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Wenn Nachbars Lumpi bullish wird.
Seit 14 Wochen steigende Kurse. Ein Rekord. Oder sind es sogar 16 Wochen? Markus hat es erwähnt. Ich bin mir nicht sicher. 14, 15, 16… Ist auch egal. Denn die Rally wird durch so wenige Werte getragen, dass die steigende Tendenz nicht bedeutet, dass es dem ganzen Markt gut geht. Meine Depots sind ein Beispiel dafür. Bislang konnte die Bullen bei den Magnificent 7 und allem, was nach AI riecht, nichts stoppen. Ab und an nur mal ein Stolpern, auf das dann die nächsten Dip Buyer und anschließend die nächsten All-Time-Highs folgten.
Heute immerhin wieder ein kleiner Anflug von, tätäää: der guten alten Zinsangst. Schlagzeilen wie „Die Inflation ist über den Zielen“ oder „Keine Zinssenkung im März“ sorgen für schlechte Stimmung. Die Börse sieht rot und die spannende Frage lautet: Wird morgen wieder der Dip gebuyt oder geht es in den nächsten drei Tagen dieser Woche weiter runter? Möglich wäre natürlich auch, es geht am Mittwoch weiter runter, Donnerstagvormittag in the bad mood of good old Europe noch ein bisschen mehr – und dann ab Donnerstagnachmittag mit Opening der Wall Street wieder steil hinauf, damit am Freitag dann alle wieder mitmachen. Make the Market great again. Dass sich die Börse nicht die Laune verderben lässt, komme was wolle, war die Normalität in den vergangenen Monaten.
Allerdings gibt es auch einen Kontra-Indikator für die Fortführung der Rally. Vergangenen Donnerstag hat mein Freund, der eigentlich nichts mehr mit Aktien zu tun haben wollte, Aktien gekauft. Er hat einen für Privatanleger ziemlich hohen Betrag in eine Einzelaktie gesteckt, ohne sich ernsthaft mit dem Unternehmen zu beschäftigen, schlichtweg auf Basis seiner eigenen Vorhersage, dass bei diesem (seiner Meinung nach zu Unrecht) abgestraften Titel allerhöchste Zeit für eine Erholung sei. Außerdem steigt ja alles im Moment, argumentierte er.
Okay.
Ich habe vorsichtig versucht, den Übermut einzufangen, die Euphorie für die Aktie zu bremsen und ihn gewarnt, was momentan im Big Picture abgeht. Warnungen sind natürlich gefährlich, denn möglicherweise hat er ja Glück und sein Roulette-Spiel geht auf – und wenn er verkauft hätte, wäre ich schuld an den entgangenen Gewinnen. Na ja, letztendlich ist es so, dass er ohnehin auf niemanden hört. Zum Glück. Oder Unglück.
Das er so schnell seinen Vorsatz über Bord werfen konnte, hätte ich nicht gedacht. Gestaunt habe ich vor allem, dass er ausgerechnet jetzt, also jetzt!!, kauft und dann auch noch mit einer spekulativen Turnaround-Invest-Idee, basierend auf seinem Bauchgefühl. Markus hat irgendwann mal etwas in der Art gesagt wie „Wenn Tante Erna und Nachbars Lumpi anfangen, Aktien zu kaufen, kann der Crash nicht mehr weit sein.“ Als mir dieses Argument am Wochenende unter der Dusche einfiel, musste ich laut loslachen. Denn es ist so offensichtlich: Mein Freund ist Nachbars Lumpi. Und die Kurse sind dem Untergang geweiht. Letzteres ist natürlich nicht so lustig, weil dann auch meine Buchverluste wieder aufquellen.
Schauen wir gespannt zu, was in den kommenden Tage passiert… As always. Yours!
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Meine Gedanken vs. Superbrain.
