Börse persönlich

  • Nach der FED ist vor EZB.

    Was habe ich 2022 für Abstürze erlebt, nachdem die FED sich vor die Presse gestellt hat. Jedes Prozent einer möglichen Zinserhöhung, jeder Tag einer längeren Laufzeit ließ Aktien wie Steine fallen. Und gestern? Es wurde vorgetragen, was der Markt erwartet hatte und die Kurse schossen nach oben. Heute ist die EZB dran. Was die Marktteilnehmer im Vorfeld nicht vom Shoppen abhält.

    Tesla nähert sich wieder meines Einstandspreises. BYD geht mit hoch. Aber ich habe keinen Bock mehr, mich über den Verkauf aufzuregen. Da gibt es noch ganz andere verpasste Gewinne in 2022. Interessant, dass mich verpasste Gewinne bislang mit am meisten fertig machen. Ich kreide es mir als Versagen an, wenn ich aus einer Position rausgehe, die danach steigt, aber feiere es nicht als großartige Leistung in dem Fall, wenn ich mir größere Verluste erspare. Interessantes Paradox, oder?! Mir kommt es so vor, als habe ich mehr Gewinne verloren als Verluste verhindert. Unter dem Strich dürfte das aber eine Wahrnehmungsverzerrung sein, eben weil ich auf die Verlustverhinderung weniger achte als auf Gewinnversäumnis. Anyway, heute also die EZB. Ich versuche eine entspannte Haltung einzunehmen. Überhaupt sollte ich bei den momentan investierten 55.500 Euro einfach mal innehalten und abwarten, was passiert. Soll der Markt mir zeigen, dass er kein Arschloch ist. Mein DummGeld-Depot braucht ein Zeichen der Versöhnung und des Vertrauens!

    [Disclaimer: Leider traue ich weder der Rally noch dem Frieden. Dass der Markt so tut, als sei die Welt in Ordnung, ist mir zutiefst unheimlich und es würde mich wundern, wenn das Pendel nicht noch einmal nach unten ausschlägt.]

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  • Die Ruhe nach dem Sturz.

    Freitag BYD zurückgekauft, Montag über kleine Gewinne gefreut und am Dienstag bei fallendem Kurs nahezu neutral wieder verkauft, weil: Bloß nicht wieder eine Position etablieren, auf der ich dann sitzen bleibe. Was interessant in dem Zusammenhang ist, dass ich mit den ebenfalls am Freitag erworbenen Hyundai und dem kleinen Curevac-Nachkauf nicht hadere. Warum eigentlich nicht? Solche Self Sentiments gilt es zu analysieren, um womöglich effektiver und vor allem nervenschonender anzulegen. Das Dumme Geld muss schlauer werden. Und gelassener!

    Was klar war: Am heutigen Morgen eröffnet BYD mit rund 4% im Plus. Wundere ich mich nach allem, was ich erlebt habe, noch darüber!? Nein. Was mich nicht davor bewahrt, mich zu ärgern. Wie immer und immer wieder. Kotz. Auch Tesla steigt und es eröffnet sich die Möglichkeit, meine 5000-Euro-Position mit einem Verlust von unter 200 Euro aufzulösen. Aber ich habe mich dagegen entschieden und diesmal ganz bewusst und aktiv. Ich werde die 30 Aktien à 166 Euro halten, auch wenn es diese Wochen nochmal abwärts geht.

    Irgendwie beruhige ich mich im Laufe des Tages. Okay, dann steigt BYD eben ohne mich. Ist nicht das erste und wird auch nicht das letzte Mal sein, dass mir das passiert, jedenfalls nicht, wenn ich so weitermache mit diesem planlosen Hin- und Her-Getrade. Zocken ist ja okay, aber wohl nicht für mich. Mir fehlt der Mut, zwar nicht, um eine Aktie zu kaufen, aber um sie zu halten. Meine Leidensfähigkeit und die Belastbarkeit sind viel kleiner als mein Momentum-Wagemut. Ich muss das lassen, wenn ich irgendwann wieder besser schlafen will. Vor allem aber sollte ich dem Jahresanfangsvorsatz „Loswerden, was geht“ treu bleiben, wenigstens fürs erste Das Jahr ist noch jung. Das nächste Tal wird kommen. Darauf will ich vorbereitet sein. Der Tagesrummel kann mir eigentlich egal sein. So!

