Gefangen in der Erklärbärenfalle.

Gerne würde ich sagen, die Börse ist mir derzeit piep-egal und deshalb war ich vergangene Woche nicht aktiv. Letzteres stimmt zwar insofern, dass ich keine Transaktion getätigt habe, nicht einmal in homöopathischer Dosis. (Bravo!) Aber teilgenommen am täglichen JoJo habe ich trotzdem. Was für ein willenloses Getaumel. Beispielsweise Dell, in meinem Depot, einen Tag 6% hoch, den nächsten 5% runter, dann wieder 5% hoch. So ging es bei vielen Aktien. Es gab auch einige zweistellige Ausschläge nach oben, wie nach unten, aber das habe ich bei den Earnings bislang jedes Mal so erlebt. Nix besonderes mehr.

Je länger ich das Theater mitmache, je weniger kann ich verstehen, wie Heerscharen von „Experten“ es ertragen, über Jahrzehnte hinweg tagtäglich aufs Neue die oft irrationalen Börsenbewegungen zu interpretieren. Hauptsache es klingt irgendwie plausibel, für den Moment. Interpretationen kommen und gehen und wiederholen sich gerne. Am liebsten werden aktuelle Entwicklungen mit denen aus der Vergangenheit verglichen und Prognosen daraus abgeleitet. Die Gültigkeit der Aussagen verfällt dann oft binnen eines Tages, sie überleben kaum von der Closing Bell des Vorabends bis zur Eröffnungsglocke.

Apropos „Closing Bell“: Markus Koch ist einer von denjenigen, die ihr Leben der Wall Street verschrieben haben. Ich mag ihn und seine Sendungen. Gleichzeitig frage mich, woher er die Motivation nimmt und die Begeisterung, zweimal am Tag ausführlich darüber zu berichten. Es wirkt sehr authentisch, so, als würde es ihm tatsächlich Spaß machen. Aber vielleicht schlüpft er in Wahrheit nur eine Rolle – so wie ein Darsteller in einer Daily Soap.

Nach rund drei Jahren bin ich in manchen Börsenphasen einfach nur genervt. Eigentlich passiert nichts. Die Tage vergehen mit sinnlosem Vor und Zurück, dem krampfhaft ein Sinn angedichtet wird. Es gibt Bullen und Bären und es gibt Erklärbären… Erklärbullen gibt es natürlich auch. Die nerven mich am allermeisten.

Nächste Woche: die US-Wahlen.
Da kommt neue Bewegung ins Spiel. Ob das, was passiert, plausibel sein wird, sei einmal dahin gestellt. An Erklärungen wird es wie immer nicht mangeln.

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