Börse persönlich

  • Greed is the new Fear.

    Whatsapp von SohnA:
    Der Markt sinkt ja momentan langsam aber sicher ab. Ich war heute erstmals wieder im Minus insgesamt mit dem MSCI World. Ab wann greift deine Strategie „Crash 2023“?

    Meine Antwort: Kommt ein bisschen auf die Titel an. Sowas wie Alphabet oder Orstead z.B. könnte man eventuell schon kaufen, sollte nicht mehr so stark runter gehen. Generell aber ich würde sagen, von jetzt an nochmal ca. 8-10% runter – siehe Oktober- und November-Tiefs oder die Stände zum Jahresende 2022. Dax müsste mindestens wieder unter 13.000. Dass es nochmal so weit runtergeht wie im Juni 22 glaube ich nicht. Allerdings scheinen sich die Kurse gerade, nach einem schlechten Start, wieder zu erholen. Zumindest auf meiner Watchlist ist wächst der Grünanteil aktuell wieder.

    Nach einem ordentlichen Einbruch im Tagesverlauf schließen die Indizes am Abend wieder leicht im Plus. Obwohl die 10-jährigen US-Anleihen über 4% angelangten. Der Feer & Greed Index sackte kurz auf 48, um dann am Abend doch wieder 54% greedy zu sein.

    Und täglich grüßt das Unverständnis.

    ,
  • What the fuck…!?

    Der tägliche Wahnsinn nutzt sich ab. Es ist allmählich nicht mehr nur frustrierend, sondern richtig gehend langweilig. Jeden Tag labert irgendwer irgendwas anderes. Kürzlich wurde China wärmstens empfohlen, dann gab es Warnungen, dort zu investieren, heute sind die Wirtschaftsdaten positiver als erwartet ausgefallen und China-Papier wieder der heiße Scheiß. BYD 6% rauf. Mal sehen, wie lange sich das hält. Aus den USA dagegen kamen heute neue Wirtschaftszahlen, die weniger gut ausgefallen sind. Rolltreppe runter. Irgendeiner von Goldmann oder Morgan Stanley oder JP Morgen hat vorgestern postuliert, dass Value nicht mehr angesagt ist. Die Wallstreet hat, lt. Markus, darüber diskutiert. Im Ergebnis fallen die so called defensiven Werte. Auch meine zuletzt erworbenen, in Krisen begehrten Johnson & Johnson und die kürzlich gekauften Colgate fallen. Tja, da habe ich wieder ins Klo gegriffen. Wen wundert’s. Bislang waren solche Standardwerte aus dem Konsum- und Health-Care-Bereich im Abwärtstrend die, die sich gut gehalten haben. Sobald ich sie kaufe, ist es vorbei. Was mich zu meinem aktuellen Sentiment bringt: Totale Bocklosigkeit. Mal wieder. Diesmal habe ich das Gefühl, dass die Bocklosigkeit nicht mehr nur eine Trotzreaktion ist, sondern ernsthafte Zweifel an der weiteren Beschäftigung mit Börse, zumindest in dieser exzessiven Weise, zumindest solange der Markt so weiterspinnt. Lebenszeit ist kostbar, viel kostbarer als Geld. Und das ist der Punkt: Um Geld geht es zwar, um dessen Erhalt und Vermehrung. Aber das ist nicht mein wahrer Trigger. Für mich ist es eine spannende Betätigung, ein Feld für neue Erfahrungen, eine Motivation, meinen Geist zu füttern. Aber wäre dies nicht auch in einem anderen Bereich möglich, verbunden mit einem Verdienst. Diese Frage werde ich mir jetzt (erstmals) ernsthaft stellen (müssen)!!!!

  • Scheiß auf die Bullen.

    Wie üblich werden die Rücksetzer erneut gekauft. Mannomann, hört das denn nie auf. Bin letztendlich doch ich mit all den anderen Bären auf dem falschen. Dampfer. Es ist so unfassbar frustrierend.

