Börse persönlich

  • Nieder mit NVIDIA.

    Donnerstag und Freitag ging es zur Abwechslung mal runter mit der Aktie aller Aktien. Jener Aktie, die den Markt seit Monaten dominiert und wie eine Gottheit der weltweiten KI-Revolution beschworen wird. Die Aktie, die aktuell das enge Kopf-an-Kopf-Rennen der US-Tech-Giganten gewonnen hat und damit zum wertvollsten Unternehmen der Welt avanciert ist.

    NVIDA over all, nun auch wertvoller als Apple und Microsoft, nachdem sie Alphabet und Amazon schon lange hinter sich liegen gelassen hat. Und ich denke so: Geht’s noch?! Ein Unternehmen, dass Computerchips designd, die es nicht einmal selbst produziert, sondern in dieser Hinsicht voll von Taiwans TSMC abhängig ist, soll wertvoller sein als alle Apples dieser Welt und um einiges wertvoller als der gesamte DAX zusammen?

    Es ist surreal, nach meinem Empfinden, wie der absurd anmutende Markwert von NVIDIA fortwährend als angemessen dargestellt wird. Die Aktie sei nicht überbewertet, so behaupten es die Experten. Mir sind Kennzahlen im allgemeinen, trotz ersthafter und ausgiebiger Beschäftigung, nach wie vor ein Rätsel. Vor allem, weil sie unterschiedlich interpretiert werden können und die Angaben sich auf unterschiedlichen Portalen häufig gar nicht decken.

    Was die Bewertungen und Prognosen von NVIDIA angeht, komme ich überhaupt nicht mehr mit. Es wird so getan, als sei der Run auf die KI-Chips durch nichts zu erschüttern. Und das, obwohl sich täglich Parameter ändern und die Welt sich in einem Tempo dreht, das keiner Prognose standhalten kann. Wie viele Voraussagen lagen in den zweieinhalb Jahren, in denen ich die Börse täglich verfolge, vollkommen daneben?! Die Hälfte, würde ich sagen. Wenn ich nur daran denke, welche Kursziele für Tesla ausgerufen wurden als ich anfing oder wie Meta 2022 für tot erklärt wurde! Jedes Mal, wenn ich nun höre oder lese, dass das KGV von NVIDIA keinesfalls zu hoch sei, im Hinblick der überwältigenden Aussichten, denke ich nur: What the fuck! Wer will denn wie weit nach vorne ernsthaft etwas sehen können!?

    Und bevor der Vorwurf kommt… Na klar, bin ich neidisch und frustriert, dass ich den Jesus aller Wertpapiere nicht im Depot habe. Natürlich kotze ich, dass ich NVIDIA Anfang des Jahres nicht bei 400€ gekauft habe, weil sie mir damals schon zu teuer vorkam, und noch mehr, dass ich die Aktie in 2022 für läppische 160€ liegen gelassen habe. Gemeint sind die Kurse vor dem Aktiensplit, die man jetzt durch zehn teilen muss. Was noch perverser anmutet. NVIDIA für 16€, jetzt 120€. Ist doch logisch, dass ich diese Gewinne gerne hätte! Aber das steht auf einem anderen Blatt. Es hat mit meiner Skepsis gegenüber der Kursentwicklung und meinen Zweifeln an der Berichterstattung nichts tun.

    Das einzig Gute in meiner Beziehung zu NVIDIA ist, dass ich niemals, zu keinem Zeitpunkt, einen Kauf erwogen habe, jedenfalls niemals ernsthaft. Es gab nie diesen einen Moment, in dem ich den Wert in die Ordermaske eingab und es mir anders überlegte. Und so ärgere ich mich zwar, die Rally zu verpassen, empfinde aber nicht den Schmerz, der es wohl wäre, wenn ich die Aktie trotz wochenlanger Beobachtung ausgelassen hätte, oder zu spät gekauft oder, noch schlimmer zu früh verkauft hätte. Letzteres wäre sehr sicher geschehen. Weil ich das ewige Ansteigen bar jeder Vernunft wohl kaum ausgehalten hätte. So wie mein Kumpel E., der eine große Position verkaufte, nachdem sie sich in seinem Depot verdoppelt hatte, nur um anschließend dabei zuzusehen, wie sie sich ohne ihn weiter verdreifachte. Mir ist dasselbe in der Vergangenheit bei Tesla passiert. Unerträglich.

    Apropos Tesla. Ich wollte Tesla immer haben. Und bin unzählige Male an dem Wert gescheitert. Ich habe die Aktie unendlich oft hin und her getradet, nie viel gewonnen, dafür Unmengen an Nerven verloren. Angstverkäufe mit kleineren Verlusten waren ebenfalls dabei. Ein bisschen Frieden habe ich gefunden, seit ich einen Sparplan eingerichtet habe. Seit September 2023 gehen jeden Monat 100€ in Tesla. Leider ist der Impuls für kurzfristige Wetten auf Tesla damit nicht vollends abgestellt, aber wenigstens besänftigt.

    NVIDIA dagegen wollte ich nie unbedingt besitzen und im Sparplanformat reizt mich die Aktie ebenfalls nicht. Ob das Unternehmen tatsächlich über lange Jahre stark wachsend erfolgreich bleiben wird? Ich glaube nicht daran. Meine eigene Prognose ist, dass sich der Hot Stock King kurzfristig erstmal verbilligen wird. Für mich wäre das mehr als logisch. Ein Hype, der endet. Damit alle Aktien wieder Luft bekommen und sich die Lage endlich ein Stück normalisiert. Deshalb fühlen sich die 7% Minus der vergangenen Woche richtig gut an. Für die nächste wünsche ich mir von Herzen eine Fortführung des Abstiegs. Es würde meinen Verstand retten.

