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Snoozing as a challenge.
Schlummern aka die Börse unbeachtet ihren Wahnsinn treiben lassen, ist kaum möglich in diesen Tagen. Ich würde gerne, doch es gelingt mir nicht. So wenig ich die ganze Aufregung, die durch die extremen Kursschwankungen hervorgerufen wird, eigentlich in meinem Leben haben will, so sehr lechze ich nach Informationen, Erklärungen und Spekulationen, wie es weiter geht. Letztere prasseln in allen möglichen Variationen unaufhörlich über die Kanäle. Und ich, ich kann einfach nicht wegsehen. Denn Schlummern hin oder her… Ich liege auf der Lauer in Erwartung eines guten Einstiegszeitpunkts. Seit geraumer Zeit befinde ich mich in dieser Wartestellung.
Is now the time?
Wird die „10%-Korrektur“ sich zum Crash entwickeln – und werde ich diesmal (endlich, endlich) den Mut haben, bei Tiefpreisen mein Geld anzulegen?Aktuell ist es extrem düster an den Märkten. Die Ausschläge sind erratisch, die Bewegung nach unten setzt sich kontinuierlich fort. Trump löst eine Erschütterung nach der anderen aus und es wirkt so, als hätte er noch einige Schockmeldungen in der Hosentasche. Die Neuste: 200% Zoll auf Alkohol aus Europa. Es wundert mich, dass meine gute, alte Pernod Ricard nach der Verkündung nur 5% abgerauscht ist. Erstmal zumindest.
Das Getöse ist groß, die Medien sind in Dauererregung. Jede Kleinigkeit, die aus Donalds Mund herausfällt, und sei es auch nur aus Versehen, wird gierig aufgeleckt und gespickt mit eigenen Spekulationen verbreitet. Am laufenden Band werden neue Schlagworte erfunden und vervielfältigt. Erst Trumpflaton. Dann Trumpsession. Alles dreht sich um den American Psycho im Oval Office. Sogar der Panzerkaufrausch, den Deutschland jetzt mit Schulden finanzieren will, wird seinem Konto gutgeschrieben. Manche sagen sogar, Europa müsse ihm dankbar sein, weil es so endlich aus dem Quark kommt.
Donald Trump lässt Mr. Market auf der heißen Platte tanzen. Es wäre angebracht, dass CNN als zusätzlichen Indikator für seinen Fear & Greed Index ein „Trump Musk Momentum“ einbezieht.
Seit dem 19. Februar geht es nun schon bergab, insgesamt, und ganz drastisch bei Tech Momentum. Es gibt Analysten, die sagen, dass wir uns womöglich seit dem 20. Februar in einem Bärenmarkt befinden. Das ist noch nicht ausgemacht. Aber es ist immer wieder unglaublich, wie schnell die Stimmung sich drehen kann und wie rasant die Kurse fallen.
Rund um den 10. Februar war der Bullenmarkt noch in Takt und gut gelaunt. Zu dieser Zeit mehrte sich noch das Genöle der Finfluencer. Markus Koch beschwerte sich am 11.2. in seiner „Closing Bell“ über den „zähen Markt“, der die Nerven strapaziere. Lars Erichsen sagte in der „Buy the Dip“-Episode vom 9.2. wortwörtlich: „Die Langeweile ist unerträglich.“ Ich habe mir das damals notiert, weil es die Haltung der Finanzmedien auf den Punkt bringt. Sie brauchen den hysterischen Rummel, je heftiger, desto besser. Dramatische Ausschläge, egal in welche Richtung, sind ihre Daseinsberechtigung. Andreas Beck nennt es „nur Rauschen“. Diese Antihaltung wiederum ist seine Daseinsberechtigung.
In einem Podcast habe ich gehört, dass insbesondere vergangenen Freitag, 7.3., aber auch an den folgenden Tagen, einflussreiche US-Hedgefonds ihre Aktien im großen Stil verkauft hätten. Man nennt es De-Risking. Bei solchen Ausverkäufen geht es nicht um etwa um mangelnde Qualität von Unternehmen, sondern allein ums Loswerden der Papiere. Die Profis flüchten aus dem Markt und die Kleinanleger rennen hinterher. Während die Profis sich rechtzeitig die Gewinne der letzten beiden fetten Jahre sichern, verkaufen Privatanleger häufig zu spät – und wenn die Panik groß genug ist, oftmals trotz hohem Verlust. Ich habe das selbst ein paar Mal durch – und bin deshalb total begeistert von mir selbst, dass ich diesmal ruhig bleiben kann, weder bei einem Bounce einsteige, noch panisch verkaufe.
