Börse persönlich

  • Vom Bällchenbad zurück ins Cockpit.

    Die Börse feiert weiter. Neue Rekorde. Konfettikanone assetübergreifend. Die FED hat gemäß den Erwartungen von Mr. Market (aber nicht ganz verständlich für manchen Volkswirt) brav die Zinsen gesenkt. Die Unternehmen berichten weiter gute Zahlen. Gold und Bitcoin gehen beide voll ab. Volvo Laster laufen und reißen die Daimler Trucks einfach mal so 7% mit hoch. Über die schlechten LVMH ASML Zahlen ist der Schwamm drüber. Lediglich Öl macht einen auf Spielverderber. Und die Geopolitik? Zweitrangig für den Markt. The greed is on. Das zählt.

    And my Sentiment? Ich habe die (Selbst-)Kontrolle wieder hergestellt, indem ich aufgeräumt habe, in meinem Kopf und in den Depots. Struktur herstellen, Konzepte ausdenken, einen Plan auf dem Papier festlegen, das hilft mir, zur Vernunft zu kommen, wohlwissend, dass die Nachhaltigkeit der damit verbunden Vorsätze oft von kurzer Dauer ist.

    Ich habe zwei Positionen verkauft, die ich länger schon kaum noch ertragen habe. HelloFresh, weil ich dem Geschäftsmodell keinen Erfolg mehr zutraue. Sofern ich das je getan habe. Es war eine jener Aktien, die ich wegen eines erhofft schnellen Gewinns irgendwann 2022 gekauft hatte und seitdem ihrem Verfall zusehe. Erst in diesem Jahr probierte ich selbst die Kochboxen aus, mit dem Ergebnis, dass ich sie völlig überteuert finde, die Zubereitung zu aufwändig und für den Verpackungsmüll habe ich mich fremdgeschämt. Ich habe von 1.000€ Kaufwert nun real 700€ verloren und bin trotzdem froh, die Aktie los zu sein.

    Genauso Fiverr. Eine meiner Aktien der ersten Stunde. Ich fand die Geschäftsidee irgendwie cool, eine Plattform für Kreativ-Freelancer, und investierte 1.000€, ohne vorher die Website selbst besucht zu haben. Kaum zu glauben rückblickend. Denn als ich es eines Tages tat, während die Aktie von den bezahlten 120€ auf 40€ gefallen war, war ich sowohl von der Aufmachung als auch vom Inhalt völlig abgetörnt. Was mich nicht davon abhielt, noch einmal nachzukaufen, als Quartalszahlen gut aussahen und Analysten zum Kauf anfeuerten. Meine 1.500€-Position habe ich nun für 500€ verkauft. Bitter, aber auch hier: Erleichterung. Es ist befreiend, Altlasten loszuwerden. 1.700 weitere Euro Lehrgeld.

    Weiterhin habe ich Johnson & Johnson verkauft, mit Gewinn, leider bevor sie nach dem Quartalsbericht 5% zulegten, außerdem L’Oreal, weil ich die Stücke ohne Verlust losschlagen und damit die Gesamtanzahl an Aktienpositionen im ZERO-Depot auf 10 Werte begrenzen konnte. Zehn und Schluss. Ich brauche das, um mich zu sammeln: klare Zahlen. Mein damit einhergehendes Konzept für den kommenden Zeitraum, sagen wir mal vorsichtig mindestens bis zu den US-Wahlen: Diese zehn Aktien sind das Blatt, das ich auf der Hand habe. Es ist (abgesehen von Curevac) keine Aktie mehr dabei, deren Kauf ich zutiefst bereue, trotz der Buchverluste, die sie überwiegend momentan ausweisen. Falls der Markt einbricht, werde ich partiell nachkaufen. So der Plan. Allerdings nicht Curevac. Da kann ich einfach nur das Beste hoffen, dass sie sie eines Tages mit einem neuen Medikament einen Coup landen. Ich traue es ihnen zu. Cash ist wohl immer noch reichlich vorhanden.

    Mit dem „Verkaufserlös“ aus Fiverr und HelloFresh in Höhe von 800€ habe ich Veolia und Dell aufgestockt.

    Last but not least ist der Aktionszeitraum für 3,4%-Zinsen bei der VW-Bank ausgelaufen und ich habe die 50.000 Cash wieder zu Trade Republic transferiert, wo es stets den EZB-Zins gibt, demnächst also statt 3,5% nur noch 3,25%, was immer noch überdurchschnittlich ist. Im Sommer hatte ich mich über den Berliner Broker geärgert, weil man dort, als Voraussetzung weiterhin Zinsen zu erhalten, zur Eröffnung eines Girokontos gezwungen wurde. Ich lasse mich nicht gerne erpressen und bin daraufhin erstmal weg. Nun habe ich eingelenkt und sehe, dass der Kontowechsel für mich sogar einen Vorteil bringt. Während mein Verrechnungskonto bei bei der Citi war, bin ich jetzt J.P.Morgan zugeteilt. Was mir viel besser gefällt.

    Die kommende Woche geht es vermutlich erstmal in Grün weiter. Das Momentum, das Momentum! Extreme Greed is back in the house, since Friday, yeah.

