. Punkt.
Es gab seit März 2022 etliche Phasen, in denen ich auf Tiefstpreise starrte, ohne zuzugreifen. Oder aber, als ich zugriff und die Kurse noch tiefer fielen, die Hosen so gestrichen voll hatte, dass ich bei nächster Gelegenheit die Papiere wieder aus dem Depot warf. Und was war ich jedes Mal erleichtert in solchen Momenten! Wenn ich Aktien wieder loswerden konnte, ohne riesige Verluste, nur, um das eingesetzte Kapital zurück zu bekommen. Heute gräme ich mich wegen entgangener Gewinne.
Ich habe die Rally verpasst und vermasselt – und das nicht nur einmal, sondern einige Male.
Das gilt es zu akzeptieren.
Ich muss endlich aufhören, den verpassten Chancen nachzuweinen.
Sonst komme ich nicht weiter.An diesem Punkt, am 25. Juli 2023, scheint immer mehr dafür zu sprechen, dass sich der Markt nachhaltig stabilisieren könnte – und der Zinserhöhungszyklus bald ein Ende findet. Ist es in diesem Umfeld tatsächlich angemessen, dass ich weiter skeptisch bin. Oder ist meine Skepsis inzwischen hauptsächlich von einer persönlichen Hoffnung getrieben? Der Hoffnung, dass Aktien nochmal auf dem Niveau von Oktober 2022 oder Anfang Januar 2023 zu haben sind. Und ich die Chance bekomme, die verpasste Chance auszubügeln…
Ist diese Hoffnung bloß noch stures Wunschdenken?
(Und wenn ja, wünsche ich mir denn wirklich, dass mir die Buchverluste meiner Depots, die sich in den letzten Wochen kontinuierlich erholt haben, noch einmal massiv um die Ohren fliegen?)Seit gestern ist ein seit Wochen wiederkehrender Gedanke erstmals so groß und eindringlich geworden, dass er die Kraft hat, mich auf einen anderen Kurs zu bringen. Er lautet:
Ich sollte meine Lebenszeit nicht länger mit dem Warten auf den nächsten Crash verplempern.
P.S.: Als Zeichen meiner Zuversicht habe ich 1.000 Euro in den iShares Metaverse ETF investiert, gedacht als so called „erste Tranche“. Metaverse ist derzeit zwar kein Buzz Word, da alle Welt nur noch von KI aka AI spricht, dabei aber vergisst, dass beides eng verbunden ist. Die Zusammenstellung der Unternehmen ist super. Ich möchte sie alle haben! Und mit diesem ETF ist das möglich. Meine Idee ist, nach und nach insgesamt 5.000 Euro in diesem ETF anzulegen.
-
Fuck you, self-destruction.
Der Scheiß muss aufhören. Es kann nicht sein, dass, egal wie es läuft, gut, schlecht, seitwärts, whatever, ich – in meinen Augen – am Ende des Tages immer gelost habe. Egal, wie. Geht der Markt runter, war ich zu doof, rechtzeitig zu verkaufen oder bekomme die „gerechte Strafe“, dass ich mir lauter Flaschen ins Depot geholt habe. Geht der Markt hoch, bashe ich mich, bei niedrigen Kursen zuvor nicht zugeschlagen zu haben. Aktuell beispielsweise, weil ich Johnson & Johnson bei 145€ liegen lassen habe, die jetzt bei 156€ stehen. Tendenz steigend… Wahrscheinlich.
Dass meine Danaher seit ein paar Tagen ebenfalls ganz gut laufen, genau wie PayPal und dass sich die China-ETFs richtig schön erholen, einer davon sogar im Plus ist, was darauf hindeuten könnte, dass ich mit meinen Voraussagen bezüglich dieser Werte vielleicht sogar richtig liege, gilt in meinen Augen dagegen: GAR NIX. NOTHING. Ich nehme es einfach hin. Glück gehabt.
Ich könnte einige solcher Self-Bashing-Beispiele aufzählen. In Summe würden sie wohl vermuten lassen, dass in meinem Kopf etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.
In meinen Augen kann ich es beim Aktienhandel nie richtig machen, vielmehr: es mir nicht recht machen. Und ich bin mir durchaus bewusst, dass die Art, wie ich an der Börse mit mir umgehe, viel über die Art aussagt, wie ich meine Fähigkeiten im Allgemeinen bewerte.
Mir fehlt das Selbstvertrauen, an der Börse wie im Leben, und das weiß ich auch. V
Wie oft, wenn ich wie paralysiert auf rot-grün blinkende Zahlen starre und mich innerlich beschimpfe (manchmal sogar laut vor mich hin), ist mir klar: Ich muss damit aufhören. Ich muss es beenden, mich selbst zu demontieren. Nur, wie höre ich damit auf? Es wäre ein Quantensprung, einen Weg zu finden.
