Börse persönlich

  • Kassensturz mental.

    Weitere Inflationsdaten aus Amerika, die für den Aktienmarkt schlecht ausfallen, weil sie nach Zinserhöhungen regelrecht schreien. Nach einem Rutsch in den roten Bereich, der auf die Verkündung folgte, geht es wieder bergauf. Und das etwas später folgende, sehr deutliche Plädoyer der FED Cleveland-Chefin Loretta Mester für stärkere und längere Zinserhöhungen, fernab der vorherrschenden Senkungsphantasien, kann die Laune ebenfalls nicht drücken. Tja, was soll ich sagen: Ich schaue zu, wie es wieder hoch geht, natürlich auch Tesla und – na, was wohl… übe mich in GLEICHMUT. Ich überlege, Colgate zu verkaufen, nur um die 45.000 rund zu machen. Einfach nur aus Prinzip. Und um irgendwas zu tun. Wäre für einen Zwanni zu realisieren. 

    Der Markt kotzt mich an. Die Warterei auf das Ende der Bärenmarkt-Rally nervt. Ich will endlich die Kehrtwende sehen, mit einem ordentlichen, gerne hysterischen Abverkauf. Denn mein Konzept für einen neuen Tiefpunkt liegt in der Schublade. Ich habe eine Shopping-Liste erstellt, die zum Einsatz kommen soll, wenn alles danieder liegt, die Stimmung am Boden ist und die Kurse tiefrot. Genau die Angst-Phase, die ich schon so oft verpasst habe, fiebere ich regelrecht entgegen. Ich möchte dann günstig Nachkäufe tätigen bei Aktien und ETFs, die ich im Depot habe, und neue ETFs zu günstigen Tarifen einkaufen (Emerging Markets, Pacific, Japan, China, Clean Water, Infrastructur, Burggraben). Mein in den vergangenen Wochen flüssig gemachtes Kapital aus Einzelaktien diversifiziert in breitgestreute Fonds investieren. Weiterhin plane ich ein paar Wiederkäufe von Aktien, die ich besessen habe, diesmal zu Discountpreisen. Last but not least will ich 10.000 investieren in Aktien, deren Niedergang und Aufstieg mit riesigen Gewinnspannen ich mehrmals beobachtet habe (Deere, Blackrock, Ferrari, ASML und wie sie alle heißen) mit einem kurz- bis mittelfristigen Anlagehorizont. 

    Während ich das schreibe, frage ich mich, klingt das vernünftig oder mache ich mir was vor? Warum bin ich nicht einfach im Markt geblieben, wenn ich doch wieder einsteigen möchte. Gute Frage. Was ist eigentlich der Grund für mein Handeln, das etwas Manisches hat. Ich würde sagen, weil ich a) nachhaltig frustriert bin, wie teuer ich Ende 2021 Aktien bezahlt habe, die ich wenige Wochen später billiger hätte haben können und b) endlich (endlich!!!) auch einmal von einer kurz- bis mittelfristigen Rally so richtig profitieren will und c) die Börse, an der permanent was los ist, faszinierend ist und die Beschäftigung damit zur Sucht geworden ist. Aber sind das überhaupt kluge Argumente? Haben sie überhaupt eine Chance auf Erfolg oder bereite ich mir mit viel Aufwand nur den nächsten Frust? Vielleicht droht die Gefahr, noch einmal zu scheitern. Besonders a) scheint ein falscher Ansatz zu sein. Etwas gut zu machen, hat bislang zwar manchmal, aber oft auch nicht funktioniert. Sollte ich mein ganzes Tun vielleicht nochmal in aller Ruhe und ganz von vorne überdenken? Will ich denn überhaupt wieder in den Kapitalmarkt mein Geld überlassen. Bislang ist es zwar eine Faszination, aber keine finanzielle Bereicherung. Was, wenn Letzteres so bliebe?

  • My private Sell-the-Rally.

    What a day yesterday mal wider…! Nach Bekanntgabe der Inflationsdaten, die nicht gut für Aktien ausgingen, gab es einen kleinen Rutsch nach unten, bevor der Markt sich entschied, ungeachtet dessen die Party weiter zu feiern. Solange die Quartalszahlen rund sind, und das sind sie erstaunlicherweise überwiegend, knallen die Korken weiter.