    Doch ich, die Bärin im Cockpit, werde auf Autopilot schalten und mir die zappelnden Zahlen von oben betrachten. Erst, wenn die Maschine abstürzt, ergreife ich den Schaltknüppel. Bis dahin tüftele ich an Konzepten, räume weiter auf, wenn noch was geht. Das lenkt mich ab. Das oberstes Gebot lautet: einen neuen Rückfall ins Affekt-Handeln vermeiden.

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  • Bärin im Bällchenbad.

    EZB-Entscheid: wie erwartet.
    Konjunkturdaten aus den USA: widersprüchlich.
    Unternehmenszahlen der neuen Berichtssaison: gemischt.

    ASML enttäuschte unlängst auf ganzer Linie, während Taiwan Semi voll durch die Decke geht. LVMH schwächelt und drückt die Stimmung im Luxussegment erneut. United Health bricht ein, Experten sind uneinig, ob berechtigt oder nicht. Johnson & Johnson meldet unerwartet gute Zahlen. Merck legt kräftig zu (+7%), von Satorius (+15%) gar nicht zu sprechen. Während es meine liebe Carl Zeiss Meditec wieder kräftig beutelt. Da muss ich vor den Zahlen wohl zittern. Oder auch nicht. Vielleicht steigt sie dann ja zweistellig. Alles ist möglich in diesen Tagen.

    Es bleibt wie es ist. Die Bullen feiern Schaumparty im Bällchenbad. Der Markt wirft sich wie ein Betrunkener hin und her. Und die Bären, die sich seit Monaten (Jahren) fragen, wie lange das noch so gehen soll, bekommen eine kalte Dusche. Immer und immer wieder. Inzwischen ziehen sogar die lange verschmähten amerikanische Nebenwerte mit, wegen Trump, der momentan vorne liegt, so heißt es, während von „Harris Trades“ niemand mehr was wissen will. Die Stimmung wird schneller gewechselt als die Unterhosen. Wenn überhaupt noch welche getragen werden. China hui, China pfui. Öl auf und ab. KI ist wieder heißer Scheiß und die Antwort auf die Frage, ob sich die exorbitanten Investitionen in KI für die Unternehmen lohnen: scheißegal.

    Blackwell, Blackrock, Blackstone. Alles geil.
    Und nicht die geringste Angst vor einem Black Swan.

    And my Sentiment? Komplett erschlagen. Die letzten Käufe haben altbekannten Frust nach sich gezogen. Stellantis, RWE, Disney – einfach mal schnell gekauft und innerhalb weniger Tage zurückgedreht. Kaufen, Verkaufen, ohne Gewinn, ohne Verlust. Wie in alten Zeiten, die ich gerne hinter mir gelassen hätte. Tja, doof. Warum ich mein Konzept des unaufgeregten, kontinuierlichen Anlegens nun doch erneut selbst unterlaufe, erkläre ich mir damit, dass die Hoffnung, die „richtigen Trades“ würden mich eines Tages mal zur „echten Gewinnerin“ machen, leider nicht stirbt.

    Das Kind in mir will Spaß im Bällchenbad und zwar sofort. Die Erwachsene dagegen hat keine Lust auf Roulette mit Mr. Market. Es gibt so viele Gründe, die zur Vorsicht mahnen, so viele Faktoren, die sich widersprechen und im Zusammenhang keinen Sinn ergeben. Aber die Börse schert es einen Dreck. Sie taumelt euphorisch zwischen Greed und Extrem Greed. Was da vor sich geht, mag eine eigene Logik haben, im Rückblick vielleicht sogar verständlich sein. Aber ich fühle mich unwohl dabei. Mir ist es zu heiß. Meine Zweifel sind riesengroß, meine Erwartung, dass es knallt, ist riesig. Gegen dieses Grundgefühl komme ich nicht an. Regelmäßig werde ich darauf zurückgeworfen. Ich kann mich auf diese Partys beim besten Willen nicht einlassen. Zumal man gar nicht weiß, wer überhaupt eingeladen hat.

  • Vom Glücksfall zum Rückfall.

    Im Urlaub hat mir die Börse nicht gefehlt. Was erstmal einer Sensationsmeldung gleich kommt. Denn das hätte ich nicht für möglich gehalten. Bislang hatte ich den Vorsatz, auf Reisen die Aktienkurse hinter mir zu lassen, nie erfüllen können. Diesmal schon. Und wie! Ich habe weder in meine Depots geschaut, noch Podcasts gehört, nicht mal Schlagzeilen gelesen. Die Onvista-App, wo ich alle meine Depots spiegele und diverse Watchlisten verfolge, hatte ich vor Abreise auf dem Handy gelöscht und musste der Versuchung, sie wieder zu installieren, nicht einmal ansatzweise widerstehen. Die Börse war weg, das Meer da, ich clean, von einem Tag auf den anderen. So unglaubwürdig das auch klingen mag!

    Wie stolz ich auf mich war! Wie glücklich!
    Und wie erleichtert, dass die Sucht wohl doch beherrschbar zu sein scheint.