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  • Apple short. Love long.

    Morgens aufwachen und von allen Gedanken an die Börse befreit sein. Das Wunder, das ich mir gestern gewünscht habe, ist leider nicht geschehen. Ganz im Gegenteil. Um 4:30 Uhr konnte ich nicht mehr schlafen. Weil sofort das Grübeln einsetzte. Was soll ich tun, damit der Schmerz des Misserfolgs nachlässt? Dreimal tief durchatmen und weitermachen mit dem Investieren? Und wenn ja, wie? Das Handtuch werfen, alles verkaufen, Verluste als Lehrgeld deklarieren, damit Ruhe ist? Eine Weile pausieren, mich sortieren, dann weitersehen?

    Einer Tatsache muss ich mich stellen: egal ob Handtuch oder Pause, es käme einem Entzug gleich. Die Art Entzug, wie man sie von Social Media kennt. Eine toxische Beziehung mit Facebook oder in dem Fall mit Depots und Watchlisten beendet man nicht mal eben so auf Basis einer vernünftigen Entscheidung. Denn die Verlockung ist allgegenwärtig, auf dem Handy sogar allzeit bereit. Die blinkenden Aktienkurse auf meiner 177-Werte-Lang & Schwarz-Watchlist sind für mich das, was für andere der News Feed von TikTok oder Instagram ist. Manchmal denke ich, dass es weniger um Geld als um das Erfolgserlebnis geht. Endlich auf das richtige Pferd setzen!

    Was auch immer mich so sehr einnimmt, dass ich nicht mehr von der Börse loskomme. Das Ergebnis des stundenlangen Grübelns im Bett war: 5.000 Euro in Apple. Es kam mir in diesem Moment, um 5:00 morgens, plötzlich total plausibel vor. Ich dachte: DAS ist die Lösung meines Tech-Defizits und damit mache es endlich gut, von KI und Tech abgehängt zu sein. Mit Apple wäre ich dabei, endlich. Meine Euphorie basierte vor allem auf der Spekulation, dass die neuen iPhones das Gadget für Privatsphäre-Fetischisten werden würden und das weltweit. Apple Intelligence rules.

    Während ich Kaffee kochte, löste sich meine Überzeugung in Luft auf, als ich in der Closing Bell, die zur ersten Tasse Kaffee dazu gehört, von einer Umgewichtung der Werte Nvidia und Apple in einem maßgeblichen Tech-ETF erfuhr, die Apple voraussichtlich schwächen könnte. Nur eine Randmeldung, gar nicht so tragisch womöglich, aber für mich ein Hinweis, meinen Kaufimpuls zu hinterfragen. Gut so. Denn war Apple bei einem Kurs von etwas über 200€, einem bislang noch unkonkreten KI-Versprechen und nach wie vor dünnen Verkäufen in China wirklich so eine super Idee?

    Ich lies Apple liegen. Statt dessen stockte ich am frühen Nachmittag Relx um weitere 25 Anteile auf. Irgendwas MUSSTE ich tun. Muss ich natürlich nicht. Aber genau das ist das Problem. Dieser Zwang, etwas zu tun. Woher auch immer der kommt. Der Relx-Kurs ging dann, na was wohl: runter. Wenigstens nur leicht. Stärker gab Snowflake nach. Es ist der jüngste Wert in meinem Depot, gekauft aus einer Laune heraus, in der Hoffnung auf einen bevorstehenden Turnaround, dann noch zweimal aufgestockt, inzwischen liegen 2.500€ drin. Genau das wollte ich lassen! Nun bin ich 15% im Minus und will die Aktie nur noch los sein, allein deshalb, damit ich mir nicht täglich ansehen muss, dass ich mir womöglich einen neuen Schädling in Gestalt einer viel zu hoch bewerteten Wachstumsaktie ins Nest gelegt habe.

    Na ja, okay, Börse hin oder her mit all diesen negativen Gefühlen. Glücklicherweise gibt es das echte Leben. Das steht bei mir hoch im Kurs. Und das beste Invest, das es gibt, ist die Liebe. In sie vertraue ich. Und in der Liebe kann Kontrollverlust mitunter sehr sexy sein. Sich fallen lassen. Eine Rally for two – an diesem schwül-warm, verregneten Nachmittag. Sekt trinken, sich verbinden, Nähe zelebrieren, die Zeit stillstehen lassen. Die Aktien können dann machen, was sie wollen. Die Börse ist runter vom Radar. Handy auf stumm. Alles ist gut. Und wie heißt es so schön… Pech im Spiel. Glück in der Liebe. Würde ich tauschen wollen?!

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  • Börsenbedingte Belastungsstörung.

    Die überwiegend negative Entwicklung meiner Depots und das empfundene Versagen beim Geldanlegen belasten mich momentan dermaßen, dass ich mich phasenweise irgendwie krank fühle. Es ist wie eine Erkältung, die täglich schlimmer wird. Der Markt steigt, aber ich partizipiere nicht, obwohl ich mich Tag und Nacht mit der Börse beschäftige. Der Frust, nicht in Tech investiert zu sein, ist riesig. Richtig ärgerlich ist, dass ich einen Tech-ETF und einen Halbleiter-ETF bessen habe, die ich irgendwann, während einem der zig Einbrüche, die ich seit 2021 erlebt habe, mit Verlust verkaufte. Beide wären jetzt saftig im Plus, round about 50%, obwohl sie zwischenzeitlich auch mal 30/40% abgeschmiert waren. Völlig crazy. Leider habe ich sie nicht mehr. Das kann man erklären, mit der Stimmungslage in der damaligen Situation rechtfertigen und hin und her schön reden, aber es ist und bleibt unerträglich.

