So wenig Börse im ganz normalen Alltag war selten. Schaue ich auf die vergangene Woche, fällt mir gar nicht viel ein. Entweder es ist kaum was Interessantes passiert. Oder ich habe es nicht mitbekommen. Oder ich habe es vergessen. Erinnern kann ich mich an eine „Kursrakete“ bei Tesla und an den Absturz von Bilfinger wegen des Einsturzes eines Fähranlegers.
Darüber hinaus ist mir nur noch ein 20%-Anstieg bei HelloFresh im Kopf geblieben. Was genau gefeiert wurde, habe ich nicht verstanden. Ich habe mir auch keine Mühe gegeben. Denn es kann mir egal sein, ich habe die 30 Aktien kürzlich gekickt. Und ärgerlich ist es auch nicht, da der „gewaltige Kursbooster“ meinen Verlust gerade mal um 50€ reduziert hätte. Und das ist der Punkt. Die Sensationsmeldung, dass eine Aktie an einem Tag über 20% steigt, nämlich von gerundet 8,50€ auf 10,50€ mag diejenigen freuen, die bei 8,00€ eingestiegen sind und noch mehr die Zocker, die im Juli bei 4,50€ zugegriffen haben. Jemandem wie mir, die um die 35,00€ gezahlt hat und noch krasser die armen Menschen, die im Hoch bei 90€ gekauft haben, nehmen ein Plus von 2€ pro Aktie kaum wahr. Und während die Schlagzeilen HelloFresh für den Tagesgewinn am Freitag feiern, können sich Aktionäre, die zu ehemaligen Wucherpreisen auf dem Schrott sitzen, so richtig schön verarscht fühlen.
Nur ein einziges Mal bin ich letzte Woche kurz aus meiner Börsen-Lethargie aufgewacht, nämlich als Neste nach Quartalszahlen (wieder einmal) ins Minus ging, wenn auch „nur“ um fünf Prozent. Im ersten Reflex kaufte ich 10 Stücke nach. Das fühlte sich anschließend nicht besonders gut an. Woraufhin ich beschloss, die Position zu verkleinern. Nicht ganz rational, dieses Hüh und Hott, ich weiß, aber: So ist es eben. Im Ergebnis hat das Irrlichtern mir ein gutes Gefühl verschafft, weil ich nun statt mit 3.500€ Kaufwert nur noch mit 2.500€ dabei bin. Damit ist ein für mein Empfinden angemesseneres Verhältnis im (jetzt nur noch zehn Aktien umfassenden) Portfolio hergestellt.
Gut zu wissen: Bei Teilveräußerungen werden die Aktien zuerst ver-kauft, die man als erste ge-kauft hat. In meinem Fall ist der Verlust auf der Basis entsprechend hoch ausgefallen, weil ich die ersten 30 Anteile Ende 2023 für 36,00€ gekauft hatte, was beim derzeitigen Stand von 14,60 mehr als 50% Minus bedeutet, sprich ich habe durch den Verkauf rund 650€ real verloren. Nur, was ist schon real, wenn man mit Aktien herumjongliert?! Irgendwie fühlt sich alles abstrakt an, einschließlich des sogenannten „Verlusttopfs“, der mit diesem Verkauf wieder ein Stück größer geworden ist.
Mit Neste ist es so eine Sache. Ich habe das Risiko verringert, was mich ruhiger macht, aber ich möchte dabei bleiben. Mein Vertrauen gehört dem Unternehmen weiterhin. Die Finnen leisten auf dem nachhaltiger Treibstoffe Zukunftsweisendes, insbesondere im Bereich des Luftverkehrs. Delta Air beispielsweise fliegt mit Sustainable Aviation Fuel, SAF von Neste. Leider sind solche emissionsarmen Alternativen momentan noch eine Art Luxus.
Und ich habe ohnehin mit LVMH, Porsche und Pernod Ricard zu viel Luxus im Depot. (Ironie aus.)