Wall Street for Nervenheilanstalt. Das war gestern. Heute ist Black Monday. Jedenfalls am Vormittag. Zum Start des Handelstags war der Montag richtig krass black, deep black, wie es schwärzer kaum noch geht, also eigentlich: blutrot.
Grottenschlechte Vibes aus Japan wegen Zinsen und damit verbundenen, geplatzten Zins-Währungs-Geschäften („Carry Trades“) des smarten westlichen Geldes, vermengt mit den eigentlich seit Monaten bekannten Problemen (Zinsen, Konjunktur), die bereits vergangene Woche für mächtig Verkaufsdruck gesorgt haben, plus einer Schippe schwelendem Nah-Ost-Säbelgerassel oben drauf.
Morgens konnte man seinen Augen kaum trauen, so extrem waren vorbörslichen Kursvorgaben aus Asien. Für ein paar Stunden ging daraufhin die Welt unter. Der Nikkei war in der Spitze unfassbare 12,4% im Minus. Aber hey, dann wurden um 16:00 wieder irgendwelche neuen Wirtschaftsdaten in den USA verlesen und plötzlich ist doch alles nicht so schlimm. Schwarz ja, aber doch nicht so schwarz wie gedacht. Jedenfalls kommen nach dem Mega-Rutsch wieder die Käufer aufs Parket. Nur welche werden das sein…?!
Diejenigen, die sich an so einem irrational theatralischen Tag sicherlich ins Fäustchen lachen, sind die Trader. Sie haben sich mittags in der Phase der größten Hysterie reingezeckt in den Markt, um nach wenigen Stunden mega abzusahnen. Und smarte Langzeitinvestoren wie Hedgefonds behalten die Nerven und stopfen sich die Taschen voll. Auf Kosten der „zittrigen Hände“ der Privatanleger, die mit so einer Situation nicht umgehen können, und panisch ihre Aktien im ungünstigsten Time Slot zu Dumpingpreisen auf den Markt werfen. Da greifen die Profis gerne zu. Schon im Laufe des Tages ging es mit manchen Papieren wieder 10% rauf.
Klar, wäre ich in dieser Situation gerne auch mal eine Traderin und werde blass vor Neid, wenn ich sehe, was möglich ist. Bei Coinbase wären beispielsweise fünfzehn Prozent und mehr Gewinn in wenigen Stunden machbar gewesen. Und wenn schon nicht das, hätte ich zumindest bei 650€ eine ASML oder bei 350€ eine Microsoft for long einsammeln sollen… Das ärgert mich. Aber es wird wohl immer so sein, dass ich mich in solchen Moment nicht traue.
An einem Tag wie diesem ist das Starren auf Kurse wie eine Fahrt in der Geisterbahn. Die Panik ist Fake und du gruselst dich trotzdem. Ich grusele mich sehr in solchen Momenten, obwohl ich darauf gefasst bin, bleibe aber diesmal vergleichsweise cool. Um überhaupt etwas zu tun, ohne allzu viel zu riskieren, habe ich mir meine zweite LVMH-Aktie ins Depot gelegt für rund 630€ und für 250€ Bitcoin beim Kurs von 58.000€ zugekauft. „Überhaupt etwas tun“, dieses zwanghafte Müssen, manchmal ist der Impuls stärker als ich. Immerhin diesmal im Rahmen.
Der Montag endet dann weniger schlimm als es vormittags aussah, aber doch blutig. Ich glaube nicht, dass es das schon war mit der Abwärtsbewegung. Aber ich weiß mittlerweile, dass ich nichts weiß, niemals. Genau wie alle Börsenvorhersage-Onkels (und ein paar wenige Tanten) dieser Welt, die im Grunde auch wissen, dass sie nichts wissen, aber ihre Brötchen damit verdienen, dass sie so tun als ob.
Ein Turnaround-Tuesday ist immer möglich.