Schon einen Tag später zweifele ich meine Investments an. Musste das wirklich sein? 9000 Euro in 60 Minuten einfach mal so investieren. Wie realistisch ist es, dass KI weiter nach oben geht? Ist eine Korrektur nicht viel wahrscheinlicher? Und Japan. Japan ist seit Februar 10% gestiegen. Ist die Zuversicht berechtigt, dass da noch Luft nach oben ist? Ich stelle diese Fragen und bin mir sicher, sie würden eine skeptische und eine optimistische Antwort finden, je nachdem, welchen Experten man fragt. Oder von mir aus welche der seltenen Expertinnen. Nebenbei bemerkt, im Börsen-News-Porn machen Frauen einen Anteil von unter 10% aus.
Es ist gestern nicht schlecht gelaufen, mehr oder weniger stabil mit leichtem Plus und nur einem kleinen Minus bei Japan. Und doch kriecht gleich wieder die Angst in mir hoch, die Angst, falsch zu liegen, die große, fiese Versagensangst, die Angst vor neuen Verlusten. Die Angst davor, dass just, wenn ich einsteige, das Pendel umschwingt. Weil alles schon viel zu gut gelaufen ist, es so unmöglich weiter gehen kann. Blablabla. Sie quält mich, die Angst, raubt meine Zuversicht. Und wäre das nicht kontraproduktiv genug, werfe ich mir fortwährend die verpassten Gelegenheit bei Tesla und Adobe vor. Es wäre so einfach gewesen, ein paar hundert Euro „zu machen“, hätte ich nur im Moment zugegriffen, als ich darüber nachdachte. Statt dessen nun wieder neue Risiken mit neuen Invests.
Was zur Hölle ist bloß mit mir los!? Ich drehe mich im Kreis. Es wird immer schlimmer.
Die einzige Kaufentscheidung, die ich nicht gleich wieder hinterfrage, ist die Deutsche Börse.
Letzteres ist eine interessante Feststellung. Wahrscheinlich ist der einzige Weg der Besserung (wenn es den überhaupt gibt) Klarheit über meine „Gesamt-Stimmungs-vs.-Gemengelage“ zu gewinnen. (Das wäre mal ein wirklich lohnender Gewinn!!!) Woher kommen die Ängste bei den einen Entscheidungen – und woher die Entspanntheit an anderer Stelle? Je mehr ich über meine eigenen Gedankengänge herausfinde, desto eher gelingt es mir hoffentlich, einen auf meine geistige Gesundheit zugeschnittenen Umgang mit der Börse zu entwickeln. Denn lassen will ich es nicht, bloß den Junkie-Anteil loswerden.