Börsenbedingte Belastungsstörung.

Die überwiegend negative Entwicklung meiner Depots und das empfundene Versagen beim Geldanlegen belasten mich momentan dermaßen, dass ich mich phasenweise irgendwie krank fühle. Es ist wie eine Erkältung, die täglich schlimmer wird. Der Markt steigt, aber ich partizipiere nicht, obwohl ich mich Tag und Nacht mit der Börse beschäftige. Der Frust, nicht in Tech investiert zu sein, ist riesig. Richtig ärgerlich ist, dass ich einen Tech-ETF und einen Halbleiter-ETF bessen habe, die ich irgendwann, während einem der zig Einbrüche, die ich seit 2021 erlebt habe, mit Verlust verkaufte. Beide wären jetzt saftig im Plus, round about 50%, obwohl sie zwischenzeitlich auch mal 30/40% abgeschmiert waren. Völlig crazy. Leider habe ich sie nicht mehr. Das kann man erklären, mit der Stimmungslage in der damaligen Situation rechtfertigen und hin und her schön reden, aber es ist und bleibt unerträglich.

Ich fühle mich grottenschlecht mit meinen Invests und als ob das nicht schon genug wäre, hat in meinem ZERO-Depot heute noch der Oberhammer zugeschlagen. Carl Zeiss Meditec ist 20% abgestürzt. Gewinnwarnung. Ich hätte die scheiß Position während einem merkwürdigen Anstieg im Frühjahr mit schmalen 200€ Verlust komplett rauswerfen könnten. Im Nachhinein glaube ich, der Markt hatte, getrieben von woher auch immer, die Aktie für einen KI-Play gehalten. Das wäre für mich La Bonne Chance gewesen… Aber nein, diesen Schädling, der mich schon einige Nerven gekostet hat, habe ich behalten. Ich hielt die Aktie aufgrund des allgemeinen Ratschlags, Gewinne laufen zu lassen. Tja, ging in dem Fall nach hinten los. Dass ich die durch mehrere Griffe ins fallende Messer viel zu groß gewordene Position mittlerweile wenigstens von 4.000 auf 2.300 verkleinert habe, tröstet mich ein wenig.

Die Börse macht, was sie will. Also alles Glückssache? Wie auch immer. Nie im Leben war ich bei einem Projekt, in das ich mich so tief hineingekniet habe, dermaßen erfolglos. Seit mehr als zweieinhalb Jahren beschäftige ich mich exzessiv mit der Börse, sieben Tage die Woche, täglich mehrere Stunden. Die investierte Zeit jedoch hat sich bislang vergleichsweise wenig ausgezahlt. Wenn man von dem massig angehäuften Wissen einmal absieht.

In den vergangenen Tagen habe ich meine Depots runtergefahren, diesmal immerhin mit kleinen Gewinnen, die größer gewesen wären, wenn ich früher gehandelt hätte. Enel, Veolia, RWE, Unilever: alle raus. Nachdem ich mich in der vorherigen Woche bereits von Aurubis, Xiaomi, Xylem, Merck und dem Schweiz-ETF getrennt hatte.

Meine Investition ist auf 35.000€ geschrumpft, verteilt auf 20 Werte. Und vorhin habe ich dann etwas getan, das ich lange ausgeblendet hatte. Ich habe die Buchverluste addiert, 8.850€, und mit der Gesamtsumme ins Verhältnis gesetzt. Das Ergebnis: Ich liege, Stand 17.06.24, um die Mittagszeit, mit meinem Portfolio insgesamt rund 24% im Minus.

Wie weiter? Wie schaffe ich es endlich, NICHTS zu machen? Denn das wäre wohl das Beste. Ab sofort. Vor allem den Gedanken loswerden, etwas „gut machen“ zu müssen. Das sage ich mir jedes Mal, wenn ich meine Engagements reduziert habe. Jedesmal ist es dieselbe Schleife: Ich kaufe Aktien mit großer Hoffnung, nicht selten der großen Hoffnung auf einen kurzfristigen(!) Turnaround. Manchmal steigen die Kurse tatsächlich und ich freue mich, fühle mich erhaben, bis aus irgendeiner Richtung neues Ungemach aufzieht. Dann verwandele ich die Aktien in Cash und kurz darauf fange ich wieder damit an, dieses Cash erneut in alles Mögliche zu stecken. Als sei es eine Pflicht, Aktien zu kaufen. Statt mir zu sagen: Ich MUSS nicht investiert sein. In fallende Kurse hinein kaufe ich häufig nach. Beinahe zwanghaft. Mit dem Ergebnis, das neue Verluste in meinen Büchern stehen. Bislang bin ich nie den vernünftigen Weg gegangen und das das von Einzelaktien befreite Kapital ohne viel Tam Tam und Emotion in einen Welt-ETF investiert.

Wieso mache ich das nicht? Wird es mir diesmal gelingen?
Wäre eine Auszeit die beste Anlage?

Erstmal ein Bier.

Und wer weiß, vielleicht sieht die Welt ja morgen schon ganz anders aus. Cool wäre, ich würde morgen früh aufwachen und wäre, wie durch ein Wunder, über Nacht von allen Gedanken an die Börse befreit worden. Wenigstens für den Rest des Jahres. Ommmmmm.

Ein Kommentar

  1. Sorry, das so klar zu sagen: Aber du scheint mir süchtig zu sein und (in Folge dessen?) gerade emotional instabil. In diesem Zustand trifft man keine guten Entscheidungen. Pause ist wohl das einzige Sinnvolle. Und eine Lehre aus deinen Fehlern zu ziehen. Weg von den Nuckelbuden, hin zu stabilen Unternehmen, die wirklich Gewinne erwirtschaften. Und evtl. auch einfach weg von Einzelwerten und hin zu ETFs, oder was ich bevorzugen würde: Berkshire.

    Noch als Disclaimer: ALLE machen Fehler, vor allem am Anfang. Also kein Grund, auf dich einzuprügeln. Daraus lernen und zukünftig die Dinge anders machen.

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