Fuck the fuckin‘ Rally.

Die Märkte weiterhin freundlich. Aber ich bin es nicht. Ich bin deprimiert, sitze seit Tagen da, mit grimmigem Gesicht, in der Erwartung, dass es abwärts geht. Endlich abwärts geht, möchte ich sagen, wenn es nicht so seltsam wäre, da auch mein Depot darunter leiden würden. Doch würde sich so mein Verstand wiederherstellen. Weil irgendwann doch mal auffallen muss, dass der geballte Optimismus, der seit Anfang des Jahres vorherrscht, eine Übertreibung ist, in Anbetracht einer Gemengelage aus vielen Unsicherheitsfaktoren. Müssten die Zeichen nicht längs auf Zinsangst stehen, die im letzten Jahr immer wieder für regelrechte Flash-Crashes gesorgt hat. Darauf warte ich. Und das täglich. Viele der Unternehmenszahlen, die momentan gemeldet werden, sind durchwachsen, aber, solange keine echte Vollkatastrophe berichtet wird, scheint es zu auszureichen, den Markt bei Laune zu halten. Der robuste Arbeitsmarkt juckt niemanden, obwohl die FED hat vor diesem Szenario freie Fahrt, die Zinsen weiter anzuheben, aber der Markt feiert trotzdem weiter. 

Wo ist sie denn geblieben, die Zinsangst, die das vergangene Jahr zu einem Albtraum permenenter Flash-Crashes gemacht hat, massive Abstürze innerhalb eines Nachmittags manchmal, die mir das Vertrauen geraubt, mich nachhaltig verängstig haben, wenn nicht ein Stück weit sogar traumatisiert… Es brauchte 2022 nur den Ansatz einer schlechten Nachricht, um einen Abwärtssog auszulösen und Chartbilder zum Einsturz zu bringen, mitsamt all ihrer Kerzen und Schulterformationen. Die Stimmung wechselte so abrupt, dass ich wie gelähmt war. Neben der Zinsangst, die ignoriert wird, frage ich mich andauernd: Was ist eigentlich mit Putin? Ist der Krieg an der Börse ausgepreist? Weil er die Kauflaune stört. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe gar nichts. Aber eines schwöre ich mir diesmal: Auch, wenn alles so sorglos und positiv bleibt, die Börse sich selbst feiert und der Bärenmarktabgesang lauter wird, werde ich nicht den Fehler begehen, bei den Techwerten, die gerade richtig abgehen, jetzt noch in die Rally einzusteigen. Diesmal nicht. Punkt. Das Risiko, dass die Zurückhaltung zum aktuellen Zeitpunkt ein Fehler sein könnte und ich jetzt einen guten Einstiegszeitpunkt verpasse, nehme ich in Kauf. Ich glaube einfach nicht an diese Party. Und ich bin ja nicht allein.

Die Entwicklung seit Jahresanfang steht unter der Überschrift: Euphorie. Mein Dynamik-Depot ist seit Herbst vergangenen Jahres für eine breite Rally an den Kapitalmärkten positioniert gewesen. Ich habe den kräftigen Aufschwung in den vergangenen Wochen genutzt und einen Teil meiner Positionen reduziert.

David Wehner, Do Investment

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