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Sucht lass‘ nach oder drei Tage Kroger.
Bis vor kurzem noch konnte ich mir kaum vorstellen, dass ich mich weniger mit der Börse beschäftigen könnte und auf Podcasts weitgehend verzichten. Aber genau das hat sich nun eingestellt. Einfach so. Es kommt manchmal sogar vor, dass ich puren Widerwillen verspüre, sobald eine der Podcast-Eröffnungsmelodien ertönt und ein Host in jovialem Tonfall die bislang übersehene Super-Aktie XY aus der Kategorie Smal Cap anpreist oder eine bevorstehende Silber-, Uran-, Wasserstoff- oder Russel2000-Rally ankündigt. Wenn ich dergleichen höre, denke ich inzwischen „lass gut sein“, „what the fuck wisst ihr schon“ oder sowas in der Richtung und mache wieder aus.
Allerdings würde ich lügen zu behaupten, dass ich über Nacht komplett clean bin. Einen Ausrutscher gab es vergangenen Freitag. Da habe ich, getriggert von den guten Walmart-Ergebnissen kombiniert mit einem länger schon bestehenden Interesse an der Supermarkt-Kette Kroger bei deren Aktien zugegriffen. Soviel ich mir zusammengelesen habe, engagiert sich der US-Gigant für gesunde Ernährung durch ein für Amerika unüblich großes Angebot an frischen Lebensmitteln und setzt insgesamt den Fokus auf Eigenmarken, die bessere Margen erzielen. Da ich eine menschenfreundliche Ausrichtung kombiniert mit Geschäftsinn für eine gute Kombi halte, habe ich die Aktie schon länger auf dem Zettel.
Obwohl ich ehrlich gesagt, keine Ahnung habe, ob meine freundliche Sicht auf Kroger valide ist, kaufte ich am Freitag 40 Anteile à 48,38€, was rückblickend so ziemlich das Tageshoch darstellte. Anschließend war ich wieder komplett „drauf“, checkte ständig mein Depot fühlte mich beim Verfolgen des fortan fallenden Kurses zunehmend unwohl. Der Ärger auf mich selbst wuchs mit jedem Null-Komma-Prozentanteil, den es mit der Aktie abwärts ging…
Lange Rede, kurzer Sinn: Kroger ist gestern wieder rausgeflogen. Verlust 60€, ab in den Topf. Ich habe die Aktie drei Tage gehalten und mich gequält. Und was lerne ich daraus: Mein Verhältnis zur Börse ist zwar mittlerweile um einiges weniger toxisch, aber die Entgiftung ist noch lange nicht abgeschlossen. Davon abgesehen: Für 60€ kann ich wieder besser schlafen.
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Halbtagspanik mit Open End.
Wall Street for Nervenheilanstalt. Das war gestern. Heute ist Black Monday. Jedenfalls am Vormittag. Zum Start des Handelstags war der Montag richtig krass black, deep black, wie es schwärzer kaum noch geht, also eigentlich: blutrot.
Grottenschlechte Vibes aus Japan wegen Zinsen und damit verbundenen, geplatzten Zins-Währungs-Geschäften („Carry Trades“) des smarten westlichen Geldes, vermengt mit den eigentlich seit Monaten bekannten Problemen (Zinsen, Konjunktur), die bereits vergangene Woche für mächtig Verkaufsdruck gesorgt haben, plus einer Schippe schwelendem Nah-Ost-Säbelgerassel oben drauf.
Morgens konnte man seinen Augen kaum trauen, so extrem waren vorbörslichen Kursvorgaben aus Asien. Für ein paar Stunden ging daraufhin die Welt unter. Der Nikkei war in der Spitze unfassbare 12,4% im Minus. Aber hey, dann wurden um 16:00 wieder irgendwelche neuen Wirtschaftsdaten in den USA verlesen und plötzlich ist doch alles nicht so schlimm. Schwarz ja, aber doch nicht so schwarz wie gedacht. Jedenfalls kommen nach dem Mega-Rutsch wieder die Käufer aufs Parket. Nur welche werden das sein…?!
Diejenigen, die sich an so einem irrational theatralischen Tag sicherlich ins Fäustchen lachen, sind die Trader. Sie haben sich mittags in der Phase der größten Hysterie reingezeckt in den Markt, um nach wenigen Stunden mega abzusahnen. Und smarte Langzeitinvestoren wie Hedgefonds behalten die Nerven und stopfen sich die Taschen voll. Auf Kosten der „zittrigen Hände“ der Privatanleger, die mit so einer Situation nicht umgehen können, und panisch ihre Aktien im ungünstigsten Time Slot zu Dumpingpreisen auf den Markt werfen. Da greifen die Profis gerne zu. Schon im Laufe des Tages ging es mit manchen Papieren wieder 10% rauf.
