Da helfen keine Pillen.

Die Börse ist definitiv krank. Die Aktien können gar nichts dafür. Es ist der Betrieb um sie herum, der in die Psychiatrie eingeliefert werden müsste. Unschuldige Aktien aus meinem Techlabor aka Schrottdepot wie Fiverr, HelloFresh, SunPower werden durch die Börse zu hochgefährdeten Patienten, indem sie an einem Tag wie gestern bis zu 16% (SunPower) heruntergeprügelt werden, um heute wieder um dasselbe zu steigen.

Dead Cat Bounce oder Rallyfortsetzung. Vermutlich letzteres. Denn die Investors sind on fire. Die Cashquote der Institutionellen ist von 12 % im Oktober auf 4% geschrumpft. Das Geld ist im Markt, das smarte und das dumme erst recht. Jetzt wollen alle dabei sein. Tante Erna und Nachbars Lumpi, wie Markus Koch so oder so ähnlich gern zu sagen pflegt. Hausfrauenrally, Dienstmädchenhausse, es gibt zahlreiche Begriffe. Es könnte so sein, muss aber nicht.

Scharen von Analysten analysieren, dass der KI-Boom erst am Anfang steht. Das Gros der „Börsenspezialisten“ prophezeit, dass die Inflation zurückgeht und die Zinsen fallen. Und dass die Rezession ausbleibt, ist eine Hoffnung, die zuletzt stirbt. Alles geil, bis es nicht mehr geil ist. Dann analysieren die Analysten eben das. Und wenn es sein muss, sogar das Gegenteil ihrer einzigen Prognosen. Es scheint dann rückblickend auch niemanden mehr zu interessieren, was einst behauptet wurde.

Es war einmal 2022 als Werte wie Meta oder Netflix dermaßen krass zerlegt wurden, als gäbe es für sie kein morgen mehr. Nun werden sie wieder to the moon geoverweightet.

Allmählich bin ich nicht mehr nur bloß genervt und phasenweise komplett frustriert, sondern vollkommen erschöpft vom ewigen Karussellfahren und der Übelkeit, die die Schwankungen verursachen. Die Erklärungen, warum was wie ist und wie es wäre wenn… wirken auf mich nach über zwei Jahren, die ich auf dem Börsentrip bin, richtiggehend lächerlich. So dass ich mir im Grunde selbst lächerlich dabei vorkommen, das Theater tagtäglich zu verfolgen.

Bitte nicht falsch verstehen. Ich liebe Aktien. Aber der Newsflow macht sie zu etwas Krankem. Und mich dazu. Das Nachrichtengetöse rund um die Aktien, die heillosen Übertreibungen, die entsprechend extremen Schwankungen, die vielen Tipps und Ratschläge der „Experten“, die eigene FOMO, also die Angst, etwas zu verpassen… Das alles kann toxische Wirkung entfalten. Bei mir löst der „Organismus Börse“ Gefühlsschwankungen aus, die mit „Borderlinesyndrom“ womöglich treffend beschrieben werden. Euphorie und Depression. Eine Suchtkomponente ist nicht zu leugnen.

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