Am Wochenende keinen Podcast gehört! Keinen einzigen. Und auch sonst war mein Kopf frei von der Börse, meinen Depots und Self Bashing Attacken. Keine Gedanken nachts über strategische Zukäufe, falls die Kursverluste sich fortsetzen sollten sollten und so weiter. Statt dessen: Innerer Abstand. Innerer Frieden. Wieso ist das so, frage ich mich. Und die Antwort lautet: Ich weiß es nicht.
Aktuell bin ich weder frustriert (nicht einmal schlecht auf die Börse zu sprechen), noch regen mich die letzten Käufe auf, die ich ausgeführt habe, obwohl ich mir kurz zuvor Füße-Stillhalten verordnet hatte. Ich bin gelassen – und das, obwohl die Neuerwerbungen bislang allesamt bloß mein Minus vergrößern. Normalerweise würde mich das mächtig ärgern. Und gerade denke ich, was soll’s, wird schon. Halte ich eben ab jetzt die Füße still.
Rund 60.000 Euro sind angelegt. Runde Zahlen sind voll mein Ding, was auf kuriose Weise vielleicht zur Beruhigung beiträgt. Die Buchverluste belaufen sich zur Stunde auf 8.627 Euro, was rund 15% entspricht, wobei 4.500 allein auf das Tech-Labor aka Schrottdepot entfallen, auf dem sich insgesamt 10.000€ einfach mal halbiert haben. Immerhin bin ich bei Scalable (6200 Berkshire Hathaway, 1500 Bitcoin, 350 MSCI World) 2,56€ im Plus. Hammer, oder?!
Na ja, mal schauen, was die Woche so bringt. Gestartet ist Europa vormittags in Rot. Mittlerweile sorgt die vor einer Stunde eingestiegene Wall Street für bessere Laune. Bei PayPal wird es börsentäglich um 15:30 Uhr spannend. Da kracht der Kurs entweder nach unten oder nach oben, je nach Tagesform, ohne bedeutsame News. Heute ist Upside-Day, in der ersten Handelsstunde ist die Aktie 3,5% gestiegen. Da freue ich mich doch. Die Frage ist nur, wie lange…
Gute Nachrichten gab es am Wochenende für die Welt – und vielleicht auch für meine China-ETFs. Der Besuch der US-Finanzministerin Janet Yellen im Reich der Mitte verlief konstruktiv und signalisiert eine Milderung der gegenseitigen Aggressionen. „Wir glauben, dass die Welt groß genug ist, damit unsere beiden Länder gedeihen können“, sagte die Ministerin. Ich finde es bemerkenswert, dass eine Amerikanerin diese Tatsache offen ausspricht. Trump und seinen Jüngern gefällt das sicherlich genauso wenig wie ihre Mahnung, dass die USA und China beide die Pflicht hätten, die gemeinsamen Beziehungen verantwortungsvoll zu gestalten. Sie hoffe, dass ihr Land einen „belastbaren und produktiven Kommunikationskanal“ mit China aufbauen könne. Beide Nationen müssten einen Weg finden, „gemeinsam zu leben und den globalen Wohlstand zu teilen“.
Also das nenne ich überraschend besänftigende Worte. Und mir kommt der Gedanke, das es kein Zufall ist, dass es eine Frau ist, die sowas in China hinbekommt. Erleichternd ist es vor allem, weil sich die Beziehung zwischen den Weltmacht-Rivalen in den vergangenen Monaten wie ein Provokations-Ping-Pong gestaltet hatte. Ich dachte oft, besonders in Richtung Biden: Jetzt ist es mal gut. Und ein Fazit des Besuchs ist besonders erfreulich: Trotz nach wie vor vorhandener „erheblichen Meinungsverschiedenheiten“ gebe es auch Einigkeit, vor allem beim Klimaschutz. Hört, hört!!!