Klar, wäre ich in dieser Situation gerne auch mal eine Traderin und werde blass vor Neid, wenn ich sehe, was möglich ist. Bei Coinbase wären beispielsweise fünfzehn Prozent und mehr Gewinn in wenigen Stunden machbar gewesen. Und wenn schon nicht das, hätte ich zumindest bei 650€ eine ASML oder bei 350€ eine Microsoft for long einsammeln sollen… Das ärgert mich. Aber es wird wohl immer so sein, dass ich mich in solchen Moment nicht traue.
An einem Tag wie diesem ist das Starren auf Kurse wie eine Fahrt in der Geisterbahn. Die Panik ist Fake und du gruselst dich trotzdem. Ich grusele mich sehr in solchen Momenten, obwohl ich darauf gefasst bin, bleibe aber diesmal vergleichsweise cool. Um überhaupt etwas zu tun, ohne allzu viel zu riskieren, habe ich mir meine zweite LVMH-Aktie ins Depot gelegt für rund 630€ und für 250€ Bitcoin beim Kurs von 58.000€ zugekauft. „Überhaupt etwas tun“, dieses zwanghafte Müssen, manchmal ist der Impuls stärker als ich. Immerhin diesmal im Rahmen.
Der Montag endet dann weniger schlimm als es vormittags aussah, aber doch blutig. Ich glaube nicht, dass es das schon war mit der Abwärtsbewegung. Aber ich weiß mittlerweile, dass ich nichts weiß, niemals. Genau wie alle Börsenvorhersage-Onkels (und ein paar wenige Tanten) dieser Welt, die im Grunde auch wissen, dass sie nichts wissen, aber ihre Brötchen damit verdienen, dass sie so tun als ob.
Ein Turnaround-Tuesday ist immer möglich.
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Wall Street for Nervenheilanstalt.
Not normal, was ständig am Markt abgeht.
Oder ist es doch normal. Seit meinem Aktienkauf-Debüt im Winter 2021 habe ich die Börse zumindest nie anders erlebt. Selten wurde die Kirche im Dorf gelassen. Ich habe kaum Phasen mit steigenden und sinkenden Kursen in einer nachvollziehbaren Wellenbewegung gesehen. Entweder die Stimmung ist voller Euphorie und die Kurse steigen und steigen als gäbe es nie wieder schlechte Zeiten – oder: die Stimmung geht auf unter Null und es fühlt sich so an, als sei es das Ende der Welt und der Beginn fallender Kurse für die nächsten Jahrzehnte.
Oft frage ich mich, ob das schon immer so war oder ob es ein Resultat des Zeitgeistes ist. So wie beim Wetterbericht ein normales Gewitter als schwere Unwetterwarnung angekündigt wird, so können an der Börse Erwartungen, die nur leicht verfehlt werden, zu Abverkäufen führen, die die Kraft besitzen, einen Crash auszulösen. Hysterie pur.
Ist Überreaktion die neue Normalität?
Vergangene Woche war ein Paradebeispiel dieses Wahnsinns. Montag leichte Bewegungen, hauptsächlich seitwärts. Dienstag dann auf einen Schlag, zack, runter, Chipwerte teilweise zweistellig in den Keller. Mittwoch, peng, S&P und Co. plötzlich dunkelgrün, die abgestraften Chipwerte wieder zweistellig rauf. Donnerstag, wums, alles wieder runter auf Dienstagsniveau. Und dann, Freitag, knall, bumm, so richtig krass ab durch die Kellerdecke ganz nach unten.
Ej Alder, echt jetzt, du hast sie doch nicht mehr alle!!! – möchte ich den Markt anschreien. Tue ich aber nicht, weil ein massiver Abverkauf nach meinem Gefühl das Rationalste und Nachvollziehbarste ist, was dieses vermeintliche Superbrain in den letzten Wochen hervorgebracht hat. Ich habe es nicht anders erwartet, ja, sogar herbeigesehnt. Wie seit Monaten schon, seit Jahren, denn ich bin die Mike Wilson der Kleinanlegerinnen oder auch the last Marko Kolanovic. Während die beiden vormals angesehenen Analsysten kürzlich ihre Hüte nehmen mussten zur Strafe für ihre perma-bärische Haltung, habe ich weiter die bearishe Flagge hoch gehalten. War nicht irgendwie klar, dass die Börse einbrechen würden, wenn die letzten großen Bären kapitulieren?!