    Es ist der Tag der FED und der Markt spinnt bislang weniger als ich es erwartet hätte. Um 20 Uhr habe ich eine Date mit Markus Koch. Er wird die FED-Sitzung und die anschließende Pressekonferenz 14:00 in den USA live begleiten. Darauf freue ich mich. Bier steht kalt.

  • Call me weird. Oder süchtig. Womöglich beides.

    Morgen FED, Donnerstag EZB und Bank of America – sie alle entscheiden über Zinsen, gebündelt in einer Woche, dazu aus den USA der Einkaufsmanager-Index, die Offenen Stellen und der Arbeitsmarktbericht, gar nicht zu reden von den Earnings der großen Tech-Giganten Apple, Amazon, Meta, die obendrauf noch anstehen. Ich ärgere mich, dass ich Tesla nicht verkauft habe, für einen Moment wäre es sogar mit einem Minigewinn möglich gewesen. Aktuell bin ich wieder im Minus. Mir ist überhaupt nicht wohl in Anbetracht der Stimmung. Gestern noch entspannt, habe ich heute wieder die Befürchtung, den Fehler wiederholt zu haben, kurz vor einem erneuten Absturz auf Positionen sitzen geblieben zu sein, die ich recht schmerzfrei hätte loswerden könnten. Nein, statt dessen habe ich BYD zurückgekauft, gegen meinen Vorsatz. Wenigstens das korrigiere ich und trenne mich vom China-Autobauer. Gestern wären 50 Euro für mich drin gewesen, heute lege ich 15 Euro drauf. Keine Beträge, die der Rede wert sind. Aber doch drängt sich die Frage auf: Wie soll ich wohl an der Börse jemals zu was kommen mit meinem Schwachsinn?! Hertz ist nach meinem Exit, na was wohl… ordentlich gestiegen. BYD zunächst ja auch, bis ich wieder eingestiegen bin, logisch.

    Mannomann. I need a break. In der Tiefe meiner Seele bin ich so verwirrt und verängstigt, dass ich mir eine Auszeit zugestehen sollte. Anstatt permanent über neue Investments nachzudenken. Obwohl ich mir vorgenommen hatte, keine Einzelaktien mehr zu kaufen, habe ich Dutzende auf meiner Watchliste, auf die ich täglich stundenlang starre. Ich beobachte zig ETFs in allen Sektoren und Ländern. Ich bin besessen. Börsentäglich und auch am Wochenende investiere Zeit und Nerven, um Konzepte für zukünftige Investitionen zu entwickeln. Ich möchte einsteigen, wenn der Markt nochmal zurückkommt. Und ignoriere, dass ich mit einem neuen Versuch mein Geld erneut aufs Spiel setze. Im Urlaub war es super, ich war raus aus dem Gedankenkarussel, konnte widerstehen, auf Kurse zu starren. Danach war ich beruhigt, dass ich offensichtlich doch nicht süchtig bin, wie ich bereits befürchtete. Hier und jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher.

  • Automotive Monday.