    Ich fühle mich grottenschlecht mit meinen Invests und als ob das nicht schon genug wäre, hat in meinem ZERO-Depot heute noch der Oberhammer zugeschlagen. Carl Zeiss Meditec ist 20% abgestürzt. Gewinnwarnung. Ich hätte die scheiß Position während einem merkwürdigen Anstieg im Frühjahr mit schmalen 200€ Verlust komplett rauswerfen könnten. Im Nachhinein glaube ich, der Markt hatte, getrieben von woher auch immer, die Aktie für einen KI-Play gehalten. Das wäre für mich La Bonne Chance gewesen… Aber nein, diesen Schädling, der mich schon einige Nerven gekostet hat, habe ich behalten. Ich hielt die Aktie aufgrund des allgemeinen Ratschlags, Gewinne laufen zu lassen. Tja, ging in dem Fall nach hinten los. Dass ich die durch mehrere Griffe ins fallende Messer viel zu groß gewordene Position mittlerweile wenigstens von 4.000 auf 2.300 verkleinert habe, tröstet mich ein wenig.

    Die Börse macht, was sie will. Also alles Glückssache? Wie auch immer. Nie im Leben war ich bei einem Projekt, in das ich mich so tief hineingekniet habe, dermaßen erfolglos. Seit mehr als zweieinhalb Jahren beschäftige ich mich exzessiv mit der Börse, sieben Tage die Woche, täglich mehrere Stunden. Die investierte Zeit jedoch hat sich bislang vergleichsweise wenig ausgezahlt. Wenn man von dem massig angehäuften Wissen einmal absieht.

    In den vergangenen Tagen habe ich meine Depots runtergefahren, diesmal immerhin mit kleinen Gewinnen, die größer gewesen wären, wenn ich früher gehandelt hätte. Enel, Veolia, RWE, Unilever: alle raus. Nachdem ich mich in der vorherigen Woche bereits von Aurubis, Xiaomi, Xylem, Merck und dem Schweiz-ETF getrennt hatte.

    Meine Investition ist auf 35.000€ geschrumpft, verteilt auf 20 Werte. Und vorhin habe ich dann etwas getan, das ich lange ausgeblendet hatte. Ich habe die Buchverluste addiert, 8.850€, und mit der Gesamtsumme ins Verhältnis gesetzt. Das Ergebnis: Ich liege, Stand 17.06.24, um die Mittagszeit, mit meinem Portfolio insgesamt rund 24% im Minus.

    Wie weiter? Wie schaffe ich es endlich, NICHTS zu machen? Denn das wäre wohl das Beste. Ab sofort. Vor allem den Gedanken loswerden, etwas „gut machen“ zu müssen. Das sage ich mir jedes Mal, wenn ich meine Engagements reduziert habe. Jedesmal ist es dieselbe Schleife: Ich kaufe Aktien mit großer Hoffnung, nicht selten der großen Hoffnung auf einen kurzfristigen(!) Turnaround. Manchmal steigen die Kurse tatsächlich und ich freue mich, fühle mich erhaben, bis aus irgendeiner Richtung neues Ungemach aufzieht. Dann verwandele ich die Aktien in Cash und kurz darauf fange ich wieder damit an, dieses Cash erneut in alles Mögliche zu stecken. Als sei es eine Pflicht, Aktien zu kaufen. Statt mir zu sagen: Ich MUSS nicht investiert sein. In fallende Kurse hinein kaufe ich häufig nach. Beinahe zwanghaft. Mit dem Ergebnis, das neue Verluste in meinen Büchern stehen. Bislang bin ich nie den vernünftigen Weg gegangen und das das von Einzelaktien befreite Kapital ohne viel Tam Tam und Emotion in einen Welt-ETF investiert.

    Wieso mache ich das nicht? Wird es mir diesmal gelingen?
    Wäre eine Auszeit die beste Anlage?

    Erstmal ein Bier.

    Und wer weiß, vielleicht sieht die Welt ja morgen schon ganz anders aus. Cool wäre, ich würde morgen früh aufwachen und wäre, wie durch ein Wunder, über Nacht von allen Gedanken an die Börse befreit worden. Wenigstens für den Rest des Jahres. Ommmmmm.

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  • Schädlinge kann ich.

    Vier Wochen sind vergangen seit meinem letzten Eintrag. Krass. Ich bin echt verblüfft. Vier Wochen. Ich hatte null Motivation, über mein Sentiment ein Wort zu verlieren. Denn es geht mir nicht besonders gut. Was nicht nur, aber wohl hauptsächlich mit der Börse zu tun hat. Denn der Frust ist zurück. Dieses schreckliche Loser-Gefühl! Vor allem dadurch verursacht, bei der Selected-Tech-Rally, angeführt von Nvidia, nicht dabei zu sein. Und obendrauf jeden Tag auf das eigene Depot starren, in dem es Stück für Stück abwärts geht, insbesondere in den vergangenen zwei Wochen, in denen sich mein seelischer Zustand zunehmend verdunkelt hat.

    Die Dinge laufen gerade insgesamt nicht rund, weder im Job, noch privat. Es hakt und knarzt an allen Ecken und Enden. Erfolg gleich null. Dazu das anhaltend schwimmbadfeindliche Wetter.In einer wenig erfreulichen Gemengelage gibt mir die Börse dann den allerletzten Rest. Der Misserfolg im Depot wirkt wie ein Booster eines allgemein Gefühl der Machtlosigkeit.

    Ich ärgere mich über die scheiß Börse, kapiere nicht, warum Tech keinen Dämpfer bekommt, fürchte mich regelrecht vor der Rally dieser wenigen Aktien. 43% der Gewinne im S&P liefert eine einzige Aktie, Nvidia. Tendenz täglich steigend. Und das soll normal sein? Dieser Wahnsinn soll real sein? Nur weil das KGV sich in Grenzen hält! Es wird überall behauptet, es sei begründet. Aber hey, es wird so viel erzählt und kurz darauf das Gegenteil.