    Die Heimatzeitung schreibt: „Im aktuellen Umfeld steigender Zinsen dürfte es eine Mammutaufgabe bleiben, die oberen Widerstände im Bereich von 15.600 Punkte aus dem Weg zu räumen. Anleihen werden zur immer größer werdenden Konkurrenz für Aktien. Nach dem jüngsten Zinsanstieg werfen zweijährige Bundesanleihen erstmals seit 15 Jahren wieder mehr als drei Prozent Ertrag ab. Jetzt kommen sicherlich Immer mehr Aktienanleger ins Grübeln, ob sie nicht einen Teil ihrer Aktien in sichere, weniger schwankende Assets umschichten sollen.“

    Wenn ich doch bloß Anleihen verstehen würde. Jeder Versuch scheitert und ich traue mich nicht, in dem Bereich aktiv zu werden. Meine Watchlist dagegen ist riesig. Ich habe eine Vorstellung, was ich im nächsten Tief kaufen würde. Es gibt eine umfangreiche Anzahl an Aktien, die ich inzwischen mehr als ein Jahr lang beobachte, dich ich täglich im Blick habe mit allen Höhen und Tiefen der vergangenen 14 Monate. Ich bereue, dass ich nicht zugegriffen habe, als Deere unter 300 Euro zu haben war und auch nicht als LVMH für 560 gab. Momentan erscheint mir Orstead, als Beispiel herausgegriffen, bei um die 90 Euro attraktiv. Oder auch Alphabet. Aber ich habe kein gutes Gefühl, im derzeitigen Umfeld, Aktien zu kaufen. Gestern gab es zwar wieder eine Erholung, aber was passiert in Folge? Die Schwankungen sind allmählich unerträglich und werfen regelmäßig die Frage auf, ob ich es beim derzeitigen Engagement, rund 45.000 Euro, belassen soll. Wäre da nicht die Angst, am Ende doch eine Chance verpasst zu haben.

    Na, egal. Schluss für heute noch bevor die Wall Street erwacht. Family long. Wir feiern 95. Geburtstag. Geschenke einpacken, Piccolöchen in die Kühltasche und auf geht’s… Hoch soll sie leben, meine Mutter. Happy Birthday. Fuck you Wall Street.

    , ,
  • Schlummermodus. Family long.

    Am Wochenende hat meine Heimatzeitung im täglichen „Marktbericht“ den Status zum Ausgang vergangener Woche sehr schön zusammengefasst: Die US-Teuerungsdaten fielen höher als erwartet aus. Damit kochten wieder Inflationssorgen hoch, die zugleich Zinsängste befeuerten. So here we go: Dasselbe Bild wie so oft in 2022. Und nun hängt es endlich nicht mehr schief. Die Märkte haben eine Abwärtsbewegung angetreten. Ich bin sehr gespannt, wie sich die erneute Wende weiterentwickelt. Den ersten Schwung bekam sie letzten Dienstag, der dann aber erstmal aufgehalten wurde. Werden die Bullen aufgeben und akzeptieren, dass die ersten Wochen des Jahres nur eine Bärenmarktrally waren?

    Heute kommen Wirtschaftsdaten aus China, der Einkaufsmanager-Index aus den USA für den Februar, EU-Verbraucherpreise und EZB-Protokolle. Einmal mehr wichtige Indikatoren für die Einschätzung des globalen Wirtschaftsverlaufs. Es bleibt und. bleibt und bleibt spannend. Vermutlich wird es das ganze Jahr so gehen. Sagen viele, ja wer wohl: Marktbeobachter. Wer auch immer die sein sollen.

    Selbst nehme ich mir für diese Woche vor, mich rauszuhalten, weniger Zeit in die Börse zu investieren und mich aufs Private zu konzentrieren. „Family long“ schrieb neulich jemand in den Chat von Markus Koch nachdem der erklärt hatte, dass seine Closing Bell wegen einer Familienangelegenheit am Abend leider ausfallen muss. Familienangelegenheiten. Genau die werden bei mir in dieser Woche auch im Vordergrund stehen. Im Mittelpunkt der 95. Geburtstag meiner Mutter am morgigen Tag und der damit verbundene Besuch von Sohn(B). Darüber hinaus müssen zwei Privatangelegenheiten endlich in den Fokus: eine neue Matratze und eine neue Brille.

    ,
  • Übertreibung nach unten, bitte.

    Jeden Tag erfreue ich mich erneut an der Tatsache, Coinbase und Cloudflare los zu sein. Die drehen weiter ins Minus. Und ich, ich bin raus. Ohne Nachkäufe wäre das nicht möglich gewesen. Und was habe ich mich zwischendurch für genau diese Nachkäufe selbst gebashed! Nach dem Motto: Wie hohl muss man sein, noch mehr Geld in Schrottaktien zu stecken, die immer tiefer sinken. Disclaimer: Ich weiß, „Schrottaktien“ ist vor allem für Cloudflare übertrieben, aber darf ich das nicht auch mal, wo doch die Märkte eine permanente Übertreibung in egal welche Richtung sind?!

