Faszination Börse, fast zwei Jahre, exzessiv. Und dann, am 14. September 2023, verließ mich die Motivation. Vor allem die Motivation, dieses „Private Investor Sentiment“-Tagebuch weiter zu führen. Doch nun raffe ich mich auf, um einem Jahresrückblick festzuhalten…
Als ich mit meinen Berichten aufhörte, war auf den in Podcast so gescholtenen „statistisch schlechtesten Börsenmonat“ (August) ein weiterer schlechtester Börsenmonat (September) gefolgt, bevor dann im Oktober alles so richtig massiv „in die Grütze ging“, wie Mario Lochner immer so schön zu sagen pflegt. Die Buchverluste schwollen täglich an. Mein Techlabor aka Schrott-Depot war beim Abstürzen natürlich wie immer ganz weit vorne, diesmal erstmals über 50% im Minus.
Die Stimmung war apokalyptisch, die Angst enorm. Extreme Feer. Ein Kaufsignal, wie ich schon oft gelernt hatte. Und WIEDER hatte ich in diesem Moment des flächendeckenden Kursverfalls keinen Mut, im größeren Stile einzukaufen. Obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte.
Dankbar bin ich für einige Nachkäufe, die ich in dieser Phase immerhin vorsichtig getätigt habe: Orsted, Hexagon, Porsche, FMC. Grundsätzlich aber war ich, wie jedes Mal, wenn die Börse crasht, völlig verängstigt und wie gelähmt, so dass ich die folgende Rally, die von November bis Jahresende im Dax sogar ein All-Time-High hervorbrachte, wieder einmal verpasst habe. Die wievielte verpasste Gelegenheit war das eigentlich innerhalb von zwei Jahren? Gefühlt die zwanzigste, ernsthaft geschätzt: die fünfte.
Gut auch, dass ich im Peak meine 3.500€-Nike-Position mit Verlust gegen einen 30%-Gewinn aus Neste neutralisieren konnte. Denn das Klumpenrisiko bei Nike und Adidas hatte mich schon länger genervt. Weiterhin habe ich die auf 6.000€ angeschwollene Postion Berkshire Hathaway verkauft, mit 500 Euro Gewinn(!) – und habe während der ganz großen Börsenparty mein Ur-Suppen-Depot beim S Broker ohne Verluste um 12.000€ abgeschmolzen.
Insgesamt bin ich nun, zum Jahresende nur noch mit 50.000 Euro investiert, konkret:
36.500 in Aktien (inklusive Dividenden und ein paar kleinen Gewinnen, die ich reinvestiert habe und 8.000 in ETF, 1.500 in Bitcoin, 2.000 auf einem Verrechnungskonto und die fehlenden 2.000 ergeben realisierte Verluste, die ich aufholen muss, bevor ich überhaupt mal Rendite aus meinen Aktivitäten ziehe.
Die anderen 50.000 liegen bei TradeRepublic für 4% Zinsen.
Year to Date: Ich weiß nicht, wie ich weitermachen will. Rational betrachtet hätte die Börse gerne mal eine Weile komplett aus dem Kopf, um meine Kraft in andere Anliegen und Pläne zu investieren. Andererseits ist es ja so, dass Wallstreet & Co. mich nach wie vor interessieren und faszinieren. Darüber hinaus ist da auch die Angst, durch einen Rückzug, der gar nicht wirklich von Herzen kommt, sondern einer angenommenen Vernunft folgt, womöglich genau in diesem Jahr Chancen zu verpassen, die ich mit der Erfahrung von heute besser nutzen könnte.