    Und von wegen Füße still halten! Seit dem letzten Eintrag, in dem ich diese Parole ausrief, habe ich zahlreiche Änderungen vorgenommen. Aktien verkauft. Ich habe erneut Nullsummen-Verlust-gegen-Gewinn-Trades getätigt, die ich mir eigentlich untersagt hatte. Eigentlich – DAS ist meine Börsenstrategie. Andere verfolgen eine Dividendenstrategie, ich bin die Expertin der Eigentlich-Strategie.

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie regelmäßig ich torpediere, was ich mir vornehme. Ich frage mich, ob meine Vorsätze Bullshit sind, wenn ich sie ja doch nicht einhalte und ich womöglich gar nicht so schlecht darin tue, sie zu missachten. Immerhin stehe ich damit diesmal ganz gut da. Ich bin eine Reihe von Einzelaktien los, habe den Home-Bias reduziert (Merck, Aurubis), einen viel zu groß gewordenen Verlust-Frust-Wert (Carl Zeiss Meditec) von 4.000 auf 2.300 verkleinert, unterm Stich mit den gesamten Verkäufen sogar einen kleinen Gewinn erzielt und ein paar tausend Euro zurück in Free Cashflow verwandelt. Jetzt muss ich dieses Geld bloß noch risikoarm investieren. Ob es mir wohl endlich gelingen wird?!

    Was ich mir vor vier Wochen außerdem vorgenommen hatte: Keine neuen Schädlinge ins Depot holen! Haha, ich sage bloß: Snowflake! 17% im Minus. Obwohl vieles dafür spräche, das die Aktie wieder anspringt. Die letzten Quartalszahlen waren gut, die Aussichten auch. 2.) Erscheint mir das Geschäftsmodell, als könne die Company im Zusammenspiel mit den großen Playern nachhaltig vom KI-Hype profitieren. 3.) Einige Hedgefondgrößen haben den Wert im ersten Quartal 24 neu gekauft (wie ich bei Hedge Follow recherchiert habe) 4.) Tech-Kenner Pip Glöckler hält seit langem eine große Position und sehr große Stücke auf das Unternehmen. Und 5., last but not least, hat sogar Warren Buffet eine Position im Portfolio. Aaaaaber, es ist, wie bei so vielen Werten, für die ICH mich entscheide: Snowflake segelt weiterhin nach unten. Und ich sitze durch zweimaliges Nachkaufen auf 350€ Euro Verlust.

    Ewig derselbe Fehler. Immer und immer wieder. Ich kaufe nach, was nicht läuft, Neste ist da ein weiteres gutes Beispiel, und verpasse zuverlässig die Aktien, die sich positiv entwickelt hätten. Vergangene Woche KKR und Casey’s, die ich kurz davor war zu kaufen, und die seither beide über 10% gestiegen sind. Oder vor einigen Wochen Palo Alto, seitdem 30% hoch. Das wäre gutes Timing gewesen. Aber ich habe nicht gekauft. Es fühlt sich unglaublich mies an, immer wieder neu daneben zu greifen, wie eine Bestätigung der eigenen Unfähigkeit. Und das muss einen auf Dauer doch depressiv machen! Den Gedanken, alles hinzuschmeißen, hatte ich in den letzten Wochen wiederholt und massiv.

    Derzeit schaue ich täglich meinen schönen RWE-Gewinnen beim Schmelzen zu. Kürzlich waren es noch rund 500€ und am Freitag nach Börsenschluss nur noch 250€ davon übrig. Es kotzt mich an. Warum habe ich mir den Gewinn nicht einfach geschnappt?

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  • Superbrain Bashing & Self Reflection at the Sweet Spot.

    Nichts machen. Das ist eigentlich mein Plan. Jedenfalls keine großen Sprünge. Solange der Markt die teilweise unerklärlichen Ausschläge vollführt. Es fällt mir zugegebenermaßen schwer, an der Seitenlinie zu stehen. Ich überlege trotzdem täglich, was ich tun könnte. Ab und an handele ich auch. Die letzten Aktionen waren Johnson & Johnson (2.000) und Snowflake (1.500) und ein minimaldosiertes Aufstocken bei Neste, Aurubis und Hexagon.

    Und, na klar, hinterfrage ich regelmäßig, ob die Seitenlinie tatsächlich klug ist. Stichwort: Time in the Market beats Timing the Market. Eine der goldenen Börsenregeln. Gleichzeitig aber traue ich dem, was gerade abgeht, keinen Millimeter über den Weg. Ich würde meine anhaltende Skepsis, die auf der Angst vor einer Wiederholung der mehrfach erlebten Abstürze in 2022 und 2023 basiert, inzwischen als Dauerzustand bezeichnen. Da ist natürlich Selbstreflexion angebracht.

    Ich reflektiere mein Sentiment regelmäßig, wie sehr es von Angst geleitet ist und ob die Angst tatsächlich berechtigt ist. Im Ergebnis bleibe ich beim Konzept der Zurückhaltung. Ich könnte eigentlich pausieren, mich anderen Dingen widmen, aber das will ich nicht. Die Börse umtreibt mich zu sehr. Deshalb bleibe ich weiter am Puls der täglichen Geschehnisse und pflege meine Portfolio in kleinen Dosen. Ich versuche, den Bestand zum Blühen zu bringen und mir keine neuen Schädlinge einzuhandeln. Einem Turnaround-Kandidaten wie Walgreens beispielsweise, oder auch heruntergekommenen Tech-Werten wie Block oder Exact Science, die mich allesamt reizen, widerstehe ich standhaft, so schwer es mir fällt.