Dabei hatte ich den Finger schon einige Male am Kaufknopf. Anfang des Monats zum Beispiel, am 3.3. war ich kurz davor, wieder in Dell zu investieren. Und das dazu in einer Situation, die ich mir streng verboten habe: In der Frühstückspause neben der Müslischale am Handy mal eben eine Order absetzen. 20 Stücke wollte ich kaufen à 99€. Irgendwie konnte ich mich zügeln. Ein Glück! Denn aktuell notiert Dell bei 85€. Die 15% Verlust innerhalb der vergangenen zehn Tage sind mir erspart geblieben.
Wenn es diesmal gut für mich läuft, wird die Bereitschaft abzuwarten, sich auszahlen. Vielleicht schaffe ich tatsächlich, lange genug, aber nicht zu lange, geduldig zu sein, um im Tief oder zumindest tranchenweise an mehreren Tiefpunkten einzusteigen. Ich würde dann gerne mein gesamtes Budget verpulvern und auf unbestimmte Zeit liegen lassen. Denn ich möchte so gerne eine zeitlang Ruhe haben vor Investitionsentscheidungen und meine Aufmerksamkeit vollständig auf andere (Lebens-)Themen lenken. Es gibt viele Ideen, für die mir seit langem die nötige Energie fehlt.
Es wäre momentan ein gutes Investment, den Logenplatz im Börsenzirkus bis auf weiteres ganz aufzugeben. Weg von Wirtschaft, Fiskalpolitik, Zinspolitik, rot-grün springenden Zahlen. Weg von Angst und Gier. Weg von der Fear Of Missing Out. Weg von Trump und seiner Gefolgschaft aus rückradlosen Tech-Milliadären. Und weg von all denen, die tagtäglich darüber berichten. So sehr diese ganzen Talking Heads inzwischen zu meinem Leben gehören. Was nüchtern betrachtet sowieso ziemlich weird ist.

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Snooze Mode.
Zwei Monate lang habe ich nichts mehr gesagt. Dabei hätte es jede Menge zu sagen gegeben. Jedoch erscheint es mir sinnlos. Sinnlos im Sinne von sinnlos verschwendeter Energie. Denn die Ereignisse überschlagen sich mit einer Willkür made in the White House, wie es die Börse wohl selten erlebt hat. Anstelle von einer Auseinandersetzung mit den sich überschlagenden Ereignissen, habe ich im mich auf meine Private Invests konzentriert, weitgehend ohne Sentiment. Ich habe im Hintergrund weiter aufgeräumt und nur sehr zurückhaltend ein paar (Nach-)Käufe getätigt. Dazu komme ich dann am Ende des ersten Quartals.
Für mich ist der Trump-getriebene Markt unerträglich. Ich kann das alles gar nicht glauben. Was an diesem, wohlgemerkt: Sonntag!, mit Krypto abgeht, bloß weil American Psycho mal wieder heiße Luft abgelassen hat, erscheint mir lächerlich. Finance Comedy. Wie kann die Welt diesen Mann bloß ernst nehmen?!
Ich möchte mich börsenmäßig ab sofort in einen Schlummermodus begeben. Und das so lange, bis die Scheiße endlich vorbei ist. Denn ich denke tatsächlich, das wird sie sein, diese Scheiße: ENDLICH!
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Amerika, das sich über den Stolz auf seine Demokratie definiert, sich diese diktatorische ( 1:1 zur Schau gestellte) Kettensägen-Politik auf Dauer bieten lassen wird. Wenn es Mr. Market gibt, dann auch Madame America. Trump(Musk)s Habitus wird, nach dem Erwachen der Welt aus der Schockstarre und zunehmender Kritik von außen, ein Gegengift produzieren, aus sich selbst heraus, innerhalb des Landes, bei den Demokraten, aus der Bevölkerung und – last but not least – aus den eigenen Reihen. Das zumindest ist mein Glaube an die Kraft der Vereinigten Staaten, an den „großen Bruder“, die Weltmacht, die das Land, sobald das Gift gewirkt hat, wieder sein wird. Trump wird sich mäßigen müssen – oder verschwinden.