Wenn es mir gelänge, an der Börse einen besserer Umgang mit meinen Stärken und Schwächen zu finden und mehr Vertrauen in mich und in meine Entscheidungen zu entwickeln, ließe sich das vielleicht umgekehrt auch ins normale Leben übertragen…
Mehr Wohlwollen und Respekt für die eigene Person an der Wall Street und auf allen Lebenswegen. Das klingt nach einem guten Plan. Kapitalmarkt-Yoga oder so ähnlich.
-
Bären-, Bullen- und Bock-los.
Danaher + 4,60% !!! Und auch sonst kaum eine Aktie in meinen Depots, die an diesem Freitag nicht mit hoch ging. Ist schön, könnte ich mich freuen, hinterlässt aber zero emotions.
Tesla gestern knapp 10% runter und heute weitere – 1,5%. Was soll ich sagen: Das wiederum freut mich. Es freut mich, das Tesla einen Dämpfer bekommen hat. Hoffentlich der Anfang.Ist doch völlig verquer: Verluste bei Tesla freuen mich, Kurszuwächse in meinen Depots sind mir egal.
What the fuck ist los mit mir?
Wenn ich ehrlich bin: Es kotzt mich sogar an, dass sich der Markt nach dem Eintags-Schluckauf-Bounce wegen Tesla und Netflix gleich wieder entspannt und im Gier-Modus weitermacht. Und das, obwohl American Express und ein paar andere gar nicht so unwichtige Unternehmen für Q2 schwache Zahlen vorgelegt haben. Anscheinend reichen gute Ergebnisse bei Johnson & Johnson, um die Laune hoch zu halten.
Was mich wundert ist, dass die Volatilität so niedrig ist. Wer macht derzeit überhaupt den Markt? Dazu wurde in Podcasts lange nichts mehr gesagt.
Und ich? Überlege weiterhin, ob ich trotz meiner Absturzsehnsucht, handeln sollte. Denn: Vielleicht liege ich ja tatsächlich falsch. Verpasse alles. Vermassele alles.
Was ich beispielsweise tun könnte: Abseits vom hysterischen Tageszirkus, getrieben von den Analysten, die heute hoch-jazzen, was sie letztes Jahr in Grund und Boden getrampelt haben, genau jetzt in nicht so tagesgetriebene Themen wie Wasser, Cyber Security und Clean Energy investieren oder zumindest erste Positionen aufbauen.
„Positionen aufbauen.“ Etwas, das oft erwähnt wird. Das habe ich bislang nie praktiziert. Ich gehe mit einem Betrag XY rein, kaufe aber bei steigenden Kursen nie nach. Sehr wohl dagegen schon häufig bei niedrigen, um zu verbilligen und bei nächster Gelegenheit raus gehen zu können. Das hat oft geklappt im letzten Jahr. Die Strategie kaufen und bei einer Aufwärtsbewegung „die Position weiter ausbauen“, also folgende Tranchen teurer zu erstehen, kommt mir irgendwie unlogisch vor. Ich sollte mich damit näher beschäftigen.
Wie auch immer: Ich kann mich zu nichts durchringen. Aber meine Watchlist habe ich trotzdem den ganzen Tag im Auge. Ungelogen: Den ganzen Tag!! Total übertrieben und süchtig, ist leider so. Früher hatte ich Facebook, heute Watchlists. Weder innere Abscheu noch grundsätzliche Zweifel, noch das Wissen, dass ich meine Zeit sinnvoller investieren(!) könnte, halten mich davon ab rund um die Uhr den Markt zu stalken.
Aber kaufen? Weder Bock, noch Mut. Null.
-
Wie einem Verräter vertrauen?
Womöglich sollte ich umdenken, aber ich kann nicht. Das Misstrauen ist unüberwindbar. Ich weiß, dass das kindisch ist, aber ich fühle mich vom Markt verraten, denke mir oft, ich brauche erstmal ein Zeichen von ihm, dass er es auch gut mit mir meinen kann, bevor ich weiter mache.
Die Frage, ob die Börse 2023 einen nochmaligen Absturz erleidet, wird momentan verneint, zwar nicht von allen „Experten“ und „Marktbeobachtern“, aber doch von einer Mehrheit, die zunehmend bullish geworden ist in den vergangenen Wochen. Und noch wichtiger: „der Markt“ glaubt an keinen Absturz mehr, erhebt sich über sämtliche Risiken, ist bullish und positiv, vor allem, was Tech betrifft, angetrieben von KI. Außerdem boomt alles, was mit der Anti-Fett-Spritze zu tun hat. Und angeblich hat er ja immer recht, der Markt, das Superbrain. Der Markt steigt, weil er steigt. Immer mehr Anleger schließen sich dem an.