    50.000€ meines Gesamtbudgets sind nach wie vor bei TradeRepublic mit 4% verzinst. Rund 47.000 sind in Aktien, ETF, Bitcoin angelegt, 3.000 liegen cash bei meinen Brokern verteilt. Das ist der Status. Er bedeutet zum Jahresende nach Steuern rund 1.500€ Zinsen, dazu kommen ca. 500€ Euro an Dividenden. Durch Verkäufe (Bitcoin, Daimler Truck) habe ich bislang rund 2.000€ „gemacht“. Dies alles zusammen genommen wären bereits ca. 4% Rendite in 2024. Im Ergebnis keineswegs to the moon, aber sicherlich kein Grund, sich zu grämen. Auf dieser Basis scheue ich das Risiko noch mehr.

    „Grund für den steigenden Markt ist der steigende Markt. (…) Die Angst, die Rally zu verpassen, ist größer als die Angst, in eine Korrektur hineinzulaufen.“
    Markus Koch

    Bei mir ist es umgekehrt, ich habe mehr Angst vor der Korrektur. Die Rally habe ich nun schon so oft verpasst, da kommt es auf ein weiteres Mal nicht mehr an. Ich bin mit dem, was ich habe zufrieden, kann ruhig schlafen. Nachkäufe haben bislang gut funktioniert. Das Schrottdepot habe ich mental als Altlast outgesourced und faktisch bei einem Broker zusammengeführt.

    Neben FOMO und dem Comeback der Meme-Aktien präsentieren aktuelle Umfragen bei den großen Fondmanagern, dass 64% keine Rezession erwarten und die Kassenquote nur 4% beträgt, was so wenig ist wie zuletzt im Hoch 2021. Markus Koch hat davon gesprochen, dass wir uns in einem „Sweet Spot“ befinden, eine Phase der (empfundenen?) idealen Bedingungen für steigende Kurse.

    Ich selbst frage mich, ob die einzige Phase, die an der Börse vorherrscht, nicht die Übergangsphase ist. Übergangsphase als Dauerzustand. Ein Transitbereich von sich täglich ändernden Parametern, aus denen der Markt irgendwas macht, hin und her, nicht selten ohne Sinn und Verstand, getrieben von den Launen seiner „Betreiber“ (aka „Markteilnehmer“). Warum ihm das erstaunlicherweise einen Superbrain-Status einbringt? Vielleicht, weil es besser ist, den Markt als Allmacht zu verherrlichen, als zuzugeben, dass niemand, nicht einmal „Mr. Market“ einen Plan hat.

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  • Roaring Bitcoin, Kitty & die Meme Medien.

    May I proundly present on todays stockmarket catwalk: der Bitcoin in kräftigem Dunkelgrün. Ein Plus von mehr als 7%. Schaue ich in mein Depot, ist der Stand der Dinge weniger spektakulär. Ich bin mit meiner Anfang April etablierten Position genau da, wo ich gestartet bin. Seither Ups and Downs, Feer and Greed, viel Rauch um nichts, wie bei sämtlichen Indizes, die nach der V-förmigen Erholung nun wieder neuen Allzeithochs entgegen gieren.

    Tiefrot dagegen heute meine liebe Neste, ein finnisches Unternehmen auf einem Vorreiterweg vom Mineralöl zu Erneuerbaren Energien und Kreislaufwirtschaft. Die Aktie wird leider heftig angezählt. Diesmal, weil im Geschäftsbereich „Renewable Products“ die Marge korrigiert werden musste, wofür sie der Markt mit einem Minus von 12% abstraft. Ich habe daraufhin nachgekauft, zehn Aktien, wie immer, diesmal für rund 190€. Warum ich das tue und keine Angst vor dem „Fallenden Messer“ oder dem „Melting Icecube“ habe? Mir erscheinen die Zahlen insgesamt nicht so katastrophal, die Aussichten erst recht nicht – und ich denke, die Aktie gehört derzeit unabhängig von Meldungen perse zu den Ungeliebten, weil: falsches Segment. Der Markt hat gerade keinen Bock auf Nachhaltigkeit, hält ESG insgesamt für renditeschädlich. Was abzuwarten bleibt. Nebenbei verdeutlicht es doch einmal mehr, dass „Mr. Market“ kein Superbrain ist und sich im Grunde null für die Zukunft interessiert, sondern kontinuierlich nur die täglichen Launen einpreist.

    Market Sentiment: Greedy.
    Mein Sentiment: Genervt.
    Vor allem von der Berichterstattung.

    Die Sau, die weiterhin durchs Dorf getrieben wird, heißt Roaring Kitty. Klar, ist die Rückkehr der Meme-Aktien ein gefundenes Fressen. Überall wird berichtet. Aber wie! Ich bin völlig entsetzt, auf welche Weise „Alles auf Aktien“ das Thema heute aufbereitet hat, nachdem es gestern nur kurz angesprochen worden war. Im Podcast der Welt-Redaktion will ein Team aus Wirtschafts- und Finanzjournalisten angeblich „wertvolle Tipps für eine erfolgreiche Geldanlage“ liefern. Die Berichterstattung rund um GameStop erfolgte allerdings in einer Tonalität, die Privatanleger regelrecht zum Zocken anstiftet, vor allem als am Ende noch voller Stolz die Zuschrift des glücklichen Hörers Jonas präsentiert wird: „Bin durch euer Briefing gestern wieder auf GameStop aufmerksam geworden und darf jetzt einen Urlaub buchen mit Budget von 1.200€. War ein wilder Ritt und besten Dank dafür.“

    Vor Verlesung des Hörerkommentars war bereits von Novavax und dem riesigen Kursanstieg der vergangenen Tage die Rede gewesen und die „Chance, dass es doch nochmal was werden kann mit der Aktie“ in Aussicht gestellt. Denn diese sei seit dem Sanofi-Deal deutlich gestiegen. Wenn das, trotz Risikohinweis, keine Anleitung zum Zocken ist, was dann?