    Umso mehr bin ich nun traurig, ja deprimiert, wie schnell sich das Glück der mühelosen Enthaltsamkeit ins Gegenteil gekehrt hat. Kaum zu Hause, im Setting der alltäglichen Gewohnheiten, bin ich wieder drauf. Addicted. Zwar nicht überbordend emotional, wie in zurückliegenden Phasen, aber verglichen mit der vorherigen Abstinenz doch bedenklich.

    Die Podcasts, die YouTube-Videos, das Starren auf die grün-rot-flackernden Lang & Schwarz- Watchlisten, das Grübeln über neue Invests… Alles da. Von jetzt auf gleich. Und als ob das nicht genügte, war ich sogar ausschweifend shoppen. My private Prime Day. Gleich am ersten möglichen Tag nach dem Urlaub. RWE (2000), Veolia (500), Samsung (eine weitere, für jetzt 840) und Stellantis (2000). Wobei ich letztere Position nach der Presse-Meldung des Rausschmisses des CEO direkt wieder liquidiert habe (Verlust 45€).

    Die Woche endete für Mr. Market mit einem Strauß grüner Indizes, während ich, enttäuscht von meinem Rückfall, dem weiteren Beitrag für den Verlusttopf und mit Samsung im Minus alle meine Watchlists löschte. Als eine Art Disziplinarmaßnahme. Oder Bestrafung? Vor allem in der Hoffnung, damit zurück zur Enthaltsamkeit zu gelangen. Mit dem Ergebnis, dass ich übers Wochenende neue Listen aufgesetzt habe. Kein Scheiß.

    Die Stimme der Vernunft:
    Ey, Alder, was stimmt nicht mit dir?

    Tja, was soll ich sagen… Kaufen, kaufen, kaufen. Willkommen zu Hause!

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  • Hey, Mr. Market, spiel‘ erstmal ohne mich weiter.

    Denn ich bin dann mal weg… Aber dazu später.

    Nun bleiben nur noch drei Handelstage bis der September aka „Schlechtester Börsenmonat“ endet. Wenn er seinem Ruf in diesem Jahr auf den letzten Drücker noch gerecht werden will, muss er sich ranhalten. An diesem Donnerstag (Stand: kurz vor Wall Street Opening) grünt es allerdings mächtig.

    Hey, Mr. Market, wo geht es hin?
    Legst du weiter neue Records auf?
    Oder stehst du eigentlich kurz vor einem Zusammenbruch?

    Was für ein Durcheinander. Nach dem fetten FED-Schritt vergangenen Donnerstag stellten die Chinesen fette Konjunkturpakete in Aussicht. Eine Montags-Absichtserklärung, die nicht nur den Shanghai Composite nach oben gerissen hat, sondern weltweit Aktien mit hoher Chinaabhängigkeit in die Höhe treibt. Ausgenommen natürlich die deutschen Autowerte, denen momentan kein Schimmer Hoffnung mehr zuteil wird. Aber das ist ein Thema für sich. Mein Sorgenkind Carl Zeiss Meditec, das ebenfalls seit einigen Quartalen unter schwachen Absätzen in China leidet, ist in den letzten drei Tagen um beinahe 15% gestiegen. Ein gutes Beispiel dafür, dass die Börse unmöglich ein Superbrain sein kann, sich vielmehr wie ein Kleinkind im Candy Shop aufführt.

    Die ganze Aufregung, die mich vormals stets in Hochspannung versetzt hat, fängt zunehmend an, mich zu langweilen. Momentan jedenfalls ist es mir auf eine entspannte Art egal, wohin es geht. Vielleicht, weil ich sowieso schon lange nicht mehr mitkomme und das Hinterherdümpeln leid bin. Das ist einer der Gründe, warum ich versuche, mein eigenes Ding zu machen. Mit meinen Aktien-Sparplänen, die ich lieber „Investment-Abos“ nenne, weil das weniger nach Volksbank-Raiffeisenbank klingt, fahre ich gut. Aixtron, Bayer, Intel, Nike, Tesla. Ich setze damit auf Turnaround, ohne bei großen Kursschwankungen innerlich zu kollabieren. Das Risiko in kleinen Dosen kann ich gut tragen. Mit meinen jüngsten Einkäufen (L’Oreal, Dell, Samsung, Enel) und vor allem der LVMH-Geburtstagsaktie bin ich sehr glücklich. Nichts dabei, was mich aufregt, weil: Alles Aktien, die ich wirklich haben, sprich „besitzen“ will. Es waren bewußte Investitionen. Keine Spekulationen, die ich aus einem Reflex tätige und die mich folgend wie einen Junkie an den Kursbewegungen kleben lassen. Stundenlang auf die sekündlich springenden, rot-grünen Zahlen meiner Lang & Schwarz-Watchlist starren, im Adrenalinrausch manchmal beinahe kotzen müssen, und das, obwohl es nicht um 10K sondern 1K Einsatz geht, das will ich nicht mehr. Es geht ja immer auch um die Ehre (oder so was in der Art), ob man clever ist oder dumm, ganz egal wie hoch der Einsatz ist. Ich hoffe sehr, dass die Abstinenz anhält, ich nicht rückfällig werde.

