Angst und Gier. Ich kenne beides. Es war zwar nicht die Gier, die Idee vom schnellen Geld, die mich an die Börse gebracht hat, sondern der Wunsch, Geld festzulegen, das auf lange Sicht für mich arbeiten soll. Doch hat sie mich schließlich ereilt, nachdem ich einige Wochen beobachtet habe, wie schnell man Geld verdienen kann, an einem Tag oder im Verlauf weniger Tage, wenn man den richtigen Trade macht. Andauernd sah ich in dem hochvolatilen Börsenjahr 2022 dabei zu, wie Aktien Berg- und Tal fuhren, wie sie an einem Tag manchmal 10%, manchmal sogar noch mehr nach oben schossen. Umgekehrt natürlich genauso. Aber das blendet das gierige Dummes Geld aus, wahrscheinlich mehr noch als das gierige Smarte. Ein paar Mal habe ich Glück gehabt mit den aus Gier gekauften Aktien, aber genauso viel oder noch mehr Pech. Einige der Gierpapiere liegen nach wie vor mit hohen Buchverlusten in meinen Depots.
Die Gier kann ich aufgrund schlechter Erfahrungen inzwischen recht gut regulieren. Sie ist kaum noch ausgeprägt. Die Angst hingegen ist sehr präsent. Sie ist eine Weile stark gewachsen. Phasenweise war ich von ihr regelrecht gelähmt. Ganz allmählich gelingt es mir, mich nicht vollkommen von ihr beherrschen zu lassen. Die Merck-Aktien gestern waren ein Moove gegen die Angst, so wie es Johnson und Colgate gewesen waren. All diese Aktien habe ich nach sorgfältiger Abwägung gekauft, an einem Punkt, an dem man von einem guten Einstiegspreis sprechen kann.
„Gier und Angst – Zwei mächtige Gegner für Investoren“ ist die Headline eines heute veröffentlichten Artikels auf Onvista. Darin heißt es: „Angst kann manchmal eine gute Emotion für einen Investor sein. Zum Beispiel wenn eine vordefinierte Verlustschwelle erreicht wurde und ein disziplinierter Anleger seine Position schließt, weil er befürchtet, dass er mehr von seinem Geld verlieren wird. Dies schützt in dem Falle langfristig vor finanziellem Ruin. Aber die Angst arbeitet auch gegen einen Anleger. Nach einer Serie von verlustreichen Investitionsentscheidungen kommt es oftmals vor, dass Investoren so verängstigt sind und dann die nächste gute Chance nicht wahrnehmen.“
Verängstigt. Genau. Das war ich. Bin es in gewisser Weise noch immer. Doch beginne ich nun mich zaghaft dagegen zu wehren. Ich werde wieder mutiger, ohne in Gier zu verfallen. Soeben habe ich Tomra gekauft. 65 Aktien à 15,08€. Ich beobachte den Norwegischen Recycling-Spezialisten schon lange genug, um zu wissen (zu glauben), dass dies ein guter Einstiegspreis ist. Ich möchte die Aktie haben, langfristig, im Techlabor bei smartbroker. Ich möchte Anteile von Tomra besitzen, weil ich an die Zukunft der Kreislaufwirtschaft glaube. Und genau so möchte ich mich in Zukunft an der Börse verhalten: bedacht und mit Überzeugung. Adieu Gier. Bitte hol mich nicht ein!