Und wie es so ist, mit einem Abverkauf, der diesmal, ja diesmal (vielleicht tatsächlich endlich) ein großer Crash werden könnte… Ist der da, kommt in mir doch die Angst hoch. Vorbereitet oder nicht, es ist immer wieder ein Schock, zu erleben, wie schnell es abwärts geht! Auf das Tempo war ich wieder nicht gefasst. Während mein Depot am grünen Mittwoch, 31. Juli 2,5% = 420€ gut machte und einen Gesamtwert von 17.400 auswies, sind am Ende der Woche nur noch 16.700 übrig, was einem Minus von 4% entspricht. Und damit stehe ich, verglichen mit techlastigen Depots sicherlich noch gut da. Angefühlt hat sich wie ein 10%iger Sturz.
Der Grund für den Kurssturz war ein Cocktail aus schwachen Konjukturdaten, verbunden mit der Sorge, dass die FED die Zinsen zu spät senkt, ein schwächer als erwarteter Arbeitsmarkt, erhöhte geopolitische Risiken und die Frage nach der tatsächlichen Wirtschaftlichkeit der enormen KI-Ausgaben für die einzelnen Unternehmen.
Übers Wochenende versuche ich mich so gut wie möglich vorzubereiten, erstelle eine Crash-Shopping-List, mache einen Plan, bei welchen Kursen ich wo und in welchem Umfang einsteige und vorhandene Werte in meinem Depot aufstocke. Ein Vorhaben ist, den bei JustTrade geparkten Betrag von 10.000€ stur in ein All-Country-World-ETF zu investieren, am besten wahrscheinlich in vier bis fünf Tranchen. Außerdem möchte ich Aktien aufsammeln, die ich schon lange haben oder wieder haben möchte, wie ASML, Veolia, L’Oreal oder Siemens.
In meinem Depot befinden sich aktuell nur noch 10 Positionen. Nach dem alternativlosen Rausschmiss von SunPower vor zwei Wochen habe ich mich vergangene Woche auch von TOMRA getrennt als sich bei nur noch minimalem Verlust von 30€ (es waren mal 300€) die Gelegenheit geboten hatte. Eine gute Entscheidung, glaube ich. Vor allem, weil ich das Papier mangels Überzeugung inzwischen nicht mehr haben möchte. Paypal habe ich behalten, weil ich, gestützt durch das gute Quartalsergebnis, an dessen Turnaround glaube. Ob das eine gute Entscheidung war, wird sich zeigen. Mittwoch noch im Plus, ging es im Zuge des allgemeinen Tech-Crashs natürlich erstmal wieder ordentlich runter.
Sehr erstaunlich finde ich derzeit Fiverr… Wird das Unternehmen noch einmal von den Toten auferstehen? Ich könnte mir vorstellen, das eine verstärkte Vermittlung von KI-Freelancern ein Wachstumsfeld sein könnte. Aber wer weiß. Ich bleib mal hoffnungsvoll und halte. Die einzige Aktie, die ich aktuell in meinem Depot lieber nicht mehr sehen würde, ist HelloFresh. Ich bin knapp davor, sie glattzustellen. Aber bei einem Restwert von 155€ die Flinte endgültig ins Korn zu werfen, lohnt sich eigentlich nicht, solange in der Aktie wenigstens noch ein bisschen Leben ist und das heißt: Conveniece Food, Tierfutter oder wahlweise eine Übernahme.

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Wenn 70% Verlust ein Gewinn sind.
Sonntag erzählte ich von meinem SunPower-Fail powered by Maydorns Meinung und dem damit ebenfalls verbunden VARTA-Verlust, ohne in dem Moment zu ahnen, dass der deutsche Batterie-Hersteller wenige Stunden darauf mit einer totalen Bankrott-Erklärung daher kommen würde. Wie es nun aussieht, werden dank fragwürdiger Abwicklungsverfahren, die Aktien auf Null gesetzt und die Aktionäre gehen entsprechend komplett leer aus.
So unglaublich das ist, kann ich mich nun also freuen, immerhin 30% meiner – dank Alfred fälschlicherweise zuversichtlich – in VARTA investierten 1.000€ gerettet zu haben, sprich 300€. Nach heutigem Stand wären die 30 Aktien, die ich im Oktober 2022 gekauft hatte, nur noch rund 40€ wert.
Die Aktie ist am Montag 75% gefallen, am Dienstag weitere 25% und heute rund 30%. Wenn das so weitergeht, wird sie bis zum Ende der Woche so gut wie verschwunden sein. Es geht den Verkäufern mittlerweile wohl weniger um die Sicherung des lächerlichen Restwerts, als darum, die Papiere überhaupt noch los zu werden.
