Hey, Mr. Market, spiel‘ erstmal ohne mich weiter.

Denn ich bin dann mal weg… Aber dazu später.

Nun bleiben nur noch drei Handelstage bis der September aka „Schlechtester Börsenmonat“ endet. Wenn er seinem Ruf in diesem Jahr auf den letzten Drücker noch gerecht werden will, muss er sich ranhalten. An diesem Donnerstag (Stand: kurz vor Wall Street Opening) grünt es allerdings mächtig.

Hey, Mr. Market, wo geht es hin?
Legst du weiter neue Records auf?
Oder stehst du eigentlich kurz vor einem Zusammenbruch?

Was für ein Durcheinander. Nach dem fetten FED-Schritt vergangenen Donnerstag stellten die Chinesen fette Konjunkturpakete in Aussicht. Eine Montags-Absichtserklärung, die nicht nur den Shanghai Composite nach oben gerissen hat, sondern weltweit Aktien mit hoher Chinaabhängigkeit in die Höhe treibt. Ausgenommen natürlich die deutschen Autowerte, denen momentan kein Schimmer Hoffnung mehr zuteil wird. Aber das ist ein Thema für sich. Mein Sorgenkind Carl Zeiss Meditec, das ebenfalls seit einigen Quartalen unter schwachen Absätzen in China leidet, ist in den letzten drei Tagen um beinahe 15% gestiegen. Ein gutes Beispiel dafür, dass die Börse unmöglich ein Superbrain sein kann, sich vielmehr wie ein Kleinkind im Candy Shop aufführt.

Die ganze Aufregung, die mich vormals stets in Hochspannung versetzt hat, fängt zunehmend an, mich zu langweilen. Momentan jedenfalls ist es mir auf eine entspannte Art egal, wohin es geht. Vielleicht, weil ich sowieso schon lange nicht mehr mitkomme und das Hinterherdümpeln leid bin. Das ist einer der Gründe, warum ich versuche, mein eigenes Ding zu machen. Mit meinen Aktien-Sparplänen, die ich lieber „Investment-Abos“ nenne, weil das weniger nach Volksbank-Raiffeisenbank klingt, fahre ich gut. Aixtron, Bayer, Intel, Nike, Tesla. Ich setze damit auf Turnaround, ohne bei großen Kursschwankungen innerlich zu kollabieren. Das Risiko in kleinen Dosen kann ich gut tragen. Mit meinen jüngsten Einkäufen (L’Oreal, Dell, Samsung, Enel) und vor allem der LVMH-Geburtstagsaktie bin ich sehr glücklich. Nichts dabei, was mich aufregt, weil: Alles Aktien, die ich wirklich haben, sprich „besitzen“ will. Es waren bewußte Investitionen. Keine Spekulationen, die ich aus einem Reflex tätige und die mich folgend wie einen Junkie an den Kursbewegungen kleben lassen. Stundenlang auf die sekündlich springenden, rot-grünen Zahlen meiner Lang & Schwarz-Watchlist starren, im Adrenalinrausch manchmal beinahe kotzen müssen, und das, obwohl es nicht um 10K sondern 1K Einsatz geht, das will ich nicht mehr. Es geht ja immer auch um die Ehre (oder so was in der Art), ob man clever ist oder dumm, ganz egal wie hoch der Einsatz ist. Ich hoffe sehr, dass die Abstinenz anhält, ich nicht rückfällig werde.

Die nächsten anderthalb Wochen stehen die Chancen gut. Ich bin im Urlaub. Es geht mit Mann im Bus nach Fronkreisch. Weg von der Börse. Der Urlaubstraum (neben dem Traumurlaub) wie immer: Die Aktien mal komplett hinter mir lassen. Das wäre mein persönliches Goldlöckchen-Szenario. Denn so würde ich an der Seitenlinie stehen, ohne zuzusehen. Die künstliche Welt der Kapitalmärkte hinter mir toben lassen und die Welt zehn Tage lang ausschließlich durch meine Echtleben-Brille betrachten. Sonne, Strand, Meer, schöne Landschaften und charmante Städten, plus viel Zeit mit dem wunderbaren Mann, der von Aktien & Co. ohnehin nichts hören will.

Weg sein und erst bei Ankunft zu Hause wieder hinsehen, was der Markt veranstaltet hat. Es dann so nehmen, wie es ist. Was anderes geht eh nicht. Ich denke ja mittlerweile tatsächlich, dass eine platzende Tech-Bubble weniger wahrscheinlich ist, als eine sich in Luft auflösende Heile-Welt-Bubble, von der der Markt nach meinen Gefühl aktuell aufgebläht wird, trotz aller Krisenherde. Und falls die Börse während meines Urlaubs einen geopolitischen Schock erleidet oder einen Schwarzen Schwan sieht, dann ist nach dem Urlaub noch genug Zeit, die Scherben im Depot zu betrachten. Verkaufen würde ich ohnehin nichts.


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