    Und ich? Übe mich in Gleichmut. Mit Betonung auf: Üben. Schon krass, wie Tesla wieder abgeht: über 200 Euro. Ziemlich schwer, sich nicht zu ärgern. 500 Euro mehr Gewinn, hätte ich erst heute verkauft. Allerdings war die Aktie intraday auch mal bei 177 Euro, also unter den rund 182,00 mit denen ich mich verabschiedet habe. Die Aktie schwankt heute um 20 Euro hin und her, eine Spanne von 10%, ohne dass es eine berauschende Nachricht gegeben hätte oder sowas. Es ist einfach nur crazy, surreal. Aktienhandel zwischen LSD-Trip, Geister- und Achterbahn, offenbar derzeit eine Zockerbude für Daytrader, auf keinen Fall gesund. 

    Markus verweist in der Opening Bell auf das Phänomen der „Zero Days to Expiration“-Optionen (0DTE). Spekulationspapiere, die am selben Tag fällig werden, an dem sie gekauft werden und die Kurse massiv durcheinanderwirbeln können. Er sagt, dass sich die 0DTEs insbesondere bei Privatanlegern großer Beliebtheit erfreuen. Das Dumme Geld nutzt die Chance, mit den smarten Hunden zu bellen. Soweit ich es verstanden habe. Das Ganze wird an der Wall Street mittlerweile durchaus kritisch gesehen. Für mich ist der Derivate-Handel mit seinen Call- und Put- und Whatever-Optionen bislang unverständlich, obwohl ich mich schon mehrfach damit beschäftigt habe.

    Für mich bleibt es, wie es ist: Der Markt ist mir komplett unheimlich. Er reagiert auf keine Nachricht mehr negativ. Ich verstehe nichts und mein Gefühl ist, dass das nicht mit rechten Dingen zugeht, es erscheint mir wie eine Blase. Und je länger sie noch aufgepumpt wird, desto lauter irgendwann der Knall. Deshalb hole ich soviel Geld raus, wie möglich. Und in diesem Sinne habe ich mich heute noch von Cloudflare (1.900 Euro Cashback bei ca. 90 Euro Verlust) getrennt und Hyundai vorerst nochmal rausgeschmissen (1.000 Euro Cashback bei 30 Euro Gewinn). Natürlich passiert dasselbe, wie immer: ein bisschen abgewartet und ich hätte mich bei Cloudflare statt mit Verlust mit kleinem Gewinn verabschieden können. Was soll ich sagen: Ich akzeptiere es gleichmütig, jedenfalls versuche ich das, und erfreue mich an der Tatsache, dass mein Engagement in diesem völlig zugedröhnten Aktienmarkt um weitere 3.000 Euro auf rund auf 45.000 Euro geschrumpft ist. 

    Wobei ich zugeben muss, dass ich nicht frei bin von Zweifeln an meinem Rückzugskurs, der mich bislang bei 25.000 Euro Cashback 1000 Euro in den Verlusttopf gespült hat. Natürlich frage ich mich, während die anderen so schön feiern, ob meine Erwartung an sinkende – mehr noch: ab einem Punkt rasant fallende – Kurse ausbleiben wird, da wir mittlerweile tatsächlich den Beginn eines Bullenmarkts sehen…

    „Wie so oft zu Beginn eines neuen Bullenmarktes sehen wir Reaktionen an der Wall Street, die durch technische Faktoren getrieben werden, während die fundamentalen Faktoren noch fragwürdig sind und die Notenbank noch nicht richtig mitspielt.“

    Kommentar auf CNBC
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  • Gleichmut tut gut.

    Im Vorfeld der heutigen US-Inflationsdaten, denen nach dem Abschwung vergangene Woche gestern (warum auch immer…) eine Rally vorausging, bin ich von einer Gleichgültigkeit erfasst, die mich selbst überrascht. Ich denke mir, wenn es weiter hochgeht, okay, dann schaue ich mal, ob ich das ein oder andere zusätzlich loszuwerden. Ganz oben auf der Liste: meine Berkshire Hathaway-Position, die durch Nachkäufe auf 4.700 Euro angeschwollen ist, ohne dass ich wirklich von ihr überzeugt bin, weil mir da zu viel Apple, zu viel Banken und zu viel Öl drinsteckt, verbunden mit der Sorge, wie sich die Company entwickeln wird, wenn der gute Warren nicht mehr ist. Auf der anderen Seite würde es mir gefallen, wenn es bergab ginge, wie ich es schon so lange erwarte. Doch egal wie es sich entwickelt, berührt es mich gerade nicht in dem Ausmaß, wie ich es kenne. Ich fühle mich neutral.