    „Alles auf Aktien“, eigentlich eine gute Möglichkeit, sich kompakt über die Ereignisse des Vortags zu informieren, fällt mir zunehmend negativ auf. Im „Thema des Tages“ oder in der „TrippleA-Idee“ werden Begehrlichkeiten nach „Gewinneraktien“ geweckt und Hörerinnen und Hörer mit Tipps auf risikoreiche Turnaround-Aktien versorgt oder in Themen-ETFs mit hohem Risiko hineingetrieben, samt konkret ausgewählten WKNs (Product Placement!) in den Shownotes. Da können die Macher hundertmal betonen, es handele sich „nur um Gedanken und Ideen“ und keinesfalls um Anlageempfehlungen. Ich frage mich, ob diese Menschen so tief in ihrer Bubble stecken, dass sie gar nicht mehr merken, was sie da veranstalten und dass ihr Tun wenig mit Journalismus gemein hat. Womöglich ist das Heißmachen auf schnelle Gewinne aber auch ein kalkuliertes Tool des Spinger-Verlag-Ablegers. Die Schlagzeilen, mit denen der Podcast täglich aufmacht, haben zweifellos Bild-Zeitungs-Niveau.

    Es wäre interessant, wie viele der „treuen AAA-Hörerinnen und Hörer“ nach der Empfehlung, die angeblich keine war, bei Novavax oder Gamestop eingestiegen sind.

    Am Ende des Tages: Gamestop -35%. Schade für die, die nicht so viel Glück beim Timing hatten wie „Hörer Jonas“ und statt einen Urlaub zu gewinnen ein Drittel ihres Urlaubsgeldes verzockt haben. Und womöglich die ganze schöne Reise, wenn die Aktie morgen weiter fällt.

    Mal sehen, wie der Wahnsinn weiter geht. Mir bestimmt weiter auf den Keks.

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  • GameStop reloaded.

    Roaring Kitty ist zurück.
    Gestern DAS Thema an der Wall Street. So berichtet Markus Koch in seiner „Closing Bell“, die bei mir jeden Morgen zum ersten Kaffee dazugehört. Roaring Kitty alias Keith Gill hat auf X verschiedene Posts abgesetzt und veranlasste den Sender NBC auszurufen: „He’s back.“

    Gibt’s ja nicht! Ausgerechnet jetzt.

    Was für eine erstaunliche Duplizität der Ereignisse. Erst am Wochenende habe ich den Kinofilm, basierend auf der wahren Geschichte rund um den Finfluencer Roaring Kitty und GameStop gesehen. Er lief im Herbst 2023 in Deutschland im Kino, was ich erst Anfang dieses Jahres mitbekommen hatte. Und das obwohl der Film meinen Namen trägt. Nirgends in den vielen Finanzpodcasts gab es ein Hinweis. Was ich seltsam finde.

    Und nun also: Die Rückmeldung des Anführers der Wall Street Bets-Communitiy. Durch massives Investieren in GameStop hatten unzählige Kleinanleger einige Hedge-Fonds, die mit riesigen Summen gegen die Aktie gewettet hatten, zum Straucheln gebracht. Die Rache der Kleinanleger an den Finanzhaien! Wird die Story sich fortsetzen? Die ersten Postings von Roaring Kitty sorgten für viel Aufregung auf allen Finanzkanälen und für einen erneuten Run auf die Aktien. Neben Gamestop (+80%) stieg AMC (+100%), außerdem Tupperware (+35%) und andere beliebte Meme-Werte der über Mauerstraßenwetten vernetzten Privatanleger.

    Wie lustig, dass das, was bei Novavax seit Freitag abgeht, perfekt dazu passt.

    Einerseits ist es lustig. Aber irgendwie auch ein alarmierendes Zeichen, dass der Wahnsinn ausgerechnet in dieser Phase erneut in den Markt schwappt. Seit vielen Monaten ist es ein Markt, den die erfahrensten Börsenkenner oft nicht erklären können. Übertreibungen und Casino-Feeling bestimmen phasenweise die Kursentwicklungen, unterbrochen von Zeiten voller Panik. Feer & Greed wechseln innerhalb von Tagen, häufig Ausschläge in die „Extreme“- Zonen. Neutral ist der Markt so gut wie nie. Die Rallys sind meist nur mit „Momentum“ begründbar. Mir ist das alles gleichbleibend unheimlich. Und nun ist auch noch Roaring Kitty ohne erkennbaren Anlass nach drei Jahren aus dem Nichts wieder aufs Parkett getreten…

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  • Novavax, Novafuck, Nova what?

    Es regt mich auf, dass so getan wird, als sei es total WOW, dass Novavax am Freitag 100% gestiegen ist. Die Schlagzeilen übertrumpfen sich gegenseitig. So als gäbe es einen Anlass zur Freude. Von wegen. Wenn sich bei einer derartigen Bewegung jemand freut, dann Day Trader und Spekulanten. Während Privatanleger, die in Corona in die Aktie investiert haben, sich angesichts der Begeisterung für den Kursanstieg mächtig verarscht vorkommen müssen.

    Es ärgert mich, wenn in Börsenpodcasts und auf YouTube-Kanälen bei derlei übertriebenen Ausschlägen entsprechend euphorisch vorgetragen wird, diese oder jene Aktie sei „durch die Decke gegangen“. Manchmal könnte ich regelrecht schreien. Weil der Zusammenhang komplett ausgelassen wird. Kein Wort darüber, woher die Aktie kommt. Statt dessen wird ein unerfahrener Anleger auf die Fährte gelockt, wie einfach es sein kann, an der Börse innerhalb eines Tages sein Geld zu vervielfältigen. Merken die Macher, die sich Journalisten nennen, gar nicht, was sie da tun? Oder ist es part of the game, um Zuhörer anzufüttern?

