Rote Zahlen, aber Absturz geht anders.

„Die Story, die den Aktienmarkt seit Jahresanfang mit nach oben getrieben hat, hat sich letztendlich nicht bewahrheitet.“

Markus Koch

Die Story von den Zinssenkungen noch in diesem Jahr ist gemeint. Die wird es wohl so bald nicht geben. Allmählich sickert die Erkenntnis ein. Der Markt hat gestern eine Runde gekotzt. Ich habe mich gefreut. Aber, wie es scheint, zu früh. Die Kurse ruckeln heute ohne Orientierung hin und her. Von Absturz kann keine Rede sein, aber in der Tendenz geht es immerhin ein bisschen weiter nach unten. So ruhig und gelassen war ich schon lange nicht mehr. Endlich scheint meine Erwartung einzutreten. Irgendwie ist das erleichternd. Zwar geht es weniger rasant nach unten als gestern, aber der scheinbar unendliche Aufwärtstrend hat definitiv eins aufs Maul bekommen. Ungeachtet der Tatsache, dass der Rückgang der Kurse sich in meinem eigenen Depot negativ auswirkt, bin ich erleichtert. Ein echtes Erfolgserlebnis in dieser Phase ist die Tatsache, dass ich einige der Risikopapiere losgeworden bin. Sell the Rally, hat Marko Kolanovic immer wieder geraten. And yes, I did it, I sold the Rally! Tesla, Coinbase, Cloudflare, DigitalOcean, zwar nicht am Peak und außer Tesla mit kleinem Verlust, aber insgesamt doch gut verkauft. 

Wenn es nach mir ginge, darf es mit den Kursen noch ein schönes Stück weiter bergab gehen. Leider entspannt sich die Lage an den Märkten im Laufe des Tages aber wieder. Good News und Bad News neutralisieren sich irgendwie. Zinsen, Inflation, Rezension, China, Putin, Lieferketten, BIP, Ifo, Dollarkurse, Wirtschaftsindikatoren, Konjunktur, Arbeitsmarkt, Anleihemarkt, ein riesiges Tohuwabohu ohne klare Tendenz. Markus meint, dass der Bondmarkt die Zinserhöhungen oberhalb der Aktienmarkterwartungen bereits eingepreist hat. Ein Zinsgipfel von 5,3 % sei in den aktuellen Kursen drin. 

Dennoch:
Die Euphorie hat sich erstmal gelegt.
Die Wachstumsfantasie bekommt Risse.

In diesem Sinne habe ich heute, voll defensiv, 10 x Johnson & Johnson à 149,14 Euro gekauft. Die Aktie ist in den letzten Wochen 12% gesunken, nachdem sie monatelang gestiegen war. Für mich ist es ein Versuch, ein Test. Das Risiko hält sich in Grenzen, denn langfristig mache ich mir keine Sorgen. Erstmals entscheide ich mich in einer Schwächephase für Value, und lege mir nicht schon wieder neue Risikopapiere zum vermeintlich günstigen Preis ins Depot. Neben Colgate-Palmolive nun die zweite Defensivposition. Bislang war ich von Groth-Aktien regelrecht besessen. Ich wollte das schnelle Geld. Das Risiko war mir in dem Umfang nicht bewusst. Egal ob von den Doppelgängern, vom Aktionär oder sonst wem befeuert, habe ich bei Wachstumstiteln mit einer tollen Story stets aufgehört und ganz naiv zugegriffen.

tagesschau.de

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