Kassensturz mental.

Weitere Inflationsdaten aus Amerika, die für den Aktienmarkt schlecht ausfallen, weil sie nach Zinserhöhungen regelrecht schreien. Nach einem Rutsch in den roten Bereich, der auf die Verkündung folgte, geht es wieder bergauf. Und das etwas später folgende, sehr deutliche Plädoyer der FED Cleveland-Chefin Loretta Mester für stärkere und längere Zinserhöhungen, fernab der vorherrschenden Senkungsphantasien, kann die Laune ebenfalls nicht drücken. Tja, was soll ich sagen: Ich schaue zu, wie es wieder hoch geht, natürlich auch Tesla und – na, was wohl… übe mich in GLEICHMUT. Ich überlege, Colgate zu verkaufen, nur um die 45.000 rund zu machen. Einfach nur aus Prinzip. Und um irgendwas zu tun. Wäre für einen Zwanni zu realisieren. 

Der Markt kotzt mich an. Die Warterei auf das Ende der Bärenmarkt-Rally nervt. Ich will endlich die Kehrtwende sehen, mit einem ordentlichen, gerne hysterischen Abverkauf. Denn mein Konzept für einen neuen Tiefpunkt liegt in der Schublade. Ich habe eine Shopping-Liste erstellt, die zum Einsatz kommen soll, wenn alles danieder liegt, die Stimmung am Boden ist und die Kurse tiefrot. Genau die Angst-Phase, die ich schon so oft verpasst habe, fiebere ich regelrecht entgegen. Ich möchte dann günstig Nachkäufe tätigen bei Aktien und ETFs, die ich im Depot habe, und neue ETFs zu günstigen Tarifen einkaufen (Emerging Markets, Pacific, Japan, China, Clean Water, Infrastructur, Burggraben). Mein in den vergangenen Wochen flüssig gemachtes Kapital aus Einzelaktien diversifiziert in breitgestreute Fonds investieren. Weiterhin plane ich ein paar Wiederkäufe von Aktien, die ich besessen habe, diesmal zu Discountpreisen. Last but not least will ich 10.000 investieren in Aktien, deren Niedergang und Aufstieg mit riesigen Gewinnspannen ich mehrmals beobachtet habe (Deere, Blackrock, Ferrari, ASML und wie sie alle heißen) mit einem kurz- bis mittelfristigen Anlagehorizont. 

Während ich das schreibe, frage ich mich, klingt das vernünftig oder mache ich mir was vor? Warum bin ich nicht einfach im Markt geblieben, wenn ich doch wieder einsteigen möchte. Gute Frage. Was ist eigentlich der Grund für mein Handeln, das etwas Manisches hat. Ich würde sagen, weil ich a) nachhaltig frustriert bin, wie teuer ich Ende 2021 Aktien bezahlt habe, die ich wenige Wochen später billiger hätte haben können und b) endlich (endlich!!!) auch einmal von einer kurz- bis mittelfristigen Rally so richtig profitieren will und c) die Börse, an der permanent was los ist, faszinierend ist und die Beschäftigung damit zur Sucht geworden ist. Aber sind das überhaupt kluge Argumente? Haben sie überhaupt eine Chance auf Erfolg oder bereite ich mir mit viel Aufwand nur den nächsten Frust? Vielleicht droht die Gefahr, noch einmal zu scheitern. Besonders a) scheint ein falscher Ansatz zu sein. Etwas gut zu machen, hat bislang zwar manchmal, aber oft auch nicht funktioniert. Sollte ich mein ganzes Tun vielleicht nochmal in aller Ruhe und ganz von vorne überdenken? Will ich denn überhaupt wieder in den Kapitalmarkt mein Geld überlassen. Bislang ist es zwar eine Faszination, aber keine finanzielle Bereicherung. Was, wenn Letzteres so bliebe?

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