    „Die Aktie hat sich am Freitag einfach mal verdoppelt“, heißt es salopp im „Ohne Aktien wird schwer“-Podcast, „nachdem der Konzern eine Lizenzvereinbarung mit dem französischen Pharma-Giganten Sanofi abgeschlossen hat.“ So die Erklärung. Das war’s. Wie viele Hörer werden sich denken: Krass, das klingt doch solide, da will ich doch auf jeden Fall dabei sein.

    Eine Einordnung fehlt. Kein Wort davon, dass Novavax im Corona-Hype Februar 2021 mal 280€ wert gewesen war. Was einen Anstieg von 4€ auf 8€ komplett lächerlich macht, selbst wenn dies 100% bedeutet. Ob die Sanofi-Kooperation sich tatsächlich nachhaltig positiv auf die Aktie auswirken wird, weiß niemand. Es könnte auch ein Strohfeuer sein. Aber auch das findet keinerlei Erwähnung.

    Ein Absturz vom absoluten Hoch von 280€ auf einen Tiefststand von 3,50€, so etwas glaubt niemand, der die Erfahrung nicht selbst gemacht hat. Es wird zwar oft vor Totalverlust gewarnt, aber dass solche Niedergänge gar nicht selten sind, kann sich ein Anfänger nicht vorstellen. Ich selbst bin durch zu viel Risikobereitschaft, angefeuert durch „Experten“, anfangs mehrmals in die Fallen übertriebener und unüberlegter Berichterstattung getappt. Da können sie hundertmal behaupten, es sei keine Anlageberatung.

    Ich kenne jemanden, der Novavax im Dezember 2021 für 170€ gekauft hat, sie ein Jahr später bei um die 80€ aus Scheu vor den Verlusten weiter hielt, und nun auf 30 Novavax-Aktien sitzt, die einmal 5.000€ wert waren. Seine Freude, dass die Aktien im Wert von zuletzt rund 100€ nach der „Rally“ am Freitag und dem erneuten heutigen Anstieg von 50%, nun insgesamt 360€ wert sind, hält sich in Grenzen. Er nennt die Aktie seit langem nur noch Novafuck.

    Freitagnachmittag lag Novavax zwischenzeitlich sogar bei 200%. Das wurde heute auch nirgends erwähnt. Was dahinter stecken könnte ebensowenig. Irgendwas mit Shortsellern. Kapiert eh niemand.

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  • Hope, Schrott or what?

    Gestern, am Feiertag, der an der Börse keiner war, kam mir mit Blick auf die steigenden Xiaomi-Kurse plötzlich eine Idee… Wieso nicht für die bei Varta geretteten 300€ Xiaomi kaufen und aus den „Magnififuck 7“ die „Hopeful 8“ machen? Möglich, dass sich der Aktienwert des chinesischen Tech-Riesen innerhalb der nächsten Jahre vervielfacht, während andere wie Apple zurückfallen. Eine Umwidmung von Schrott zu Hope wäre für das Karma des Depots auch nicht das Schlechteste.

    Vergangene Woche spielte ich mit dem Gedanken, PayPal zu verkaufen, um meinen bislang noch vorhandenen Einsatz von 1.000€ lieber in Xylem zu investieren, dem einzigen Wert im Schrottdepot, der eine positive, ja sogar sehr positive Entwicklung zeigt, plus 30% aktuell. Wobei sich dabei natürlich die Frage nach dem „Wie lange noch…“ stellt.

    Vielleicht sollte ich sogar beide Ideen verbinden. PayPal verkaufen und die 1.000€ plus die 300€, die von Varta übrig sind, sprich 1.300€ komplett in Xiaomi stecken.

    Oder ich könnte, wie letzte Woche ebenfalls überlegt, mit den 300€ rund 150 Anteile der völlig heruntergekommenen SunPower kaufen, die dann im Falle einer Erholung einen echten Boost-Effekt hätten. Aktuell scheint es so, als würden Aktien im Sektor Nachhaltige Energien wieder anspringen. Meine Mini-Position im Clean Energy-ETF erholt sich jedenfalls kräftig. Windkraft wird momentan Leben eingehaucht, siehe Siemens Energy, was Solar mitziehen könnte.

    Eine weitere Möglichkeit für die 300-Varta-Euro (oder in der Kombi mit den 1.000-Pay-Pal-Euro) wäre eine Aufstockung bei Tomra. Recycling, wenn auch gerade unbeliebt, ist ein Schlüsselthema, besonders in der Zunkunft, und das norwegische Unternehmen ein Big Player.

    Anhand dieser Überlegungen wird eines wieder einmal klar: Börse ist f****** komplex.

    Jede Entscheidung, und sei es „nur“ die Ausgabe von 300€, ist in unzähligen Varianten denkbar, was mich wirklich verrückt macht. Momentan bemerke ich, nicht nur an diesem Beispiel, dass ich viel zu viel über Investitionsmöglichkeiten nachdenke, mehr Zeit investiere als nötig wäre.

    Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass der gewinnbringendste Trade für mich derzeit weiterhin in der Zurückhaltung liegt. Der Markt, der in meinen Augen nicht das unfehlbare Superbrain ist, für dass er gehalten wird, ist völlig verwirrt und weiß nicht, wohin die Reise gehen soll. Ich erst recht nicht. Also halte ich mich weiter an mein Mantra: Ich verpasse momentan nichts.

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  • Superbrain sucks.