Es gab in den zwei Jahren meiner persönlichen, von Extremphasen (Zinsen, Ukraine-Krieg, Tech-Crash Meta, Netflix etc., Silicon-Valley-Banken-Krise, Gaza-Konflikt) begleiteten Börsengeschichte wiederholt diese beiden Situationen:
Die tiefroten Feer-Phasen, in denen ich irgendwann bereit war, voller Überzeugung zu glauben, diesmal (ja, genau jetzt) sei in der Geschichte der Moment gekommen, ab dem die Kurse nur noch nach unten gehen (wie einst in Japan) und sich mit viel Glück womöglich erst innerhalb mehrere Jahrzehnten (im Extremfall, wenn ich tot bin) erholen.
In schreiend grünen Greed-Phasen hingegen stellte sich früher oder später die Überzeugung ein, ab jetzt würden die Kurse niemals mehr fallen und ich war entsprechend verloren, weil ich den Aufsprung verpasste. Was mich, nebenbei bemerkt, mehr als einmal in 2022 und 2023 in den Markt hinein gezogen hafte, bevor es kurz darauf nach unten ging.
Egal, ob Tiefrot oder Grasgrün, es kommt der Tag, an dem ich voller Überzeugung, also nicht nur spielerisch und theoretisch, sondern im tiefsten Inneren denke: Ab jetzt gibt es nur noch eine Richtung. Entweder im Sinne von: Ich sitze für immer auf Verlusten – oder: Die Kurse werden bis in alle Ewigkeit ohne mich steigen.
Das Gefühl der in diesem Moment unumstößlichen Endgültigkeit des jeweiligen Gedankens ist schwer zu erklären. Messbar ist es wohl am ehesten an der real und tief empfundenen totalen Kapitulation, verbunden mit übelstem Selbstvorwürfen und Schlaflosigkeit. Ich überlege in diesen Phasen voller Frust und voller Ernsthaftigkeit, ob es nicht doch besser wäre, radikal alles zu verkaufen und mit realisierten Verlusten das Parkett für immer zu verlassen. Nur um endlich Ruhe zu haben, frei zu sein, indem ich meine Unfähigkeit und mein Versagen hinter mir lasse.
Am Punkt dieser tiefen und in diesem Moment als absolut wahrgenommenen Empfindung war es bislang oft so, dass sich kurz darauf der Markt, aus welchem Grund auch immer, gedreht hat.
Drei Fragen in diesem Zusammenhang:
Ist meine empfundene Feer inmitten der realen Greed ein Kontra-Indikator dafür, dass es noch lange so weitergeht?
Soll ich eine Crash-Shopping-List erstellen?
Gesetzt den Falles der Markt rauscht ab, werde ich diesmal im Crash in der Lage sein, die Liste umzusetzen oder sitze ich wieder einmal solange vor den sinkenden Kursen bis sie wieder steigen, während ich mich nicht traue? -
Super. Ohne Brain.
Der Markt, das Superbrain. Also, ich weiß nicht. Mir kommt es so vor, als hätte der Markt jeglichen Verstand verloren.
ARM gestern 50% rauf. Fünfzig Prozent. Cloudflare 25%. Not normal. Und das sind nur zwei Beispiele von den surrealen Kursbewegungen der letzten Börsentage.
Ich brauche es wohl kaum zu erwähnen, dass ich ARM beinahe gekauft hätte, als sie bei 50 standen. Und dass ich Cloudflare mal mit 77 besessen hatte, froh und dankbar gewesen war, als sich sie mit 75 loswurde, während sie jetzt bei 100 Tendenz aufsteigend stehen. Bravo, Dummes, mal wieder schön Gewinne boykottiert!
