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Es grünt so grün. Und Tesla.
Zweiter Januar und der erste Handelstag im neuen Jahr.
Die Aktien, insbesondere die zum Jahresende verprügelten Tech-Werte gehen steil nach oben. Auch Tesla.
Sofort der Gedanke: Scheiße, du hättest nachkaufen sollen bei den Tiefstständen vom Freitag. Entgegengesetzter Gedanke: Verdammt nochmal, was denkst du dir, bleibt bei deinem Plan: Raus aus den Aktien, sobald es verlustfrei möglich ist, oder wenigstens nahezu verlustfrei. Und kein neues Risiko ins Depot.
Am Nachmittag bewegt sich Tesla rund 7% im Plus. In mir flammt Hoffnung auf, dass das Schlimmste womöglich vorbei sei, die Aktie bei 100 Euro – wie man so sagt: einen Boden gebildet hat – und endlich wieder Aufwärtspotential besitzt… Erst gegen Ende des Börsentages realisiere ich, dass die Wall Street an diesem Tag noch im Schlummermodus ist. Kein Handel in den USA, weil Feiertag, kein Wunder also, dass um 15:30 Uhr deutscher Zeit, dem Handelsstart in den USA, die großen Ausschläge ausgeblieben sind. Dafür geht es um 18:00 unvermittelt steil nach unten. What? Die Gewinne des Tages lösen sich in Luft auf, weil Tesla Zahlen vorgelegt hat. Trotz 40% Steigerung der Auslieferungen gegenüber dem Vorjahr sind die Analysten unzufrieden. Die Prognose wird nicht erfüllt. „Tesla bleibt trotz Rekords hinter Erwartungen“ lautet die Schlagzeile. In solchen Momenten packt mich die Wut, auch wenn das total sinnlos ist, aber ich könnte losbrüllen: Was wollt ihr eigentlich, ihr Analysten-Streber???? Ich habe schon so manches Mal mit der Faust auf den Tisch gehauen, wenn die Kurse derlei unvermittelt abgestürzt sind – oder auch, wenn sie kurz nachdem ich sie verkauft habe, plötzlich in den Himmel stiegen, wie es mir bei SLM Solutions kurz vor Bekanntgabe der Übernahme durch Nikon passiert ist. Ein paar Mal habe ich in solchen Momenten sogar geweint. Auf den Markt sauer sein, ist sinnlos, is klar. Aber sich dessen bewusst zu sein, hilft da nix.
Die gute Nachricht: Coinbase, Digital Ocean, SunPower, Cloudflare, Fiverr, Hello Fresh und wie sie alle heißen, die Aktien in meinem bei smartbroker liebevoll eingerichteten Tech-Labor, sie halten die Gewinne zwischen 3% und 6%. Varta plus 7%. Schampus für Eddie! Wenigstens für diesen Moment.Tesla geht am Ende des Tages mit knapp 2% Plus aus dem Handel. Soll ich mich jetzt freuen. Geht nicht, mir ist nach der Achterbahnfahrt einfach bloß kotzübel.
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Vorsätze 2023
Der oberste Vorsatz für das neue Jahr lautet: Keine neuen Aktien ins Depot. Sondern: Loswerden, was geht.
Füße stillhalten, sämtlichen Verlockungen vermeintlich schneller Gewinne widerstehen. Passiv bleiben und zuschauen, sich ärgern über verpasste Chancen und Erleichterung verspüren über nicht getätigte Käufe neuer Verlustbringer.
Leicht fallen wird mir das nicht. Dranbleiben ohne mitzuspielen.
Besonders froh wäre ich, wenn ich einige meiner Momentum-Tech-Glücksritter wie Coinbase, DigitalOcean, SunPower, Fiverr und Co. neutral oder mit geringem Verlust aus dem Depot bekäme. Chancen: gering.