    Bemerkenswerterweise habe ich zu meiner Stimmung an diesem Tag den genau passenden Podcast geliefert bekommen, veröffentlicht von Lars Erichsen. Er gehört zum Kreis der Finfluencer, denen ich regelmäßig zuhöre. Ich verdanke ihm viele Denkanstöße, obwohl mir die perfide-verschleierten Aufforderungen, sich ihm als Kunde anzuvertrauen, manchmal sehr unangenehm sind. Hin und wieder hatte ich den Impuls, ihn deshalb abzubestellen. Aber für die aktuelle Folge bin ich echt dankbar. Es geht um Gleichmut und darum, wie hilfreich er beim Geldanlegen ist, wenn nicht sogar die Voraussetzung für Erfolg.

    https://podcasts.apple.com/de/podcast/die-erfolgs-formel-an-der-börse/id1455853622?i=1000599469070

    Gleichmut. Das gefällt mir. Und so werde ich mich an diesem entscheidenden Tag, an dem die US-Inflationszahlen der Rally noch eins draufsetzen oder einen Eintags-Crash auslösen können, vor deren Bekanntgabe ausklinken. Da ich nicht vorhabe zu handeln, kann ich mir Zeit und Nerven sparen. Good Luck dem Dummen wie dem Smarten Geld, wie und worauf auch immer es heute verwettet wird. Long oder short, ich bin raus.

  • Der Markt gibt nicht auf.

    Übers Wochenende habe ich wieder gemerkt, wie gut es sich anfühlt, aktuell nur mit rund 50.000 Euro investiert zu sein. Insbesondere der Verkauf von Coinbase mit nur 60 Euro Verlust bei geretteten 1.950 war ein echter Coup meiner bisherigen Handelsaktivitäten. Ich war zur genau richtigen Zeit da, die Order auszuführen, an einem Tagespeak, was selten gelingt. Seither ist die Aktie wieder massiv gefallen, weil sich über dem Kryptohandel neue Regulierungsvorhaben zusammenbrauen.

    DigitalOcean hingegen steigt heute wieder. Ich behalte die Company weiter im Auge, schließe nicht aus, die Aktie nochmal zu kaufen. Cloudflare legt über 5% zu. Tesla dümpelt nach furiosem Start am Vormittag mit 5% plus in einer Seitwärtsbewegung um die 180 Euro. Das sehe ich gerne. In Summe ist heute wieder ein grüner Tag, obwohl morgen die US-Inflationsdaten anstehen, von denen man nicht weiß, ob sie dem Markt tatsächlich schmecken werden. Der aber scheint nach dem kurzen Durchhänger Ende letzter Woche wieder im Scheißegal-es-wird-schon-gut-Modus zu laufen. Die meisten Experten scheinen skeptischer als der geheimnisvolle Organismus namens „Der Markt“, das unergründliche Superbrain, das immer nur im Rückblick verstanden werden kann.

    „Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was die Federal Reserve sagt und dem, was der Markt erwartet. Er geht davon aus, dass wir das Inflation Peak gesehen haben und Zinserhöhungen moderat ausfallen. (…) Wir glauben, dass der Markt einer Fehleinschätzung unterliegt.“

    Kemal Bagci, BNP Paribas
  • Die Bären blinzeln.

    Kaum mache ich gestern zum Xetra-Schluss Feierabend passiert es: die Kurse gehen runter. „Nieder mit Tesla“ schreibt Sohn A. Und ich kann ihm nur beipflichten. Wenn eine Aktie verkauft ist, tut es gut, wenn sie anschließend fällt. Was erstmal nicht passiert war, sondern im Gegenteil wäre in der Spitze bei meiner 5000-Euro-Position nochmal 400 -500 Euro Gewinn mehr drin gewesen. Deshalb, ja, nieder mit Tesla. Aber nicht nur Tesla legt den Rückwärtsgang ein, es geht mit allerhand Werten bergab, vornehmlich natürlich Tech, als always. Andere Aktien treten auf der Stelle. Aber die Bewegung läuft allgemein nach unten. Na, endlich! Es scheint absurd, so zu denken, denn mein Depot betrifft dies ja insgesamt auch. Trotzdem ist es erleichternd, wenn die eigene Erwartung eintrifft. Ehrlich gesagt, hoffe ich, dass nun endlich Schluss ist mit den steigenden Kursen. Es wäre so etwas wie eine Erlösung. 