Aber zurück zu den Märkten. Meine Instinkte schreien, dass das nicht gut gehen kann. Erst recht, seit ich mitbekommen habe, dass der Gewerbe-Immobilien-Markt in den USA desolat ist. Eine Regionalbank hat es kürzlich schon erwischt. Ab und an wurde ein Wort darüber verloren, aber in der breiten Berichterstattung ist es kein Thema. Keinerlei Bedenken gibt es derzeit anscheinend auch gegenüber Unternehmen, die gute Quartalszahlen ausschließlich aufgrund massiver Einsparungen hervorbringen. Die Umsätze liegen zwar häufig unter den Erwartungen, aber die Margen liegen durch Kostenersparnis bei Personal, Werbung etc. über den Erwartungen. Und das wird gefeiert. Ich meine, wie lange kann denn das gut gehen?! Es kommt mir komplett unlogisch vor. Aber was weiß ich schon?!
Nothing. But…
Der CNN-Index schreit EXTREME GREED. Und mir ist schlecht.
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Stay holidayed.
Während Markus schon seit einer Woche aus dem Urlaub zurück ist und fleißig vom Wahn an der Wall Street berichtet, bin ich noch im Urlaubsmodus. Ich dümpele vor mich hin, mache das, was Spaß macht, anstelle dessen, was eigentlich sein muss.
Klar, ohne Börse geht es nicht. Manchmal ärgere ich mich, dass ich anders wohl nicht mehr kann. Manchmal denke ich, ist doch toll, dass es so ist. Manchmal denke ich gar nix.
Offen gesagt, grusele ich mich vor dem Markt, dem angeblichen Superbrain, das immer recht hat. Denn mit rechten Dingen geht es nicht zu. Es gibt tausend Begründungen, warum es weiter aufwärts geht und dass das alles schon seine Berechtigung hätte, aber in mir schreit alles: Get the fuck out of here.
Was in meinem Fall leider keine gute Wahl, denn es würde heißen Buchverluste zu realisieren. Ohne Buchverluste bin ich gerade einen weiteren EFT losgeworden. 5.000 Euro Einsatz für so ein ESG-Ding, was Ende 2021 super lief und ich mir habe „aufschwätzen“ lassen, in welchem Podcast, der keine Finanzberatung sein will, auch immer.
Mir wurde schon oft schlecht, wenn ich den rot-grünen Zahlentänzen auf meiner Lang und Schwarz-Watchlist zugesehen habe, aber das, was momentan abgeht, kann irgendwann nur wieder in einer blutroten Schlachteplatte enden.
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Memo to Self.
Weitermachen. Löschen. Oder nichts tun und diesen vor einem Jahr aus Spaß und Gründen der „Selbstkontrolle“ gestarteten Blog in den unendlichen Weiten des World Wide Web untergehen lassen… Ich bin nach wie vor unentschlossen. Jetzt fahre ich erstmal in den Urlaub, eine Woche Meer. Gerne würde ich alle Gedanken an die Börse zu Hause lassen, aber ich weiß, dass mir das nicht gelingen würde und nehme es mir deshalb gar nicht erst vor. Seit zwei Jahren gibt es keinen Urlaub, in dem ich mir nicht doch ab und an eine Folge „Alles auf Aktien“ anhöre oder Markus Kochs Closing Bell läutet. Dass er kommende Woche in Germany unterwegs ist und deshalb nicht täglich berichten kann, trifft sich gut.
Vor Abflug möchte ich für den Fall, dass ich weitermache, noch schnell ein paar Ideen zurücklassen, just in case…
Thema(1) Dumb Money – schnelles Geld.
Unter diesem Titel ist im November 2023 ein Film in die deutschen Kinos gekommen, der die wahre Geschichte erzählt, wie Privatanleger in den USA die GameStop-Aktie hochtrieben und Hedgefonds um Milliarden brachten. Erst Anfang dieses Jahres habe ich mitbekommen, dass der Film lief. Er fand in keinem der vielen Podcast, die ich regelmäßig höre, Erwähnung. Was mich extrem wundert. Ich könnte mal nachfragen.Thema(2) Eigentlich wollte ich 2024 fürs erste nichts Neues ins Depot legen und dann habe ich es doch getan: Merck, Pernod Ricard, Enel, Porsche (Nachkauf)
Thema(3) Was lange währt… Die ersten Aktien liegen jetzt im Depot von Sohn2
Thema(4) Stop Stalking Schrottaktien
Thema(5) Tolles Börsenjahr 2023? Von wegen!