    Freitag war verrückt. Ich hätte Tesla, nachdem ich kürzlich noch weit über 2000 Euro im Minus war, mit 100 Euro Verlust losschlagen können. Und an diesem Morgen sogar mit rund 150 Euro Gewinn. Doch ich habe die mutige (oder vielleicht auch saudumme) Entscheidung getroffen, es weiter darauf ankommen zu lassen. Getreu der Regel: The trend is your friend. Das muss ich mir heute, während die Aktie etwas zurückläuft, ganz deutlich sagen, dass es eine bewusste Entscheidung war, meine Entscheidung, basierend darauf, dass die Chancen für einen weiteren Anstieg ganz gut stehen. Tesla hat überzeugende Zahlen vorgelegt, beim Blick nach vorne zwar Bedenken eingeräumt, aber doch alte Kraft gezeigt, die Tesla-Magie. Dazu ist es endlich ruhiger um Elon Musks Bullshit geworden. Keine Ahnung woher ich die Zuversicht plötzlich nehme. Ich fühle mich weder ängstlich, noch gierig, sondern irgendwie neutral. Ich denke mir, auch wenn es nochmal runter geht, verliere ich nicht die Nerven. Wie schnell so eine entspannte Haltung dreht, habe ich allerdings schon oft erlebt. Was zur Gelassenheit beiträgt ist, dass die Neuerwerbungen vom Freitag – BYD, Hyundai und die kleine Curevac-Tranche – sich zum Wochenanfang positiv gestalten. BYD hatte ich im Zuge meiner 15.000 Euro-Rettungsaktion verkauft und mich dann geärgert, als die Tendenz nach oben sich weiter fortsetzte. Gewinne laufen lassen, ist eine der vielen Börsenweisheiten, die ich schon oft missachtet habe. Diesmal nicht, sagte ich mir und kaufte 70 Anteile für rund 2000 Euro. Diesmal nicht wieder am Rand stehen und zuschauen, wie die Aktien Tag für Tag, Woche für Woche weiter klettert. Zuletzt ging es mir bei Siemens Energy so. Bei 11 Euro ohne maßgeblichen Gewinn verkauft, dann bei 13 Euro nicht getraut wieder einzusteigen, mittlerweile ist die Aktie bei 19 Euro. Wenn man es also so will, ist BYD ein Versuch. Der Versuch einen Fehler (den Verkauf) zu korrigieren und nach einer ausgesetzten Runde wieder mit im Aufwärtswind zu segeln. Die Chinesen wollen das Ford-Werk in Saarlouis übernehmen und überhaupt Europa erobern. Hyundai habe ich gekauft, weil ich mehrfach in Podcast gehört habe, dass die Koreaner bei Elektroautos weit vorne liegen, vor allem im Bezug auf Reichweite, außerdem ist der Wert recht stabil und die Dividende mit 6% üppig. Dazu fahre ich selbst schon den zweiten Hyundai, mit großer Zufriedenheit. Also… wait and see.

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  • Don’t believe the pain.

    Mir ist das schon häufiger so gegangen. In dem Moment, in dem sich meine Börsenstimmung einem absoluten Nullpunkt nähert und ich mir innerlich vornehme, alle Aktien per General-Depotwechsel in einen einzigen Topf zu schmeißen, den Deckel drauf zu machen und das Ganze ohne der Würde eines weiteren Blickes vor sich hin schmurgeln zu lassen, damit ich die Kontrolle über mein Leben wiederbekomme… Da passiert es: Der Markt holt mich wieder ins Boot.

    Bereits vormittags stellt sich in mir primitive Zufriedenheit ein, weil die Verkäufe der letzten Woche (Merck, L’Oreal, SAP, Air Liquide) doch keine schlechte Entscheidung waren. Die Aktien sind nach einem kurzfristigen Anstieg sogar unter meine Verkaufspreise gefallen sind. Und dann, ab dem frühen Nachmittag, geht es an der Börse richtig zur Sache: die Werte aus meinem Tech-Labor erholen sich kräftig, einige explodieren regelrecht. Coinbase +16%, Cloudflare +8%, Fiverr +7%, SunPower 6%. Wow, es ist noch Leben in der Bude.