Wie gut, dass ich mich schon vor einigen Wochen von dem Schrott getrennt habe. Soll ich mich nun darüber freuen, immerhin 300€ gerettet zu haben, statt der kaum erwähnenswerten 40€, die heute übrig gewesen wären? Vielleicht. Klar, könnte ich. Aber so recht gelingt es mir nicht. Denn mit jedem Negativ-Beispiel, wie es Anlegern an der Börse ergehen kann, egal ob mit SunPower oder VARTA, wird mein Vertrauen in den Finanzmarkt weiter erschüttert. Und wenn ich mir anschaue, wie es heute insgesamt abwärts gegangen ist, wird es kaum besser. Wer weiß, was mir mit Fiverr, Curevac, Tomra oder Paypal noch blühen mag…

Einzelwerte bedeuten Kontrollverlust.
Für mich mittlerweile eine der wenigen Börsenweisheiten mit echtem Wahrheitsgehalt. -
2.000€ für Maydorns Meinung.
Donnerstagabend, halb zehn, mit einem Bier auf dem Balkon, nach einem schönen Tag, inklusive ein paar Stunden am See. Die Börse hat sich nachmittags ein bisschen ausgekotzt, was mich nicht beunruhigt, da ich ohnehin permanent damit rechne.
Wie immer am Ende des Tages werfe ich kurz vor Neobroker-Trading-Schluss einen letzten Blick auf das Geschehen des Tages… Und bekomme dann doch einen Schock versetzt. SunPower ist um 40% gecrashed. Und das, obwohl die US-Solaraktie in den Wochen zuvor eine kleine Erholung erlebt hatte. Sie war in meinem Depot immerhin von -90% auf -80% „gestiegen“.
Ein paar Details über die Gründe sind im Netz sogar zu finden, allesamt völlig desaströs, u.a. eine Abstufung auf 0(!) Euro. Meine 90 Aktien zeigen in diesem Moment einen Restwert von 125€ an, sprich 92% unter dem Einstandspreis von 1.465,00€. Ich hatte im November 2022 40 Stücke à 22,03€ gekauft und im März 2023 beim Kurs von 11,64€ die Position um 50 weitere aufgestockt. Durchschnittskurs: 16,25€. Seither ging es kontinuierlich bergab. Das letzte Hoch gab es Ende Juni bei 2,80€, davor einen Ein-Tages-Spike auf 4,20€ im Zuge des kurzfristigen Roaring-Kitty-Meme-Aktien-Spektakels.
Innerhalb weniger Minuten traf ich die Entscheidung, die Position zu liquidieren. Raus aus dem Depot, bevor der Schrott womöglich unverkäuflich wird. Beim Kurs von 1,38€ landeten die 125 restlichen Euro auf meinem Verrechnungskonto und 1.340€ im Verlusttopf, der damit auf round about 4.000€ anschwillt.
Wie bei Varta hat auch dieser realisierte Verlust zu einer Erleichterung geführt. So bitter es ist, wenn jegliche Hoffnung auf eine wenigstens teilweise Erholung dahin ist, so befreiend ist es a) den Wert optisch aus dem Depot zu haben und b) genau diese naive Hoffnung zu begraben. Während ich bei Varta immerhin 30% retten konnte, bleiben bei SunPower lediglich 8,5% des eingesetzten Kapitals übrig. Der Verlust beträgt insgesamt: 2.000€.
Ich muss schon sagen… Ein hoher Preis für „Maydorns Meinung“. Denn darauf geht die Anschaffung beider Aktien zurück. In YouTube Videos unter der Flagge des Börsenmagazins „Der Aktionär“ präsentiert Alfred Maydorn wöchentlich seine persönliche Einschätzungen zu einem Strauß ausgewählter Aktien, die gerade unter Kleinanlegern angesagt sind. Ich bin in der zweiten Hälfte 2022 bei ihm eingestiegen, als ich Einordnung und Orientierung suchte, vor allem wegen Tesla. Anfangs hielt ich es für eine seriöse Quelle. Leider realisierte ich erst nach und nach, wie umstritten Maydorn und wie toxisch der Output von „Der Aktionär“ insgesamt zu werten ist. Als ich mir dessen bewusst wurde, hatte ich Varta und SunPower bereits im Depot.
Entgegen der Schuldzuschreibungen seitens der Finfluencer, dass alleine die Konsumenten der Börsennachrichten für die eigenen Entscheidungen verantwortlich sind, kann ich mich nur wiederholen: Die Schuld trifft die Absender mindestens zur Hälfte. Denn selten werden die persönlichen Einschätzungen der so called „Experten“ neutral präsentiert. Sie werden zwar „Tipps“, „Hinweise“ und „Anregungen“ genannt oder auch „Gedanken und Ideen“, sind jedoch im Grunde nichts anderes als genau die Kaufempfehlungen, die sie in Disclaimern explizit ausschließen zu sein. Was sollen WKNs konkreter Aktien und ETF-Produkte, die in den „Show Notes“ verlinkt werden denn sonst sein?!