    Am Abend legt Cloudflare Quartalszahlen vor. Die Aktie schießt für einen Moment beinahe 20% nach oben. Wäre ich on spot gewesen, hätte ich verkaufen können, ohne Verlust. Glücklicherweise verschmerzbar, dies verpasst zu haben. Cloudflare ist unter den noch verbliebenen Aktien meines Techlabor neben SunPower die Aktie, der ich zutraue, dass sie zurückkommt und mehr noch: mir eines Tages eine gute Rendite bescheren wird. Bei Fiverr und Hello Fresh bin ich weniger überzeugt.

  • Waiting for Sell Off. Vergeblich?

    „Viele Anleger taumeln schlafwandelnd in den nächsten Ausverkauf.“ 

    Michael Hartnett, Bank of America

    Da sitze ich also, einen Tag und noch einen Tag, in Erwartung, dass die Stimmung kippt. So sie Michael Harnett von der Bank of Amerika, oder auch Marko Kolanovic von Morgan Stanley, der immer wieder rät „Sell the Rally“, weil er überzeugt ist, dass das Pendel irgendwann in die andere Richtung schwingen wird. Doch das Gegenteil ist der Fall. Inzwischen fühle ich mich regelrecht verarscht. Entweder von den Erlebnissen in 2022, als bei jedem kleinsten Abweichen von US-Arbeitsmarktdaten oder Zinsvorhersagen der Markt in sich zusammenbrach oder von dem, was gerade abgeht, wo jede schlechte Nachricht positiv interpretiert wird und die Bullen jeden Zweifel niedertrampeln.

    Hin und her gerissen zwischen den Warnungen der Experten und den Alarmglocken, die in meinem Kopf schrillen auf der einen Seite und den Märkten, die von ein paar harmlosen Korrekturschnörkeln abgesehen weiterhin nach oben streben. Mittlerweile sind sogar Markus Kochs Kommentare eher bullish ausgerichtet. Manchmal denke ich an die Börsenweisheit, dass es letztendlich die Märkte sind, die recht haben. Haben die Märkte recht? Nein, ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Klar, was weiß ich schon! Nur, worauf soll ich mich sonst verlassen, als auf den Konsens meiner eigenen, wenn auch laienhaften Einschätzungen. Wenn ich eine Erfahrung gemacht habe in den vergangenen fünfzehn Monaten, dann die, dass die Börsenberichterstattung für jede Entwicklung eine Erklärung findet. Ob bullish oder bearish geprägt, hängt von der aktuellen Gesamtstimmung ab. Im Nachhinein betrachtet, erweisen sich die Einordnungen oft als Trugschluss. Aber das interessiert dann niemanden mehr. Für Fehleinschätzungen muss sich kein Finanzjournalist rechtfertigen, geschweige denn, Verantwortung übernehmen. Dafür gibt es ja die Warnhinweise. Alles, was man den ganzen Tag aufs Ohr gequatscht bekommt, ist „keine Anlageberatung… keine… zum Kauf oder Verkauf“ bla bla bla, man übernimmt für Verluste keine Haftung. Der gute Bafin-Hinweis darf nicht fehlen. Den einfach hinterherschicken und alles darf in die Welt des Dummen Geldes hinausposaunt werden. Alles Spekulation, auf die niemand festgenagelt werden kann. 

    So bleibt nur die eigene Urteilskraft, das persönliche Fazit als fadenscheinige Wahrheit, so laienhaft, naiv und halbgebildet sie sein mag. Und bezogen auf die aktuelle Lage denke ich: Der Markt übertreibt. Die Anleger wollen auf Teufel komm‘ raus einen Bullenmarkts und ignorieren die negativen Meldungen. Genauso wie sie kurz zuvor im Tal der Tränen jede kleinste Negativmeldung zusätzlich zum Anlass für Verkäufe genommen haben. Derzeit ist Fomo is in the house. Aber die Erkenntnis, dass die Party übertrieben ist, steht bevor. Die Märkte haben solange recht, bis sie nicht mehr recht haben. Dann kommt die Gegenbewegung. Bis die Rechthaberei wieder hergestellt ist. Ende meiner Einschätzung.

    In diesem Sinne gehe ich für heute raus, 17:30, mache ich zur Abwechselung mal gemeinsam mit Xetra Schluss. Schluss mit dem mehr grün als roten Blingbling. Soll der Markt ohne mich steil gehen.