    Den Vogel abgeschossen hat Tesla. Die Aktie war in den vergangenen Tagen bereits massiv gestiegen, worüber ich mich allerdings nur zurückhaltend freute, weil a) meine Wahrnehmung vom Vorwurf der schlecht getimten Verkäufe der Vorwoche überschatteten war und b) ich das Upside von Tesla für ein Strohfeuer gehalten hatte, dass mich nicht einmal in die Nähe meines Einstandspreises von 167 Euro bringen würde. And now?! Tesla ist nochmal 12% gestiegen und ich bin am Ende des Tages nur noch 1,2,3% im Minus. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, sofort zu verkaufen, falls sich eine solche Chance böte: die 5.000 Euro wieder in Cash verwandeln und tschüß Elon! Doch jetzt, nach den vom Markt extrem positiv aufgenommenen Quartalszahlen (trotz gemischter Aussichten) und der Rally, nehme ich meinen Mut zusammen und bleibe drin. Ich halte es für möglich, dass sich der Aufwind nächste Woche fortsetzen kann. Tesla lag im April 2022 bei 350 Euro, im September immerhinbei 310. Und selbst, wenn die aktuellen Kursexplosionen durch Shorteindeckungen getrieben sind, halte ich es für möglich, dass genau jetzt on top das Dumme Geld aus aller Welt auf die Rally aufspringt, schließlich ist mit Blick auf das 2022-High eine Verdopplung des Gewinns möglich. Theoretisch.

    Tja, so ist das mit Vorsätzen. Tesla loswerden. Das war noch vor zwei Wochen bei einem minus von 40% mein allergrößter Wunsch. Tja. Nun habe ich Blut geleckt und hoffe auf eine Fortführung der Rally. Ich habe Tesla-Aktien schon mehrmals besessen und dann immer wieder neutral, mit kleinem Verlust oder Minigewinn verkauft, um anschließend dabei zuzusehen, wie sie wochenlang hoch laufen. Genauso ging es mir auch mit Siemens Energy, NovoNordisk, SLM Solutions, Lufthansa und wie sie alle heißen. Ein scheiß Gefühl. Du starrst auf die täglichen Zuwächse und kochst vor Wut, zu früh rausgegangen zu sein. Es sind mehrere tausend Euro, die ich auf diese Weise verloren habe. Dass ich mir damit bei anderen Titeln allerhand Verluste erspart habe, gleicht den Frust nicht aus.
    Ach ja, Vorsatz zwei, den ich gebrochen habe, darf in der Tesla-Aufregung nicht untergehen, nämlich der: 2023 kein neues (oder wiedergewonnenes) Kapital mehr in Einzeltitel investieren, sondern – wenn überhaupt – in ETFs oder vielleicht auch Anleihen, falls ich diese Assetklasse mal kapiere. Statt mich an meinen Vorsatz zu halten, habe ich heute folgende Trades ausgeführt: BYD 2000€, Hyundai 1000€ und eine kleine Nachkaufposition Curevac à 300€. Dadurch beträgt mein gesamtes Invest nun 57.500 Euro. Thank God it’s Friday! Und was für einer!!

    Nach Börsenschluss schreibe ich SohnA, dem ich beim Stand von 105 Euro eine Tesla-Aktie geschenkt habe, die er sich bei 50 Euro Gewinn zu verkaufen vorgenommen hatte. Ich frage ihn: Sold oder hold? Seine Antwort ist: Hold. Egal ob das Dumme Geld jung ist oder alt, mit den Vorsätzen ist es so eine Sache. Und im Internet sehe ich meine Theorie von Telsa und den Privatanlegern bestätigt.

    Quelle: tagesschau.de

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  • Fuck the fuckin‘ Rally.

