„Es gibt nichts, was mehr bullish ist für den Aktienmarkt als steigende Kurse. Das saugt alle anderen mit rein. Vor allem auch die, die die Rally verpasst haben. Und der Markt wird nach oben gefeuert.“
Markus Koch, Closing Bell, 17.7.23
Das höre ich nicht zum ersten Mal. Womöglich sollte ich umdenken, in den Markt einsteigen, bevor er mir vollends davon gelaufen ist. Aber ich kann nicht. Das Misstrauen, das sich in den mittlerweile zwanzig Monaten an der Börse in mir aufgebaut hat, ist unüberwindbar.
Die Frage, ob 2023 noch einen massiven Absturz von 20% oder mehr bereithält, wird momentan verneint, zwar nicht von allen „Experten“ und „Marktbeobachtern“, aber wohl mittlerweile doch von einer Mehrheit. Die Bullen haben sich in den vergangenen Wochen durchgesetzt und sich in Schwächen immer wieder behauptet. „Der Markt“ glaubt an keinen Absturz mehr. Der Markt erhebt sich über sämtliche Risiken, sämtliche Zweifel und Kontra-Indikatoren. Der Markt preist Zinssenkungen ein. Der Markt ist bullish um des Bullish-Seins und nahezu immun gegenüber schlechten Nachrichten, vor allem, was Tech betrifft.
Angeblich hat er ja immer recht, der Markt, das Superbrain. Der Markt steigt, weil er steigt. Immer mehr Anleger schließen sich dem an. So sagt es Markus, so höre ich es in anderen Podcasts, die erklären wollen, was eigentlich unerklärlich ist.
Ich könnte mitmachen, mich der Euphorie anschließen, jetzt noch einsteigen nach dem Motto „Können Märkte lügen“, hätte ich nicht eine Höllenangst, dass, der Moment, in dem ICH das tue, der Peak ist. Mal wieder! Ich werde nicht vergessen, wie ich Cloudflare irgendwann mal exakt an so einem Punkt gekauft habe, für 77 Euro, genau am Scheitelpunkt, ab dem es dann bergab ging.
Der Markt hat solange recht, bis er nicht mehr recht hat. Und dann ändern sich die Dinge, zunächst schleichend, so dass man von einem Tag auf den anderen hofft, dass es nur ein kurzer Rücksetzer ist, den es auszuhalten gilt und auf einmal in rasendem Tempo, schneller als man reagieren kann bzw. reagieren will, denn da sind die Verluste schon zu hoch.
Na klar, hätte es in den vergangenen Monaten mehrmals gute Einstiegschancen gegeben…. L’Oreal unter 400, Deere bei um die 300, Aktien, die ich zurückhaben will, nur kann ich mich nicht von der Befürchtung befreien, dass es L’Oreal in diesem Jahr nochmal für 300 oder wenigstens 350 zu haben sein könnte und ich, wenn ich jetzt kaufe, früher oder später wieder auf Verlusten hänge.
Das mehrmals erlebte zu späte Einsteigen noch einmal durchzumachen, wäre für mich schlimmer als die entgangenen Gewinne. Und die sind schon wirklich sehr schlimm. Eine gute Erkenntnis, eigentlich. Erklärt, warum ich tue, was ich tue. Mal sehen, ob mir das hilft, wenn die Kurse noch sonst wo hin steigen.