Schädlinge kann ich.

Vier Wochen sind vergangen seit meinem letzten Eintrag. Krass. Ich bin echt verblüfft. Vier Wochen. Ich hatte null Motivation, über mein Sentiment ein Wort zu verlieren. Denn es geht mir nicht besonders gut. Was nicht nur, aber wohl hauptsächlich mit der Börse zu tun hat. Denn der Frust ist zurück. Dieses schreckliche Loser-Gefühl! Vor allem dadurch verursacht, bei der Selected-Tech-Rally, angeführt von Nvidia, nicht dabei zu sein. Und obendrauf jeden Tag auf das eigene Depot starren, in dem es Stück für Stück abwärts geht, insbesondere in den vergangenen zwei Wochen, in denen sich mein seelischer Zustand zunehmend verdunkelt hat.

Die Dinge laufen gerade insgesamt nicht rund, weder im Job, noch privat. Es hakt und knarzt an allen Ecken und Enden. Erfolg gleich null. Dazu das anhaltend schwimmbadfeindliche Wetter.In einer wenig erfreulichen Gemengelage gibt mir die Börse dann den allerletzten Rest. Der Misserfolg im Depot wirkt wie ein Booster eines allgemein Gefühl der Machtlosigkeit.

Ich ärgere mich über die scheiß Börse, kapiere nicht, warum Tech keinen Dämpfer bekommt, fürchte mich regelrecht vor der Rally dieser wenigen Aktien. 43% der Gewinne im S&P liefert eine einzige Aktie, Nvidia. Tendenz täglich steigend. Und das soll normal sein? Dieser Wahnsinn soll real sein? Nur weil das KGV sich in Grenzen hält! Es wird überall behauptet, es sei begründet. Aber hey, es wird so viel erzählt und kurz darauf das Gegenteil.

Und von wegen Füße still halten! Seit dem letzten Eintrag, in dem ich diese Parole ausrief, habe ich zahlreiche Änderungen vorgenommen. Aktien verkauft. Ich habe erneut Nullsummen-Verlust-gegen-Gewinn-Trades getätigt, die ich mir eigentlich untersagt hatte. Eigentlich – DAS ist meine Börsenstrategie. Andere verfolgen eine Dividendenstrategie, ich bin die Expertin der Eigentlich-Strategie.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie regelmäßig ich torpediere, was ich mir vornehme. Ich frage mich, ob meine Vorsätze Bullshit sind, wenn ich sie ja doch nicht einhalte und ich womöglich gar nicht so schlecht darin tue, sie zu missachten. Immerhin stehe ich damit diesmal ganz gut da. Ich bin eine Reihe von Einzelaktien los, habe den Home-Bias reduziert (Merck, Aurubis), einen viel zu groß gewordenen Verlust-Frust-Wert (Carl Zeiss Meditec) von 4.000 auf 2.300 verkleinert, unterm Stich mit den gesamten Verkäufen sogar einen kleinen Gewinn erzielt und ein paar tausend Euro zurück in Free Cashflow verwandelt. Jetzt muss ich dieses Geld bloß noch risikoarm investieren. Ob es mir wohl endlich gelingen wird?!

Was ich mir vor vier Wochen außerdem vorgenommen hatte: Keine neuen Schädlinge ins Depot holen! Haha, ich sage bloß: Snowflake! 17% im Minus. Obwohl vieles dafür spräche, das die Aktie wieder anspringt. Die letzten Quartalszahlen waren gut, die Aussichten auch. 2.) Erscheint mir das Geschäftsmodell, als könne die Company im Zusammenspiel mit den großen Playern nachhaltig vom KI-Hype profitieren. 3.) Einige Hedgefondgrößen haben den Wert im ersten Quartal 24 neu gekauft (wie ich bei Hedge Follow recherchiert habe) 4.) Tech-Kenner Pip Glöckler hält seit langem eine große Position und sehr große Stücke auf das Unternehmen. Und 5., last but not least, hat sogar Warren Buffet eine Position im Portfolio. Aaaaaber, es ist, wie bei so vielen Werten, für die ICH mich entscheide: Snowflake segelt weiterhin nach unten. Und ich sitze durch zweimaliges Nachkaufen auf 350€ Euro Verlust.

Ewig derselbe Fehler. Immer und immer wieder. Ich kaufe nach, was nicht läuft, Neste ist da ein weiteres gutes Beispiel, und verpasse zuverlässig die Aktien, die sich positiv entwickelt hätten. Vergangene Woche KKR und Casey’s, die ich kurz davor war zu kaufen, und die seither beide über 10% gestiegen sind. Oder vor einigen Wochen Palo Alto, seitdem 30% hoch. Das wäre gutes Timing gewesen. Aber ich habe nicht gekauft. Es fühlt sich unglaublich mies an, immer wieder neu daneben zu greifen, wie eine Bestätigung der eigenen Unfähigkeit. Und das muss einen auf Dauer doch depressiv machen! Den Gedanken, alles hinzuschmeißen, hatte ich in den letzten Wochen wiederholt und massiv.

Derzeit schaue ich täglich meinen schönen RWE-Gewinnen beim Schmelzen zu. Kürzlich waren es noch rund 500€ und am Freitag nach Börsenschluss nur noch 250€ davon übrig. Es kotzt mich an. Warum habe ich mir den Gewinn nicht einfach geschnappt?

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