    Die nächsten anderthalb Wochen stehen die Chancen gut. Ich bin im Urlaub. Es geht mit Mann im Bus nach Fronkreisch. Weg von der Börse. Der Urlaubstraum (neben dem Traumurlaub) wie immer: Die Aktien mal komplett hinter mir lassen. Das wäre mein persönliches Goldlöckchen-Szenario. Denn so würde ich an der Seitenlinie stehen, ohne zuzusehen. Die künstliche Welt der Kapitalmärkte hinter mir toben lassen und die Welt zehn Tage lang ausschließlich durch meine Echtleben-Brille betrachten. Sonne, Strand, Meer, schöne Landschaften und charmante Städten, plus viel Zeit mit dem wunderbaren Mann, der von Aktien & Co. ohnehin nichts hören will.

    Weg sein und erst bei Ankunft zu Hause wieder hinsehen, was der Markt veranstaltet hat. Es dann so nehmen, wie es ist. Was anderes geht eh nicht. Ich denke ja mittlerweile tatsächlich, dass eine platzende Tech-Bubble weniger wahrscheinlich ist, als eine sich in Luft auflösende Heile-Welt-Bubble, von der der Markt nach meinen Gefühl aktuell aufgebläht wird, trotz aller Krisenherde. Und falls die Börse während meines Urlaubs einen geopolitischen Schock erleidet oder einen Schwarzen Schwan sieht, dann ist nach dem Urlaub noch genug Zeit, die Scherben im Depot zu betrachten. Verkaufen würde ich ohnehin nichts.


  • Der Börse & Ms. Market.

    In der Welt der Börse gibt es neben den undurchsichtigen Marktmechanismen einen sehr offensichtlichen Faktor, der bei mir ebenso wenig für Feel-Good-Stimmung sorgt – und das ist: die männliche Dominanz. Es müsste eigentlich „der Börse“ heißen. Denn Frauen sind in der Minderheit. Beim privaten Geldanlegen genauso wie im Börsen-Business allgemein. Es gibt viele „Experten“, aber kaum Expertinnen, die Ereignisse nach ihrer Einschätzung interpretieren. Wenn sie teilnehmen, dann oft nur als „Vorleserinnen“, wie etwa Anja Kohl. Finfluencerinnen sind ebenso selten. In der Börsenberichterstattung sprechen hauptsächlich Männer Männer an.

    Umso erfreulicher war der Auftritt von Patrick Dewayne als regelmäßige Vertretung von Markus Koch. Ein Mann, der Frauen nicht außen vor lassen wollte, sondern bewusst in die Berichterstattung miteinbeziehen, indem er sie als „liebe Freundinnen“ neben den „lieben Freunden“ und „Guys“ begrüßte und in seinen Beiträgen auch von „Anlegerinnen“ und „Managerinnen“ sprach. Manchmal traute er sich sogar zu gendern. Das Ergebnis: Er wurde massiv gedisst. Von echten Kerlen, die das als Zumutung empfanden, teilweise mit Schaum (und Schlimmerem) vor dem Mund. Ich bin selbst keine Freundin verbissener Gender-Sprache, begrüße aber, wenn beide Geschlechter erwähnt werden. Das geht auch entspannt, indem man es nicht akribisch in jedem Satz durchzieht, sondern tänzelnd verwendet.

    Patrick also ging mit den besten Absichten an den Start und hat sich innerhalb kürzester Zeit von „der Community“, zumindest von jenem Teil mit dem Schaum vor dem Mund, erschlagen lassen. Ich habe seinen Rückzug betrübt beobachtet, bis mir der Kragen geplatzt ist… Und ich wurde sogar erhört.

    Die Antwort ehrt Patrick. Ich glaube ihm jedes Wort.

    Umso mehr ist es schade, dass er nicht etwas länger durchgehalten hat. Vielleicht hätte ein Durchhalten dem Kanal einen neuen Anstrich verliehen; somit mehr Helens und insgesamt Follower mit einem offeneren Blick auf die Welt angesprochen. Ich kann mir gut vorstellen, dass diejenigen, die im Chat und in den Kommentaren am lautesten schreien, gar nicht die Mehrheit bilden, wie so oft. Frauen allerdings sind im Börsentheater komplett in der Minderheit, das ist Fakt, umso erfreulicher war Patricks neue Art der Ansprache. Vielleicht gibt es ja einen Mittelweg?!

    Mich bringt das Ereignis erstmals zu der generellen Frage, ob der Kapitalmarkt anders wäre, wenn sich mehr Frauen in ihm bewegten, wenn er gar von Frauen gelenkt werden würde. Vielleicht wäre er dann weniger arrogant, rechthaberisch und aggressiv, sondern würde statt dessen umsichtig und menschenfreundlich agieren. Womöglich wäre Ms. Market weniger machtbesessen und würde Profit nicht nur monetär einordnen. Alles natürlich eine bewusste Überzeichnung. Aber eine schöne Vorstellung, wie ich finde.

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  • 19.000 Punkte/Stunde.

    Na gut, es war etwas länger als eine Stunde, dass sich der DAX am 19.09. über 19.000 bewegte. Allerdings war der Tagesrekord beim Closing der Wall Street schon wieder dahin. Freitagmorgen bei Eröffnung waren rund 100 Punkte verschwunden, zum Wochenabschluss insgesamt rund 1.300. Anders in den USA: Dow und S&P erreichten neue Allzeit-Hochs und hielten sie halbwegs. Der Nasdaq ist zwar von den Highs noch um einiges entfernt, konsolidiert aber weiterhin vom letzten Tief.

