Es gibt so viele Experten, die tagtäglich zu Wort kommen und ihre ureigenen Theorien über die Wirtschaft und Börsenentwicklungen verlautbaren. Ich höre ihnen allen zu, dem Permabullen Robert Halver genauso wie dem Alltime-Crash-Propheten Dirk Müller, um nur zwei an den äußeren Rändern des Spektrums zu nennen. Jedoch stelle ich immer wieder fest, dass der beste, weil sachlichste Input nicht von Bankern und Journalisten kommt, sondern von Volkswirten. Dr. Martin Lück (Blackrock), Dr. Ulrich Kater (Deka), Dr. Andreas Beck (Fondmager), Thomas Mayer (Flossbach von Storch) und Daniel Stelter (Autor) um nur mal eine Handvoll zu nennen.
Im letzten Mission Money-Podcast war es Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel, dem ich gerne und aufmerksam zugehört habe. Er bringt die schwierige Gemengelage, die in den vergangenen achtzehn Monaten aus Inflation, Zinsanstieg, Ukraine-Krieg, Energiekrise, weltpolitischen Spannungen und Bankenbeben entstanden ist auf einen Nenner. Mumm nennt es: ZINSREGIMEWECHSEL. Seiner Einschätzung nach ist die derzeitige Situation als Ende eines vierzigjährigen Zinssenkungstrends zu definieren.
Das gesamte Interview: https://youtu.be/26BmbLhQbiA
Für mich klingt das plausibel. Keine kurzfristige Störung, die zurück zum Vorherigen führt, sondern der Beginn einer neuen Ära. In diesem Sinne halte ich die Erwartung des Superbrains (Markt) an baldige Zinssenkungen und Rückkehr zum „Normal“ zuvor für einen Irrglauben. Das Normal des wertlosen Geldes war nicht normal, sondern eine seltsame Zeitepoche. Für mich hat das Existieren von Zinsen etwas Beruhigendes. Der Einleger erhält Geld von der Bank dafür, dass sie damit arbeiten kann. Das ist normal. Die Negativzinsen hingegen waren spooky. Wenn Geld zu leihen kaum etwas kostet, es aufzubewahren aber schon, dann stimmt etwas nicht. Ich jedenfalls hab’s nicht gecheckt. Und im Herbst 2021, als ich zu dem Vermögen kam, waren es die Negativzinsen, die mich zum Dummen Geld werden ließen. Damals hieß es: Aktien seien alternativlos. Nur Blödmänner und -frauen würden ihr Geld auf dem Konto verrotten lassen und der Inflation zum Fraß vorwerfen. Na ja, okay… Wenige Wochen später änderte sich die Lage.
Und seitdem ändert sich ständig alles. An einem Tag wie heute kann ich mich einfach nur weiter wundern, wie die Aktien den Weg nach oben fortführen. Es geht zwar nur im Schneckentempo voran, doch insgesamt gen Norden.