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Kassensturz ohne Schmerzen und ein Ausblick ohne Emotionen.
Im Laufe des letzen Quartals 2024 ist es mir zunehmend egal geworden, auf rote Zahlen in meinem Depot zu starren. Die Schmerzen, die das Zusehen steigender Kurse von Aktien, die ich zu früh verkauft habe, verursachen, sind ebenfalls weniger geworden. Ich glaube, sie wurden ein Stück weit dadurch wett gemacht, dass ich die Kontrolle über mein Handeln zurück erlangt habe. Es war unglaublich befreiend, Positionen wie HelloFresh und Fiverr trotz hoher Verluste loszuwerden, nachdem ich mir eingestanden hatte, dass ich weder an sie glaube, noch sie ernsthaft besitzen will. Genauso gut hat es getan, angeekelt von Elon Musk, Tesla zu kicken – und das mit gutem Gewinn, der Verluste ausgleichen konnte. Besser lebt es sich auch ohne LVMH, eine Aktie, die ich gekauft hatte, weil sie in nahezu jedem Podcast irgendwann mal als eine Art Must Have gehypt wurde. Johnson & Johnson, Dell und L’Oreal habe ich mit Gewinn verkauft. Warum auch nicht.
Am Ende des Jahres dominiert in meinem Depot der verpönte Homebias. Ich habe ihn in Q4 sogar mit Merck und RWE noch ausgebaut. Merck liegt mir am Herzen. Und RWE ist Energie. Ich mag deutsche Werte ganz einfach. Man kennt sie. Und zur Hauptversammlung ist es nah. Dazu ganz viel Europa. Ich besitze keinerlei US-Big-Tech-Aktien, die USA sind momentan nur noch mit Intel und Nike im Sparplan-Depot vertreten. Fanuc ist der Außenseiter aus Japan. Alles in allem ist es aus heutiger Sicht (der Experten) ein No-Go-Portfolio, aber ich fühle ich damit wohl, sogar mit Carl Zeiss Meditec und Curevac. Das Depot ist ein Sammelbecken für ungeliebte Lieblinge, Altlasten und Ladenhüter, das für 2025 immerhin eine Dividende von rund 2,5% abwerfen wird. Auch ein Aspekt, der Frieden schafft.
Für mein neu angelegtes Depot mit ETFs, die weltweit in Rohstoffe und Versorger investieren, habe ich, trotz aktuell roter Zahlen, ebenfalls ein gutes Gefühl. Ich halte es mittel- und erst recht langfristig für vielversprechend und werde dort tranchenweise weiter aufstocken. Außerdem habe ich vor, in diesem Depot in größerem Umfang Tech-ETFs (KI, Information Technology, Semiconductor) zu etablieren, sobald sie günstiger werden, womit ich rechne. Weiterhin will ich auf einen Korea-ETF setzen.
Die Sparpläne mit Turnaround-Wetten auf Aixtron, Bayer, Intel und Nike werde ich voraussichtlich weiter laufen lassen, die monatlichen Beträge eventuell etwas zurückfahren.
Was ich nach drei Jahren Börse momentan als größten Gewinn sehe: Die Sucht scheint überwunden oder zumindest unter Kontrolle. Alles andere wird schon werden…
Stand: 31.12.2024



Bilder sagen mehr als Worte? Objektiv gesehen, zweifellos ein gnadenlos vermurkstes Privatanlegerinnen-Depot. Dummes Geld at it’s best. Es schreit förmlich: Wie kann man bloß so ein Zeug zusammenkaufen? Tja… Für mich jedoch ist es ein Status, mit dem ich gut leben kann.
Meine Strategie für 2025 wird eine Mischung sein aus Ausbauen, Aufbauen und Liegenlassen.
Stay tuned.
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Fallende Messer in Massen.
Keine einzige f***in‘ Einzelaktie will ich mehr haben. Jedenfalls nicht mehr in absehbarer Zeit. Gestern erreichte der Nasdaq ein neues Allzeithoch. Während in meinem Depot die Aktien von Carl Zeiss Meditec nach einem Kurssturz von rund 13% den Boden durchbrochen haben. Wieder einmal. Und als sei das nicht genug, geht es heute nochmals 7% nach unten. Insgesamt liege ich 50% im Minus und das nur, weil ich durch die Verkleinerung der Position von 4.000 auf 2.500 einen großen Teil der Verluste bereits realisiert habe. Andernfalls wäre ich 70% im Keller. Ende 2021 habe ich die ersten 12 Aktien für je 170€ erworben, aktuell ist eine 50€ wert.