ich kann es nicht mehr hören. Sämtliche Börsen-Berichterstattung schwadronieren vom tollen Börsenjahr 2023 und wie hammermäßig die Kurse gestiegen sind… Dabei wird verschwiegen, dass etliche Aktien 2023 einfach nur in dem Maße gestiegen sind, wie sie 2022 gefallen waren. Meines Erachten entsteht ein Zerrbild, das vor allem unerfahrene Anleger fehlleiten kann.5 Themen, 5 Gründe weiterzumachen. Eigentlich. Oder nicht.
Warum eigentlich nicht?! -
2024 und weiter?
Tja, gute Frage. Ich bin hin- und hergerissen zwischen a) den Scheiß ganz sein lassen, abwarten, was aus meinen investierten 50.000 in zwei, drei, fünf Jahren wird und die anderen 50.000 in Festgeld anlegen b) dranbleiben, aber nur passiv, nicht handeln, aber weiter lernen oder c) neuen Mut finden, kontinuierlich weiter in Aktien und ETF investieren – ggf. kombiniert mit d) geduldig auf den nächsten Crash warten und dann endlich, wie ich es mir schon so oft vorgenommen habe, im Tief Aktien dazu kaufen.
Unabhängig von allem: Meine Sparpläne, die ich aus meinem Einkommen finanziere, lasse ich weiter laufen. Sie sind im vergangenen Jahr mein erfolgreichstes Invest gewesen. MSCI All-Country-World und der Health Care-ETF haben sich gut entwickelt, auch Clean Energy erholt sich allmählich und der neu dazugekommene Sparplan auf Tesla hat meiner Besessenheit von diesem Wert endlich befriedet. Ebenfalls neu: Ich habe mir zum Geburtstag im September eine LMVH-Aktie geschenkt und das möchte ich nun jedes Jahr wiederholen.
Für das Weitermachen spricht, dass ich schon sehr viel Zeit investiert habe, mir Börsenwissen anzueignen, durch Podcasts, Bücher, Zeitschriften und viele eigene Überlegungen, kombiniert mit den nun zweijährigen Erfahrungen als „Retail Investor“ mit vielen Höhen und Tiefen, die ich täglich am Markt sammele. Die Wahrscheinlichkeit, in Zukunft besser agieren zu können, sollte dagegeben ist.
Fürs Aufgeben spricht, dass ich die viele Zeit, die ich täglich in die Börse investiere, und die monetär unterm Strich bislang immer noch Verluste ausweist, anderweitig einsetzen könnte, nämlich, um andere Vorhaben zu verfolgen (Schreiben) und um Geld zu verdienen (Texten).
Bislang kann ich mich nicht so recht entscheiden.
Oder entscheidet „es“ ohnehin mich?Fakt ist, dass ich in der ersten Börsenwoche des neue Jahres zwar die Aufnahme des täglichen Informationsflusses reduziert habe, aber doch sehr wohl auf dem Laufenden bleiben will, meine Depots im Auge behalte und im Kopf fortwährend neue Anlege-Ideen für 2024 entwickele.
Es ist und bleibt spannend, mitzuerleben, wohin sich The Market alias das Superbrain im Jahr entwickelt. Derzeit geht es abwärts. Ich sitze am Ufer und lauere auf Chancen, ob ich will oder nicht. Es ist einfach so. Ich habe wohl gar keine Wahl zwischen den eingangs aufgeführten a) bis d)-Varianten. Das ist die Wahrheit, die ich mir nur noch eingestehen muss.
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Bye 2023. Loser der Rally, c’est moi.