    Ich hatte zwischendurch ja schon beinahe die Erwartung angezweifelt, dass negative Nachrichten die Marktteilnehmer aus der Schnapslaune auf den Boden der Realität zurückholen würden. Aber wie es aussieht, geht es endlich los. Laut JPMorgan-CEO Jamie Dimon könnte die Fed gezwungen sein, die Zinsen sogar bis auf sechs Prozent anzuheben. Ugga ugga ugga, kann ich da nur sagen. Obwohl, na klar, auch diese Prognose vermutlich nur eine Übertreibung darstellt. Egal.

    ,
  • Grün am Mittag.

    Es wäre ja zu schön gewesen… Endlich die angemessene Kehrtwende in Richtung Realität. Leaving the bubble. Aber nein. Die Aktien steigen wieder. Germany & Europe go shopping. Die Wall Street wird sich wohl anschließen. Denn die FED-Protokolle haben am gestrigen Tag nichts hervorgebracht, das nicht erwartet wurde – im Gegenteil ist die Befürchtung eines nächsten höher als erwarteten Zinsschrittes um 0,50% (anstelle der bislang eingepreisten 0,25%) geringer geworden.

    Nach Börsenschluss hat Nvidia mega Zahlen geliefert, was als positives Zeichen für den Tech-Sektor gesehen wird. Es ist wie in den Wochen zuvor, kaum gibt es eine Korrektur, finden sich Käufer, die die Aktien mit Abschlag einsammeln. Es gibt offensichtlich genug Interessenten am Markt, die guter Dinge bleiben. Und bei denen, die negativ gestimmt wird, vermuten „Marktbeobachter“, dass die negative Stimmung ein Indikator für weitere Kursanstiege sein könnte. Dieser Zusammenhang wird oft erwähnt, ohne dass ich die Logik dahinter verstehen kann. Es hört sich einigermaßen absurd an. 

    By the way: Marktbeobachter. Sie werden in der Börsenberichterstattung gerne angeführt, wenn es darum geht, eine These mit Expertise zu unterfüttern. Schein-Expertise könnte man meinen. Denn wer sind die, diese Marktbeobachter?! Talking heads without name. Wohl so eine Art „unabhängige Experten“, die in Nachrichten ebenfalls gerne genommen werden.

    Na ja. Gut. Okay. Wie auch immer. Macht mal. Ich bleibe verhalten. Und ich habe keinen Bock mehr, mir anzusehen, wie die grünen Zahlen heute wieder hektisch blinken. Keinen Bock mehr auf die Kommentare, warum Sorgen übertrieben sind. Keinen Bock mehr auf den steigenden Fear & Greed Index immer höher im Feld „Extreme Greed“. Der Markt, das Superbrain, strebt wie ein trotziges Kind weiter nach oben. Tesla, klar, macht mit. Ob das Superbrain derzeit hauptsächlich vom Dummen Geld gefüttert wird? Oder ob die smarten Investoren sich ebenfalls vermehrt aus der Deckung wagen? I don’t know… Was ich weiß ist aber, dass ich eine Pause brauche. Deshalb beende ich diesen Börsentag um 13 Uhr, noch bevor die Opening Bell geschlagen hat. Mir reicht es. Und wie die Amis sich ab 15:30 Uhr die Taschen vollstopfen, will ich gar nicht sehen.

    ,
  • Rote Zahlen, aber Absturz geht anders.

    „Die Story, die den Aktienmarkt seit Jahresanfang mit nach oben getrieben hat, hat sich letztendlich nicht bewahrheitet.“