    My Sentiment, wie so oft: Ich kapier’s nicht. Warum die Zinssenkung in den USA um saftige 50 Basispunkte tatsächlich stattgefunden hat – so wie es die Wall Street, aber nicht die Ökonomen erwartet hatten – verstehe ich genauso wenig, wie die Reaktionen, die dieser Powell-Move auslöste. Nach Verlautbarung der FED-Entscheidung am Mittwoch ging es erstmal rauf, zum Börsenschluss dann wieder runter, am nächsten Tag wieder rauf, und das ordentlich, inklusive 19.000er-Dax-Party. Am Freitag schwankten die Kurse erneut und endeten mit dunkelroten Onvista-Kacheln in Germany/Europe während sich Amerika in schickem Rosa-Hellgrün hüllte.

    Die Frage ist, ob die Wall Street inzwischen in ihrer Soft-Landing-Verliebtheit, dem Glauben an einen (gar nicht so wahrscheinlichen) Rückgang der Inflation und dem Einpreisen von zwei weiteren Zinssenkungen bis Jahresende völlig den Bezug zur Realität verloren hat. Vielleicht ist mittlerweile eine platzende Tech-Bubble weniger wahrscheinlich als die sich in Luft auflösende Heile-Welt-Bubble, von der der Markt aktuell aufgebläht wird.

    Ich bleibe in der Erwartungshaltung, dass die Wirtschaft keineswegs weich landen wird, sondern mindestens mittelhart, denn ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Inflation wieder höher steigt und die Q3-Earnings wenig erfreulich ausfallen. Rosig, wie es die US-Kacheln suggerieren wird die kommende Zeit kaum werden.

    Trotz meiner wenig positiven Grundhaltung zum Gang der Dinge bin ich derzeit weiter in Stock-Shopping-Laune. Ich kaufe Aktien, die mir derzeit preislich attraktiv erscheinen und die ich gerne haben möchte. Damit meine ich „haben“ im Sinne von besitzen, so wie normale Sachwerte: ein neues Sofa, ein Kopfhörer oder ein Parfum, das man „um sich haben“ möchte.

    Nach L’Oreal und Samsung, sowie den zusätzlichen 20 Neste-Aktien, habe ich meinem Depot Dell (10 Stück für rund 1.000€) und Enel (75 Stück für rund 500€) hinzugefügt. Besondere Freude hatte ich bei Kauf meiner Geburtstagsaktie. Letzes Jahr habe ich begonnen, mir LVMH zu schenken. 2023 hat das 740€ gekostet, in diesem Jahr 610€, zwischenzeitlich lag die Aktie im März mal bei 870€. Soviel zu Kursschwankungen. Dass ich mit der Luxus-Aktie momentan im Minus bin, macht mir nichts aus. Das wird wieder. I’m sure.

    Und genau da möchte ich bei der langfristigen Anlage hin, mit jeder einzelnen Aktie. Ich möchte ihrer sicher sein. Sie besitzen und mich daran erfreuen. Mich daran erfreuen, weil sie für mich, unabhängig vom Kurs, einen Wert hat, egal ob ikonisch (Porsche), KI ohne Allüren (Dell), innovativ in einer Nische (Carl Zeiss), exquisit (Pernod) oder auf dem richtigen Weg in die Welt von morgen (Neste). Ich möchte Aktien, an die ich glaube, auch wenn sie sich in einer schwierigen Phase befinden. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich tatsächlich nur noch Aktien besitze, die ich wirklich haben will. Etliche, auf die es nicht zutrifft, habe ich bereits erfolgreich entsorgt, ein paar muss ich allerdings noch loswerden.

    Was das Spekulieren aka kurzfristiges Handeln (Traden) betrifft, muss ich bekennen, dass der Reiz bleibt. Natürlich würde ich gerne ein Stück vom Kuchen der täglichen Schwankungen abbekommen, am Wahnsinn der Börse mit profitieren. Erst recht, da ich mich so viel damit beschäftige. Momentan denke ich beispielsweise über Öl und Rohstoffe nach. Antizyklisch investieren. Allerdings nicht in Einzelaktien, sondern in Themen-ETFs. Das bringt zwar weniger Rendite, ist dafür weniger riskant. Die Gier nach dem schnellen Geld, so ganz werde ich sie nicht los. Kein Wunder, wenn ich permanent mitbekomme, wie in wenigen Tagen viele Prozente Gewinn entstehen – und ich per Knopfdruck Geld verdienen könnte. Geld machen. Nirgends trifft dieser Ausdruck wohl mehr zu als an der Börse. Und wer würde das nicht wollen?!

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  • Happy Friday 13th.

