Der schwarze Montagvormittag vor vierzehn Tagen entpuppte sich rückblickend als spontaner Brechreiz von kurzer Dauer. Bereits zum Abend hin erholte sich der verhaltensgestörte Patient namens Mr. Market wieder. Und der darauffolgende Börsentag zeigte sich tatsächlich, wie so oft, als Turnaround Tuesday.
Zwei Wochen später sind die Verluste nun nahezu Geschichte. Alles wieder gut, signalisiert zumindest der Markt. Das mit Japan und den Carry Trades war gar nicht so schlimm, der Apple-Verkauf durch Warren Buffet nicht der Rede wert, die jüngsten Unternehmenszahlen und Konjunkturdaten wieder besser als erwartet. Und die Geopolitik? Dafür haben die Börsen nur ein Achselzucken übrig. Nun kann es munter weitergehen. Kann es?
Die einzige Antwort auf diese Frage: Wer weiß.
Ich wiederhole mich gerne, wenn ich sage: Die Wahrheit ist, dass jede Voraussage, egal, ob zu einzelnen Unternehmen oder zur Gesamtlage, reine Spekulation ist. Es kommt immer anders. Oder, wenn es tatsächlich so kommt, wie vorausgesagt, reagiert der Markt letztendlich anders als es zu erwarten war. Soviel habe ich nach abertausenden Stunden Podcasts und Lektüre von Börsen-News gelernt. Jeder neue Tag ist eine Wundertüte. Rückblickend ist dies die wichtigste Erkenntnis für das eigene Seelenheil. Denn sie bedeutet zugleich: die täglich zur Verfügung gestellten Massen neuer Informationen helfen nicht beim erfolgreichen Anlegen, schon gar nicht dem Dummen Geld.
Börsenvorhersagen sind vergleichbar mit Tipp-Spiel-Wetten rund um eine Fußballweltmeisterschaft. Wenn man sie als das akzeptiert und nicht mehr in sie hineinprojiziert, kann man mit ihnen arbeiten. Aus ihrer Quersumme verbunden mit dem eigenen Gefühl lässt sich dann eine Meinung herausschälen. Eine, hinter die man sich stellt und mit der man auch in der Zukunft leben kann, selbst wenn sie daneben liegt. Wenn ich zum aktuellen Zeitpunkt einen Tipp abgeben müsste, so würde er folgendermaßen lauten:
Obwohl allgemein behauptet wird, dass wir uns noch in einem Bullenmarkt befinden, glaube ich, dass der Bärenmarkt bereits leise begonnen hat, und daß das, was wir momentan erleben, eine Bärenmarkt-Rally ist.
Dementsprechend bleibe ich an der Seitenlinie mit 50.000€ auf einem Volkswagenbank-Tagesgeldkonto mit 3,4% verzinst sowie rund 20.000 Free Cash zum Einsatz bei mehreren Brokern verteilt. Die momentan nur noch investierten 30.000€ sind round about 25% im Minus, quälen mich aber nicht. Ich habe einige Aktien auf dem Zettel, die ich kaufen möchte, wenn sie einen bestimmten Preis unterschreiten. Das Warten fällt mir nicht leicht, aber momentan immerhin etwas leichter als gewöhnlich. Wahrscheinlich, weil ich mir – ob richtig oder falsch – eine Marktmeinung gebildet habe und meine Lust auf den täglichen Wahnsinn sich aktuell definitiv im Bärenmarkt befindet.