Ich könnte mitmachen, hätte ich nicht eine Höllenangst, dass, in dem Moment, in dem ICH das tue, der Peak erreicht ist, mal wieder, und ich dann, wie so oft, verspätet doch noch zugreife, zu Höchstkursen, die bald keine mehr sind.
Der Markt hat solange recht, bis er nicht mehr recht hat. Und dann ändern sich die Dinge auch wieder, meist erst schleichend, so dass man es nicht mitbekommt und dann in rasendem Tempo. Na klar, hätte es in den vergangenen Monaten gute Einstiegschancen gegeben…. Blackrock bei 370, L’Oreal unter 400, nur kann ich mich nicht von der Befürchtung befreien, dass es L’Oreal in diesem Jahr auch wieder für 300 oder wenigstens 350 zu haben sein könnte und ich, wenn ich jetzt kaufe, früher oder später wieder auf Verlusten hänge.
-
Angst vor der Gier.
Wieder mal den Punkt erreicht. Der Punkt, an dem die Börse mich seelisch und mental ruiniert. Der Punkt, an dem ich nachts aufwache und grübele, was verdammt nochmal tun soll. Wie ich aktiv werden kann (muss, soll), um meinen Teil vom Rally-Kuchen abzubekommen. Ob ich darauf setze, kurzfristig noch einzusteigen zu sein, ganz egal mit welchen Aktien, Hauptsache irgendwie. Irgendwie dabei sein, auf den letzten Drücker. Oder ob es gar nicht der letzte Drücker ist, sondern erst der Anfang von einem Anstieg, der in der zweiten Jahreshälfte weitergeht. Wenn dies der Fall ist (wäre), müsste (sollte, könnte) ich mir die Aktien, die ich (wieder) haben will (z.B. L’Oreal, Deere, Siemens) genau jetzt „sichern“, bevor sie noch teurer werden. Oder ich sollte (müsste, könnte) anfangen, in die Bereiche zu investieren, die ich für zukunftsevident (gewinnbringend für mich) halte (Wasser, CyberSecurity, Infrastructure). Disclaimer: KI lasse ich absichtlich weg, der Zug scheint mir vorerst abgefahren.
Ich spüre derzeit einen Kaufdruck, der sich auf irrationale Weise existentiell anfühlt. Nochmal anders gesagt: ein Druck als würde Nichtkaufen meine finanzielle Zukunft bedrohen. Irre, ich weiß. Aber so ist es. Und gleichzeitig denke ich: Warum sollte ich das tun, jetzt einsteigen und mitziehen, wenn ich selbst diese Rally weder verstehe noch an deren „Echtheit“ glaube und einen erneuten Absturz erwarte…
Da bin ich nun also wieder an dem Punkt angelangt, den ich bestens kenne, einerseits FOMO, andererseits fette Verlustangst und die Angst vor der Wiederholung der Wiederholung von all dem Schmerz, den ich erlebt habe. Der Schmerz des falschen Einstiegs.
Die Seite der Vernunft, redet unterdessen beschwichtigend auf mich ein: Du übertreibst. Calm down. Deine finanzielle Zukunft ist durch das Verpassen von Gewinnen nicht bedroht. Wenn du jetzt nichts tust, schützt dich das womöglich vor Verlusten, die dabei entstehen, wenn man einer Rally hinterherläuft. Du brauchst Abstand.
Ich wäre froh, wenn mir das gelänge, Abstand zu nehmen. Ich versuche es. Jeder Tag, an dem ich nichts kaufe, ist ein guter Tag. (Denke ich.) Genauso gut ist es, mir Verkäufe zu verkneifen. Bei den China-ETFs war ich schon ein paar Mal nah dran, sie im Affekt rauszuschmeißen. Heute steigen sie. Ich will Ruhe bewahren und zur Abwechslung mal so lange durchhalten, bis sich tatsächlich sagen lässt, ob meine These von der Erholung chinesischer Aktien aufgeht.
Während ich also seit Tagen broke bin, unausgeschlafen und dünnhäutig, voller Selbstzweifel, tobt die Rally wie bekloppt, auch, weil die Earnings bislang überwiegend positiv ausfallen und die Analysten sich mit Hochstufungen überbieten. Und ich? Mit jedem Tag wünsche ich mir einen Crash mehr herbei. Ich will fallende Kurse sehen, obwohl meine Depots dann mit Baden gehen. Das Gefühl ist einigermaßen absurd, das gebe ich zu. Aber so ist es. Ich bin gierig nach fallenden Kursen und habe Angst vor weiter steigenden. Denn jeder neue Tag mit steigenden Kursen fühlt sich wie ein persönliches Scheitern an.
