Mai, einmal Rückfall und zurück.

May is over. Ich bin noch da. And not away. Was war ich zwischendurch stolz auf mich. Februar, März, April. Keine Panikverkäufe, wenn der Markt rot dreht. Keine Gierkäufe, wenn Chancen sich auftun. Wochenlang hatte ich die Füße stillgehalten. Kleinere Positionen in Colgate-Palmolive und Johnson & Johnson etabliert. Währenddessen Depotwechsel beantragt, um in einem Schottdepot bei smartbroker (weniger negativ, das „Techlabor“ genannt, sämtliche Fehlkäufe abzulagern, in der Hoffnung, sie mögen eines Tages, in vielen Jahren, wenigstens dazu führen, dass ich 0:0 aus der Nummer rauskomme. Momentan liege ich bei 10.000 über 50% im Minus. Kann sich jeder ausrechnen, was das in Euro bedeutet.

Nach Colgate und Johnson kaufte ich Fanuc (1000) und Xylem (1000), letztere als letzten Baustein für das Techlabor (Schrottdepot), das mit dieser letzten Position auf 10.000 Euro Gesamt(kauf)wert gedeckelt ist. Kurz darauf kam Activision Blizzard dazu, die meiner Einschätzung nach wegen einer Übernahmeunsicherheit bezüglich Microsoft übertrieben abgestraft worden waren, dazu FMC, die ebenfalls nach Quartalszahlen günstig schienen, außerdem die erste 500-Euro-Trance eines Metaverse ETF, den ich schon länger beobachte und den auch mein Sohn bespart. Alle Transaktionen würde ich der Kategorie „Vernunftkäufe“ zuordnen. Ich habe sie unaufgeregt getätigt und mich über die anschließende Schwankung – natürlich zunächst nach unten – nicht aufgeregt.

Irgendwann ging es dann wieder mit mir durch… Während die Märkte stiegen und stiegen, scannte ich täglich meine verpassten Chancen bei Cloudflare, Datadog, Exact Science, Block & Co., also den Aktien, die seit einem Jahr Berg und Tal fahren, die ich alle schon mehrfach besaß und meist froh war, sie ohne (oder mit geringem) Verlust wieder loszuwerden. Weil ich (fast) jedes Mal verpasst habe, sie im Plus zu verkaufen. Momentan gehen sie wieder durch die Decke. Ein Beispiel: Cloudflare hatte ich mich Mitte Mai bei 38 Euro nicht getraut zu kaufen, sie stehen jetzt bei rund 60 Euro. Bei Adobe griff ich bei 309 nicht zu, sie liegen inzwischen bei knapp 400 Euro. Immer wieder zum Kotzen sowas.

Während ich im Laufe des Mai die steigenden Kurse beobachtete, konnte ich nicht mehr an mich halten. Rückfall ins alte Muster: Ich kaufte und verkaufte. Dabei sein wollen, nicht dabei sein wollen. Ich etablierte im Rausch sogar das Depot bei Just Trade, über das ich seit Monaten als eine Art „Day-Trading-Place“ nachgedacht hatte. Ich kaufte Tapestry, BMW Vz. (zweimal hin und her), einen CybersecurityETF, Neste (Energie, auch alternative, aus Finnland), Tesla (zum hundertsten Mal), Pay Pal (zweimal hin und her). Ich kaufte, bekam Angst, machte einen Rückzieher. Nun stehen 70 Euro Verlust bei Just Trade, aber ich habe auch kleine Gewinne mitgenommen (leider wie so oft früher als es sich gelohnt hätte). Pay Pal läuft noch, bislang im Minus. Die ganzen Aktionen haben mich unheimlich viel Nerven gekostet. Die bekannten Ängste und Vorwürfe haben mich regelrecht gelähmt und dazu geführt, dass ich mich regelrecht krank gefühlt habe. Ich kenne das ja schon. Einzig das Self-Bashing hatte ich besser im Griff, weil ich versucht habe, mein Verhalten zu verstehen, anstatt mir nur die Fails unter die Nase zu reiben. Mein Frust ist nach wie vor hauptsächlich darauf ausgerichtet, mich für eine verpasste Gelegenheit fertig zu machen. Entgangene Gewinne machen mich fertig.

Über Pfingsten habe ich dann wieder Abstand bekommen, indem ich darüber nachgedacht habe, wie ich meine Depots noch besser sortieren kann, um sie zu „deckeln“. Beispielsweise möchte ich die 20 x Berkshire ins S Broker Depot (Buy&Hold) umziehen, um sie endlich ganz loszulassen und nicht mehr darüber nachzudenken, die Aktien eventuell doch zu verkaufen. Ein paar Nachkäufe für das Buy&Hold-Depot habe ich ebenfalls geplant: Daimler Trucks und Carl Zeiss Meditec. Außerdem die Idee Johnson dorthin zu transferieren, gemeinsam mit einer neu zu etablierenden Position Deere, die allmählich wieder günstig sind.

Während ich diese kleine Geschichte des Rückfalls in den Suchtmodus erzähle, rasten die Tech- und Chipwerte weiter aus, so wie in den vergangenen Wochen täglich. Bis auf einen moderaten Rücksetzer über ein, zwei Tage geht es hoch und höher. Nvidia an der Spitze. Ich bin nicht dabei, gucke zu, ärgere mich, zugegeben, bin aber wieder halbwegs im Reinen. Gestern habe ich die erste Trance eines CleanEnergyETF (nicht der berühmte iShares, sondern HanETF) etabliert, einfach mal so, weil der Sektor so schlecht läuft, dass er nur besser laufen kann. Ja, ja, geile Logik. Aber, hey, ich bin bald soweit, mich von gar keiner Meinung mehr leiten zu lassen, nicht mal mehr meiner eigenen. Einfach beobachten und auf gut Glück was kaufen oder weil man gerade Lust hat oder die Intuition es aufdrängt. Unabhängig von dem tagtäglichen Rauf-und Runter-Gelaber, den Vor- und Zurück-Erklärungen, den bull- oder bearischen Voraussagen. Ich habe den Eindruck: Es ist alles für die Katz. Einfach machen.

P.S. Auf gut Glück, aus Lust und weil ich wissen will, ob eine Aktie, in die ich etwas zu spät einsteige, endlich mal weiter steigt oder direkt den Bach runtergeht., habe ich Siltronic gekauft. Ich wollte das schon, als sie bei 68 stand, verpasst habe ich 15% Upside und bezahlt habe ich nun knapp unter 80. Gleich nach Kauf erstmal 1% runter. We’ll see. Cross Fingers.

Hinterlasse einen Kommentar