Die Verantwortlichen der Inhalte scheren sich einen Dreck um ihr Geschwätz von gestern. Der Begriff „Verantwortung“ wird ohnehin in Warnhinweisen weggebügelt. Und so interessiert es nicht, dass das, was am 13. Juli 2023 noch als „Strong Buy“ angepriesen wird, vierzehn Tage später in einem „Kursdesaster“ endet, wie ein Screenshot eindrucksvoll dokumentiert:

Leider ist „Der Aktionär“ keine Ausnahme. Die Nachrichten vom Vortag spielen an der Börse insgesamt keine Rolle. Viele Aussagen sind nur einen Tag, manchmal nur einigen Stunden gültig. Sogar hochdekorierte Analysten seriöser Bankhäuser irrlichtern bei ihren Auf- und Abstufungen im täglichen Nachrichtendickicht herum. Kurzum: Es handelt sich bei der täglichen Börsenberichterstattung um eine Art Kaffeesatzlesen mit hohem Unterhaltungswert. Was nicht weiter schlimm wäre. Das Gefährliche daran ist jedoch, dass es unter dem Deckmantel angeblicher Expertise geschieht. Und das muss man als Privatanleger erstmal begreifen. Zumal Finfluencer ihr Irrlichtern bewusst so darstellen, als sei es hilfreich, wenn nicht gar essentiell, die richtigen Finanzentscheidungen zu treffen. Wer würde ihnen sonst auch folgen?
Rückblickend habe ich mir schon oft gewünscht, ich hätte mich von Beeinflussern weniger beeinflussen lassen. Mittlerweile hinterfrage ich jede News kritisch. Es ist ziemlich kniffelig, Informationen nutzbar aufzunehmen, ohne Beeinflussung zuzulassen.
Verlorenes Geld als Lehrgeld anzusehen, macht den Verlust zumindest konstruktiv.
2.000€ sind weg.
Dafür ist Maydorns Fluch beseitigt.
Halleluja!Wer Lust, Zeit und Nerven hat, sich näher mit dem Irrsinn von Börsenberichterstattung und deren Gefahren für die finanzielle Gesundheit zu beschäftigen, seien die nachstehenden geschichtlichen Ausgrabungen empfohlen… Im ersten Video geht es um SunPower im November 2022, dem Zeitpunkt als ich die ersten Aktien kaufte. Das zweite Video ist eine detaillierte Zusammenfassung über Maydorns Totalversagen bei der Einschätzung von Varta.
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Verlust-Konfrontations-Therapie.
On my way to Börsenentzug… Was mir sehr geholfen hat, war der Entschluss alle Aktien in einem Depot zu vereinen. Alte Lasten und neue gescheiterte Hoffnungen unter einem Broker-Dach für eine transparente, ungeschminkte Übersicht.
Tagesaktuell weist der Buchverlust im Gesamten 8.200€ aus. Bei rund 26.000€ derzeit verbliebenem Kapitaleinsatz bedeutet das 30% Minus. So! sieht es aus. Als ich noch mehr als das Doppelte investiert hatte, war der Prozentsatz entsprechend kleiner. Das sah dann weniger dramatisch aus, aber 8.000€ bleiben 8.000€. Das musste ich auch erst mal realisieren, insbesondere, was die hartnäckigen 5.000€ Glückritter-Minus betrifft, von denen ein beträchtlicher Teil vermutlich für immer verloren ist.
Eine klare Sicht auf die Verluste statt Verschleierung der Tatsachen vor mir selbst. Das hat mir geholfen, zu akzeptieren, dass ich nicht so schnell aus der Nummer rauskommen werde. Und mit dieser Einsicht kann ich endlich den Gedanken abstellen, dass ich das Debakel in absehbarer Zeit gut machen könne, wenn ich nur endlich mal aufs richtige Pferd setzen würde.
Es mag ja sein, dass das Outsourcing der Verluste in einem Schrottdepot für eine gewisse Beruhigung gesorgt hat, nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“. Letztendlich war es jedoch Selbstbetrug. Ein Selbstbetrug, der mich dahin führte, mehrmals in neuen Depot neu anzufangen, in der Hoffnung, diesmal alles besser zu machen, endlich erfolgreich zu sein. Was unter dem Strich leider zu neuen Buchverlusten geführt hat.
Depotwechsel sind eine zähe Angelegenheit. Es können Wochen vergehen bis die Aktien von einem Broker zu einem anderen übertragen sind. Deshalb habe ich ein Musterdepot angelegt, um vorab eine authentische Übersicht zu bekommen.
Kein einziger Wert befindet sich aktuell im Plus. Was fairerweise auch daran liegt, dass ich die Aktien, die Ende Mai/Anfang Juni Gewinne ausgewiesen haben, sukzessive verkauft habe. Für den Moment erweist sich das sogar als gute Entscheidung, da die Erträge inzwischen dahin geschmolzen und Aktien wie Merck oder Hexagon, sogar ins Minus gedreht wären.