    Am ersten Handelstag im September lag der Dax bei 18.930 Punkten, versehen mit der Schlagzeile „Dax will die 19.000 sehen“. Die Woche beendete er am Freitag 6.9. dann mit 18.262 Punkten. Die Stimmung an der Börse war insgesamt schlecht, vor allem die Big Tech- und Halbleiterwerte zerriss es ordentlich, so dass viele Experten für die Folgewoche vom 9. bis 13.9 einen weiteren Absturz voraussagten. Und natürlich geschah dann das Gegenteil. Die Nvidias, AMDs, Broadcoms dieser Welt, aber auch Alphabet, Microsoft & Co. wurden wieder fleißig gekauft, angefeuert von „Buy the Dip“-Empfehlungen anderer Experten. Die Analysten überschlugen sich für den Tech-Sektor mit positiven Einschätzungen. Overperform. Outperform. Rezession ist abgewehrt. FED senkt um 50 Basispunkte, die Wirtschaft läuft trotzdem. Alles geil: Kaufen!

    S&P (3,5%), Dow Jones (2,3%) und Nasdaq (5,3%) beendeten die Woche dick im Plus, nahezu auf dem Niveau von Anfang September, wieder einmal so, als sei gar nichts geschehen.

    Der Dax schloss am Freitag, den 13.9. bei 18.690 Punkten.

    Nvidia ist nach dem vergangenen Tiefststand von 92€ zurück bei 108€, ein Anstieg von 17%. Day Trader werden sich freuen. Das Dumme Geld mit Zockerambitionen feiert Erfolgserlebnisse. Die Frage ist nur: Wie wird es in der kommenden Woche weitergehen?

    Es ist sicherlich keine Überraschung: Ich bleibe skeptisch. Ich traue dem Markt keinen Zentimeter über den Weg. Weiterhin glaube ich, dass wir uns bereits in einer Rezession befinden und halte den Anstieg nach dem Abstieg in der zweiten Septemberwoche für eine Bullenfalle. Von denen habe ich 2022 und 2023 einige mitgenommen. Basierend auf der Annahme, die Tiefs gesehen zu haben, steigt man in einen Swing nach oben ein, bevor es in der Tendenz weiter nach unten geht. Und genau so fühlt es sich derzeit für mich an.

    Trotzdem, und das wird verwundern, war ich vergangene Woche mit einigen Zukäufen aktiv, und dies ausgerechnet auch noch am Freitag, den 13. Ich habe Neste um 20 Stücke à 15,73€ aufgestockt, nachdem es die Aktie nach einer Gewinnwarnung im Bereich Erneuerbare wieder einmal zerrissen hatte. Es ist mir überhaupt nicht leicht gefallen, die 300€ auszugeben, doch tat ich es auf Basis grundsätzlicher Entschiedenheit. Ich glaube weiterhin an den langfristigen Erfolg des Geschäftsmodells mit nachhaltigen Kraftstoffen, obwohl der Bereich bei Mr. Market gerade als Ladenhüter sein Dasein fristet. Darüber hinaus habe ich 1 x Samsung gekauft à 898€, weil ich mir irgendwann gesagt hatte, dass ich bei unter 1.000 zugreifen würde und es nun nochmal 10% Discount gab. Ähnlich bei L’Oreal, die ich mir vorgenommen hatte, bei unter 380€ ins Depot zu legen. Da sind es nun drei Aktien à 367€ geworden. Insgesamt habe ich 2.300€ ausgegeben. Alle drei Werte werde ich bei weiterem Kursverfall, mit dem ich rechne (aber wer weiß…?!), nachkaufen.

    Dazu habe ich im Bereich „Altersvorsorge“ zwei Sparpläne neu eingerichtet. Ab 20.09. werde ich in einem Depot bei der DKB monatlich jeweils 150€ in Euwax Gold und in einen Nasdaq-ETF anlegen.

    Alles, was ich vergangene Woche getan habe, fühlt sich gut an, weil es in meinen(!) Augen richtig erscheint. Es folgt einer Idee, wie ich als Anlegerin besser werden will. Angefangen damit, kontinuierlich zu investieren und das möglchst weit abseits vom täglichen Marktgeschrei. Das Konzept kann ich derzeit noch nicht 100%ig formulieren, weil es immer wieder Zweifel, Justierungen und Widersprüche im eigenen Denken und Handeln gibt. Grob gesagt möchte ich mit ruhiger Hand mein Portfolio wachsen lassen. Ohne Suchtverhalten. Ohne schlaflose Nächte. Und da bin ich (glaube ich) auf einem guten Weg.

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  • Turnaround Tuesday Reversal.

    In den vergangenen Monaten hatte sich der Dienstag häufig als der Tag erwiesen, an dem es wieder bergauf ging, nachdem in der Woche zuvor und fortführend am Montag zwischendurch mal schlechte Stimmung geherrscht hatte und die Zeichen auf Gewinnmitnahmen standen. Wie durch einen Zauber gingen die Börsen, ohne dass es positive Nachrichten gab, dienstags zurück in den Buy the Dip-Modus und von da an neuen All-Time-Highs entgegen. Und stets hatten diejenigen, die bezweifelten, dass Buy The Dip in Anbetracht der anhaltend undurchsichtigen Mischung aus schwächer werdenden Wirtschaftsdaten und zu langsam sinkender Inflation eine gute Idee sei, das Nachsehen. Ich habe jede dieser Erholungs-Rallys verpasst. Allerdings bin ich auch nicht zu spät noch eingestiegen. Immerhin das habe ich inzwischen kapiert: Füsse stillhalten in solchen Phasen, auch wenn es noch so schwer fällt.

