Superbrain Bashing & Self Reflection at the Sweet Spot.

Nichts machen. Das ist eigentlich mein Plan. Jedenfalls keine großen Sprünge. Solange der Markt die teilweise unerklärlichen Ausschläge vollführt. Es fällt mir zugegebenermaßen schwer, an der Seitenlinie zu stehen. Ich überlege trotzdem täglich, was ich tun könnte. Ab und an handele ich auch. Die letzten Aktionen waren Johnson & Johnson (2.000) und Snowflake (1.500) und ein minimaldosiertes Aufstocken bei Neste, Aurubis und Hexagon.

Und, na klar, hinterfrage ich regelmäßig, ob die Seitenlinie tatsächlich klug ist. Stichwort: Time in the Market beats Timing the Market. Eine der goldenen Börsenregeln. Gleichzeitig aber traue ich dem, was gerade abgeht, keinen Millimeter über den Weg. Ich würde meine anhaltende Skepsis, die auf der Angst vor einer Wiederholung der mehrfach erlebten Abstürze in 2022 und 2023 basiert, inzwischen als Dauerzustand bezeichnen. Da ist natürlich Selbstreflexion angebracht.

Ich reflektiere mein Sentiment regelmäßig, wie sehr es von Angst geleitet ist und ob die Angst tatsächlich berechtigt ist. Im Ergebnis bleibe ich beim Konzept der Zurückhaltung. Ich könnte eigentlich pausieren, mich anderen Dingen widmen, aber das will ich nicht. Die Börse umtreibt mich zu sehr. Deshalb bleibe ich weiter am Puls der täglichen Geschehnisse und pflege meine Portfolio in kleinen Dosen. Ich versuche, den Bestand zum Blühen zu bringen und mir keine neuen Schädlinge einzuhandeln. Einem Turnaround-Kandidaten wie Walgreens beispielsweise, oder auch heruntergekommenen Tech-Werten wie Block oder Exact Science, die mich allesamt reizen, widerstehe ich standhaft, so schwer es mir fällt.

50.000€ meines Gesamtbudgets sind nach wie vor bei TradeRepublic mit 4% verzinst. Rund 47.000 sind in Aktien, ETF, Bitcoin angelegt, 3.000 liegen cash bei meinen Brokern verteilt. Das ist der Status. Er bedeutet zum Jahresende nach Steuern rund 1.500€ Zinsen, dazu kommen ca. 500€ Euro an Dividenden. Durch Verkäufe (Bitcoin, Daimler Truck) habe ich bislang rund 2.000€ „gemacht“. Dies alles zusammen genommen wären bereits ca. 4% Rendite in 2024. Im Ergebnis keineswegs to the moon, aber sicherlich kein Grund, sich zu grämen. Auf dieser Basis scheue ich das Risiko noch mehr.

„Grund für den steigenden Markt ist der steigende Markt. (…) Die Angst, die Rally zu verpassen, ist größer als die Angst, in eine Korrektur hineinzulaufen.“
Markus Koch

Bei mir ist es umgekehrt, ich habe mehr Angst vor der Korrektur. Die Rally habe ich nun schon so oft verpasst, da kommt es auf ein weiteres Mal nicht mehr an. Ich bin mit dem, was ich habe zufrieden, kann ruhig schlafen. Nachkäufe haben bislang gut funktioniert. Das Schrottdepot habe ich mental als Altlast outgesourced und faktisch bei einem Broker zusammengeführt.

Neben FOMO und dem Comeback der Meme-Aktien präsentieren aktuelle Umfragen bei den großen Fondmanagern, dass 64% keine Rezession erwarten und die Kassenquote nur 4% beträgt, was so wenig ist wie zuletzt im Hoch 2021. Markus Koch hat davon gesprochen, dass wir uns in einem „Sweet Spot“ befinden, eine Phase der (empfundenen?) idealen Bedingungen für steigende Kurse.

Ich selbst frage mich, ob die einzige Phase, die an der Börse vorherrscht, nicht die Übergangsphase ist. Übergangsphase als Dauerzustand. Ein Transitbereich von sich täglich ändernden Parametern, aus denen der Markt irgendwas macht, hin und her, nicht selten ohne Sinn und Verstand, getrieben von den Launen seiner „Betreiber“ (aka „Markteilnehmer“). Warum ihm das erstaunlicherweise einen Superbrain-Status einbringt? Vielleicht, weil es besser ist, den Markt als Allmacht zu verherrlichen, als zuzugeben, dass niemand, nicht einmal „Mr. Market“ einen Plan hat.

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