Gewinn als Verlust.

Klar, gräme ich mich, weil ich die Rally verpasst habe, weil ich mich nicht getraut habe in Tech-Werte zu investieren, weder in Momentum-Classics wie Cloudflare, Coinbase, Exact Sciences noch in die etablierten Unternehmen wie Apple, Meta, Microsoft, Nvidia & Co. Gar nicht zu reden von Tesla. Ich hatte Ende letzten Jahres eine 5000-Euro-Position, mit der ich im Herbst knietief im Minus steckte und die ich dann in der Erholung mit 500€ Plus verkauft habe. Schon das fühlte sich super an. Der Gewinn und die Tatsache, raus zu sein. Damals wusste ich nicht, dass ich Mitte des nächsten Jahres, also jetzt, nach einigem Auf und Ab bei 2.500€ Gewinn landen würde… Fünf mal mehr. Das ist schon wirklich sehr, sehr bitter. Wie verarbeiten andere solche Erlebnisse, frage ich mich oft. Niederlagen, die eigentlich keine sind, denn ein bisschen habe ich ja auch gewonnen, und sich trotzdem wie saudummes Scheitern anfühlen.

Im Nachhinein ist eine Bewertung der getroffenen Entscheidungen verbunden mit bösartigem Self Bashing natürlich völlig gaga. Das weiß ich ja. Denn hätten sich die einzelnen Faktoren, die zum damaligen Zeitpunkt noch in der Glaskugel stecken, anders entwickelt, hätte ich in der Vergangenheit womöglich genau richtig gehandelt. Rational ist das alles klar. Trotzdem ist da das Gefühl des Scheiterns, die Angst, es nie hinzubekommen. Nur, was ist „es“? Genau das muss ich herausfinden. Welche Art anzulegen ist meine? Wie reguliere ich die Angst, die sich aufgrund meiner Erfahrungen in der zweifellos krassen und unberechenbaren Börsenphase der letzten anderthalb Jahre aufgebaut und kontinuierlich gesteigert hat? Das sind so Fragen.

Dass ich vergangene Woche bei 96€ überlegt habe, 20 Crocs-Aktien zu kaufen, es aus Angst und Unsicherheit gelassen habe und die Papiere nun innerhalb weniger Tage um 10% gestiegen sind, macht mein Versagensgefühl nicht besser. Aber ich gebe nicht auf. Wenn das mein Fazit weiterhin bleibt, ist das vielleicht auch eine Art Gewinn?!

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