    Der Markt ist lächerlich. Genau das dachte ich gerade mit Blick auf meine – ja, krass: 175 Werte – Watchlist. Es kam mir einfach so in den Sinn, ohne darüber nachzudenken, wie so eine Aussage wohl bei Experten und Börsenkennern ankommen würde.

    Die Watchlist, bei der mir der Gedanke kam, ist nur eine von vielen Watchlists und Musterdepots, die ich angelegt habe und verfolge. Ich bin manisch, gar keine Frage. Aber ich sehe im Beobachten der zappelnden Zahlen eine tägliche Übung, sich zu vergegenwärtigen, dass der Markt weder ein Superbrain sein kann, noch irgendwie „übermenschlich“ und gar weise, wie man es bei einem erwarten würde, der angeblich klüger sei als alle anderen. Der Markt macht das, was er eben macht, zappeln, nach Lust und Laune. Die Tagesnachrichten sind das eine, die Reaktionen darauf etwas anderes. Zwar vollführen Heerscharen sogenannter Experten, Analysten und Journalisten tagtäglich das Kunststück zu erklären, was abgeht, aber eben nur rückwirkend. Taschenspielerei als Wissenschaft. Überprüfen kann die Aussagen sowieso niemand, da sie sich nahe am Kaffeesatzlesen bewegen – und das Geschwätz von heute schon morgen niemanden mehr interessiert. So gesehen ist nicht nur der Markt, sondern der komplette Apparat um ihn herum irgendwie lächerlich. Außer natürlich zur Unterhaltung. Die tägliche Berichterstattung ist ein Gesellschaftsspiel zum Zeitvertreib.

    Denn was passiert denn Tag für Tag? Das Superbrain schlingert stundenlang hin und her, mal träge, mal panisch, vollführt seine Ausschläge vor und zurück, je nachdem, wer gerade was sagt. Seit Wochen beobachte ich meine Depots und die diversen Listen mit demselben Eindruck: Die Bewegungen sind groß, aber es geht nichts voran. Was heute steigt, fällt morgen wieder – und umgekehrt. Der Markt bewegt sich seitwärts, die Berichterstattung überschlägt sich trotzdem.

    An einem Tag wird „Rohstoffe“ gerufen, am nächsten wieder einmal „KI“ und nebenbei wird unermüdlich das beliebte Zinserhöhungs-Zinssenkungs-Fingerhakeln auf dem Rücken der zehnjährigen Staatsanleihen ausgetragen. Dazwischen Quartalszahlen, mal besser, mal schlechter als erwartet. Dazu die täglich wechselnde Bewertung der geopolitischen Lage, der Wirtschaftsdaten, der US-Staatsschulden, des Einflusses der bevorstehenden US-Wahlen auf die Aktienkurse, das Konjunktur-Roulette in China und noch ein paar andere Faktoren, die im Grunde austauschbar sind.

    Es ist wahrscheinlich einigermaßen belächelnswert, wenn das Dumme Geld sich wagt, den Markt lächerlich zu nennen. Aber was ist es denn sonst?! Infineon, gerade noch das Kellerkind, nach schlechten Zahlen innerhalb weniger Stunden 13% rauf. Und auch Varta, mein wegoperierter Depottumor, hangelt sich momentan täglich +5% weiter nach oben. Alles getrieben, durch irgendwelche möglicherweise(!!) gewinnbringenden Vorhaben, die die Unternehmen verbal in Aussicht stellen. Irgendwas mit KI wahrscheinlich, und viel heiße Luft.

    Momentan bin ich müde, ja gelangweilt, von der Lächerlichkeit des Marktes. Und diese Müdigkeit ist gut. Sie ist die beste Voraussetzung für ruhige Tage. Und die genieße ich derzeit. Verbunden mit der Hoffnung, dass es so bleibt, zumindest bis auf weiteres.

    Als ich am 23. April über mein FOMOfree for Life-Gefühl schrieb, waren die Märkte nach einer Korrektur, die aufgrund schlechter Zahlen von Meta und ASML sowie neuer Zinsangst ein paar Tage angehalten hatte, wieder auf dem aufsteigenden Ast unterwegs gewesen. Seitdem gab es viel Hüh und Hott quer durch alle Branchen, inklusive eines kurzfristigen Einbruchs beim Bitcoin. Mittlerweile hat sich die Kryptowährung erholt und die Börse ist insgesamt wieder dort angekommen, wo sie sich vor der Abwärtsbewegung Mitte April befand.

    Ich habe in dieser Zeit ein paar überschaubare Nachkäufe getätigt (Neste, Aurubis) und drei Positionen neu etabliert: Johnson & Johnson (2000), Snowflake (1500) und Comcast (1000) . Außerdem bin ich mit insgesamt 1.250€ wieder neu in Bitcoin eingestiegen. All diese Invests, insgesamt immerhin nahezu 6.000€, habe ich ohne große Aufgeregtheit oder Erwartung an schnelle Erfolge getätigt, dafür nach Recherche mit bestmöglicher Überzeugung auf mittlere bis lange Sicht.

    Ich freue mich so sehr, wie gut es sich anfühlt: dieses rational empfundene Handeln.

    „Rational empfunden“ nenne ich es deshalb, weil es keine wirklich rationalen, im Sinne von gesicherten Entscheidungen und Handlungen an der Börse gibt. Was die Entwicklung von Einzelwerten angeht, und seien sie noch so vernünftig und durchdacht ausgewählt, gilt am Ende doch: Der Markt hat immer Recht. Nämlich auch: Wenn er nicht Recht hat. Und Letzteres ist, auch wenn das als Börsenweisheit niemals akzeptiert würde: einigermaßen lächerlich.

    Von Adidas… bis Zoom, ein Traum in Rot und Grün.

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