Faszination Börse, fast zwei Jahre, exzessiv. Und dann, am 14. September 2023, verließ mich die Motivation. Vor allem die Motivation, dieses „Private Investor Sentiment“-Tagebuch weiter zu führen. Doch nun raffe ich mich auf, um einem Jahresrückblick festzuhalten…
Als ich mit meinen Berichten aufhörte, war auf den in Podcast so gescholtenen „statistisch schlechtesten Börsenmonat“ (August) ein weiterer schlechtester Börsenmonat (September) gefolgt, bevor dann im Oktober alles so richtig massiv „in die Grütze ging“, wie Mario Lochner immer so schön zu sagen pflegt. Die Buchverluste schwollen täglich an. Mein Techlabor aka Schrott-Depot war beim Abstürzen natürlich wie immer ganz weit vorne, diesmal erstmals über 50% im Minus.
Die Stimmung war apokalyptisch, die Angst enorm. Extreme Feer. Ein Kaufsignal, wie ich schon oft gelernt hatte. Und WIEDER hatte ich in diesem Moment des flächendeckenden Kursverfalls keinen Mut, im größeren Stile einzukaufen. Obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte.
Dankbar bin ich für einige Nachkäufe, die ich in dieser Phase immerhin vorsichtig getätigt habe: Orsted, Hexagon, Porsche, FMC. Grundsätzlich aber war ich, wie jedes Mal, wenn die Börse crasht, völlig verängstigt und wie gelähmt, so dass ich die folgende Rally, die von November bis Jahresende im Dax sogar ein All-Time-High hervorbrachte, wieder einmal verpasst habe. Die wievielte verpasste Gelegenheit war das eigentlich innerhalb von zwei Jahren? Gefühlt die zwanzigste, ernsthaft geschätzt: die fünfte.
Gut auch, dass ich im Peak meine 3.500€-Nike-Position mit Verlust gegen einen 30%-Gewinn aus Neste neutralisieren konnte. Denn das Klumpenrisiko bei Nike und Adidas hatte mich schon länger genervt. Weiterhin habe ich die auf 6.000€ angeschwollene Postion Berkshire Hathaway verkauft, mit 500 Euro Gewinn(!) – und habe während der ganz großen Börsenparty mein Ur-Suppen-Depot beim S Broker ohne Verluste um 12.000€ abgeschmolzen.
Insgesamt bin ich nun, zum Jahresende nur noch mit 50.000 Euro investiert, konkret:
36.500 in Aktien (inklusive Dividenden und ein paar kleinen Gewinnen, die ich reinvestiert habe und 8.000 in ETF, 1.500 in Bitcoin, 2.000 auf einem Verrechnungskonto und die fehlenden 2.000 ergeben realisierte Verluste, die ich aufholen muss, bevor ich überhaupt mal Rendite aus meinen Aktivitäten ziehe.
Die anderen 50.000 liegen bei TradeRepublic für 4% Zinsen.Year to Date: Ich weiß nicht, wie ich weitermachen will. Rational betrachtet hätte die Börse gerne mal eine Weile komplett aus dem Kopf, um meine Kraft in andere Anliegen und Pläne zu investieren. Andererseits ist es ja so, dass Wallstreet & Co. mich nach wie vor interessieren und faszinieren. Darüber hinaus ist da auch die Angst, durch einen Rückzug, der gar nicht wirklich von Herzen kommt, sondern einer angenommenen Vernunft folgt, womöglich genau in diesem Jahr Chancen zu verpassen, die ich mit der Erfahrung von heute besser nutzen könnte.
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In the middle of noch ein weiterer „Schlechtester Börsenmonat“.
Here we go. Nach dem August ist der September „statistisch gesehen“, wie es so schön heißt, ein weiterer schlechter Börsenmonat. Kaum ein Podcast hat dies vergessen zu erwähnen. Die ewigen historischen Vergleiche und statistischen Betrachtungen. Allmählich frage ich mich, wie diejenigen, die das Geschehen bereits seit Jahrzehnten verfolgen, es aushalten, jedes Jahr aufs Neue die althergebrachten Weisheiten wiederzukäuen.