Die Börse ist in letzter Zeit gut gelaufen. Leider ohne mich. In meinem Depot sieht es einfach nur beschissen aus. Hochgradig deprimierend. Rot, wohin man schaut, und das überwiegend zweistellig, zum Teil in hohen Bereichen. Porsche aktuell -27%, Neste -37%, Fanuc -16% (war allerdings schon viel schlimmer und somit beinahe ein „Erfolg“),Pernod -18%, Bayer -23%, Intel -20%. Von Curevac mit -80% gar nicht zu reden. Grün sind derzeit nur Colgage Palmolive (+0,80%), Enel (+1,30) und Nike (+4,5%). Es ist eigentlich zum Lachen.
Die Frage, wieso ich dastehe, wie ich dastehe, ist berechtigt. Ein Grund für das Debakel ist, dass ich Gewinne regelmäßig realisiert habe und die verbliebenen Werte nun so eine Art Resterampe darstellen. Ein weiterer Grund ist, dass viele der Werte durch eine Turnaround-Hoffnung in meinem Depot gelandet sind. Aber auch mit Unternehmen, deren Anteile ich voller Überzeugung gekauft habe, habe ich mich vergriffen. Dazu zählt Porsche, Neste, Fanuc und sogar Carl Zeiss Meditec. Am Anfang ist die Idee, auch Investment Case genannt, dann läuft es anders und plötzlich sitzt du auf Verlierern ohne die leiseste Ahnung, wie lange es dauert, bis sie sich erholen – und ob überhaupt.
Das ist verdammt schwer zu ertragen. Insbesondere deshalb, weil andere Entscheidungen in anderen Momenten zu richtig viel Gewinn hätten führen können. Hätten. Können. Bullshit.
Das Gute an meinem Misserfolg: Ich habe aufgegeben. Zumindest Einzelwerte betreffend. Noch konkreter: Ich habe die Hoffnung aufgegeben, mit dem richtigen Trade, das schnelle Geld zu machen. Die Einsicht ist da: Ich kann es nicht. Drei Jahre lang habe ich dieselben Fehler wiederholt. Irgendwann ist es mal gut.
2025 möchte ich von Einzelaktien komplett die Finger lassen. Wofür ich leider nicht meine Hand ins Feuer legen kann, das wäre zu gefährlich, denn zu oft habe ich unterlaufen, was ich mir vorgenommen hatte. Doch es sollte mir mindestens gelingen, den Hauptanteil meiner Aktivitäten auf den Ausbau der vorhandenen Sparpläne zu richten und weitere ETFs zu etablieren. Das aber erst, wenn die Börse sich endlich wieder einkriegt. Schon lange löst die Euphorie am Markt in mir ein massives Unwohlsein aus und seit den US-Wahlen grusele ich mich richtiggehend. Ich bin überzeugt, dass es knallt. Wann auch immer. Es fällt mir derzeit nicht schwer, am Rand zu stehen. Die Sucht, eine Order aufzugeben, ist unter Kontrolle. Und dieser Zustand ist eine wahre Befreiung.
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Drei Jahre Irrtum.
Erster Dezember, erster Advent und nebenbei ein persönliches Jubiläum. Denn am 1.12. vor drei Jahren habe ich die erste Aktie meines Lebens erworben. Vor diesem Tag hatte ich mich einige Wochen mit den Basics der Geldanlage in Wertpapieren beschäftigt; einer Materie, mit der ich bis dato noch nie etwas zu tun hatte und auch nicht dachte, dass dies je der Fall sein würde. Aber nun hatte ich plötzlich einen hohen Geldbetrag zur Verfügung. Geld, das mich zwang, etwas mit ihm zu tun. Zur damaligen Zeit zahlten Banken keine Zinsen, sondern, im Gegenteil, wurden für das Parken höherer Beträge auf Giro- und Tagesgeldkonten Strafzinsen verlangt. Es hört sich mittlerweile verrückt an, dass Kunden für die Aufbewahrung ihres Geldes durchschnittlich 0,5% Zinsen an die Bank zahlen mussten, sobald das Guthaben, je nach Institut, die Höhe von 50.000 oder 100.000 überstieg.
