Einzelwerte sind kacke.

Etwas eleganter ausgedrückt hat es Robert Halver von der Baader Bank vor einiger Zeit im Handelsblatt Today-Podcast. Er sagte: „Einzelwerte bedeuten Kontrollverlust.“ Wie wahr!

Es fucked mich total ab: Weil Sartorius heute eine Gewinnwarnung rausgehauen hat, gehen zwei meiner Aktien, nämlich Merck und Danahar, gleich mit den Berg runter. Sippenhaft im Health Care-Sektor. Jedesmal derselbe Scheiß. Der Kontrollverlust hat viele Gesichter. Beide Unternehmen rund 5% runter. Wegen Satorius. Gerechtfertigt oder nicht ist der Kack-Börse egal. Johnson & Johnson ist nicht ganz so schlimm betroffen, kann ja noch kommen.

Das Verlustrisiko bei Einzelwerten kenne ich bestens. Auf der anderen Seite habe ich auch schon von einzelnen Werten profitiert. Es hat sich ingesamt aber eher nicht ausgezahlt, meist nur gegenseitig ausgeglichen. Was stets die Frage aufwirft: Wozu eigentlich Einzelwerte? Nur, weil es mir Spaß macht? Nur, weil ich es sterbenslangweilig finde, ausschließlich in ETFs zu investieren?

Apropos langweilig: Deutschland und Europa sind an diesem Tag vorwiegend hellrot unterwegs und von der Wall Street sind keine Impulse zu erwarten, denn in den USA ist Feiertag und die Börse geschlossen.

Es ist wieder einer von den Tagen, an denen mir der ganze Scheiß auf die Nerven geht. Das ganze oberschlaue Gerede in den Podcasts, wo wir stehen, was als nächstes ansteht, wohin die Reise gehen könnte. Die einen sagen rauf, die anderen sagen runter. Alle Argumente haben ein Fundament, keine Sau weiß was kommt. Allmählich kann ich die Disclaimer kaum noch ertragen, das Geschwafel, es handele sich „nicht um Anlageempfehlungen“, während diese zuweilen doch ganz klar formuliert werden. Mario Lochner beispielsweise mit seinen toxischen „Empfehlungen“, aber auch in einem möchte-gern-seriös daherkommenden Podcast wie „Alles auf Aktien“ von der Welt. „Wir packen euch die WKNs von X und Y in die Show Notes“, heißt es da jedes Mal. Was bitte stellt das dar, außer einer Empfehlung?!

Was soll’s. Ich habe mir mein Spielzeug vergangene Woche weggenommen, bin jetzt – ausgenommen der 30.000€ auf dem Trade Republic-Verrechnungskonto – komplett investiert, sprich mit rund 70.000€. Viel zu hoch schon wieder, eigentlich. Und trotzdem denke ich unentwegt über weitere Kaufchancen nach. Crazy. Andere suchten Serien, ich Kurse.

Am Wochenende habe ich über PayPal, einen späten Adobe-Einstieg, Rebuys von Fanuc und BMW sowie über einen Einstieg bei Wasser-ETFs nachgedacht und recherchiert. Aber ich hadere. Bei Adobe ist es wahrscheinlich bei rund 450 zu spät und dass ich bei 310 Euro nicht rein bin, kann ich nicht wieder gut machen. Außerdem möchte ich lieber gar nicht erst anfangen, die Trade Republic-Kohle auch noch in Richtung Markt zu schieben. Das Geld, also known as „Dry Powder“ liegt da gut und verlustfrei bei 2% Zinsen.

Manchmal überlege ich, ob ich die Berkshire-Position vielleicht doch auflöse. Kleiner Gewinn, aber 6.400€ befreit. Die könnte ich dann neu anlegen, in Wasser-ETFs beispielsweise, aber bringt’s das? Ach, ich weiß nicht. Und deshalb halte ich die Füße still. Wenn ich Berkshire nicht flüssig mache und das mit der Trockenen-Pulver-Reserve bei Trade Republic ernst nehme, ist mein Geld jetzt ohnehin alle.

Ich bin genervt, vom Markt, von mir selbst, schwanke zwischen „Alles weg“ und „Einfach laufen lassen“. Für die „Alles-weg-Variante“ wäre letzten Freitagmittag der richtige Moment gewesen. Den habe ich verpasst. Angeblich kann das Momentum den Markt weiter nach oben treiben. Angeblich könnte es einen neuer Bullenmarkt sein. Angeblich wird er noch viel mehr Institutionelle in sich hinein saugen. So dröhnt es aus den meisten Podcasts derzeit. Und wer weiß, vielleicht läuft es nach dem heutigen Knick morgen tatsächlich wieder grün.

Wie auch immer. Heute ist kein Tag zu handeln. Es ist schwül, warm, ich bin hundemüde, unmotiviert. Ein Kacktag eben, mit oder ohne Einzelwerte.

Hinterlasse einen Kommentar