Keine einzige f***in‘ Einzelaktie will ich mehr haben. Jedenfalls nicht mehr in absehbarer Zeit. Gestern erreichte der Nasdaq ein neues Allzeithoch. Während in meinem Depot die Aktien von Carl Zeiss Meditec nach einem Kurssturz von rund 13% den Boden durchbrochen haben. Wieder einmal. Und als sei das nicht genug, geht es heute nochmals 7% nach unten. Insgesamt liege ich 50% im Minus und das nur, weil ich durch die Verkleinerung der Position von 4.000 auf 2.500 einen großen Teil der Verluste bereits realisiert habe. Andernfalls wäre ich 70% im Keller. Ende 2021 habe ich die ersten 12 Aktien für je 170€ erworben, aktuell ist eine 50€ wert.
Die Börse ist in letzter Zeit gut gelaufen. Leider ohne mich. In meinem Depot sieht es einfach nur beschissen aus. Hochgradig deprimierend. Rot, wohin man schaut, und das überwiegend zweistellig, zum Teil in hohen Bereichen. Porsche aktuell -27%, Neste -37%, Fanuc -16% (war allerdings schon viel schlimmer und somit beinahe ein „Erfolg“),Pernod -18%, Bayer -23%, Intel -20%. Von Curevac mit -80% gar nicht zu reden. Grün sind derzeit nur Colgage Palmolive (+0,80%), Enel (+1,30) und Nike (+4,5%). Es ist eigentlich zum Lachen.
Die Frage, wieso ich dastehe, wie ich dastehe, ist berechtigt. Ein Grund für das Debakel ist, dass ich Gewinne regelmäßig realisiert habe und die verbliebenen Werte nun so eine Art Resterampe darstellen. Ein weiterer Grund ist, dass viele der Werte durch eine Turnaround-Hoffnung in meinem Depot gelandet sind. Aber auch mit Unternehmen, deren Anteile ich voller Überzeugung gekauft habe, habe ich mich vergriffen. Dazu zählt Porsche, Neste, Fanuc und sogar Carl Zeiss Meditec. Am Anfang ist die Idee, auch Investment Case genannt, dann läuft es anders und plötzlich sitzt du auf Verlierern ohne die leiseste Ahnung, wie lange es dauert, bis sie sich erholen – und ob überhaupt.
Das ist verdammt schwer zu ertragen. Insbesondere deshalb, weil andere Entscheidungen in anderen Momenten zu richtig viel Gewinn hätten führen können. Hätten. Können. Bullshit.
Das Gute an meinem Misserfolg: Ich habe aufgegeben. Zumindest Einzelwerte betreffend. Noch konkreter: Ich habe die Hoffnung aufgegeben, mit dem richtigen Trade, das schnelle Geld zu machen. Die Einsicht ist da: Ich kann es nicht. Drei Jahre lang habe ich dieselben Fehler wiederholt. Irgendwann ist es mal gut.
2025 möchte ich von Einzelaktien komplett die Finger lassen. Wofür ich leider nicht meine Hand ins Feuer legen kann, das wäre zu gefährlich, denn zu oft habe ich unterlaufen, was ich mir vorgenommen hatte. Doch es sollte mir mindestens gelingen, den Hauptanteil meiner Aktivitäten auf den Ausbau der vorhandenen Sparpläne zu richten und weitere ETFs zu etablieren. Das aber erst, wenn die Börse sich endlich wieder einkriegt. Schon lange löst die Euphorie am Markt in mir ein massives Unwohlsein aus und seit den US-Wahlen grusele ich mich richtiggehend. Ich bin überzeugt, dass es knallt. Wann auch immer. Es fällt mir derzeit nicht schwer, am Rand zu stehen. Die Sucht, eine Order aufzugeben, ist unter Kontrolle. Und dieser Zustand ist eine wahre Befreiung.