Das Motto an den Kapitalmärkten lautete: TINA. There is no alternativ. Damit war gemeint, dass Aktien die einzige Möglichkeit darstellten, Geld gewinnbringend anzulegen. Ich eröffnete ein Online-Depot beim S-Broker der Sparkasse weil dort gerade 300€ Orderguthaben verschenkt wurden, sprich der Handel ohne Gebühren winkte.
Mein erster Trade: 8 x Volkswagen AG ST für rund 2.000 Euro. Ja, unglaublich, damals wurden die Stammaktien für rund 250€ gehandelt. Vergangenen Freitag sind sie mit 83,50€ aus dem Handel gegangen. Damit liegen sie kaum noch über den Vorzugsaktien, die derzeit rund 80€ wert sind und damals, Anfang Dezember 180€ gekostet haben.
Als blutige Anfängerin setzte ich tatsächlich zu allererst auf einen Einzelwert. Und nicht nur das, mein erster Handel beruhte auf einem Irrtum, auf den viele folgen sollten. Ich dachte damals, dass nur Stammaktien zur Teilnahme an einer Hauptversammlung berechtigen würde. Und das wollte ich: die jährliche Hauptversammlung in Wolfsburg besuchen, um meiner neuen „Karriere“ als Kapitalanlegerin einen passende Rahmen zu verleihen.
Nach kurzer Zeit jedoch traf ich den Entschluss, statt in VW doch lieber in Mercedes zu investieren. Ein früher Ausdruck einer Wankelmütigkeit, die mich in all den folgenden Jahren begleiten und immer wieder in die Bredouille bringen sollte. Die Papiere verkaufte ich damals sogar mit einem kleinen Gewinn. Was sich natürlich toll anfühlte. Anschließend investierte ich den Betrag in Mercedes, ohne zu ahnen, dass ich mich schon bald erstmals mit einem Spin-Off beschäftigen musste. Als plötzlich, ohne mein Zutun, Daimler Truck Aktien im Depot lagen, verstand ich gar nichts, zumal die angezeigten Kurse hinten und vorne nicht stimmten.
Mein Depot bestückte ich nach und nach mit weiteren Einzelwerten. Ich wählte Klassiker wie Apple, Allianz, Nike, Merck, L’Oreal, Unilever, Johnson&Johnson, Berkshire. Nichts dagegen zu sagen, solange die Börse nicht crasht. Anfangs beherzigte ich lehrbuchmäßig die Diversifizierung nach Ländern und Branchen und kaufte nach dem Einzelwerte-Rausch schließlich auch noch verschiedene ETFs, eine Mischung aus Ländern und Themen. Obendrauf kamen fünf Momentum-Werte, die ich für die einzigen riskanteren Invests hielt. Jeweils 1.000€ in Fiverr, Square (heute: Block), ABO Wind, Curevac and Atmofizer. Im Rückblick ist das alles völlig absurd, insbesondere letztere Aktie, eine Anfängerfalle wie aus dem Abschreckungskabinett. Ich möchte darauf gar nicht näher eingehen. Leider ist Atmofizer nicht die einzige Schrottaktie mit Totalverlust geblieben. Und Curevac dümpelt mit Minus 83% nach wie vor in meinem Depot herum.
Rückblickend ist es eigentlich ein Wunder, dass ich mich durch meine Risikofreude gepaart mit unendlicher Naivität in den drei Jahren nicht noch tiefer in die Scheiße geritten habe. Ich habe massive Verluste erlitten. Alle Gewinne, die ich erwirtschaften konnte, dienten bislang dazu, diese Verluste auszugleichen. Ich bin jetzt nahezu an dem Punkt, an dem ich zu Beginn war. Allerdings nur, wenn man die Buchverluste nicht berücksichtigt. Die muss ich noch aussitzen.
Es waren nervenaufreibende drei Jahre, in denen ich zwischen der Angst vor dem nächsten Absturz und der immer wieder auflodernden Gier innerhalb einer Rally endlich mal richtig Kohle zu machen, hin- und herkippte. Ich war stets vom Ehrgeiz getrieben, die Verluste „wieder rein zu holen“. Gleichzeitig nahm ich meinen Einsatz jedes Mal viel zu früh vom Tisch, weil ich auf keinen Fall weitere Verluste erleiden wollte. Eine toxische Mischung, die wenig Rendite bringt, dafür aber viele Nerven kostet – und schlaflose Nächte.
