Im Urlaub hat mir die Börse nicht gefehlt. Was erstmal einer Sensationsmeldung gleich kommt. Denn das hätte ich nicht für möglich gehalten. Bislang hatte ich den Vorsatz, auf Reisen die Aktienkurse hinter mir zu lassen, nie erfüllen können. Diesmal schon. Und wie! Ich habe weder in meine Depots geschaut, noch Podcasts gehört, nicht mal Schlagzeilen gelesen. Die Onvista-App, wo ich alle meine Depots spiegele und diverse Watchlisten verfolge, hatte ich vor Abreise auf dem Handy gelöscht und musste der Versuchung, sie wieder zu installieren, nicht einmal ansatzweise widerstehen. Die Börse war weg, das Meer da, ich clean, von einem Tag auf den anderen. So unglaubwürdig das auch klingen mag!
Wie stolz ich auf mich war! Wie glücklich!
Und wie erleichtert, dass die Sucht wohl doch beherrschbar zu sein scheint.
Umso mehr bin ich nun traurig, ja deprimiert, wie schnell sich das Glück der mühelosen Enthaltsamkeit ins Gegenteil gekehrt hat. Kaum zu Hause, im Setting der alltäglichen Gewohnheiten, bin ich wieder drauf. Addicted. Zwar nicht überbordend emotional, wie in zurückliegenden Phasen, aber verglichen mit der vorherigen Abstinenz doch bedenklich.
Die Podcasts, die YouTube-Videos, das Starren auf die grün-rot-flackernden Lang & Schwarz- Watchlisten, das Grübeln über neue Invests… Alles da. Von jetzt auf gleich. Und als ob das nicht genügte, war ich sogar ausschweifend shoppen. My private Prime Day. Gleich am ersten möglichen Tag nach dem Urlaub. RWE (2000), Veolia (500), Samsung (eine weitere, für jetzt 840) und Stellantis (2000). Wobei ich letztere Position nach der Presse-Meldung des Rausschmisses des CEO direkt wieder liquidiert habe (Verlust 45€).
Die Woche endete für Mr. Market mit einem Strauß grüner Indizes, während ich, enttäuscht von meinem Rückfall, dem weiteren Beitrag für den Verlusttopf und mit Samsung im Minus alle meine Watchlists löschte. Als eine Art Disziplinarmaßnahme. Oder Bestrafung? Vor allem in der Hoffnung, damit zurück zur Enthaltsamkeit zu gelangen. Mit dem Ergebnis, dass ich übers Wochenende neue Listen aufgesetzt habe. Kein Scheiß.
Die Stimme der Vernunft:
Ey, Alder, was stimmt nicht mit dir?
Tja, was soll ich sagen… Kaufen, kaufen, kaufen. Willkommen zu Hause!