Hello Monday! Vergangenen Freitag ging es nach dem Einbruch in der Wochenmitte wieder so richtig stramm bergauf. Obwohl der Einkaufsmanager-Index für Dienstleistungen und anderen US-Wirtschaftsdaten mit Blick auf die Inflation eher gemischt ausgefallen waren und alles andere als positiven Signale gegeben haben. Na ja, man kennt das. Die Wiederholung der Wiederholung einer völligen Unberechenbarkeit, wie der Markt auf was reagiert. Angeblich hat er immer recht, der Markt. Aber stimmt das denn? Vielleicht ist das Superbrain momentan nicht so ganz auf der Höhe der Zeit. Womöglich basieren seine Mooves auf Erfahrungen aus der Vergangenheit, die nicht mehr gültig sind, ohne dass er das bislang auf dem Zettel hat. Womöglich läuft im Hintergrund ein Paradigmenwechsel, der im Markt , obwohl bekannt, eben noch nicht – wie es so schön heißt: eingepreist ist.
Die Mächte der Welt verschieben sich und der in aller Munde demographische Wandel findet bei den Beurteilungen von Zahlen, insbesondere Arbeitsmarktdaten, noch nicht ausreichend Beachtung. So kommt es mir jedenfalls vor. Könnte doch sein. Oder ist der sogenannte Maschinenhandel dafür verantwortlich, was derzeit abgeht? Dieser automatisierte, auf KI basierende Handel. Mir kommt es in den letzten Wochen so vor, als wäre er an der Börse der Hauptakteur. Womöglich basiert seine Intelligenz auf Basis von Erkenntnissen, die sich in einer immer schneller werdenden Welt überholt haben. Neben der KI könnte es auch das Dummen Geld sein, das keine Ruhe gibt, weil es das Gesamtbild nicht im Blick hat, vom Makro also kaum Ahnung, aber im Moment, da die Märkte unbreakable zu sein scheinen, getriggert ist, von der Angst, etwas zu verpassen…?! Professionelle Investoren und Fondmanager jedenfalls scheinen sich weiterhin zurückzuhalten. Flossbach von Storch ist nur noch zu 64% in Akiten, andere sogar noch weniger.
I don’t know. Ich kann mit meinen auf Halbwissen oder wohl eher Achtelwissen oder noch weniger basierenden Gedanken ja komplett schief liegen. Dennoch: Für mich bleibt das aktuelle Marktgeschehen surreal und unheimlich. Mir erscheint es stur an den Fakten vorbei zu laufen, weltpolitisch, weltwirtschaftliche und zinspolitisch mit Blindheit geschlagen.
Abwarten. Ich bleibe an der Seitenlinie, muss aushalten, dass es vielleicht falsch ist. Manchmal bekomme ich Lust, ein bisschen day zu traden, kurzfristige Wetten einzugehen. Am Freitag hatte ich über Alphabet nachgedacht… Besser aber, ich belasse es beim Nachdenken. Siehe Colgate, siehe Johnson & Johnson. Dümpeln in meinem Depot vor sich hin, leicht negativ sogar, weiterer Einbruch nicht ausgeschlossen.
Wer weiß, vielleicht ist die momentane Schaukelpartie sogar gut für mich. So lange es dauert, kann ich mich auf meine Überlegungen konzentrieren, worin ich bei einem Absturz (der den Namen verdient hat) investiere. Und weiterhin darauf, wie ich überhaupt anlegen will. Die Langfrist-Strategie passt wahrscheinlich besser zu mir. Da muss ich mich (hoffentlich) weniger bashen.
„Als Anleger fährt man gerade durch dichten Nebel. Da drücke ich jetzt nicht noch aufs Gas, sondern schaue erst mal, was passiert.“
Henning Gebhard, Fondmanager (Star Capital), September 2022
Das Zitat stammt aus einem Podcast, den ich am Wochenende gehört habe, ein Gespräch aus dem letzten September, aber trotz Kurserholung irgendwie immer noch gültig…https://www.capital.de/geld-versicherungen/-als-anleger-faehrt-man-gerade-durch-dichten-nebel–32746962.html
Dennoch. Es ist, wie es ist. Der Markt tritt seit Anfang des Jahres aufs Gas. Und wenn mal gebremst wurde, dann nur für den Moment. Ich habe in dieser Phase den Einstieg verpasst, wurde „auf dem falschen Fuß erwischt“, wie es heißt, und bin, was noch schlimmer ist, aus etlichen Positionen frühzeitig rausgegangen, die mittlerweile Einiges abgeworfen hätten. Exact Sciences, Siemens Energy, Novo Nordisk, Deere und so weiter. Dies verbunden mit meiner gleichbleibenden Erwartung eines wann auch immer, aber sicherlich in diesem Jahr noch einmal bevorstehenden Abschwungs, wenn nicht gar Crashs, bietet keine andere Möglichkeit, als abzuwarten. Ein Einstieg aktuell, würde in meinem Szenario bedeuten, in die Bärenfalle zu treten. Lass ich lieber. Und anstatt weiterhin täglich den ersehnten Absturz zu erwarten, werde ich versuchen, die kommenden Tage möglichst ohne Erwartung zu verbringen. Am besten abseits grün und rot blickender Zahlen. Es ist Zeitverschwendung sondergleichen, den Tag damit zu verbringen. Ich werde mich mit der Möglichkeit anfreunden müssen, daneben zu liegen.
Morgen spricht Jerome Powell vor dem US-Senat. Mal sehen, welche Wende das bringt. Es kann in beide Richtungen losgehen, so wie die ganzen letzten Wochen. Oder ins Leere laufen. Alles schon tausend Mal erlebt. Ob die Märkte schon immer so gestört waren? Oder ob ich die gestörteste Zeit ever erwischt habe?! Es macht mich mürbe, sogar mürber als mürbe.