    Dienstag, der 3. September wurde seinem Ruf als Turnaround Tuesday gerecht, allerdings in die entgegen gesetzte Richtung. Am Montag war die Welt noch in Ordnung. Am Dienstag kam dann die Wall Street nach dem US-Feiertag mit einer Stinklaune in den Handel zurück und setzte der friedlichen Stimmung an den Weltbörsen ein jähes Ende. Die Aussicht auf einen DAX über 19.000 Punkten, der tags zuvor noch in Aussicht gestellt worden waren, wirkte am Ende des Tages wie ein Witz. Und in den kommenden Tagen ging es so weiter. Von Mittwoch bis Freitag stetig fallende Kurse, inbesondere die Halbleiter- und KI-Werte brannten lichterloh nachdem am Donnerstag Broadcom noch einmal Öl ins Feuer goss. Die Zahlen war gut, aber nicht gut genug. Man kennt es. NVIDIA ist seit Bekanntgabe der Nicht-gut-genug-Zahlen von 115,00€ auf aktuell 92,00€ gefallen. Finfluencer raten zu einem Einstieg bei unter 90,00€. Na klar. So als wäre ausgeschlossen, dass es noch weiter runtergehen könnte. Dass das All-Time-High bei 130,00€ gelegen hat, ist keine Garantie, dass die Aktie diesen Stand alsbald wieder erreicht. Sie kann genauso bei 50,00€ landen, auch wenn das derzeit unglaublich erscheint.

    Alles kann passieren. Nichts ist unmöglich. Das ist das Gesetz der Börse. Eben weil sie viel weniger auf rationale Entscheidungen auf Basis von Fakten beruht, als es in diesem Metier zu erwarten wäre. Die Börse ist getrieben von Sentiment (Angst und Gier) kombiniert mit den Algorithmen des Maschinenhandels. Maschinenhandel, diesen Begriff gibt es wirklich. Käufe und Verkäufe in Milliardenhöhe werden auf Basis von Programmierungen automatisch ausgeführt, inklusive der unüberschaubaren Variationen des Handels von sogenannten Derivaten, die womöglich nicht einmal diejenigen, die sie benutzen, allumfänglich verstehen.

    Das Smarte Geld oder vielmehr deren KI-Tools sind am Drücker. Das Dumme Geld darf mitspielen. Mehr ist es nicht. Die Betonung liegt dabei auf Spiel. Wer als Privatperson große Beträge auf einzelne Aktien setzt, begibt sich ins Spielkasino, je spekulativer die Werte und je größer die möglichen „Upsides“, umso tiefer. Wer das nicht will, investiert regelmäßig in eine breite Mischung aus Standardwerten oder noch besser in ETFs. Das ist dann so langweilig, wie jeden Tag eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“, aber Nomen est Omen.

    Mich hat die Vermeidung von Langeweile und das diffuse Gefühl, ständig etwas TUN zu MÜSSEN, zwei Jahre lang getrieben – und immer wieder in die Scheiße geritten. In der vergangenen Woche sind meine Buchverluste nun wieder deutlich angeschwollen. Es grämt mich nicht, weil die Freude über die Korrektur schwerer wiegt. Ich hoffe, das ist erst der Anfang! Ob ich es diesmal schaffen werde, im Tief einzusteigen und bei akut ausweglos erscheinender Gesamtstimmung meine Depots mit Aktien – und ja, hauptsächlich mit öden ETFs – zu bestücken? Ich nehme es mir vor. Es kostet sehr viel Überwindung und Mut, dies in so einem Moment zu tun, wenn die Börse hysterisch FEAR schreit. Abgemacht ist die Sache nicht.

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  • DAX lass nach.

    „Schwächster Börsenmonat des Jahres startet.“ Das ist die Leuchtturmbotschaft des Tages. Sie wird seit zwei Wochen bereits auf sämtlichen Kanälen so oder so ähnlich wiederholt. Die Aussage fällt in die Kategorie „historisch betrachtet“, in der sich alle möglichen Statistiken tummeln, auf die sich Finfluencer gerne beziehen, ganz so als sei das eine wissenschaftliche Tatsache mit zeitunabhängigem Vorhersagewert.

    Dazu gesellt sich heute eine weitere Schlagzeile aus der Welt der Aktienkurse – neben all den hauptsächlich ernüchternden politisch-gesellschaftlichen Schlagzeilen rund um den Wahlausgang in Sachsen und Thüringen – die wiederum lautet:

    „DAX will die 19.000 sehen.“

    Kombiniert bedeutet das wohl, dass der DAX, dessen Punktestand im Hinblick auf den realen Zustand der deutschen Wirtschaft kein normaler Mensch verstehen kann, ausgerechnet im überall ausgerufenen „schlechtesten Börsenmonat des Jahres“ einen neuen Rekord anpeilen soll.

    Und was mache ich daraus? Weiterhin erstmal: Gar nichts.

    Wait and see. Don’t hear!