Zu allen eigenen Fehlern hatte ich auch Pech mit meinem Börsenstart Ende 2021. Die Phase Strafzinsen wechselte den heftigsten Zinserhöhungen der Geschichte. Und als sei das für den Aktienmarkt nicht erschütternd genug, kam der Ukraine-Krieg, Tech-Crash, Bankenbeben, der Gaza-Konflikt und zuletzt der Japan-Carry-Trade-Crash hinzu.
All die Jahre wechselten sich extreme Korrekturen und extremen Rallys ab, in einem abnormen Tempo. Ich legte unendlich viel Energie daran, das alles zu verstehen, wollte alle verfügbaren Neuigkeiten in mich aufzusaugen, hörte mehrere Stunden am Tag Podcasts, um auf Basis von Wissen und Informiertheit besser zu werden, den Markt zu schlagen. Daraus wurde nach und nach eine Sucht. Und dabei machte ich immer wieder dieselben Fehler. Meine bärische Grundhaltung, basierend auf den wiederkehrenden Absturz-Erfahrungen, bin ich bis heute nicht mehr losgeworden. Keine gute Voraussetzung für den Erfolg. Und zuletzt hat mich die Party, die die Börse für Trump veranstaltet, richtiggehend angewidert.
Das Jahr ist bald vorbei, die üblichen Spekulationen über die Jahresendrally sind in vollem Gange, während ich denke, dass es für mich in 2024 nichts mehr zu tun gibt, außer weiterhin Abstand zu dem ganzen Wahnsinn zu erlangen.
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Casino zur Beruhigung.
Keine Ahnung, was genau mich geritten hat, aber am Freitag habe ich wie aus dem Nichts zugeschlagen. Ich habe Merck gekauft und Colgate Palmolive. Einsatz 5.000€. Einfach so. Zack. Ohne große Emotionen. Bislang auch ohne Reue. Beide Aktien befanden sich bereits in meinem Besitz und ich konnte sie damals mit Gewinn verkaufen. Offensichtlich hoffe ich auch diesmal darauf. Vielleicht kommt es so und die Werte steigen nach dem Rücksetzer. Vielleicht fallen sie weiter. Man weiß es nicht. Man weiß es nie. Von dem, was spekuliert wird, kann stets das Gegenteil passieren.
Es ist unmöglich auf Basis von Informationen erfolgreich zu sein. Davon bin ich mittlerweile überzeugt. Ich habe den Eindruck, dass Intuition helfen kann, aber im Grunde doch alles vom Glück abhängt. Oft wird gesagt, das Dumme Geld sei gegenüber dem Smarten Geld im Nachteil, weil Privatanleger zu spät an die Informationen gelangen, auf die Profis dann schon längst mit ihren Kauf- oder Verkaufsentscheidungen reagiert hätten. Aber stimmt das wirklich? Spielt die Information in einer Welt, in der Algorithmen Orders ausführen, automatisiert riesige Summen verschoben werden und Computer undurchsichtige Derivate vor und zurück handeln überhaupt noch eine Rolle? Oder hat das Ganze längst eine unbegreifliche Eigendynamik?
In den vergangenen Tagen hat der Gedanke, dass die Böse tatsächlich das Casino ist, das Kritiker ihr nachsagen, mir innerlich Frieden verschafft. Das Gute am Casino ist nämlich, dass man dort nichts falsch machen kann, sondern einfach bloß: Pech haben. Will heißen: Es trifft mich keine Schuld, wenn ich verliere. Umgekehrt kann ich mir auf Gewinne nichts einbilden. Noch einmal anders gesagt: Gewinne erzielen ist keine Leistung. Und Verlieren keine Schande. Ein neuer Ansatz? I don’t know. Jedenfalls für mich gerade eine gedankliche Entlastung.
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America last.
Was für eine Woche! Nach langer Zeit halbwegs geordneter Emotionen gegenüber der Börse war ich, besonders am Mittwoch, wieder einmal abgrundtief angeekelt. Ein Gefühl physischer Dimension, das ich gehofft hatte, durch wachsenden Abstand und Abgeklärtheit hinter mir gelassen zu haben. Aber nein, da war es: Mr. Market und der ganze Betrieb rundherum verursachten einen Brechreiz in mir.
