Positiver Wochenausklang, SAP-Quartalszahlen überzeugen, resümiert Onvista am Ende des Tages. So rosig seien die Ergebnisse gar nicht gewesen, meinte Markus in der Opening Bell. Halbwegs okay ist das neue Geil. Gefeiert wird, wenn Erwartungen halbwegs so ausfallen wie ohnehin nicht besonders hoch erwartet. SAP fünf Prozent im Plus. Eine der Aktien, die ich Ende Januar im Aufschwung verkauft habe, im Zuge des Mottos „Loswerden, was geht“, zwar mit Verlust, der aber überschaubar. Klar, im Rückblick kann ich mich nun ärgern, weil ich inzwischen sogar 10% im Plus wäre. Allerdings gab es mir zum damaligen Zeitpunkt ein gutes Gefühl, möglichst viel Geld aus dem manisch-depressiven Markt zurück ans sichere Ufer zu befördern.
Warum auch immer, die Kurse steigen und steigen. Und ich wundere und wundere mich. Ist ja nix Neues. Das Gute ist, dass ich mich nicht mehr jeden Tag darüber ärgere. Interessanter als die Börse war vergangene Woche das echte Leben. Da gab es einen Change of Mind. Genau genommen eine Rückbesinnung. Die Rückbesinnung auf eine Haltung, mit der ich möglichst den Rest meines Lebens verbringen möchte: Living from Day to Day. Leben im Jetzt. Einen Tag nach dem anderen. Ein Leben ohne langfristige Pläne, ohne Erwartungen an andere Menschen. Ein Leben im Einklang mit mir und dem, was sich ereignet. Es gibt immer wieder Phasen, in denen ich kurz davor stehe, mein glückliches Leben im Jetzt zu ruinieren, weil ich es hypothetisch für zukunftsuntauglich erkläre.
Glücklicherweise bin ich wieder raus aus der Nummer. And back to Day to Day-Mode. Für die Börse ist das auch nicht das Schlechteste. Zwar steht beim Aktienhandel stets das Morgen im Fokus und doch können sich Bewertungen von einem auf den anderen Tag ändern, durch Veränderungen der Makro-Umstände oder Entwicklungen innerhalb eines Unternehmens. Da gibt es Meldungen, die eine Aktie binnen Stunden um die Hälfte oder mehr abstürzen lassen oder Übernahmeverkündungen, die das Gegenteil bewirken. Von Black Swan Ereignissen gar nicht zu reden.
So und nun gehe ich ins Wochenende. Ohne die bekloppte Börse mit ihrer nicht enden wollenden Freundlichkeit, die mir gefährlich blauäugig und ekelig verlogen zugleich vorkommt. Wie soll ich wieder ins Handeln kommen, wenn mich mein Gegenüber aka The Market mit seinem falschen Lächeln misstrauisch macht?!