  • Waiting for Sell Off. Pending

    Die Warnungen vor fälschlicher Euphorie halten an. Den Markt interessiert das nicht. Die Kurse bewegen sich weiter nach oben. Investment Strategen, Fondmanager und Finanzjournalisten scheinen mehrheitlich kritisch zu sein. Ich würde gerne wissen: Wer bewegt aktuell den Markt? Das Dumme Geld und die Spekulanten, während professionelle Investoren sich in Zurückhaltung üben, warnen oder sich ganz raushalten? Ich finde das Geschehen derzeit hochgradig unheimlich. Tesla ist in drei Wochen fast 80% gestiegen. Und es geht weiter und weiter. Ich freue mich, nein, ich bin dankbar, die Position los zu sein. But. Nie hätte ich gedacht, dass das so schnell und dann auch noch mit Gewinn gelingen würde. Wie soll das eigentlich mit rechten Dingen zugehen?

    „Die Anleger verhalten sich wie Autisten. Sie hören Jerome Powell gar nicht zu. Er sagt ständig das gleiche: Wir schlagen die Inflation kurz und klein. Aber die Anleger denken, ach komm, das macht der nie, er will ja nur spielen. (…) Sie glauben nicht, dass Powell ernst macht (…) und feiern ihre Optimisten-Party, so ein bisschen wie Ballermann.“ 

    Ingo Narat, Handelsblatt

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  • Waiting for Sell Off

    „Die Aktienrally geht munter weiter und wir sind in einer Phase, in der any news good news zu sein scheint. Egal wie gut oder wie schlecht die Nachrichten sind, sie werden vom Markt immer positiv gedeutet.“

    Martin Lück, Blackrock

    Tja, wie lange wird das wohl noch so gehen? Ich habe es oft genug erlebt, wie schnell die Stimmung kippen kann. Diesmal bin ich angeschnallt und bleibe es auch. Angeschnallt für den Moment, an dem es an der Börse runtersaust. Und was macht die Börse? Sie juckelt immer weiter voran, not tot he moon, aber mit Aufwärtstendenz, nun bereits seit Anfang des Jahres. Weder die Arbeitsmarktdaten vom Freitag, die eigentlich Zinsangst auslösen müssten, noch die heutige, mit Befürchtungen beladene Powell-Rede, können der Kaffeefahrtslaune etwas anhaben. Genauso wenig wie die Spannungen zwischen China und den USA nach dem Abschuss eines ominösen Ballons über dem amerikanischen Luftraum. Alles scheißegal momentan. 

    Wo ist denn die verdammte Zinsangst geblieben, die für massive Ausschläge sorgte, manchmal so massiv, dass sie den Beschreibung Crash verdient hatten. Nö, keinen Bock, denkt sich der Markt anscheinend, wir feiern doch gerade so schön. Tesla ist weitere 2% gestiegen. What the fuck?! Liegen die Bären womöglich doch falsch? Was soll’s. Ich bin nach wie vor sehr froh, nur noch mit knapp 50.000 investiert zu sein, schaue mir das an, machmal mit Übelkeit im Bauch, die dem Unverständnis geschuldet ist und arbeite weiter an meine Shopping List, die zum Einsatz kommen soll, sobald wir die Tiefs noch einmal testen. So lange bleibe ich angeschnallt.

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  • Neue Woche, neues… Whatever.

    „Einen schönen guten Morgen von einer sehr verwirrten Wall Street. Von der Rezession, zur weichen Wirtschaftslandung zum Wirtschaftsboom – und das alles innerhalb einer Woche. Das ist schon, tja… Spannende Zeiten muss man sagen.“

    Markus Koch, Opening Bell

    So eröffnet Markus Koch die neue Woche. Den Arbeitsmarktbericht vom  Freitag bezeichnet er al „schockierend fest“ und erklärt weiter, dass derart robuste Wirtschaftsdaten eine Rezession in den USA zunehmend unwahrscheinlich machen, einhergehend mit der Wahrscheinlichkeit, dass die FED die Zinsen weiter anheben wird. Warum der Markt nicht eingebrochen ist, dazu äußert er sich leider nicht. Womöglich ist auch er momentan ratlos.

    Was ich mir für die anstehende Börsenwoche fest vornehme: mich nicht zu ärgern, wenn Tesla weiter nach oben wandert. Ich habe bei 181,70 verkauft, mit rund 460 Euro Gewinn, intraday fast der Peak. Und das, nachdem ich wochenlang zuvor größte Befürchtungen hatte, die Aktie würde sich diesmal nicht so bald erholen und ich würde auf den 2.000 Euro Verlust erstmal sitzen. Gute Gründe, froh zu sein, wenn nicht gleich dankbar, sie mit Gewinn aus dem Depot bekommen zu haben. Diese Rally muss doch bald ihr Ende finden. Warum es nach dem Freitag munter bergauf geht, verstehe ich nicht. Und nicht nur ich.