Es traf mich ins Mark, wie die Börse den Sieg eines Psychopaten feiert. Ein Mann, der ins Gefängnis gehört und nicht ins Weiße Haus. Wie krank muss die Welt sein, die die Börse angeblich abbildet?!! Trump sei gut für die Wirtschaft, so die Erklärung. Aber unschwer erkennbar nicht für die Weltwirtschaft. Während US-Aktien steil gingen, begleitet vom Bitcoin, wurden europäische Werte rasiert. Dazu Solar und Wind in Grund und Boden gestampft. Die Börse handelt die Zukunft, so sagt man, allerdings keine nachhaltige. Und das nicht nur auf die Umwelt bezogen.
Unnötig zu erwähnen, dass ich an der Trump-Rally nicht teilnehme. Schon allein deshalb, weil ich kaum noch amerikanische Aktien besitze. Was sich irgendwie so ergeben hat. Die erste Rally, die mir nichts ausmacht zu verpassen. So angewidert bin ich momentan.Eines habe ich jedoch getan: Tesla verkauft. Oder besser gesagt: mein Abo gekündigt, aka den Sparplan aufgelöst und gelöscht. Elon Musk, den ich einmal sehr bewundert habe, ist in meinem Ansehen tief gesunken, bereits vor seiner offensiven Trump-Liebe, aber die hat mir den Rest gegeben. Nun war der Moment gekommen, mich von den Papieren zu trennen. Gewinn mitgenommen und Tschüss. Es tut mir leid um die geile Marke Tesla, aber Musk ist niemand, den ich weiterhin in meiner Cloud haben möchte, aka Portfolio.
Der Gedanke, der Börse nun bis zum Jahresende den Rücken zu kehren, hat mich das komplette Wochenende begleitet. Und so beruhigend dies wäre, befürchte ich leider, es wird mir nicht gelingen.
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Gefangen in der Erklärbärenfalle.
Gerne würde ich sagen, die Börse ist mir derzeit piep-egal und deshalb war ich vergangene Woche nicht aktiv. Letzteres stimmt zwar insofern, dass ich keine Transaktion getätigt habe, nicht einmal in homöopathischer Dosis. (Bravo!) Aber teilgenommen am täglichen JoJo habe ich trotzdem. Was für ein willenloses Getaumel. Beispielsweise Dell, in meinem Depot, einen Tag 6% hoch, den nächsten 5% runter, dann wieder 5% hoch. So ging es bei vielen Aktien. Es gab auch einige zweistellige Ausschläge nach oben, wie nach unten, aber das habe ich bei den Earnings bislang jedes Mal so erlebt. Nix besonderes mehr.
Je länger ich das Theater mitmache, je weniger kann ich verstehen, wie Heerscharen von „Experten“ es ertragen, über Jahrzehnte hinweg tagtäglich aufs Neue die oft irrationalen Börsenbewegungen zu interpretieren. Hauptsache es klingt irgendwie plausibel, für den Moment. Interpretationen kommen und gehen und wiederholen sich gerne. Am liebsten werden aktuelle Entwicklungen mit denen aus der Vergangenheit verglichen und Prognosen daraus abgeleitet. Die Gültigkeit der Aussagen verfällt dann oft binnen eines Tages, sie überleben kaum von der Closing Bell des Vorabends bis zur Eröffnungsglocke.
Apropos „Closing Bell“: Markus Koch ist einer von denjenigen, die ihr Leben der Wall Street verschrieben haben. Ich mag ihn und seine Sendungen. Gleichzeitig frage mich, woher er die Motivation nimmt und die Begeisterung, zweimal am Tag ausführlich darüber zu berichten. Es wirkt sehr authentisch, so, als würde es ihm tatsächlich Spaß machen. Aber vielleicht schlüpft er in Wahrheit nur eine Rolle – so wie ein Darsteller in einer Daily Soap.
Nach rund drei Jahren bin ich in manchen Börsenphasen einfach nur genervt. Eigentlich passiert nichts. Die Tage vergehen mit sinnlosem Vor und Zurück, dem krampfhaft ein Sinn angedichtet wird. Es gibt Bullen und Bären und es gibt Erklärbären… Erklärbullen gibt es natürlich auch. Die nerven mich am allermeisten.
