Okay, realistischer wäre wohl ein Fragezeichen ans Ende der Headline zu setzen. „For-Life“-Aussprüche sind meist nicht ganz ernst zu nehmen. Denn was gilt denn schon fürs ganze Leben?! Aber egal, momentan fühlt es sich so an. Die Fomo schafft es diesmal nicht, mich in den Markt zu saugen. Ich habe keine Angst, etwas zu verpassen.
Nach dem Abwärtsrutsch vergangene Woche, gekrönt von einem furiosen Abverkaufsfinale am Freitag, den 19.4., ist die neue Woche wieder freundlich gestartet. Als wäre die Fear übers Wochenende einfach verpufft und als seien die schlechten Aussichten von ASML, die den gesamten Halbleitersektor erschüttert hatten, nur eine Fata Morgana gewesen.
Montag also wieder grün, Dienstag noch viel grüner. Dazu, gleich mehrfach zu lesen, die passende Schlagzeile: „War es das mit der Korrektur?“ Ja, klar! denkt sich das Dumme Geld und kauft alles, was vor ein paar Tagen noch viel zu teuer war. Jedenfalls vermute ich, dass es vor allem Privatanleger sind, die diese Rally antreiben, obendrauf befeuert von guten Spotify-, SAP- und Whatever-Zahlen. Freitag Angst, ja sogar die Panik, und Montag wieder munter und beschwingt: Buy the Dip. Im Hintergrund reiben sich die Profis, die den Finger weiter am Sell-Button haben, womöglich die Hände.
Ich habe solche Swings inzwischen schon dutzendfach erlebt und bin nicht nur ein Mal in einer Aufwärtsbewegung nach einem Kursrutsch euphorisch eingestiegen, mit dem Gedanken: Es geht wieder bergauf, ich will dabei sein, auch mit der Intension, meine Verluste auszugleichen. Den Fehler habe ich mehrfach wiederholt! Wie oft ich ihn wiederholen musste, um daraus schlau zu werden, habe ich verdrängt, aber das Ergebnis ist, dass ich der aktuellen Rally gelassen folgen kann, ohne einen Finger zu rühren. NO FOMO. Ich bin mir sicher, dass das Pendel wieder zurück schlagen wird. Und auch, wenn es nicht so kommt, fühle ich mich mit mir und meinem Nichttun sehr wohl. No worries. Kein Self-Bashing wegen entgangener Chancen. Ich kann ruhig schlafen. Ich warte ab.
Das sind die Momente, in denen ich merke, dass ich in den vergangenen zweieinhalb Jahren einiges gelernt habe. Über die Börse, Wirtschaft, Politik und Unternehmen, aber auch sehr viel über das Sentiment, vor allem mein eigenes Sentiment und wie es meine Entscheidungen manipuliert. Da ich in der aktuellen Lage keine Vorstellung habe, wohin sich das alles bewegt, fühlt sich Zurückhaltung am besten an. Mein Mantra lautet: Ich verpasse momentan nichts.