    Die Märkte weiterhin freundlich. Aber ich bin es nicht. Ich bin deprimiert, sitze seit Tagen da, mit grimmigem Gesicht, in der Erwartung, dass es abwärts geht. Endlich abwärts geht, möchte ich sagen, wenn es nicht so seltsam wäre, da auch mein Depot darunter leiden würden. Doch würde sich so mein Verstand wiederherstellen. Weil irgendwann doch mal auffallen muss, dass der geballte Optimismus, der seit Anfang des Jahres vorherrscht, eine Übertreibung ist, in Anbetracht einer Gemengelage aus vielen Unsicherheitsfaktoren. Müssten die Zeichen nicht längs auf Zinsangst stehen, die im letzten Jahr immer wieder für regelrechte Flash-Crashes gesorgt hat. Darauf warte ich. Und das täglich. Viele der Unternehmenszahlen, die momentan gemeldet werden, sind durchwachsen, aber, solange keine echte Vollkatastrophe berichtet wird, scheint es zu auszureichen, den Markt bei Laune zu halten. Der robuste Arbeitsmarkt juckt niemanden, obwohl die FED hat vor diesem Szenario freie Fahrt, die Zinsen weiter anzuheben, aber der Markt feiert trotzdem weiter. 

    Wo ist sie denn geblieben, die Zinsangst, die das vergangene Jahr zu einem Albtraum permenenter Flash-Crashes gemacht hat, massive Abstürze innerhalb eines Nachmittags manchmal, die mir das Vertrauen geraubt, mich nachhaltig verängstig haben, wenn nicht ein Stück weit sogar traumatisiert… Es brauchte 2022 nur den Ansatz einer schlechten Nachricht, um einen Abwärtssog auszulösen und Chartbilder zum Einsturz zu bringen, mitsamt all ihrer Kerzen und Schulterformationen. Die Stimmung wechselte so abrupt, dass ich wie gelähmt war. Neben der Zinsangst, die ignoriert wird, frage ich mich andauernd: Was ist eigentlich mit Putin? Ist der Krieg an der Börse ausgepreist? Weil er die Kauflaune stört. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe gar nichts. Aber eines schwöre ich mir diesmal: Auch, wenn alles so sorglos und positiv bleibt, die Börse sich selbst feiert und der Bärenmarktabgesang lauter wird, werde ich nicht den Fehler begehen, bei den Techwerten, die gerade richtig abgehen, jetzt noch in die Rally einzusteigen. Diesmal nicht. Punkt. Das Risiko, dass die Zurückhaltung zum aktuellen Zeitpunkt ein Fehler sein könnte und ich jetzt einen guten Einstiegszeitpunkt verpasse, nehme ich in Kauf. Ich glaube einfach nicht an diese Party. Und ich bin ja nicht allein.

    Die Entwicklung seit Jahresanfang steht unter der Überschrift: Euphorie. Mein Dynamik-Depot ist seit Herbst vergangenen Jahres für eine breite Rally an den Kapitalmärkten positioniert gewesen. Ich habe den kräftigen Aufschwung in den vergangenen Wochen genutzt und einen Teil meiner Positionen reduziert.

    David Wehner, Do Investment

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  • Alles zum Kotzen. Und Tesla.

    Mittags um eins ein Blick ins Depot. Abwärts geht die wilde Fahrt. Seit Tagen fühlt es sich schon so an, dass eine deftige Schlachteplatte angerichtet wird…. Geht es heute los? Techwerte jedenfalls tief in rot und die Wall Street ist noch nicht einmal am Start. Microsoft ist nach durchwachsenen Quartalszahlen gestern nachbörslich zunächst um 6% gestiegen, um heute direkt wieder runterzusausen. Den Nachmittag schaue ich mit Ekel den fallenden Kursen zu, um dann zu erleben, wie sich nach und nach alles erholt und am Abend die Börse so dasteht, als sei gar nichts passiert. Was war das für ein Swing? Nachbörslich kommt Tesla mit Zahlen. Davor habe ich einen richtigen Horror. Buchverlust continued.