Nächste Woche: die US-Wahlen.
Da kommt neue Bewegung ins Spiel. Ob das, was passiert, plausibel sein wird, sei einmal dahin gestellt. An Erklärungen wird es wie immer nicht mangeln. -
Lethargie und Verlusttopf.
So wenig Börse im ganz normalen Alltag war selten. Schaue ich auf die vergangene Woche, fällt mir gar nicht viel ein. Entweder es ist kaum was Interessantes passiert. Oder ich habe es nicht mitbekommen. Oder ich habe es vergessen. Erinnern kann ich mich an eine „Kursrakete“ bei Tesla und an den Absturz von Bilfinger wegen des Einsturzes eines Fähranlegers.
Darüber hinaus ist mir nur noch ein 20%-Anstieg bei HelloFresh im Kopf geblieben. Was genau gefeiert wurde, habe ich nicht verstanden. Ich habe mir auch keine Mühe gegeben. Denn es kann mir egal sein, ich habe die 30 Aktien kürzlich gekickt. Und ärgerlich ist es auch nicht, da der „gewaltige Kursbooster“ meinen Verlust gerade mal um 50€ reduziert hätte. Und das ist der Punkt. Die Sensationsmeldung, dass eine Aktie an einem Tag über 20% steigt, nämlich von gerundet 8,50€ auf 10,50€ mag diejenigen freuen, die bei 8,00€ eingestiegen sind und noch mehr die Zocker, die im Juli bei 4,50€ zugegriffen haben. Jemandem wie mir, die um die 35,00€ gezahlt hat und noch krasser die armen Menschen, die im Hoch bei 90€ gekauft haben, nehmen ein Plus von 2€ pro Aktie kaum wahr. Und während die Schlagzeilen HelloFresh für den Tagesgewinn am Freitag feiern, können sich Aktionäre, die zu ehemaligen Wucherpreisen auf dem Schrott sitzen, so richtig schön verarscht fühlen.
Nur ein einziges Mal bin ich letzte Woche kurz aus meiner Börsen-Lethargie aufgewacht, nämlich als Neste nach Quartalszahlen (wieder einmal) ins Minus ging, wenn auch „nur“ um fünf Prozent. Im ersten Reflex kaufte ich 10 Stücke nach. Das fühlte sich anschließend nicht besonders gut an. Woraufhin ich beschloss, die Position zu verkleinern. Nicht ganz rational, dieses Hüh und Hott, ich weiß, aber: So ist es eben. Im Ergebnis hat das Irrlichtern mir ein gutes Gefühl verschafft, weil ich nun statt mit 3.500€ Kaufwert nur noch mit 2.500€ dabei bin. Damit ist ein für mein Empfinden angemesseneres Verhältnis im (jetzt nur noch zehn Aktien umfassenden) Portfolio hergestellt.
Gut zu wissen: Bei Teilveräußerungen werden die Aktien zuerst ver-kauft, die man als erste ge-kauft hat. In meinem Fall ist der Verlust auf der Basis entsprechend hoch ausgefallen, weil ich die ersten 30 Anteile Ende 2023 für 36,00€ gekauft hatte, was beim derzeitigen Stand von 14,60 mehr als 50% Minus bedeutet, sprich ich habe durch den Verkauf rund 650€ real verloren. Nur, was ist schon real, wenn man mit Aktien herumjongliert?! Irgendwie fühlt sich alles abstrakt an, einschließlich des sogenannten „Verlusttopfs“, der mit diesem Verkauf wieder ein Stück größer geworden ist.
Mit Neste ist es so eine Sache. Ich habe das Risiko verringert, was mich ruhiger macht, aber ich möchte dabei bleiben. Mein Vertrauen gehört dem Unternehmen weiterhin. Die Finnen leisten auf dem nachhaltiger Treibstoffe Zukunftsweisendes, insbesondere im Bereich des Luftverkehrs. Delta Air beispielsweise fliegt mit Sustainable Aviation Fuel, SAF von Neste. Leider sind solche emissionsarmen Alternativen momentan noch eine Art Luxus.
Und ich habe ohnehin mit LVMH, Porsche und Pernod Ricard zu viel Luxus im Depot. (Ironie aus.)
