Verdammt schlecht geschlafen habe ich. Denn nachdem sich gestern die Kurse im Tagesverlauf saftig erholten, ging es am späteren Abend wieder mächtig runter. Tesla hatte intraday ein Hoch bei 178 Euro gesehen, was rund 350 Euro Gewinn für mich bedeutet hätte, aber ich habe die Chance nicht genutzt. Stattdessen hatte ich Dollarzeichen in den Augen, von wegen nun sei doch vielleicht auch noch ein Anstieg auf 200 drin. Danach ging’s bergab. Oh Mann!
Am Morgen danach hocke ich nun da, mit einem von 350€ auf 50€ geschrumpften Plus und denke „Fuck it!“ Mit Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten, die heute anstehen, stelle ich mich innerlich darauf ein, meine Aktien an diesem Freitag abstürzen zu sehen. Ich mache Frieden mit der Voraussicht. Warum nehme ich nicht die die Fünfzig, gehe raus und sichere meine 5.000? Keine Ahnung. Es ist ein Gefühl zwischen Trotz und Lähmung. Manchmal geht gar nix.
Um 15: 30 wird die Lethargie belohnt. Die Arbeitsmarktdaten sind zwar ein Albtraum, jedenfalls für den Markt. 517.000 offene Stellen, 190.000 wurden erwartet. Zunächst dachte ich, es handele sich um einen Tippfehler. Und dann geschieht das absolut Surreale: Nach einem kurzen Einknicken explodieren die Kurse nach oben. Tesla steigt wie blöd. Diesmal nutze ich die Chance. Mit klopfendem Herzen verkaufe ich beim Kurs von 181,83 mit rund 460 Euro Gewinn. Coinbase und Digital Ocean, die ich um zusammen für mickrige 100 Euro Verlust loswerden kann, schicke ich hinterher. Alles round about 18:00. Und weil es so schön ist, fliegen die beiden Themen-ETFs bei Scalable gleich mit. All in all hole ich damit weitere 9.000 Euro aus dem Markt. Ich kann es kaum glauben! Im Verlauf des Abends treten die Kurse den Rückzug an, es geht sogar saftig nach unten. Ich bin stolz auf mich. Wie es aussieht, konnte ich von einem Short-Squeeze profitieren. Und das auch noch am Peak. Yeah. Normal ist das alles nicht. Wenn man sich die Chartbilder vom S&P (links) und vom Nasdaq anschaut, wird deutlich, dass der Markt verrückt spielt. Weg hier!

Noch am Abend erfahre ich: SohnA hat Tesla ebenfalls verkauft. Ich hatte ihm die Aktie Ende 2022 geschenkt, als sie für knapp über 100 Euro zu haben war. 80% Gewinn in einem Monat. Kein so schlechter Börsenstart für ihn. Zum Glück, ist er sich bewusst, dass dies eine Ausnahme darstellt. Von Beginn an sieht er bei mir, wie es umgekehrt laufen kann. Sein Hauptengagement konzentriert sich auf Sparpläne. Das Börsengeschehen begleitet er als interessierter Beobachter. Es macht mich glücklich, dass ich ihn fürs Geldanlegen begeistern kann. Er hat so viel Zeit, sich ein Vermögen zu schaffen. SohnB werde ich auch noch ins Boot holen. Und die Kinder meiner Freunde. Wenn meine exzessive Beschäftigung mit der Börse eines Tages rückblickend nur dafür gut war, dass ich junge Menschen in meinem Umfeld an das Thema herangeführt habe, sie zu Sparplänen ermutigen konnte, dann ist allein das ein Gewinn.