Freuen würde ich mich auch, wenn Tesla wieder an meinen Einstandskurs von rund 170 Euro herankommen würde und ich die 30 Aktien +/- neutral verkaufen könnte. Tesla ist momentan durch mehrfache Nachkäufe mit 5.000 Euro einer meiner größten Positionen. Chancen: bei aktuell -35% in meinem Depot ebenfalls gering.Weiterhin habe ich vor, meine 30.000 Cash auf einem Tagesgeldkonto zu parken, Consors bietet 2,1%, Volkswagenbank für Neukunden 2% oder vielleicht sogar in Festgeld, derzeit für 2 Jahre bis zu 3,5%.
Momentan fehlt mir der Mut, aber auch die Begeisterung, Geld in Aktien zu investieren. Obwohl dies bei einem erneuten Einbruch natürlich auch eine gute Option wäre.
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Bye 2022. Knietief im Minus.
Silvester. Zeit für den Kassensturz.
Die Buchverluste 2022 betragen am letzten Tag des Jahres 23% der von mir insgesamt investierten 70.000 Euro, in Zahlen: rund 16.000 Euro.
Will heißen: rund ein Viertel meines investieren Geldes ist aktuell weg.
Gone.
Schornstein.
Buchverluste sind Verluste, die zum jeweiligen Zeitpunkt „nur auf dem Papier“ existieren. Die Situation kann sich wieder ändern, die Kurse können steigen, der Verlust wird ausgeglichen und sich zum Gewinn entwickeln. So ist Börse, dessen muss sich jeder Anleger bewusst sein. Höhen und Tiefen. Und trotzdem fühlt es sich jetzt, in dieser Situation, extrem beängstigend an. Ich war auf die Tatsache vorbereitet, aber nicht darauf, wie es sich tatsächlich anfühlt.
Übertragen auf mein Gesamtbudget von 100.000€ beträgt der Verlust prozentual „nur“ 17%, denn 30.000 Euro des Vermögens halte ich derzeit in Cash. Die absolute Zahl von 16.000 Euro Verlust kann die prozentuale Betrachtung aber nicht mildern.
Im April 2022 war ich zwischenzeitlich mit rund 90.000 investiert. Nach dem Ukraine-Crash Ende Februar ging es im März wieder bergauf und ich kaufte mich mit naivem Mut und einem durch den Konsum von zahlreichen Podcasts angefeuerten Eifer quer durch die Sektoren. Vor allem Tech hatte es mir angetan, noch mehr die kleinen, vielversprechende Momentum-Tech, die von Finfluencer gerne präsentiert werden. Wegen der großen Gewinnchancen! (Ha, ha.) Nur als Tipp natürlich und nicht als Anlageempfehlung. Worte, mit denen sie sich komplett aus der Verantwortung nehmen.Der Markt lief nach der Bärenmarktrally, in die ich eingestiegen war, kontinuierlich nach unten. Irgendwie habe ich es Anfang Mai in einem zwischenzeitlichen Aufwärtstrend dann geschafft, ohne allzu große Verluste eine beachtliche Anzahl von Aktienpositionen wieder loszuwerden und runter auf 65.000 runterzukommen.
Im fortlaufenden Jahr keimte innerhalb zwei weiterer Bärenmarktrallys im August und November erneut die Hoffnung auf Bodenbildung auf. Ich kaufte. Die Hoffnungen bestätigten sich nicht. Ich verkaufte. Gewinne machten Verluste wett. Ein Nullsummenspiel in ewiger Schleife und unendlich viele Nerven, die mich das kostete.
Nun stehe ich am Jahresende bei 70.000 Euro Investition mit 16.600 Buchverlusten und 880 Euro realisiertem Verlust da. Eigentlich sollte ich zufrieden sein. Bei meinem naiven, Risiko-affinen Handeln hätte es mich weiß Gott mehr zerreissen können. Ein Freund mit 100.000 Euro Einsatz im Topf hat im Sog einer Panikreaktion in den ersten Kriegstagen 15.000 Euro Verlust realisiert um 85.000 Euro zu sichern. 15.000 Euro, die nun nicht nur „im Buch“ sondern ganz real weg sind, so genannte realisierte Verluste. Kurz vor einer solchen „Rettungs-Aktion“ war ich auch – und nicht nur einmal. Ich weiß gar nicht, woher ich den Mut zum Aussitzen hatte.