    Denn Hören, also das Hören von Podcasts, habe ich inzwischen tatsächlich nahezu eingestellt. Abends Handelsblatt Today, morgens die Closing Bell des Vortags, ab und an den Aktientalk, viel mehr lasse ich nicht in mein System. Was den lieben langen Tag von Hinz und Kunz erklärt und kommentiert und (ohne eine Empfehlung sein zu wollen) empfohlen wird… Ich kann es auch im übertragenen Sinne nicht mehr hören. Je mehr ich in den vergangenen Jahren davon konsumiert habe, umso mehr sträuben sich mir die Haare, mit welch bornierter (Selbst-) Sicherheit tagtäglich neue Behauptungen aufgestellt werden. Subjektive Bewertung für den Moment, mehr ist es nicht.

    In den letzten Wochen musste ich oft an die Aussagen des vom Handelsblatt gehypten „Börsenexperten“ Ulf Sommer denken, der noch vor anderthalb Jahren mit arroganter Weissagungsaura darlegte, dass der US-Drogerie-Riese Walgreens Boots einen Substanzwert im Portfolio bilden würde, da das Unternehmen über gute Kennzahlen und ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfüge, dazu ein absolut zuverlässiger Dividendenzahler sei. Damals hat die Aktie um die 33,00€ gekostet, aktuell notiert sie bei 8,40€ und die Dividende wurde kürzlich halbiert. Eines von vielen Beispielen, auf das, was geredet wird, nicht allzu viel zu geben.

    Weghören, statt dessen beobachten, was die Kurse machen und versuchen, sich selbst ein Bild zu verschaffen. Ein Bild, dass nie mehr als eine Skizze sein kann, aber für einen selbst so stimmig sein muss, dass man den Glauben beim ersten Einknicken nicht sofort verliert. Noch wichtiger: Akzeptieren, dass der Aktienmarkt mit der realen Welt nicht viel zu tun hat, ja sogar häufig entkoppelt von ihr agiert. Man muss es akzeptieren, obwohl man es nicht versteht. Das ist mein Learning. Oft frage ich mich: Ist an der Börse am Ende alles nur Gefühl? Zumindest für das Dumme Geld, dem die Mechanismen des Smarten Geldes ewig verborgen bleiben werden.

    However… Da NVIDIA mir am vergangenen Mittwoch nicht den Gefallen getan hat, schlechte Zahlen zu liefern, ging die Party erstmal weiter. Die Ergebnisse, die der KI-Chip-Jesus vorlegte, waren so gut, wie der Markt erwartet hatte, aber nicht noch besser, was wohl die eigentliche Erwartung gewesen ist. Deshalb ging der Kurs seitdem etwas zurück. Aber die Ergebnisse waren insgesamt wohl mehr als gut genug, um den Optimismus im Gesamtmarkt aufrecht zu erhalten. Die Analysten tragen ihren Teil dazu bei. Alles top bei NVIDIA. Is‘ klar.

    Heute, am ersten Wochentag des Looser-Monats setzen die Amerikaner erstmal eine Runde aus… Jeder erste Montag im September ist dort Labour Day, der Tag der Arbeiterbewegung. Der Markt zeigt sich wenig bewegt. Der DAX scheint das 19.000-Stöckchen, das die Experten ihm hinhalten, zu ignorieren. Ein Ende der Erholung wäre sehr erholsam.

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    Nichts unternehmen. Abwarten. Es sollte ganz einfach sein und fällt oft am schwersten. Besonders an der Börse. Wie viel Kraft es mich aktuell kostet, meine Depots in Ruhe zu lassen, lässt sich schwer beziffern. Es ist ein Grundrauschen aus inneren Kämpfen. Die Gedanken kreisen zwischen verkaufen, neu kaufen, zukaufen und müssen immer wieder in Richtung NICHTSTUN gelenkt werden.

    Ausnahme war das dreitägige Kroger-Engagement. Sinnbild einer Handlungsweise, die ich wiederholt an den Tag lege und die es abzustellen gilt. Irgendwann kommt ein Punkt, an dem ich es bei täglich steigenden Indizes an der Seitenlinie nicht mehr aushalte. Eine Transaktion musste her. Die Aktien, die mich wirklich interessieren, sind dann schon wieder viel zu gut gelaufen, als dass ich mich zu einem Kauf überwinden könnte. Also überredete ich mich mit dem in solchen Situationen gern genommenen Long-Argument. Diesmal Kroger. Ich sage mir: Eine Aktie fürs Leben, hat auch Warren Buffet im Depot, gerade günstig, ein vernünftiger Kauf, ganz egal, ob der Kurs erst nochmal fällt… Kauforder go! Tja, schlussendlich hatte Kroger bei mir dann ein Leben von drei Tagen.

    Die inneren Kämpfe zwischen TUN und LASSEN quälen mich nach wie vor, wenn auch deutlich schwächer. Nächste Woche kommen die NVIDIA-Ergebnisse. Wenn es schlecht für mich läuft, werden die Zahlen gut. Dann ballert der Markt weiter nach oben und ich werde noch hibbeliger. Es ist absurd, aber in Phasen roter Zahlen in Depots und auf Watchlists fühle ich mich wohler. Rote Zahlen, sinkende Kurse, das ist der Zustand, der für mich die Wirklichkeit abbildet. Die Kursanstiege dagegen wirken auf mich wie eine anschwellende Flutwelle mit katastrophalem Ausgang.

    In diesem Sinne, as always: Nieder mit NVIDA!

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