    Was für ein komplett durchgeknallter Börsentag. Nachmittags die Techwerte auf Mega-Talfahrt. Cloudflare, DigitalOcean aus meinem Depot gemeinsam mit Snowflake, Datadog und wie sie alle heißen, die ich schon besessen und gewinnfrei wieder verkauft habe. Am Nachmittag waren die Werte teilweise über 10% im Minus. Jetzt ist der Abstieg eingeleitet, dachte ich, aber denkste. Denn am Abend normalisiert sich alles wieder. Die Indices nur noch hellrot mit null Komma im Minus. DigitalOcean dreht von -9% im Tief sogar wieder ins Plus. Was soll diese ganze Scheiße? Es kotzt mich nur noch an. Es kotzt mich an, mir das regelmäßig anzusehen, zu sehen, wie easy man profitieren könnte mit dem richtigen Trade in wenigen Stunden. Und genauso kotzt es mich an, solche Gedanken überhaupt zu haben. Was denke ich denn, was ich bin… Dummes Geld goes Daytrading? Oh Mann, die Börse macht mich fertig. Und spät am Abend geschieht noch das nach all den Wochen des Elon-Bashings für mich absolut unerwartete: Tesla überzeugt mit Zahlen. Die Aktie steigt. 

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  • Kakophonie daily vs. 2% Tagesgeld.

    Tesla verfünffacht sich in den kommenden Jahren.
    Tesla halbiert sich bis Ende 2023.
    Ersteres behauptet der US-Professor Scott Galloway, der wegen seines Podcast Pivot von Tech-Jüngern vergöttert wird. Die andere Weissagung stammt von der Kult-Tech-Investorin Cathie Wood, die mit ihren ARK Innovation Funds in den beiden After-Corona-Jahren to the Moon ging und die nun, seitdem Tech in 2022 gecrasht ist, regelrecht verhöhnt wird. Ein gutes Beispiel dafür, wie kindisch und launisch die ganze Börsen-Wichtigtuer-Veranstaltung eigentlich ist.

    Professor Galloway meint übrigens auch, dass US-Markt sich besser entwickeln wird als Europa. Eine Prophezeiung, die ich mehrfach schon genau umgekehrt gehört habe. Dasselbe gilt für Voraussagen im Bezug auf China. Jede Behauptung trifft auf eine Gegenbehauptung, zudem wechseln die Einschätzungen. Als ich anfing, wurden die Emerging Markets empfohlen, später dann nicht mehr (wegen des starken Dollars) und jetzt doch wieder, aber nicht von allen. Vielleicht wäre es besser, sich von dem ganzen Geschwätz und den sich tagtäglichen ändernden Prognosen fernzuhalten. Aber sag das mal dem Dummen Geld!

    Apropos, Dummes Geld. Gar nicht so doof: Ich habe 25.000 Euro meines „trockenen Pulvers“ bei Trade Republic eingezahlt. Der Neobroker bietet 2,0% Zinsen auf dem Verrechnungskonto. Bei einem Jahr wären das 500 Euro Zinsen. 500 Euro standen im Herbst 2021 für 100.000 Euro Festgeld bei Klarna nach einem Jahr zur Aussicht. Der Festgeldzins von 0,5% den die Schweden anboten, war im Umfeld von Negativzinsen das beste Angebot auf dem Markt. Und kaum jemand hatte erwartet, wie bald alles anders sein würde. Aktuell liegt das beste Tagesgeldangebot bei 2,25% bei der IKB Deutsche Industriebank und 2,30 bei Bank11 (nie zuvor gehört). Ich schaue regelmäßig bei Weltsparen, Zinshund und dem Deutsche Bank ZinsMarkt nach den neuesten Konditionen. Weil ich mir denke: Solange Banken die Zinsen auf Spareinlagen erhöhen, erwarten sie weitere Anhebungen der Zentralbank. Klingt logisch, aber nach allem, was Börse ständig veranstaltet, würde ich meine Hand für diese Annahme nicht ins Feuer legen.

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  • Freundlich, aber wie lange?!