Die aktuelle Stimmung: Keinen Bock mehr. Gilt nicht nur für mich, sondern auch für einen großen Teil der Markus Koch-Community, wie er gestern in der Closing Bell angemerkt hat. Seine Zuschauerzahlen schrumpfen mit jedem Tag, den die Börse richtungslos und unberechenbar vor sich hin dümpelt. Und das sind inzwischen viele Tage.
Der Markt, the Market aka das Superbrain, verhält sich wie ein verzogenes Kleinkind. Sag ich jetzt mal so. Ein Beispiel von vielen: Gigant 3M gestern 5% runter, wegen… eigentlich nichts. Bei Oracle vor ein paar Tagen noch krasser: 13% runter aufgrund einer minimalen Verfehlung der Erwartungen. Der Analysten! (Kotzemoji)
Insgesamt: Liquidität dünn. Nervosität groß.
Das Dumme Geld gibt auf. Das Smarte verharrt.
Irgendwie so vielleicht….?!
Bis morgen ein Grund geliefert wird, um „in die Schwäche hinein“ wieder zu kaufen.Wie auch immer man es dreht, warum auch immer z.B. Berkshire gerade wieder täglich steigt (eigene Aktienrückkäufe?) – der Markt tanzt auf Scherben. Mein Meinung.
Und was mache ich so? Mein Ende August ausgerufenes „Aktien-Kauf-Verbot, jetzt!“ habe ich leider nicht eingehalten, was – haha, wie soll es anders sein… – dem Depot neue Verluste eingebracht hat. FMC Corp., eines meiner All-Time-Darlings, weil ich an innovative (Skeptiker würden sagen „manipulierte“) Landwirtschaft glaube (und überhaupt Agrar), steht nach wenigen Tagen minus 14% und Porsche ist nach kurzem Up nun auch auf der Verliererspur, bei mir aktuell 4% im Minus.
Ich habe es satt. Nicht endgültig. Ich kann mir schon vorstellen, hier und da bei meinen Stocks of Interest weiterhin zuzugreifen, außerdem noch den ein oder anderen Sparplan auf ETFs und Aktien zu etablieren, doch das tägliche rot-grüne BlingBling und die entsprechend aufgeheizte Berichterstattung sind Gift für mein System, meine Seele, meine Nerven, mein Wohlbefinden.
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Null Ahnung und davon jede Menge.
Was wäre wenn…
der Arbeitsmarkt weiter an Dynamik verliert,
die Wirtschaftskraft weiter nachlässt –
und die Inflation dennoch nicht maßgeblich sinkt.Das wäre doch ein mögliches Szenario – in dieser Börsenphase der Widersprüche, in der permanent nichts zum anderen passen will, obwohl tägliche Erklärungen dennoch gefunden (aus den Fingern gesogen?!) werden. Schlaue Erklärungen einer Börsen-Berichterstattungs-Maschinerie, die ihre Bedeutung verlieren würde, wenn alle sagten: Wir haben null Ahnung.
Ja, ja, mir ist klar, ich bin das Dumme Geld, das keine Ahnung hat. Nur mein Instinkt sträubt sich seit Monaten gegenüber dem, was vor sich geht. Ich habe inzwischen massenhaft Texte gelesen und unendlich viele Stunden mit Podcasts und You-Tube-Videos verbracht, dass es mir mehr als seltsam, ja unheimlich erscheint, was seit Monaten vor sich geht.
Vielleicht ist es ja eine Phase am Markt, die es so tatsächlich noch nie gab und die nur retrospektiv erklärt werden kann. Obwohl so viele es Tag für Tag aktuell einordnen wollen.
The truth is: We know nothing. And nothing knows us.