Da möchte man sich am liebsten den Strick nehmen.

Es ist schwer zu ertragen. Und doch tue ich mir das an. Denn ich will aus Fehlern lernen. Ohne Schmerzen wird das an der Börse nicht funktionieren. Und es verursacht mir derzeit sehr viele Schmerzen, wenn ich erlebe, was aus einigen Aktien geworden wäre, wenn ich sie Anfang des Jahres nicht verkauft, sondern bis dato stur gehalten hätte. Zum Erlangen der Erkenntnis habe ich mir ein Musterdepot eingerichtet, in dem ich die verkauften Aktien weiterlaufen lasse.

Am Freitag stand da im Hoch ein Plus von 2.650€. Was den Bezug zur Überschrift herstellt.

2.650 Euro reicher wäre ich am Freitag gewesen, hätte ich nichts gemacht. NICHTS. MIt dieser Strategie hätte ich ich nun anstelle eines gefüllten Verlusttopfs einen Buchgewinn zur möglichen Realisierung. Die 1.000 Euro Verlust kommen ja noch on top. Ich habe, Stand 14.7., also insgesamt 3.650 Euro in den Sand gesetzt. Schwer erträglich.

Als ich mich am Freitagabend bei einem Glas Wein gegenüber meinem Freund darüber grämte (was stets ein Fehler ist) sagte der: „Das darf man ja auch nicht machen.“ Er meint, es sei kontraproduktiv, das Ergebnis vergangener, unabänderlicher Entscheidungen weiter zu verfolgen. Fehlentscheidungen nachzuweinen bringe nichts, lieber nach vorne schauen.

Ich hingegen denke, dass der Blick zurück wichtig ist.

Zum Jahreswechsel hatte ich mir vorgenommen vorgenommen, die Strategie „Loswerden, was geht“ zu verfolgen. Weg mit Aktien, sobald sie den Kaufpreis erreicht haben oder mit überschaubarem Verlust auflösbar sind. Hauptsache raus. Ende Januar habe ich dann im S Broker Depot die Gelegenheit genutzt, mit 800€ Realverlust 15.000€ aus dem Markt zu holen. Dazu kam Mitte Februar zum „Preis“ von 200€ die Rückgewinnung von 4.000 Euro. Ich war damals heilfroh, Coinbase, Cloudflare und Digital Ocean so „billig“ losgeworden zu sein. Last but not least verkauft ich Tesla mit einem Gewinn von 500€, was ich feierte, insbesondere weil ich zwischenzeitlich mit der 5.000€ schweren Position beinahe 2.000 Euro im Minus gelegen hatte. Damals dachte ich: 10% Gewinn sind super.

Im März stand ich mit meinen Verkaufsentscheidungen gut da. Vor allem in den Wochen rund um das Bankenbeben rutschten die Werte ordentlich ab. Ich feierte mich für die Entscheidung, dass ich 25% des angelegten Kapitals ans trockene Ufer zurück befördert hatte.

Dumm ist, dass ich in den Folgewochen die Hälfte des Geldes wieder in den Markt gegeben habe, noch dümmer, dass ich mit diesen Einsätzen, von ein paar kleinen zur Abwechslung geglückten Zwischendurch-Spekualtionen (Deutsche Börse, BMW, KI- und Japan-ETF etc.) abgesehen, neues Minus produziert habe. Weniger dumm ist in ein paar Wochen oder Monaten hoffentlich, dass ich mir diesmal vorgenommen habe, NICHTS zu machen.

Wohl wissend, dass auch das falsch sein kann. Der Strick ist immer da, so oder so.

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