Völlig frei von Frust – obwohl ich nichts lieber als genau das wäre – bin ich an einem Tag wie heute dann leider doch nicht. Die Aktien – vor allem jene Momentum-Tech-Werte, die ich permanent verfolge, ballern wie blöd nach oben. Und ich bin (as always) beim grande Absahnen nicht dabei. Weil ich mich im Tief des Bankenbebens nicht getraut habe, die Dauer-Auf- und-Ab-Brenner billig einzukaufen. Obwohl ich mir das vorgenommen hatte. Tja… BYD unter 25 Euro, Agilyx bei 2,50, Adobe bei 300 oder Exact Sciences bei 52 Euro. Bei diesen Niveaus habe ich schon zigmal beobachtet, wie es wieder bergauf geht. Und doch habe ich nicht zugegriffen. Nochmal: Tja. Der Frust ist nun da, ich würde Lügen, es nicht zuzugeben, jedoch hat sich die Intensität erheblich abgemildert. Dieser neuzeitliche Frust ist weit entfernt von der tiefen Selbstdemontage, mit der ich mich noch vor wenigen Wochen fertig gemacht habe.
Seit ich feststelle, wie gut mir der Abstand tut, sind die theoretisch verlorenen Renditen ein akzeptabler Preis für mein Seelenheil und die Schonung meiner Nerven. Es bleibt mir erspart, jeden Tag unter Strom zu stehen, ob dieser Tag womöglich der beste Tag für den Verkauf ist. Es bleibt mir erspart, abzukotzen, wenn ich den Zeitpunkt verpasse. Es bleibt mir erspart, mich zu ärgern, wenn ich zu früh verkauft habe. Allein das alles ist Gold wert. Apropos Gold. Ich überlege tatsächlich, ob ich beim nächsten Abschwung ein bisschen XETRA-Gold ins Depot legen soll.
Für die kommende Woche nehme ich mir vor, die insgesamt steigenden Kurse nicht permanent zu stalken, da ich nicht ausschließen kann, mich irgendwann doch wieder für meine Enthaltsamkeit runterzuputzen. Ich will den gewonnen Abstand nicht mutwillig gefährden. Meine eigenen Positionen werde ich im Sinne von „Loswerden, was geht“ allerdings im Auge behalten.
Wichtig dabei ist, mir nicht selbst in die Tasche zu lügen. An der Börse genau wie im echten Leben. Gefühle sind Gefühle. Sich denen zu stellen. Den Frust, wenn er anklopft, nicht zu ignorieren, ihm aber keinen Platz anzubieten. Darum geht’s. Umgehen mit den Gefühlen. Vielleicht kann es mir so gelingen, eine bessere Anlegerin zu werden. Throwbacks included. Darauf ein, ja genau: Jever!