Es gab in den zwei Jahren meiner persönlichen, von Extremphasen (Zinsen, Ukraine-Krieg, Tech-Crash Meta, Netflix etc., Silicon-Valley-Banken-Krise, Gaza-Konflikt) begleiteten Börsengeschichte wiederholt diese beiden Situationen:
Die tiefroten Feer-Phasen, in denen ich irgendwann bereit war, voller Überzeugung zu glauben, diesmal (ja, genau jetzt) sei in der Geschichte der Moment gekommen, ab dem die Kurse nur noch nach unten gehen (wie einst in Japan) und sich mit viel Glück womöglich erst innerhalb mehrere Jahrzehnten (im Extremfall, wenn ich tot bin) erholen.
In schreiend grünen Greed-Phasen hingegen stellte sich früher oder später die Überzeugung ein, ab jetzt würden die Kurse niemals mehr fallen und ich war entsprechend verloren, weil ich den Aufsprung verpasste. Was mich, nebenbei bemerkt, mehr als einmal in 2022 und 2023 in den Markt hinein gezogen hafte, bevor es kurz darauf nach unten ging.
Egal, ob Tiefrot oder Grasgrün, es kommt der Tag, an dem ich voller Überzeugung, also nicht nur spielerisch und theoretisch, sondern im tiefsten Inneren denke: Ab jetzt gibt es nur noch eine Richtung. Entweder im Sinne von: Ich sitze für immer auf Verlusten – oder: Die Kurse werden bis in alle Ewigkeit ohne mich steigen.
Das Gefühl der in diesem Moment unumstößlichen Endgültigkeit des jeweiligen Gedankens ist schwer zu erklären. Messbar ist es wohl am ehesten an der real und tief empfundenen totalen Kapitulation, verbunden mit übelstem Selbstvorwürfen und Schlaflosigkeit. Ich überlege in diesen Phasen voller Frust und voller Ernsthaftigkeit, ob es nicht doch besser wäre, radikal alles zu verkaufen und mit realisierten Verlusten das Parkett für immer zu verlassen. Nur um endlich Ruhe zu haben, frei zu sein, indem ich meine Unfähigkeit und mein Versagen hinter mir lasse.
Am Punkt dieser tiefen und in diesem Moment als absolut wahrgenommenen Empfindung war es bislang oft so, dass sich kurz darauf der Markt, aus welchem Grund auch immer, gedreht hat.
Drei Fragen in diesem Zusammenhang:
Ist meine empfundene Feer inmitten der realen Greed ein Kontra-Indikator dafür, dass es noch lange so weitergeht?
Soll ich eine Crash-Shopping-List erstellen?
Gesetzt den Falles der Markt rauscht ab, werde ich diesmal im Crash in der Lage sein, die Liste umzusetzen oder sitze ich wieder einmal solange vor den sinkenden Kursen bis sie wieder steigen, während ich mich nicht traue?