Don’t believe the pain.

Mir ist das schon häufiger so gegangen. In dem Moment, in dem sich meine Börsenstimmung einem absoluten Nullpunkt nähert und ich mir innerlich vornehme, alle Aktien per General-Depotwechsel in einen einzigen Topf zu schmeißen, den Deckel drauf zu machen und das Ganze ohne der Würde eines weiteren Blickes vor sich hin schmurgeln zu lassen, damit ich die Kontrolle über mein Leben wiederbekomme… Da passiert es: Der Markt holt mich wieder ins Boot.

Bereits vormittags stellt sich in mir primitive Zufriedenheit ein, weil die Verkäufe der letzten Woche (Merck, L’Oreal, SAP, Air Liquide) doch keine schlechte Entscheidung waren. Die Aktien sind nach einem kurzfristigen Anstieg sogar unter meine Verkaufspreise gefallen sind. Und dann, ab dem frühen Nachmittag, geht es an der Börse richtig zur Sache: die Werte aus meinem Tech-Labor erholen sich kräftig, einige explodieren regelrecht. Coinbase +16%, Cloudflare +8%, Fiverr +7%, SunPower 6%. Wow, es ist noch Leben in der Bude.

Den Vogel abgeschossen hat Tesla. Die Aktie war in den vergangenen Tagen bereits massiv gestiegen, worüber ich mich allerdings nur zurückhaltend freute, weil a) meine Wahrnehmung vom Vorwurf der schlecht getimten Verkäufe der Vorwoche überschatteten war und b) ich das Upside von Tesla für ein Strohfeuer gehalten hatte, dass mich nicht einmal in die Nähe meines Einstandspreises von 167 Euro bringen würde. And now?! Tesla ist nochmal 12% gestiegen und ich bin am Ende des Tages nur noch 1,2,3% im Minus. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, sofort zu verkaufen, falls sich eine solche Chance böte: die 5.000 Euro wieder in Cash verwandeln und tschüß Elon! Doch jetzt, nach den vom Markt extrem positiv aufgenommenen Quartalszahlen (trotz gemischter Aussichten) und der Rally, nehme ich meinen Mut zusammen und bleibe drin. Ich halte es für möglich, dass sich der Aufwind nächste Woche fortsetzen kann. Tesla lag im April 2022 bei 350 Euro, im September immerhinbei 310. Und selbst, wenn die aktuellen Kursexplosionen durch Shorteindeckungen getrieben sind, halte ich es für möglich, dass genau jetzt on top das Dumme Geld aus aller Welt auf die Rally aufspringt, schließlich ist mit Blick auf das 2022-High eine Verdopplung des Gewinns möglich. Theoretisch.

Tja, so ist das mit Vorsätzen. Tesla loswerden. Das war noch vor zwei Wochen bei einem minus von 40% mein allergrößter Wunsch. Tja. Nun habe ich Blut geleckt und hoffe auf eine Fortführung der Rally. Ich habe Tesla-Aktien schon mehrmals besessen und dann immer wieder neutral, mit kleinem Verlust oder Minigewinn verkauft, um anschließend dabei zuzusehen, wie sie wochenlang hoch laufen. Genauso ging es mir auch mit Siemens Energy, NovoNordisk, SLM Solutions, Lufthansa und wie sie alle heißen. Ein scheiß Gefühl. Du starrst auf die täglichen Zuwächse und kochst vor Wut, zu früh rausgegangen zu sein. Es sind mehrere tausend Euro, die ich auf diese Weise verloren habe. Dass ich mir damit bei anderen Titeln allerhand Verluste erspart habe, gleicht den Frust nicht aus.
Ach ja, Vorsatz zwei, den ich gebrochen habe, darf in der Tesla-Aufregung nicht untergehen, nämlich der: 2023 kein neues (oder wiedergewonnenes) Kapital mehr in Einzeltitel investieren, sondern – wenn überhaupt – in ETFs oder vielleicht auch Anleihen, falls ich diese Assetklasse mal kapiere. Statt mich an meinen Vorsatz zu halten, habe ich heute folgende Trades ausgeführt: BYD 2000€, Hyundai 1000€ und eine kleine Nachkaufposition Curevac à 300€. Dadurch beträgt mein gesamtes Invest nun 57.500 Euro. Thank God it’s Friday! Und was für einer!!

Nach Börsenschluss schreibe ich SohnA, dem ich beim Stand von 105 Euro eine Tesla-Aktie geschenkt habe, die er sich bei 50 Euro Gewinn zu verkaufen vorgenommen hatte. Ich frage ihn: Sold oder hold? Seine Antwort ist: Hold. Egal ob das Dumme Geld jung ist oder alt, mit den Vorsätzen ist es so eine Sache. Und im Internet sehe ich meine Theorie von Telsa und den Privatanlegern bestätigt.

Quelle: tagesschau.de

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