    Obwohl ich es mir nicht antun sollte, schaue ich natürlich doch nach ganzen Tag nach den Kursverläufen der Aktien, die ich verkauft habe. Und was wohl? L’Oreal steigt, Air Liquide steigt, Merck auch, ebenso BYD. SAP und Hertz gehen leicht nach oben. Ich hadere keinesfalls mit der Entscheidung, die Papiere in Bargeld zurückverwandelt zu haben, allerdings habe ich – wie so oft – zu früh verkauft. Statt 750 Euro realisiertem Verlust, wären es heute nur 500. Ärgerlich. Besonders Tech geht wieder nach oben. Tesla plus 7% und auch die Momentum-Aktien aus meinem Techlabor steigen. Das sollte mir eigentlich gefallen, aber die Freude über steigende Kurse stellt sich nicht ein. Der Frust über das verfrühte Losschlagen der sechs Aktien am Mittwoch ist größer. Kein Wunder. Denn ich bin mir sicher, dass die 7% Tesla-Plus womöglich morgen schon dahin schmelzen, genau wie jegliche Erholung der Aktien im Techlabor, deren Buchverluste ich wahrscheinlich wer weiß wie lange aussitzen muss. Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten rasanten Talfahrt ist in Anbetracht der bevorstehenden Earning-Season hoch. Ob ich mich wirklich trauen werde, im nächsten krassen Tief bei Werten, die ich schon lange beobachte, wie etwa Blackrock, Deere, Ferrari, ASML zuzuschlagen, wird spannend. Und wenn ja, wird noch spannender, ob ich die Nerven behalte, wenn es nach meinem Kaufzeitpunkt noch weiter runtergeht. Oder ob ich dann beim ersten Anstieg, aus Angst vor einem Dead Cat Bounce aussteige, sobald die Werte neutral oder halbwegs neutral sind. Seit die Börse verrückt spielt, habe ich diese Nullrunden mehrmals gedreht.

  • Der falsche Zeitpunkt ist immer.

    Solar gestern niedergetrampelt, was war da eigentlich los? Markus erwähnt in der gestrigen Closing Bell zwar, dass die Solarwerte auf der Verliererseite waren, gibt aber keinen Anhaltspunkt, warum. Mit Freiheitsenergien hat er es nicht so. Was soll’s. SunPower ist bei mir im Depot mittlerweile über 30% im Minus. Ärgerlich, weil es eine von den Aktien ist, mit denen ich einen kurzfristigen Gewinn erzielen wollte. Und nicht die erste Aktie, die ich mir von Alfred Maydorn („Maydorns Meinung“) habe aufschwatzen lassen. Ja, ja, keine Anlageberatung, keine Finanzempfehlung, alles die eigene Entscheidung und so weiter. Den Disclaimer gibt es in jedem Podcast und trotzdem ist es ein Schmackhaft-Machen, was sie tun, die Redakteure und sogenannten Finfluencer. „Der Aktionär“ ist von allen der Toxischste. Ich bin schon ein paar Mal auf deren Tipps, auch wenn es angeblich keine sind, hineingefallen.

    Am breiten Markt hingegen steigen die Kurse heute wieder und das, obwohl sogar kleiner Verfallstag ist, der in letzter Zeit häufig zu Kursverlusten geführt hat. Wo kommt die positive Stimmung her? Die Aktien, von denen ich mich Mittwochabend getrennt habe – L’Oreal, Merck, SAP, AirLiquide, BYD, Hertz – finden sich nach dem Abschwung am Donnerstag wieder auf dem Niveau meines Verkaufs ein und ich bekomme natürlich Schiss, dass sie nun nochmal weiter nach oben laufen und ich mich (wieder einmal) ärgern muss, dass ich sie „billiger“, sprich mit weniger Verlust, hätte loswerden können. Na ja, mal sehen. Nach wie vor fühlt es sich gut an, 15.000 Euro aus diesem Geisterbahnmarktumfeld in Sicherheit gebracht zu haben. Denn ich glaube nicht, dass es noch lange lustig bergauf geht. Ich kann es mir in Anbetracht der Gesamtlage nicht vorstellen. Einer der Volkswirte meines Vertrauens, Dr. Martin Lück von Blackrock, übrigens auch nicht.

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