    Markus Koch

    Die Story von den Zinssenkungen noch in diesem Jahr ist gemeint. Die wird es wohl so bald nicht geben. Allmählich sickert die Erkenntnis ein. Der Markt hat gestern eine Runde gekotzt. Ich habe mich gefreut. Aber, wie es scheint, zu früh. Die Kurse ruckeln heute ohne Orientierung hin und her. Von Absturz kann keine Rede sein, aber in der Tendenz geht es immerhin ein bisschen weiter nach unten. So ruhig und gelassen war ich schon lange nicht mehr. Endlich scheint meine Erwartung einzutreten. Irgendwie ist das erleichternd. Zwar geht es weniger rasant nach unten als gestern, aber der scheinbar unendliche Aufwärtstrend hat definitiv eins aufs Maul bekommen. Ungeachtet der Tatsache, dass der Rückgang der Kurse sich in meinem eigenen Depot negativ auswirkt, bin ich erleichtert. Ein echtes Erfolgserlebnis in dieser Phase ist die Tatsache, dass ich einige der Risikopapiere losgeworden bin. Sell the Rally, hat Marko Kolanovic immer wieder geraten. And yes, I did it, I sold the Rally! Tesla, Coinbase, Cloudflare, DigitalOcean, zwar nicht am Peak und außer Tesla mit kleinem Verlust, aber insgesamt doch gut verkauft. 

    Wenn es nach mir ginge, darf es mit den Kursen noch ein schönes Stück weiter bergab gehen. Leider entspannt sich die Lage an den Märkten im Laufe des Tages aber wieder. Good News und Bad News neutralisieren sich irgendwie. Zinsen, Inflation, Rezension, China, Putin, Lieferketten, BIP, Ifo, Dollarkurse, Wirtschaftsindikatoren, Konjunktur, Arbeitsmarkt, Anleihemarkt, ein riesiges Tohuwabohu ohne klare Tendenz. Markus meint, dass der Bondmarkt die Zinserhöhungen oberhalb der Aktienmarkterwartungen bereits eingepreist hat. Ein Zinsgipfel von 5,3 % sei in den aktuellen Kursen drin. 

    Dennoch:
    Die Euphorie hat sich erstmal gelegt.
    Die Wachstumsfantasie bekommt Risse.

    In diesem Sinne habe ich heute, voll defensiv, 10 x Johnson & Johnson à 149,14 Euro gekauft. Die Aktie ist in den letzten Wochen 12% gesunken, nachdem sie monatelang gestiegen war. Für mich ist es ein Versuch, ein Test. Das Risiko hält sich in Grenzen, denn langfristig mache ich mir keine Sorgen. Erstmals entscheide ich mich in einer Schwächephase für Value, und lege mir nicht schon wieder neue Risikopapiere zum vermeintlich günstigen Preis ins Depot. Neben Colgate-Palmolive nun die zweite Defensivposition. Bislang war ich von Groth-Aktien regelrecht besessen. Ich wollte das schnelle Geld. Das Risiko war mir in dem Umfang nicht bewusst. Egal ob von den Doppelgängern, vom Aktionär oder sonst wem befeuert, habe ich bei Wachstumstiteln mit einer tollen Story stets aufgehört und ganz naiv zugegriffen.

    tagesschau.de
    ,
  • Rote Zahlen, ich feiere euch!

    Am Freitag sind an der Wall Street die faktisch seit den superstabilen Arbeitsmarktdaten berechtigten Zinssorgen in die Wall Street eingesickert, wenn auch nur zögerlich. Denn trotz des Wochenschlusses und dem bevorstehenden Feiertag am Montag in den USA blieb eine Flut von Gewinnmitnahmen aus, die eigentlich naheliegend gewesen wäre. Aber dann, am heutigen Dienstag nach dem US-Feiertags-Gap an der Börse, enttäuschen – in die angespannte Gesamtlage hinein – nicht nur Giganten wie Home Depot und Walmart, sondern negativen Analysten-Stimmen werden endlich gehört und nicht mehr nur belächelt. Zudem ein starker Anstieg der 10-jährigen US-Staatsanleihen. Toxische Gemengelage für Aktien. Und tatsächlcih: Die Kurse fallen. Mir gefällt das. Ich fühle mich wohl. Meine Erwartung wird erfüllt und der Verstand atmet auf. Zum ersten Mal seit meinen Anfängen an der Börse im November 2021 machen mir rote Zahlen keine Angst. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Ich feiere sie. Am Ende dieses schönen Tages hat der Dow Jones die gesamten Gewinne dieses Jahres komplett abgegeben, der S&P ist unter die 4000-Punkte-Marke gefallen und der Nasdaq hat nach 9% Anstieg in 2023 an einem Tag immerhin 2,5% verloren. Mal sehen, wie nachhaltig der Abgabedruck sein wird. 

    Börse ist immer eine Anpassung der Schätzungen an die eigentliche Realität. Es ist ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten. Es ist keine Voraussage definitiver Ereignisse. Nobody knows the future, Insbesondere in einem Umfeld das so wenig transparent ist wie das aktuelle.