Und da ist sie nun, die traurige Wahrheit am 16. Juli 2024, 16:00 Uhr.

Zur Wahrheit gehört natürlich noch der Verlusttopf, der sich insgesamt auf round about 2.500€ beläuft. Geld, das definitiv weg ist. Buchverluste implizieren wenigstens die Hoffnung, dass eines Tages doch noch alles gut wird. Bei der Mehrzahl meines Dutzends glaube ich sogar fest daran. Ich sag‘ nur: Porsche.
Separat halte ich weiterhin meine Sparplan-Aktien. Im Scalable-Depot liegen Aixtron, Tesla, Intel, LVMH und Bayer. Es sieht dort momentan gut aus, ziemlich grün. Wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis sich die Farbe ändert. Rund 4.000€ sind investiert (aktuell 10% im Plus) und die Investitionen werden häppchenweise weitergehen. Das Format des Abo-Investierens scheint für mich gut geeignet. Schwankungen lassen mich erstaunlich kalt. Und es gelingt mir, bei einem Plus nicht sofort über Verkauf nachzudenken. Ich kann die lange Sicht zulassen und die Aktien laufen lassen. Eine gute Übung!
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Seelische Bodenbildung.
Vergangene Woche habe ich alles runtergefahren: die Anzahl der Podcast-Stunden in meinen Ohren, den Blick ins Depot, das Starren auf die rot und grün blinkenden Zahlen der Watchlist – und gesprochen habe ich über die Börse auch so gut wie gar nicht, weder mit meinem Sohn, noch mit meinem Freund, der sich nach VW mit Lufthansa einen neuen Verlierer eingefangen hat, worüber er verständlicherweise gar kein Wort verlieren möchte.
Es geht mir so viel besser mit weniger Information. Was mich allerdings nicht kalt lässt, ist die Tatsache, dass ich im März richtig gelegen hatte, als ich mir die damals ungeliebten Magnificants Tesla und Apple einkaufte. Leider habe ich sie dann kurz darauf an einem Tag allgemeiner Kursschwäche in einem Anfall von Self-Bashing („Du wolltest doch keine Einzelaktien mehr kaufen, dann halte dich doch auch endlich daran!“) halbwegs neutral aus dem Depot geworfen. Ich wäre mit den Werten zusammengenommen aktuell etwa 1.500€ im Plus.
Weil es Rückblickend mit Apple und Tesla super gelaufen wäre, neige ich jetzt dazu, dies mit „War ja klar“ zu kommentieren. Aber, hey, nichts ist klar an der Börse und es hätte genauso gut auch anders kommen können. Welche Lehre ich aus der Aktion ziehe? Beim nächsten Mal spekulative Käufe besser gleich lassen oder mir fest vornehmen, dass ich durchhalte, wenn es erstmal noch weiter runter geht. (Disclaimer: Vorsätze halte ich, as wie know, selten durch.)
Insgesamt bin ich seit meinem seelischen Peak nach unten glücklicherweise ruhiger geworden. Ich verbeiße mich nicht in zwanghafte Gedanken, unbedingt etwas kaufen zu MÜSSEN. Immer, wenn sich Impulse von irgendwoher anschleichen, sage ich mir:
Du MUSST keine Aktien kaufen. Es passiert gar NICHTS, wenn du deine liquiden Mittel einfach genau da liegen lässt, wo sie gerade sind: auf dem Tagesgeldkonto. Die Zinsen bringen keine Mega-Rendite, dafür aber eine sichere. Da können Finfluencer 24/7 runterbeten, wie dumm es ist, wenn man sein dummes Geld nicht in den geilen Aktienmarkt investiert.
Meine Erfahrung nach zweieinhalb Jahren ist nämlich alles andere als geil. Aktien haben bei mir zwar ab und zu tatsächlich zu kurzfristigen Gewinnen mit den verbundenen Erfolgserlebnissen geführt, unterm Strich habe ich aktuell aber sehr viel Geld verloren. Ich habe einen Verlusttopf von 2.500€ angehäuft und die Buchverluste belaufen sich auf 8.000€. Inwieweit sich Aktien wie SunPower, Fiverr, HelloFresh oder Curevac jemals überhaupt erholen, ist fraglich.
Seit ich die Depotwechsel eingeleitet habe, um alle Aktien zu versammeln und mir damit bewusst mache, wie viel Minus insgesamt tatsächlich aufgelaufen ist, habe ich aufgehört, so zu tun, als sei das alles halb so wild und würde sich von alleine wieder ausgleichen. Das Schrottdepot war ein Vehikel mir die Verluste aus dem Blickfeld zu schaffen. Jetzt sehe ich klarer. Der Schrott wird so schnell nicht in Luft auflösen. Und neuere Investitionen haben mir zusätzlich rote Zahlen beschert.