    „Wir gehen von sinkenden Kursen aus und sehen das aktuell als Bärenmarktrally, und dass die Gewinnerwartungen der Unternehmen nach unten korrigiert werden müssen. Denn was sollte den Markt weiter nach oben treibe?! Die KGVs in den USA sind noch viel zu hoch. Die Zinsen werden sich kurzzeitig nicht ändern. Dazu kommt der äußerst stabile Arbeitsmarkt.“

    Nicolai Tietze von Morgan Stanley bei ntv 
  • Take the money and run!

    Verdammt schlecht geschlafen habe ich. Denn nachdem sich gestern die Kurse im Tagesverlauf saftig erholten, ging es am späteren Abend wieder mächtig runter. Tesla hatte intraday ein Hoch bei 178 Euro gesehen, was rund 350 Euro Gewinn für mich bedeutet hätte, aber ich habe die Chance nicht genutzt. Stattdessen hatte ich Dollarzeichen in den Augen, von wegen nun sei doch vielleicht auch noch ein Anstieg auf 200 drin. Danach ging’s bergab. Oh Mann!

    Am Morgen danach hocke ich nun da, mit einem von 350€ auf 50€ geschrumpften Plus und denke „Fuck it!“ Mit Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten, die heute anstehen, stelle ich mich innerlich darauf ein, meine Aktien an diesem Freitag abstürzen zu sehen. Ich mache Frieden mit der Voraussicht. Warum nehme ich nicht die die Fünfzig, gehe raus und sichere meine 5.000? Keine Ahnung. Es ist ein Gefühl zwischen Trotz und Lähmung. Manchmal geht gar nix.

    Um 15: 30 wird die Lethargie belohnt. Die Arbeitsmarktdaten sind zwar ein Albtraum, jedenfalls für den Markt. 517.000 offene Stellen, 190.000 wurden erwartet. Zunächst dachte ich, es handele sich um einen Tippfehler. Und dann geschieht das absolut Surreale: Nach einem kurzen Einknicken explodieren die Kurse nach oben. Tesla steigt wie blöd. Diesmal nutze ich die Chance. Mit klopfendem Herzen verkaufe ich beim Kurs von 181,83 mit rund 460 Euro Gewinn. Coinbase und Digital Ocean, die ich um zusammen für mickrige 100 Euro Verlust loswerden kann, schicke ich hinterher. Alles round about 18:00. Und weil es so schön ist, fliegen die beiden Themen-ETFs bei Scalable gleich mit. All in all hole ich damit weitere 9.000 Euro aus dem Markt. Ich kann es kaum glauben! Im Verlauf des Abends treten die Kurse den Rückzug an, es geht sogar saftig nach unten. Ich bin stolz auf mich. Wie es aussieht, konnte ich von einem Short-Squeeze profitieren. Und das auch noch am Peak. Yeah. Normal ist das alles nicht. Wenn man sich die Chartbilder vom S&P (links) und vom Nasdaq anschaut, wird deutlich, dass der Markt verrückt spielt. Weg hier!

    Noch am Abend erfahre ich: SohnA hat Tesla ebenfalls verkauft. Ich hatte ihm die Aktie Ende 2022 geschenkt, als sie für knapp über 100 Euro zu haben war. 80% Gewinn in einem Monat. Kein so schlechter Börsenstart für ihn. Zum Glück, ist er sich bewusst, dass dies eine Ausnahme darstellt. Von Beginn an sieht er bei mir, wie es umgekehrt laufen kann. Sein Hauptengagement konzentriert sich auf Sparpläne. Das Börsengeschehen begleitet er als interessierter Beobachter. Es macht mich glücklich, dass ich ihn fürs Geldanlegen begeistern kann. Er hat so viel Zeit, sich ein Vermögen zu schaffen. SohnB werde ich auch noch ins Boot holen. Und die Kinder meiner Freunde. Wenn meine exzessive Beschäftigung mit der Börse eines Tages rückblickend nur dafür gut war, dass ich junge Menschen in meinem Umfeld an das Thema herangeführt habe, sie zu Sparplänen ermutigen konnte, dann ist allein das ein Gewinn.

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