Dennoch ist es frustrierend zum Kassensturz am Jahresende auf dieses fette Minus im Buch zu blicken. Von 20 Aktien und 8 ETFs in meinen Depots befindet kein einziger fucking Wert im Plus.
Nichts Grünes weit und breit, nur rot. Wirklich. Ausschließlich. Rote Zahlen.
Dabei habe ich gar nicht alles falsch gemacht, sondern gerade am Anfang einiges richtig. Als ich mein Depot aufsetzte, habe ich ich breit gestreut in ETFs investiert und bei Einzelwerten hauptsächlich auf Traditionsunternehmen gesetzt. Unilever, Allianz, Johnson & Johnson, Daimler Trucks, Adidas etc. Nur einen kleinen Anteil habe ich riskant angelegt: Fiverr, Square (jetzt: Block), Abo Wind, HelloFresh. Hochriskant unendlich naiv in Atmofizer, einem Hersteller für Luftreiniger, von dem ich mir in Zeiten von Corona tolle Chancen erhoffte.Fakt ist jedoch: Ich bin viel zu blauäugig an die ganze Sache herangegangen. Das ich innerhalb des Jahres mein Gesamtinvestment reduzieren konnte, wirkt erstmal beruhigend, egal wie es weitergeht. Und dass auch professionell gemanagte Fonds, wie etwa „Multiple Opportunities“ von Flossbach von Storch, aktuell ebenso hohe Buchverluste vorzuweisen haben, tröstet immerhin ein bisschen. Das smarte Geld wurde von den Ereignissen des Jahres und dem extrem unberechenbaren Markt genauso eiskalt erwischt wie das dumme Geld. Nicht nur Aktien, auch Anleihen sind abgeschmiert und Gold hat ebenfalls nichts rausgerissen. Wie oft hat Markus Koch gesagt, dass dieser Markt kaum zu navigieren ist! Und wie oft wurde von unterschiedlichsten Börsengurus folgende Aussage wiederholt: „Cash ist 2022 die einzige sichere Anlageklasse.“ Und das trotz Inflation!
Erschöpft, ausgelaugt und ernüchtert. Das ist mein Befinden nach einem Jahr Börse. -
Wie gewonnen, so zerronnen.
Schön gefreut gestern. Gehalten hat es einen Tag. Die Kursgewinne sind am letzten Handelstag des Jahres wieder dahin geschmolzen. Und immer wieder stehe ich da und frage mich: Was soll das? Wer macht das? Wie gerne würde ich mal die Käufer von gestern sehen und die Verkäufer von heute. War es gestern das Dumme Geld, das in den Markt strömte, von dem das Smarte am Tag darauf profitiert hat? -
Turnaround Thursday?
Nach dem abwärts gerichteten Jahresend-Kursverlauf steigen die Kurse auf einmal wieder. Geht es nun bergauf und kommt sie am vorletzten Handelstag doch, die heiß ersehnte, von ein paar Optimisten bis zuletzt beschworene Jahresendrally?
Es tut mir gut, Werte wie Tesla und Varta nach den vergangenen Tagen – an einem verlor die Musk-Company frustrierende 12% – Luft holen zu sehen. Zumal Tesla in meinem Depot durch mehrfache Nachkäufe mit 5.000 Euro mittlerweile eine der größten Positionen ist. 166,73 Euro muss die Aktie wieder wert werden, damit ich sie verlustfrei losschlagen könnte, was ich gerne täte, in Anbetracht der vorherrschenden Anti-Stimmung, für die Elon selbst sorgt. Bis zu meinem Einstandskurs fehlen momentan rund 35 %, sprich ich bin mit 1.700 im Minus. Kotz. Denn auch die Aktien hatte ich gekauft, um endlich mal bei einem Upside dabei zu sein. So oft hatte ich am Rand gestanden und Tesla beim Klettern zugesehen, nachdem ich die Aktie aus Verlust-Angst zu früh verkauft hatte. Endlich selbst dabei sein bei einem Tesla-Hype, einen fetten Gewinn einfahren, Verluste wett machen. Das war die Intension. Ging mächtig nach hinten los.