Das Gute ist, dass das Eingeständnis des hohen Ausmaßes an Verlust in mir zu Akzeptanz geführt hat und erstaunlicherweise zu einer Art Entspannung, verbunden mit wachsender Zurückhaltung, aus Launen heraus neue Wagnisse einzugehen. Kapitulation ist sicherlich ebenfalls eine Komponente.
Ich hoffe wirklich sehr, dass dies der Beginn eines erfolgreichen Börsenentzugs sein wird, der eines Tages zu einem Neuanfang intelligenten Geldanlegens führen kann. Die Börse kann ja nichts dafür, dass ich nicht mit ihr umgehen kann.
Vielleicht läuft eines Tages ja doch alles auf einen Welt-ETF hinaus. Das wäre dann, wenn die Legende von den ewig steigenden Märkten wahr ist, als nachhaltige Heilung zu sehen, mit dem positiven Zusatzeffekt, die viele Zeit, die ich täglich verbrenne, sinnvoller zu investieren, so wie heute beispielsweise in das Chillen mit Freundinnen und Freunden am Baggersee.
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Canceling Cold Turkey.
Ein Peak markiert oftmals eine Übertreibung. Das gilt für die Börse, genauso wie für das persönliche Sentiment. Während NVIDIA und Co. immer wieder neu diese Höhepunkte erreichen, markierte der letzte Handelstag des ersten Halbjahres für mich einen Peak im negativen Sinne, nämlich einen emotionalen Tiefpunkt, den ich in dem Moment als endgültig niederschmetternd empfand. Am letzten Juni-Tag hatte ich mir gewünscht, ich könne es von heute auf morgen schaffen, nie mehr einen Blick in meine Depots zu werfen und das Ganze einfach zu vergessen. Dem gegenüber verlief die Handelswoche des zweiten Halbjahrs nun so positiv, dass sie mir ein Stück weit den Glauben an mich selbst zurück gegeben hat.
Es war diesmal gut, dass ich meinen Vorsatz, gar nicht mehr zu handeln, ignoriert habe. Und wahrscheinlich sollte ich ihn komplett über Bord werfen, da er ohnehin keine Beachtung findet.
Es geht mir wieder besser. Aber nun muss ich sehen, was ich daraus mache. Den Suchtfaktor meiner Börsenaktivitäten will ich diesmal nicht herunterspielen, so wie ich es normalerweise tue, wenn sich nach einer Phase irrationalen Verhaltens mit dem damit verbundenen Frust, die Wogen wieder glätten. Ein Entzug ist nötig. Aber ein kalter Entzug, wie ich Ende letzter Woche noch dachte, muss es wahrscheinlich nicht sein.
Die letzte Woche, also… Yeah. Ich habe am Montag bei 18,03€ einen Aixtron-Sparplan mit einer Starteinlage von 700€ eingerichtet, in den nun monatlich 100€ fließen sollen. Aktuell 22% im Plus, wahrscheinlich nur kurzfristig, aber trotzdem schön. Und ich habe bei 51.000€ Bitcoin nachgekauft. Außerdem bei rund 66,00 ein paar weitere Porsche-Aktien aufgestockt. Das war alles gut, gutes Timing, zumindest aus momentaner Sicht, ungeachtet dessen, was nächste Woche aus der Schachtel springt. Außerdem habe ich noch 8 PayPal nachgekauft. Insgesamt round about 2.000€ in die Börse gesteckt und das emotionslos, weder von Angst noch von Gier getrieben.
Klar, könnte ich mir, wenn ich mich schlecht behandeln wollte, wegen Aixtron Vorwürfe machen, im Sinne von: Warum hast du nur so einen popeligen Sparplan etabliert und nicht ein paar tausend Euro eingesetzt, denn dann würden es die +20% jetzt echt bringen. Aber das tue ich nicht. Weil ich froh bin, nach so einem Anstieg nicht gleich wieder nervös zu werden und mich zu fragen, ob ich den Gewinn realisieren soll, bevor es eventuell wieder runter geht.
Nebenbei gab es noch die Nachricht, dass Porsche sich für eine Unternehmens-Sparte von Varta interessiert, die daraufhin 20% hochschossen. Und der sehr, sehr erfreuliche Effekt in mir, mich trotzdem nicht zu ärgern, dass ich die beschissene Varta-Aktie vor einigen Wochen nach der gefühlt tausendsten Gewinnwarnung mit 70% = 700€ Verlust gekickt habe. Keine schlechten Gefühle, no Self-Bashing wegen des rückblickend möglicherweise unnötigen Verkaufs mit hohem Verlust. Dieses No-Feeling, auch eine sehr schöne Erfahrung.
