In der Welt der Börse gibt es neben den undurchsichtigen Marktmechanismen einen sehr offensichtlichen Faktor, der bei mir ebenso wenig für Feel-Good-Stimmung sorgt – und das ist: die männliche Dominanz. Es müsste eigentlich „der Börse“ heißen. Denn Frauen sind in der Minderheit. Beim privaten Geldanlegen genauso wie im Börsen-Business allgemein. Es gibt viele „Experten“, aber kaum Expertinnen, die Ereignisse nach ihrer Einschätzung interpretieren. Wenn sie teilnehmen, dann oft nur als „Vorleserinnen“, wie etwa Anja Kohl. Finfluencerinnen sind ebenso selten. In der Börsenberichterstattung sprechen hauptsächlich Männer Männer an.
Umso erfreulicher war der Auftritt von Patrick Dewayne als regelmäßige Vertretung von Markus Koch. Ein Mann, der Frauen nicht außen vor lassen wollte, sondern bewusst in die Berichterstattung miteinbeziehen, indem er sie als „liebe Freundinnen“ neben den „lieben Freunden“ und „Guys“ begrüßte und in seinen Beiträgen auch von „Anlegerinnen“ und „Managerinnen“ sprach. Manchmal traute er sich sogar zu gendern. Das Ergebnis: Er wurde massiv gedisst. Von echten Kerlen, die das als Zumutung empfanden, teilweise mit Schaum (und Schlimmerem) vor dem Mund. Ich bin selbst keine Freundin verbissener Gender-Sprache, begrüße aber, wenn beide Geschlechter erwähnt werden. Das geht auch entspannt, indem man es nicht akribisch in jedem Satz durchzieht, sondern tänzelnd verwendet.
Patrick also ging mit den besten Absichten an den Start und hat sich innerhalb kürzester Zeit von „der Community“, zumindest von jenem Teil mit dem Schaum vor dem Mund, erschlagen lassen. Ich habe seinen Rückzug betrübt beobachtet, bis mir der Kragen geplatzt ist… Und ich wurde sogar erhört.

Die Antwort ehrt Patrick. Ich glaube ihm jedes Wort.
Umso mehr ist es schade, dass er nicht etwas länger durchgehalten hat. Vielleicht hätte ein Durchhalten dem Kanal einen neuen Anstrich verliehen; somit mehr Helens und insgesamt Follower mit einem offeneren Blick auf die Welt angesprochen. Ich kann mir gut vorstellen, dass diejenigen, die im Chat und in den Kommentaren am lautesten schreien, gar nicht die Mehrheit bilden, wie so oft. Frauen allerdings sind im Börsentheater komplett in der Minderheit, das ist Fakt, umso erfreulicher war Patricks neue Art der Ansprache. Vielleicht gibt es ja einen Mittelweg?!
Mich bringt das Ereignis erstmals zu der generellen Frage, ob der Kapitalmarkt anders wäre, wenn sich mehr Frauen in ihm bewegten, wenn er gar von Frauen gelenkt werden würde. Vielleicht wäre er dann weniger arrogant, rechthaberisch und aggressiv, sondern würde statt dessen umsichtig und menschenfreundlich agieren. Womöglich wäre Ms. Market weniger machtbesessen und würde Profit nicht nur monetär einordnen. Alles natürlich eine bewusste Überzeichnung. Aber eine schöne Vorstellung, wie ich finde.