Vom Bällchenbad zurück ins Cockpit.

Die Börse feiert weiter. Neue Rekorde. Konfettikanone assetübergreifend. Die FED hat gemäß den Erwartungen von Mr. Market (aber nicht ganz verständlich für manchen Volkswirt) brav die Zinsen gesenkt. Die Unternehmen berichten weiter gute Zahlen. Gold und Bitcoin gehen beide voll ab. Volvo Laster laufen und reißen die Daimler Trucks einfach mal so 7% mit hoch. Über die schlechten LVMH ASML Zahlen ist der Schwamm drüber. Lediglich Öl macht einen auf Spielverderber. Und die Geopolitik? Zweitrangig für den Markt. The greed is on. Das zählt.

And my Sentiment? Ich habe die (Selbst-)Kontrolle wieder hergestellt, indem ich aufgeräumt habe, in meinem Kopf und in den Depots. Struktur herstellen, Konzepte ausdenken, einen Plan auf dem Papier festlegen, das hilft mir, zur Vernunft zu kommen, wohlwissend, dass die Nachhaltigkeit der damit verbunden Vorsätze oft von kurzer Dauer ist.

Ich habe zwei Positionen verkauft, die ich länger schon kaum noch ertragen habe. HelloFresh, weil ich dem Geschäftsmodell keinen Erfolg mehr zutraue. Sofern ich das je getan habe. Es war eine jener Aktien, die ich wegen eines erhofft schnellen Gewinns irgendwann 2022 gekauft hatte und seitdem ihrem Verfall zusehe. Erst in diesem Jahr probierte ich selbst die Kochboxen aus, mit dem Ergebnis, dass ich sie völlig überteuert finde, die Zubereitung zu aufwändig und für den Verpackungsmüll habe ich mich fremdgeschämt. Ich habe von 1.000€ Kaufwert nun real 700€ verloren und bin trotzdem froh, die Aktie los zu sein.

Genauso Fiverr. Eine meiner Aktien der ersten Stunde. Ich fand die Geschäftsidee irgendwie cool, eine Plattform für Kreativ-Freelancer, und investierte 1.000€, ohne vorher die Website selbst besucht zu haben. Kaum zu glauben rückblickend. Denn als ich es eines Tages tat, während die Aktie von den bezahlten 120€ auf 40€ gefallen war, war ich sowohl von der Aufmachung als auch vom Inhalt völlig abgetörnt. Was mich nicht davon abhielt, noch einmal nachzukaufen, als Quartalszahlen gut aussahen und Analysten zum Kauf anfeuerten. Meine 1.500€-Position habe ich nun für 500€ verkauft. Bitter, aber auch hier: Erleichterung. Es ist befreiend, Altlasten loszuwerden. 1.700 weitere Euro Lehrgeld.

Weiterhin habe ich Johnson & Johnson verkauft, mit Gewinn, leider bevor sie nach dem Quartalsbericht 5% zulegten, außerdem L’Oreal, weil ich die Stücke ohne Verlust losschlagen und damit die Gesamtanzahl an Aktienpositionen im ZERO-Depot auf 10 Werte begrenzen konnte. Zehn und Schluss. Ich brauche das, um mich zu sammeln: klare Zahlen. Mein damit einhergehendes Konzept für den kommenden Zeitraum, sagen wir mal vorsichtig mindestens bis zu den US-Wahlen: Diese zehn Aktien sind das Blatt, das ich auf der Hand habe. Es ist (abgesehen von Curevac) keine Aktie mehr dabei, deren Kauf ich zutiefst bereue, trotz der Buchverluste, die sie überwiegend momentan ausweisen. Falls der Markt einbricht, werde ich partiell nachkaufen. So der Plan. Allerdings nicht Curevac. Da kann ich einfach nur das Beste hoffen, dass sie sie eines Tages mit einem neuen Medikament einen Coup landen. Ich traue es ihnen zu. Cash ist wohl immer noch reichlich vorhanden.

Mit dem „Verkaufserlös“ aus Fiverr und HelloFresh in Höhe von 800€ habe ich Veolia und Dell aufgestockt.

Last but not least ist der Aktionszeitraum für 3,4%-Zinsen bei der VW-Bank ausgelaufen und ich habe die 50.000 Cash wieder zu Trade Republic transferiert, wo es stets den EZB-Zins gibt, demnächst also statt 3,5% nur noch 3,25%, was immer noch überdurchschnittlich ist. Im Sommer hatte ich mich über den Berliner Broker geärgert, weil man dort, als Voraussetzung weiterhin Zinsen zu erhalten, zur Eröffnung eines Girokontos gezwungen wurde. Ich lasse mich nicht gerne erpressen und bin daraufhin erstmal weg. Nun habe ich eingelenkt und sehe, dass der Kontowechsel für mich sogar einen Vorteil bringt. Während mein Verrechnungskonto bei bei der Citi war, bin ich jetzt J.P.Morgan zugeteilt. Was mir viel besser gefällt.

Die kommende Woche geht es vermutlich erstmal in Grün weiter. Das Momentum, das Momentum! Extreme Greed is back in the house, since Friday, yeah.

Doch ich, die Bärin im Cockpit, werde auf Autopilot schalten und mir die zappelnden Zahlen von oben betrachten. Erst, wenn die Maschine abstürzt, ergreife ich den Schaltknüppel. Bis dahin tüftele ich an Konzepten, räume weiter auf, wenn noch was geht. Das lenkt mich ab. Das oberstes Gebot lautet: einen neuen Rückfall ins Affekt-Handeln vermeiden.

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