Insgesamt gehe ich aufgeräumt in die zweite Hälfte 2024. In den vergangenen Wochen habe ich meine Depots strukturiert und ausgedünnt. Ich habe Depotwechsel eingeleitet, mit dem Ziel, dass es in Zukunft, zumindest bis auf weiteres, nur noch ein Aktiendepot geben soll, in dem alles, was die Aufräumaktion überlebt hat, versammelt ist, die Darlings und die Looser sowie sämtliche Verlusttöpfe. Eine Aktualisierung in der Rubrik „Depotstatus“ erfolgt in Kürze…
Das Wetter ist schön. Ich gehe eine Runde laufen. Wochenende und der Versuch, möglichst wenig Gedanken in Aktien zu investieren. Zeit für schöne Dinge ist immer ein Gewinn.
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Tech am Peak. Me too.
Der letzte Handelstag des ersten Halbjahrs 2024 verlief recht unspektakulär. Ganz anders jedoch für mich persönlich. Da brachte er im Bezug auf meinen mentalen Borderline-Börsen-Index ein neues All-Time-High hervor.
Morgens gegen 8:15 kaufte ich 15 x Airbus à 132,00€ aus dem Impuls heraus. Die Idee war mir über Nacht gekommen basierend auf dem Gedanken, dass die Marktreaktion am Vortag aufgrund einer Gewinnwarnung wahrscheinlich übertrieben sei und die Aktie sich vermutlich schnell erholen würde. Wahrscheinlich. Vermutlich. Das Übliche, was das Dumme Geld sich bei solchen Vorhaben zusammenreimt. Ich investierte also rund 2.000€ vorbörslich, beiläufig, während ich mir in der Firmenküche einen Kaffee zog. Und das, obwohl ich mir seit Wochen selbst rate, vorerst keine neuen Aktien, egal welche und aus welchen Gründen, ins Depot zu legen.
Direkt beim Ausführen der Order, als ich den Kauf per Freigabe App bestätigte, fühlte ich mich schlecht. Noch schlechter fühlte ich mich, während ich anschließend in Echtzeit dem Kurs beim Fallen zusah. Was hast du getan, fragte ich mich, ohne Sinn und Verstand, gegen jegliche Vorsätze. Eine gute Stunde später ging ich mir selbst so sehr auf die Nerven, dass ich die gesamte Position mit einem Verlust von rund 35€ wieder verkaufte. Ich war sauer und außer mir, vor allem: wegen mir. Warum konnte ich die Finger nicht von der Ordermaske lassen?
Und dann, nach Feierabend, als ich zu Hause mein MacBook hochgefahren hatte, geschah etwas, das mir alles andere als zufällig erschien, sondern wie ein Wink aus dem Universum. In meinem Blog hatte jemand namens „Anonymos“ einen Kommentar zu meinen Beitrag „Börsenbedinge Belastungsstörung“ hinterlassen, der gleichzeitig als Erklärung für das vormittags Geschehene gelesen werden kann:
„Sorry, das so klar zu sagen: Aber du scheint mir süchtig zu sein und (in Folge dessen?) gerade emotional instabil. In diesem Zustand trifft man keine guten Entscheidungen. Pause ist wohl das einzige Sinnvolle. Und eine Lehre aus deinen Fehlern zu ziehen. Weg von den Nuckelbuden, hin zu stabilen Unternehmen, die wirklich Gewinne erwirtschaften. Und evtl. auch einfach weg von Einzelwerten und hin zu ETFs, oder was ich bevorzugen würde: Berkshire.“
Noch als Disclaimer: ALLE machen Fehler, vor allem am Anfang. Also kein Grund, auf dich einzuprügeln. Daraus lernen und zukünftig die Dinge anders machen.“Wow. Wahnsinn. So ein Kommentar, ausgerechnet heute.
Eine Analyse in zwei Sätzen, versehen mit Hinweisen aus der Situation herauszukommen. Es ist ja nicht so, dass ich mir diese Gedanken nicht selbst schon gemacht hätte. Doch nun kommen sie von einer unbekannten Person, quasi aus dem Nichts. Irgendwie übersinnlich. So als würde ein guter Geist zu mir sprechen. Zwei Ereignisse, der Airbus-Wahnsinn am Morgen und eine Stimme aus dem Off ergänzen sich in eindrucksvoller Weise. Sie deuten in dieselbe Richtung, nämlich: dass ich, um es drastisch zu sagen: einen Entzug brauche
Now is the time.
Genau jetzt, in einem Moment, in dem die Verzweiflung groß genug ist, um mir nicht weiter selbst vorzumachen, dass meine Börsenaktivitäten sich in einem normalen Rahmen bewegen.