    Markus Koch
    , ,
  • Sleepy Washington’s Birthday.

    Der dritte Montag im Februar ist in den USA ein Feiertag zu Ehren aller US-Präsidenten. Benannt wurde er nach George Washington und ist heute auch als President’s Birthday bekannt. Die Wall Street ist an diesem Tag dicht. Die Geschäfte sind dagegen offen. Wikipedia sagt, im Handel wäre der Tag für Rabattangebote bekannt und ähnlich beliebt wie der Winterschlussverkauf. Tja, da wird das amerikanisch Klischee bestens bedient: Konsum über alles, erst recht an einem Feiertag. Der Präsident also auf dem Grabbeltisch. Und wie es an der Börse üblich ist, schläft ohne die Wall Street der restliche Markt beinahe ein. Den Tag können sich Anleger entsprechend sparen, vor allem, wenn es darum geht, zu erahnen, wohin die Reise im restlichen Februar gehen könnte. Nach unten, glaube ich, trotz Zweifeln, und bleibe dabei, obwohl in der derzeitigen Phase nach wie vor noch die Bullen die Oberhand behalten…

    „Der Markt will nach oben. Die Marktteilnehmer sind positiv gestimmt. Sie sagen, alle negativen Parameter seien im Markt eingepreist. Man kann eigentlich nur positiv überrascht werden, sagen viele. Das ist ja meistens der Punkt, an dem doch irgendwas passiert. Aber man merkt, dass der Druck von unten nach oben stärker ist. Man sieht auch, wie jede Schwäche zum Kaufen benutzt wird.“

    Dirk Hess, Citigroup
  • Ekel fressen Gleichmut auf.

    Tesla kotzt mich an. Wieso will diese verdammte Aktie keine Ruhe geben?! Rauf, runter, von den ganzen lieben langen Tag. Ich will das nicht mehr sehen, besonders nicht, wie sie steigt. Weil es mir bei jedem neuen Up vor Augen führt, dass ich den doppelten Gewinn hätte mitnehmen können, wenn ich noch ein paar Tage Geduld und vor allem Mut gehabt hätte. Aber das ist es nicht allein. Die Tesla-Aktie ist das perfekte Sinnbild für den Markt. Ein Markt, der außer Rand und Band geraten zu sein scheint. Mir ist einfach nur noch schlecht davon. Ich sollte mich angeekelt wegdrehen, schaffe es aber nicht, weil leider genau dieser Ekel mich gefangen nimmt, so sehr, dass ich viel zu viel Zeit meines Lebens damit verbringe, mich innerlich zu erbrechen. Herrje, verdammt, wo ist denn mein Gleichmut von gestern?

    Übrigens vermute ich ja schon die ganze Zeit, dass Tesla zu einem erheblichen Anteil vom Dummen Geld bewegt wird. Und heute morgen bei „Alles auf Aktien“ habe ich erfahren, dass an meiner Vermutung durchaus was dran ist. Dort hieß es: „Seit Jahresbeginn haben amerikanische Privatanleger wie verrückt zugegriffen und im vergangenen Monat jeden Tag durchschnittlich über 1,5 Milliarden US-Dollar in amerikanische Aktien investiert. Und das beliebteste Papier mit 9,7 Milliarden Zuflüssen seit Jahresbeginn ist Tesla.“ Rund zehn  private Milliarden in sechs Wochen. Wahnsinn. Das Dumme Geld hat offensichtlich sowas von Fomo und rechnet wahrscheinlich damit, dass Tesla wieder auf 300 Euro hochläuft. Wenn die so weiterkaufen, passiert das womöglich tatsächlich. Zur Freude der Smarten, die jeden Dipp kaufen und nach einem Anstieg von 5% wieder abstoßen. Buy & Sell statt Buy & Hold.

    Aus dem Community-Chat zu Markus Kochs gestriger „Closing Bell“ auf YouTube habe ich drei Zitate gepickt, die meine aktuelle Stimmung sehr gut abbilden. I’m not alone.

    Frank Meyer​: Der Markt ist nur ein Spiegel der Gesellschaft – ziemlich kaputt!

    Pater Romanow​: Hatte einen Short auf Tesla in der Kaufmaske um 20.40 Uhr, zu feige, dann TV geglotzt, könnte kotzen. 

    burli0071: ​Hoffe, dass bald alles richtig abkackt, habe 66% in Cash.

Hinterlasse einen Kommentar